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Allgemein

8. April 2020 – Ob Srikayabrause eine gute Idee ist?

Frühmorgens aufgewacht, weil ein Kater mein Kopfkissen in Beschlag nahm, dann nochmal weggepennt bis neun. Beim Zähneputzen wurde ich von einer Töpferwespe bedrängt, die anscheinend im Bad ein Nest bauen wollte. Aber wo? Später fand ich es, und zwar direkt unter den Handtuchhaken. Anscheinend hatte ich das Handtuch genau vor ihre Baustelle gehängt.

Beim Gang zum Mülleimer prüfte ich die letzte Frucht meines Srikayabaums und – siehe da! – sie war endlich weich, darum nahm ich sie gleich mit rein.

Frühstück wie immer, allerdings mit Jajanan, traditionellen Snackies zum Kaffee.

Dann Computerzeit. Ich lektorierte den Text von gestern und versuchte dann noch einmal, meine beiden Computerprobleme zu lösen. Das E-Book-Problem scheiterte an einem Fehler des Adobeservers und das Gerätemanagerproblem konnte weder durch sfc /scannow noch durch RestoreHealth beseitigt werden. Wenn irgendwer Rat hat: Her damit! Am liebsten würde ich ja Windows komplett neu installieren, aber das verbraucht sicher ein komplettes Internetpaket.

Der Mann kaufte Gudeg zum frühen Abendbrot und brachte auch seiner Mama ein Bungkus vorbei, damit sie zu Hause bleibt. Im Gegenzug packte sie uns eine große Tüte Eier und eine riesige Banane ein.

In den letzten zwei Tagen war’s trocken hier, also ging ich noch fix die Blumen gießen. Dabei geriet mir irgendeine Ameise oder ein anderes wehrhaftes Insekt in die Latschen. Ich sah es nicht, aber es stach oder biss mich in den Fuß. Das passiert mir öfter mal und normalerweise klingt der Schmerz schnell wieder ab, aber dieser Biss/Stich/wasauchimmer tat noch Stunden später weh, trotz Cortisonsalbe. Dabei war die Stelle nur minimal geschwollen und auch kein Stachel oder so zu sehen.

Abendbrot gegessen. Dann war Manfred plötzlich weg, ich fand ihn schlafend mitten in all dem Gerödel, das sich im Laufe der Woche auf meinem Zweittisch ansammelt.

Später brach der Mann auf, um die Läden abzuklappern, die sein E-Liquid verkaufen. Ich machte den Abwasch und hatte dann die Idee, aus der Srikayafrucht Brause zu machen. Dazu pulte ich alle Kerne aus dem Fruchtfleisch, das ich mit rund 800 ml Wasser und ein bisschen Limonenschale aufkochte. Dann gab ich zwei Esslöffel Zucker, eine Prise Salz und den Saft der Limone hinzu. Dabei guckte ich übrigens Some Good News, den neuen Youtube-Kanal von John Krasinski. Der ist toll und lustig und ermutigend.

Die Brausemischung ließ ich abkühlen und setzte mich mit Strickzeug aufs Sofa, diesmal hörte ich den Women-of-Harry-Potter-Podcast. So langsam geht die zweite Socke in den Endspurt, in wenigen Runden kann ich die Spitze beginnen. Dafür muss ich die erste Socke nochmal bis zur Ferse aufribbeln und ab da neu stricken, weil es ein paar Ungleichheiten gibt. Ich selber trage nie passende Socken, aber wenn ich welche stricke (noch dazu für die Schwiegermutter) müssen sie so identisch wie möglich sein.

Als der Mann nach Hause kam, war es beinah Mitternacht, aber wir hatten beide plötzlich Appetit und verspeisten deshalb die restlichen Spaghetti von gestern und die riesige Banane (kurz in Margarine gebraten). Und dann war Schlafenszeit.

7. April 2020 – Tolinoärger führt zu Computerärger

Um sechs Uhr wachte ich das erste Mal auf (und dachte ans Messen, wuhu!), dann alle halbe Stunde, bis ich gegen acht endgültig wach, nur leider sehr schlecht gelaunt war. Meine Laune besserte sich erst angesichts der Pancakes, die der Mann zum Frühstück machte.

Vor dem Arbeiten wollte ich nur fix die E-Books, die ich gestern aus der Onleihe ausgeliehen hatte, auf dem Rechner runterladen und dann übers USB-Kabel auf den Tolino kopieren. Auch das klappte nicht und produzierte nur Fehlermeldungen und kaputte Dateien. Außerdem gingen meine USB-Anschlüsse plötzlich nicht mehr. Das Problem hatte ich schon mal, eins kann das im Gerätemanager aber leicht reparieren. Also rief ich den auf – und erhielt die frohe Botschaft, dass ich dieses Programm nur mit Administratorenrechten öffnen könne. Aber i c h bin doch Administrator! Nach vielerlei Googeln, Scans und Diagnosen weiß ich jetzt, dass im Windows-Ordner irgendwelche Systemdateien fehlen oder korrupt sind, aber hatte dann keinen Nerv mehr zu weiteren Maßnahmen. Morgen dann.

