7. Januar 2021 – Kleine Ausfahrt

Von Manfred auf dem Bauch aufgewacht und kurz in Twitter reingeguckt. Sprachlos die Bilder von das Capitol stürmenden Faschist*innen gesehen. Uff. Gleich daran gedacht, dass in Deutschland vor gar nicht so langer Zeit Nazis und Reichsbürger*innen versuchten, ins Reichstragsgebäude reinzukommen, und auch bei uns Nazis im Bundestag sitzen, die genau das wollen, was in den USA passiert ist. Passt auf euch auf, vor allem auf eure marginalisierten Freund*innen, und seid antifaschistisch, nicht nur in Worten, sondern auch in Taten. Und fangt bei euch selbst an, wir Weißen sind alle rassistisch sozialisiert, das ist einfach ein Fakt und wir sind deshalb nicht automatisch schlechte Menschen, aber daran müssen wir alle arbeiten, ich auch. (Buchtipp: Exit Raxism von Tupoka Ogette)

Puh. Außerdem hatte ich morgens so schlimme Krämpfe, dass ich noch vor dem Frühstück eine Schmerztablette nahm und dann in Embryohaltung verharrte, bis ich mich einigermaßen bewegen konnte. Hasse das sehr. Frühstück war Oatmeal mit dem letzten Zimt drin, Bananen, Spiegelei. Schnell noch die täglichen Portionen Katzenfutter abgewogen, das mach ich seit kurzem, weil Nina doch ganz schön rund geworden ist, sie bedient sich gern großzügig an Manfreds Napf, wenn der was übrig lässt. Damit ist jetzt Schluss.

Nach dem Essen Lohnarbeit, einen Auftrag abgeschlossen, gleich einen neuen gekriegt, plötzlich wieder viel Motivation verspürt, das war schön. Und mit Schreibtischkater arbeitet es sich einfach leichter.

Abendbrot (roter Reis, Cap Cay, Tempe und Aubergine), danach hatte der Regen aufgehört und ich begleitete den Mann zu zwei Vapeshops, die sein Liquid verkaufen, um Geld abzuholen und neue Fläschchen abzugeben. Auf den Straßen war es ganz schön voll, obwohl gestern sowohl in der Stadt als auch im Land die höchste Anzahl neuer Infektionen gezählt wurde – pünktlich zwei Wochen nach Weihnachten, na so eine Überraschung aber auch. Ab nächster Woche wird es hier etwas strengere Beschränkungen geben (Schulen bleiben geschlossen, Malls haben nur bis 19 Uhr auf, Leute sollen von zu Hause arbeiten), mal sehen, ob das was bringen wird. Ich fühle mich so resigniert irgendwie, kann nicht einfach mal alles gut sein?

6. Januar 2021 – Uterus sagt nein

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Tja, das hätte ein produktiver Tag sein können. Ich wachte mit einem Kater auf dem Bauch auf, das ist immer sehr nett. Wir machten Frühstück und aßen es auf, dazu gabs eine neue Folge von Binging with Babish. Bis dahin war alles super, aber nur kurz nachdem ich mich am Schreibtisch niedergelassen hatte, bekam ich Kopfschmerzen und Unterleibskrämpfe, danke für nichts, Uterus. Die Schmerztablette half nur so mittel, also schaffte ich längst nicht alles, was ich mir für heute vorgenommen hatte. Aber das ist auch völlig okay, mein Wert als Mensch hat nichts mit meiner Produktivität zu tun, daran muss ich mich immer wieder erinnern. Dafür schlief Manfred wieder die ganze Zeit neben mir und seufzte ab und zu im Schlaf.