Dafür konnte ich einen Text beenden, eine Rechnung verschicken und erhielt zum ersten Mal seit fast einem Monat wieder einen Korrekturauftrag. Einen wirklich kleinen, der sich aber als so verzwickt herausstellte, dass ich ihn ebenfalls aus morgen verschob.

Als ich die Wäsche aufhing, bemerkte ich zwei Jungs, die scheinbar Zettel an die Nachbarhäuser verteilten. Vor unserem Haus blieben sie in einiger Entfernung stehen und berieten sich, in welcher Sprache sie mich wohl ansprechen sollten. Sie entschieden sich tatsächlich für Indonesisch, was mich freute, denn ich habe momentan nicht viele Gelegenheiten, Indonesisch zu sprechen. Der Zettel stellte sich als neue Corona-Regeln für die Nachbarschaft heraus. Wir dürfen ab sofort nach 21 Uhr keine Gäste mehr empfangen und auch keinen Besuch von Leuten bekommen, die von außerhalb der Daerah Istimewa Yogyakarta kommen. Gäste, die länger als 24 Stunden bleiben, müssen unter anderem ein Gesundheitszertifikat vorlegen. Außerdem sind Versammlungen von mehr als 10 Personen verboten und nach 21 Uhr haben alle leise zu sein. Was der letzte Punkt mit dem Coronavirus zu tun hat, weiß ich leider nicht.

Hier beginnt ja demnächst der Fastenmonat und damit Mudik, die Reisebewegung, bei der alle Leute nach Hause zu ihren Familien fahren, um gemeinsam Idul Fitri zu feiern. Das ist jedes Mal ein Riesending, Millionen Menschen sind unterwegs, das Fernsehen berichtet von Megastaus, alle Tickets für Flüge und Züge sind Wochen im Voraus ausverkauft. Aus Coronagründen soll diese Tradition dieses Jahr ausfallen, aber das durchzusetzen wird natürlich schwer. Die Medien bewerben bereits Mudik Online, aber ob das so angenommen wird? Jedenfalls sind die neuen Verhaltensregeln hier in der Gegend sicher ein Schritt, um dem entgegenzusteuern.

Das Lesen hatte ich noch nicht aufgegeben und probierte noch einmal vom Tolino aus, die geliehenen Bücher herunterzuladen. Es. klappte. nicht. Dabei ließ ich nichts unversucht, befolgte Anleitungen aus dem Internet, loggte mich aus und wieder ein, stellte die Uhrzeit richtig ein, löschte irgendwelche Zertifikatsdateien und setzte den Reader am Ende sogar auf Werkseinstellungen zurück. Nichts half und ich ging leicht frustriert, aber immerhin mit Hörbuch, ins Bett.

6. April 2020 – Nicht viel los

Morgens um drei schreckten wir vom lautesten Donner ever auf. Dazu regnete es weiterhin in Strömen. Es klang ein bisschen so, als sei das Küchendach zusammengebrochen (war es natürlich nicht). Wahrscheinlich hat der Blitz in die megalange Antenne der Nachbarn eingeschlagen, keine Ahnung wofür die gut ist, aber sie steht noch. Nach so einem Adrenalinschub dauerte es eine Weile, bis ich wieder in den Schlaf fand. Um sechs wachte ich das nächste Mal auf, da regnete es immer noch. Danach schlief ich noch mal bis um zehn. Ups. Deswegen fiel Morgenyoga aus, dafür regnete es nicht mehr und es gab das restliche Brot zum Frühstück. Und auch sonst war heute nicht viel los. Ich pipelte mit mittelmäßigem Erfolg am Rechner herum. Eigentlich hatte ich mich sehr aufs Arbeiten gefreut, weil das auch immer ein bisschen Me-Time ist. Aber dann hatte ich leichte Kopfschmerzen, war irgendwie müde und eher unproduktiv. Erst zum Nachmittag hin wurde es besser. Der Mann hat leider ein Talent dafür, mich zielsicher genau dann zu unterbrechen, wenn ich eben in meinen Flow gefunden habe.

Das machte er mit einer großen Portion Nasi goreng wett, dazu gab es frittierte Kartoffeln und die letzte Flasche Brause.

Abends besserte ich noch einen fertigen Text nach, guckte in meinen Onlinekurs und setzte mich dann zu Nina aufs Sofa. Mein Buch hatte ich gestern schon ausgelesen, jetzt versuchte ich, Nachschub aus der Onleihe zu besorgen. Die scheint jedoch momentan überlastet zu sein, jedenfalls lud mein Reader ewig, nur um dann zu verkünden, die Datei sei kaputt. Sehr frustrierend, ich hatte mich so gefreut, endlich „Sprache und Sein“ von Kübra Gümüsay zu lesen. Dafür hörte ich eine Folge des Podcasts „Women of Harry Potter„, nämlich die über Parvati Patil, deren Namen in sämtlichen Hörbüchern falsch ausgesprochen wird. Apropos Harry Potter: Es gibt ein Harry-Potter-Strickbuch! Ich bin ein bisschen verliebt in Hedwig <3

3. bis 5. April 2020 – Brot, Gecko, Maus und ich war draußen!

Freitag war ein guter Tag, busybusy zwar, aber er begann mit Yoga und ich saß nicht wieder bis abends am Rechner und hatte noch ein bisschen Zeit, eine weitere Maske zu nähen. Der Mann mag seine nicht und ein anderes Modell kann ich mangels Bügeleisen nicht herstellen, darum hab ich jetzt halt drei (okay, an einer fehlen noch die Schnüre) und er kann die beiden Papiermasken haben. Da hier wahrscheinlich die Maskenpflicht kommen wird (in Jakarta müssen die Dinger seit heute immer getragen werden), ist es gut, vorbereitet zu sein. Vielleicht kaufe ich auch noch fix ein Bügeleisen und leihe mir eine Nähmaschine.

Samstag wieder eine Morgenrunde Yoga gemacht. Erst nach mehrmaligem Pendeln zwischen Küche und restlichem Haus (Küche und Bad liegen quasi in einem separaten Haus, an das das Gebäude mit den restlichen Räumen angebaut wurde) entdeckte ich mitten auf dem Küchenfußboden einen toten, ziemlich angematschten Gecko. Ein Wunder, dass ich nicht draufgetreten war! Da hatte wohl Nina ihre Jagdlust ausgelebt. Ich wickelte das bedauernswerte Reptil in ein Stück Küchentuch und begrub es hinterm Haus.

Samstags hab ich frei und während der Mann an seinem Motorrad herumpipelte, wischte ich das Haus durch und tat dabei 2000 Schritte. Dann wollten wir ein bisschen spazierenfahren und Brot kaufen, aber kaum waren wir zehn Minuten unterwegs, begann es zu regnen und wir kehrten um. Ich las gemütlich auf dem Sofa (Becoming von Michelle Obama), Nina kuschelte sich an mich und protestierte, als ich irgendwann meinen eingeschlafenen Arm unter ihr hervorholen musste. Zum Abendbrot gab es roten Reis und Kidneybohnensuppe. Mit vollen Bäuchen saßen wir bewegungsunfähig herum, als es in der Küche rumpelte: Eine Maus war vom Dach gefallen und marodierte durch das auf den Abwasch wartende Geschirr. Wir sperrten die Katzen ein, öffneten die Hintertür und versuchten die Maus, die inzwischen unterm Herd Zuflucht gesucht hatte, mit Klopfen zum Verlassen des Hauses zu bewegen. Irgendwann kam sie dann raus, sauste hin und her und erklomm schließlich die Wand, um durch die Dachziegel hindurch aufs Badezimmerdach zu verschwinden. Inzwischen hatte es aufgehört zu regnen und wir holten die abgebrochene Spazierfahrt nach. Natürlich mit Maske, die sich als erstaunlich bequem und stabil unterm Helm erwies.

Für einen Samstagabend waren die Straßen geradezu gespenstisch leer, es wirkte wie Mitternacht statt halb acht. Dennoch saßen in den geöffneten Restaurants und Straßenständen Menschen. Außerdem entdeckte ich viele mobile Handwaschstationen, Desinfektionskammern vor einer der größeren Moscheen und eine automatische Desinfektionsanlage, die alle Durchfahrenden besprüht. Mir tun die Lieferfahrer leid, die wahrscheinlich täglich dauernd desinfiziert werden, so gesund ist das sicher nicht.

Vor allem die Touristenstraße, in der die beste Bäckerei der Stadt zu finden ist, wirkte wie ausgestorben. Aber der Bäckerladen hatte offen, ein Schild wies die Kundschaft an, bei mehr als zwei Leuten im Geschäft draußen zu warten. Wir waren die einzigen und konnten gleich reingehen, um Brot, Focaccia und Apfeltaschen zu erwerben. Es gibt dort auch Sauerteigbrot, aber für eine zünftige Brotzeit fehlen mir die Aufstriche und Beläge. Wir hatten lediglich Margarine, falschen Käse und ein Gläschen Orangenmarmelade zu Hause.