Der Mann kam mit Einkäufen vom Markt nach Hause und kochte uns Abendbrot, für mich gab es auf Wunsch nochmal Nudeln mit Tomatensoße und viel Käse obendrauf. Als ich mich eine Stunde später wieder bewegen konnte, stieg ich auf den Crosstrainer. Auch zwölf Minuten sind noch nicht mal ansatzweise zu viel, ich werde wohl bald auf fünfzehn ausdehnen. Die Bewegung tat ausgesprochen gut und ich war hinterher angenehm verschwitzt. Wie gut, dass wir uns den Crosstrainer gekauft haben, ich vermisse Laufen gehen so sehr und das ist ein ziemlich guter Ersatz dafür.

Nach dem Duschen fuhren wir noch rasch zur Apotheke, weil meine Mefenaminsäure alle war, das ist das einzige Schmerzmittel, das meine Tage einigermaßen erträglich macht. Ich bin es übrigens so leid, von Ärzt*innen nicht ernstgenommen zu werden oder als einzigen Rat „Na dann nehmen Sie doch die Pille“ zu hören, und das geht vielen menstruierenden Leuten so. Es hat echt lange gedauert, dass ich mir erlaubt habe, Schmerzmittel zu nehmen und dieses „da musst du halt durch, stell dich mal nicht so an“ in meinem Kopf auszuschalten. Von daher: danke Pharmaindustrie, für diese großartige Erfindung!

5. Januar 2021 – #wmdedgt 01/21

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Wie immer am 5. fragt Frau Brüllen „Was machst du eigentlich den ganzen Tag?“ und das ist doch eine gute Gelegenheit, wieder mit dem Bloggen weiterzumachen.

Also. Davon aufgewacht, dass Manfred auf mir herumtrampelnd Futter forderte. Wieso macht er das immer so extra kuschelig und legt sich nochmal hin und so, wenn er doch eigentlich essen will? Ich verstehe das nicht. Überhaupt war er gestern seeeehr anhänglich. Nachdem ich die letzten Tage auf der Schwelle zum Kranksein war, war heute der erste Tag, an dem ich mich wieder halbwegs fit fühlte.

Zähne putzen, anziehen, Blumen hinterm Haus gießen. Da ist grad nicht so viel zu tun, die meisten Töpfe kriegen beinah jeden Tag Regen ab und die Stecklinge von Schlumbergera und Sanseviera brauchen nur alle paar Tage mal Wasser. Die Minze hab ich jetzt endgültig aufgegeben, anscheinend ist das einfach keine Tropenpflanze und ich hab nicht die Geduld, sie durch andauernde Stecklinge jung zu halten.

Frühstück wie immer, mit vielleicht einer Banane zu viel im Oatmeal. Dann Schreibtischzeit, ich versuchte mich zu konzentrieren, während der Mann herumwuselte und redete, das nervte mich ein bisschen. Als er dann endlich zum Bengkel aufbrach, war meine Konzentration erstmal futsch, das nervte dann noch mehr. Dabei habe ich gerade endlich mal einen wirklich gut geschriebenen Korrekturauftrag, wo ich mal in die Tiefe gehen und Sachen erklären kann, die bei einem schlechten Text die verfassende Person nur überfordern würden. Irgendwann gelang es mir dann aber doch, neben mir schlief der Kater und ich musste ab und zu aufpassen, dass er im Schlaf nicht vom Tisch fiel. Brauche dringend einen größeren Schreibtisch.

Der Mann kam früher als erwartet hungrig heim, wir kochten Pasta mit Fertigsoße zum Abendbrot, drüber streuselte ich viel geriebenen Käse, und zwar echten Käse, nicht dieser verarbeitete Cheddar, der wie ein Stück Seife aussieht und verdächtigerweise niemals schmilzt. Dazu schauten wir The Queen’s Gambit. Nach dem Essen dann gleich noch eine zweite Folge, weil ich noch zu satt fürs Crosstrainern war.

Dann also Sport, nach zwei Tagen Pause ging das erstaunlich gut, so gut, dass ich nach meinen üblichen zehn Minuten noch eine Weile weiterstrampelte, weil die Musik grad so gut war. Und hinterher war ich längst nicht so kaputt und verschwitzt wie bisher, ich werde ab morgen den Timer auf fünfzehn Minuten stellen. Fühlt sich gut an.