Am Sonntag regnete es schon beim Frühstück, mein Plan vom Gartentag war dahin. So las ich stundenlang auf dem Sofa, während der Mann neben mir an seinen Lautsprechern bastelte und Nina eng an mich gekuschelt schlief. Zum Abendessen machten wir Nasi goreng mit rotem Reis, das war gut, aber die Gewürzmischung etwas zu scharf und auch zu salzig für meinen Geschmack. Ich googelte ein bisschen nach Gemüselieferdiensten und übte in Gedanken die Wegbeschreibung zu unserem Haus auf indonesisch. Denn auf Google Maps ist unsere Straße nicht mal eingezeichnet, wodurch es bei Bestellungen und Erstbesuchen regelmäßig zu Verwirrung kommt.

Ach genau, heute hatten wir auch noch eine Schlange im Haus. Keine Sorge, es war eine Blindschleiche, die sogenannte Blumentopfschlange. Sie sieht aus wie ein großer Regenwurm, bewegt sich aber wie eine Schlange. Ich trug sie auf meinem Kehrblech ins Freie, dort versteckte sie sich gleich unter einem Blatt.

Abends guckten wir den dritten Harry-Potter-Film, dazu gab es Brause und für mich Schokolade. Draußen rauschte der Regen und sollte damit auch so schnell noch nicht aufhören.

2. April 2020 – Meine Brause ist eigentlich Limo

Nach wirren Träumen aufgewacht, in denen ich mit dem Mann in Ahornberg im Biergarten war und komischen Salat aß. Sehr merkwürdig. Aufstehen, Bad, Katzen füttern. Noch vor dem Frühstückmachen die aktuelle Brause* abgefüllt. Das ist eine Tätigkeit, die ich sehr gerne mag. Diesmal inokulierte ich den Sud erst mit drei Schnapsgläsern voll Ginger Bug, eins pro Liter und goß ihn dann durch ein Sieb, um Zitronenschalen und -kerne sowie Ingwerstückchen herauszufiltern, erst in einen Messbecher und dann in die sauberen Flaschen. Deckel drauf, fertig. Ach ja, den Ginger Bug noch füttern, damit er weiterhin so schön sprudelig bleibt. Ich bin ja sehr erstaunt, wie lange der sich schon hält. Scheinbar reicht es, wenn ich ihn nach jeder Entnahme mit frischem Wasser auffülle und je einen Löffel Zucker und gehackten Ingwer zugebe. Das Glas kommt dann lose verschlossen wieder in den Kühlschrank, bis ich es etwa 24 Stunden vor der nächsten Brauseproduktion wieder raushole.

Frühstück mit etwas anderen Haferflocken als sonst, dann setzte ich mich an den Schreibtisch. Allerdings meinte Nina, es sei jetzt erstmal Kuschelzeit, darum tippte ich den gestrigen Blogeintrag mit einer Hand, mit der anderen musste ich das Tier von der Tastatur fernhalten.

Workworkwork, diesmal mit schlafendem Manfred neben mir.

Zum Abendbrot kochte der Mann roten Reis und Omelett mit Tofu. Nomnomnom. Hinterher noch ein bisschen was wegarbeiten, dann lungerten wir auf dem Sofa rum. Als ich meiner Abendroutine folgend das Haus fegte, fand ich in meinem Zimmer erneut eine Gottesanbeterin, diesmal eine grüne (die gestern war gelb, wohl eine andere Sorte). Ich tupperte sie zur späteren Freilassung ein und zwar in eine große durchsichtige Dose. Das Insekt war darin ziemlich aktiv und seine Raschelgeräusche lockten Nina an, die sich vor der Dose niederließ und die Gottesanbeterin anstarrte wie sonst ihre Eichhörnchenvideos. Damit hörte sie auch nicht auf, als der Mann in der Küche den 8-kg-Beutel Katzenfutter in große Schraubdosen umzufüllen begann. Er entließ die Gottesanbeterin dann später nach draußen und Nina hat jetzt wahrscheinlich jeden Respekt vor den Krabblern verloren.

Dann Dusche, Hausaufgaben, Bett.


*Eine Wikipediasuche brachte zutage, dass Brause ein Getränk mit Aromastoffen und noch so allerlei ist, während Limonade nur natürliche Zutaten enthalten darf. Zwar gehört mein Getränk zur letzteren Kategorie, aber ich mag das Wort Brause so viel lieber, darum nenne ich es einfach weiter so. Ätsch, deutsches Lebensmittelbuch!