(Eben hat sich Manfred auf meine Maus gesetzt und mit seinem Hintern meinen Browser geschlossen, das ist ein ganz schlauer Fuchs.)

Nach dem Duschen noch ein halbes Stündchen zum Mann gesetzt und gestrickt, gerade mache ich aus all meinen Sockenwollresten Restesocken, aber ich habe deren Menge doch etwas überschätzt, also sind manche Streifen halt von einem noch vollen Knäuel, sieht ja hinterher keiner. Ich bin echt etwas stolz drauf, dass ich die Ferse jetzt so gut und vor allem ohne Löcher hinkriege, diesem Youtubevideo sei Dank. Plötzlich war ich dann so müde, dass ich die abendlichen Tätigkeiten auf Klimaanlagenwasser auskippen und Bett abklopfen beschränkte, Zähne putzen ging und mich dann hinlegte. Manfred folgte mir ins Schlafzimmer. Während ich noch meinen Sarong anzog, forderte er vehement Kuschelzeit ein und benutzt dafür das gleiche Miauen, das sonst für Dosenfutter reserviert ist. Er rollte sich dann gleich auf meinen Beinen zusammen. Ich versuchte noch zu lesen (Die Symmetrie der Schneeflocken von Karlabyrinth, es ist sehr gut), aber war schon zu müde und schlief dann zu einem Hörbuch ein.

8. Dezember 2020 – Fleißig

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Gestern hatte ich mir vorgenommen, einen Wecker zu stellen, um meinen Tagesablauf besser zu strukturieren. Die Klimaanlage macht nämlich, dass ich morgens nicht aufstehen will, weils im Bett so gemütlich ist. Und das ist in den letzten Wochen ein bisschen außer Kontrolle geraten. Und dann wachte ich sogar eine halbe Stunde vor dem Wecker auf.

Abwaschen (leider, aber mit Lieblingspodcast), Frühstück machen, Frühstück essen. Zwei Scheiben Brot waren noch üblich, dazu gabs die erste Folge der zweiten Staffel von Umbrelly Academy. Gute Serie.

Ich hatte einen neuen und ziemlich umfangreichen Auftrag übernommen und legte gleich nach dem Frühstück motiviert los. Zwischendurch hatte ich ein paar Hänger und musste den Bildschirm anmotzen, hielt aber mein Tagesziel von 3000 Wörtern ein und machte noch einen kleinen Text für einen anderen Kunden fertig, yay. Zur Entspannung katzenangelte ich ein bisschen und dann kam schon der Mann mit Abendessen (Fuyunghai) nach Hause.

Den Abend verbrachten wir mit The Mandalorian und mehr passierte nicht.


Heute wurde eine armenische Familie aus Magdeburg abgeschoben (Link zu Twitter, könnt ihr auch ohne Account lesen), die dort seit 26 Jahren (SECHSUNDZWANZIG!) lebt. Nach Armenien, wo bis vor wenigen Wochen noch Krieg herrschte. Im Winter. Während einer Pandemie. Und damit nicht genug, einer der Polizisten zielte mit seiner Dienstwaffe auf friedlich gegen die Abschiebung protestierende Menschen. Ich bin so wütend. Was ist mit uns passiert? Warum nehmen wir es hin, dass Familien auseinandergerissen und traumatisiert werden? Was für Menschen sind das, die derartige Entscheidungen umsetzen? Und wer trifft diese Entscheidungen und kann danach friedlich schlafen? Mir fehlen die Worte.

7. Dezember 2020 – Regenmontag

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Morgens verhagelten mit drei Dinge die Laune: der noch unerledigte Abwasch, ein kotzender Manfred und eine Schlumberga mit Wurzelfäule (beim Antippen fiel sie einfach um, ich zerteilte alle Ästchen und pflanzte sie in die Multitopfpalette, hoffentlich wurzeln wenigstens ein paar an). Ich wusch und putzte, der Mann holte derweil Eier und Bananen fürs Frühstück. Dann endlich aßen wir, neben Oatmeal und Spiegelei gab es auch selbst gebackenes und getoastetes Brot mit Cashewaufstrich. Der schmeckt übrigens wie Turrón, das mein Opa früher manchmal von seinen Kreuzfahrturlauben mitbrachte.

Mit vollem Magen und nach einer Tasse Kaffee war meine Laune wieder besser. Draußen regnete es, ich setzte mich einigermaßen motiviert an den Rechner, neben mir auf seinem Türmchen schlief Manfred. Später Wechsel an den Esstisch, dort fühle ich mich einfach wohler (und wurde von Nina beschmust). Zwischendurch motivierte ich mich mit einem Löffelchen Aufstrich. Gegen sechs machte ich Feierabend, überlegte kurz, ob ich Yoga machen sollte, entschied mich dagegen und katzenangelte mit dem um Aufmerksamkeit heischenden Manfred.

Zum Abendbrot gab es Kwetiau und Pommes, eine erstaunlich gute Kombi. Dazu schauten wir zwei Folgen der neuen Superstore-Staffel, in der die Situation eingebaut wurde: Alle tragen Masken, Kund*innen kaufen sämtliches Klopapier und so weiter. Es fühlt sich sehr komisch an.

Hier in Jogja gibt es nun auch immer mehr Neuinfektionen, die Positivrate der Tests liegt bei über 10 Prozent und Leute berichten von vollen Krankenhäusern. Gleichzeitig wurde ein Konzert mit 300 Besuchenden veranstaltet, um die Moral zu stärken, cool cool cool. Nicht.

Zahnstatus übrigens fast normal. Abends schwillt die Stelle noch ein bisschen an und ich denke dann immer, dass sich da ein Krümel festgesetzt hat. Auch passen meine Zähne wieder aufeinander und ich könnte theoretisch wieder auf beiden Seiten kauen, mach ich aber noch nicht.

4. bis 6. Dezember 2020 – Ameisen-GAU

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Ich reduzier das hier mal auf die besonderen Vorkommnisse, die mir noch im Gedächtnis sind, bin schon spät dran. Und zwar in Stichpunkten:

  • Freitag nichts besonderes
  • Samstag krasser Sturm und Regen, Manfred hatte Angst und mir war auch ein bisschen mulmig. Dach aber weiterhin dicht.
  • Auch Samstag: 5 Masken zugeschnitten, Haus gewischt (keine Hausarbeit mehr ohne Kopfhörer!)
  • Sonntag dann der Ameisenüberfall. Der Mann wollte seinen Blutzucker checken, holte das Messgerät aus dem Regal und da quollen ihm Tausende Ameisen entgegen, die es sich in ein paar Kartons im Regal gemütlich gemacht hatten. Das Putzen beschäftigte uns bis zum Nachmittag.
  • Wegen dem Ameisenmassaker traurig gewesen, manchmal ist Menschsein ziemlich scheiße.
  • Ein ganz tolles Telefonat geführt, mich gesehen gefühlt.
  • Auf dem Weg zum Internetcafé in einem kleinen Pecel lele am Straßenrand gegessen und zwei süße Katzen getroffen. Ihnen Trockenfutter kredenzt (wir haben immer welches dabei), daraufhin wich uns der eine, ein runder grau-weißer Kater, nicht mehr von der Seite, irgendwann hing er sogar am Tisch und ließ sich Tempeh-Stückchen in den Mund stecken. So ein Süßi! Und sein respektloses Verhalten zeigt, dass er keine schlimmen Erfahrungen machen musste, die meisten Straßenkatzen, die in Restaurants herumhängen, sind nicht so vertrauensvoll.
  • Als wir losfahren wollten, hüpfte er sogar aufs Moped, spielte mit dem Schlüssel und beschmuste unsere Hände, die ihn runtersetzen wollten. Ach, ich hätte so gern beide mitgenommen, die zweite Miez humpelte nämlich und war ziemlich schwanger. Aber sie sahen wohlgenährt aus, da kümmern sich wohl noch mehr Leute.
  • Kurz vor Ladenschluss noch in einen Supermarkt gehüpft, mit Haferflocken und Cashewaufstrich wieder rausgekommen.
  • Dann im Internetcafé die Festplatte beladen, ich freue mich aus Gründen, die momentan noch nicht ins Blog gehören, besonders auf die dritte Staffel Star Trek Discovery.
  • Wieder zu Hause bettfertig gemacht und dann die erste Folge The Mandalorian geguckt. Der Hype ist gerechtfertigt und überhaupt, BABY YODA!
  • Bett, Nina schlief auf meinem Kopfkissen ein, rutschte dann langsam runter. Irgendwann lagen dann ihre im Traum zuckenden Füße vor meinem Gesicht und das war das letzte, was ich vom Sonntag sah.

3. Dezember 2020 – Der verlorene Tag

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Heute war mir den ganzen Tag wie Mittwoch. Erst als ich abends eine Bestellung annahm, merkte ich, dass eigentlich schon Donnerstag war. Upsi.

Ich wachte recht früh auf, ließ den Mann noch schlafen und erledigte Papierkram für die Versicherung. Nachdem der Mann auch erwacht war, machten wir uns fertig und frühstückten heute mal auswärts im Rata Rata, das ist ein einfaches Restaurant, wo es ein Büffet mit sehr vielen Gerichten gibt. Das ist von Vorteil, weil wir so beide was finden, die meisten Essensstände sind nämlich auf ein bestimmtes Gericht spezialisiert. Ich aß Reis mit Gemüse, Tempeh, Perkedel (das ist ein Kartoffelklops) und Ei.

Wieder zu Hause bereitete der Mann seine Abfahrt vor, er hat gerade sehr mit seinem Motorrad zu tun. Ich machte Kaffee, weichte Wäsche ein und trödelte ein bisschen herum, denn der Strom war (mit Ankündigung) abgeschaltet worden und bei meinem Telefon war der Akku fast alle, da wollte ich nicht mit Arbeiten anfangen. Pünktlich gegen 1 gingen die Lampen wieder an und ich konnte fleißig sein.

Als alles fertig war, machte ich mit dem Versicherungsantrag weiter, ein Formular musste eingescannt werden und außerdem muss ich alle Rechnungen übersetzen, die sind nämlich auf Indonesisch. Das ist nicht besonders kompliziert, aber trotzdem aufwendig. Noch eine Runde Vokabeln lernen und dann machte ich Feierabend.

Abendessen war Nasi Goreng. Dann gab es noch kurz Aufruhr an Manfreds Fenster, weil draußen ein dünner roter Kater herumsprang. Der kommt öfter mal auf der Gartenmauer vorbei und sprüht von oben auf meine Pflanzen, darum steht alles Essbare hinterm Haus.

2. Dezember – Mit Jon Snow im Schwimmbad

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Um sieben war ich sehr wach, legte mich dann aber nochmal hin und erwachte zwei Stunden später müder als vorher aus einem sehr verwirrenden Traum, in dem ich mit Jon Snow im Schwimmbad gewesen war und danach meine Erdbeeren gießen musste. Die sind in Wirklichkeit inzwischen alle irgendeinem Pilz zum Opfer gefallen, schade drum.

Bisschen morgendliches Twitterscrollen während Manfred an mir herumkuschelte. Die allerbeste Nachricht des Tages: Elliot Page (ihr kennt them vielleicht aus Umbrella Academy oder Juno) hat sich als trans geoutet und seine neuen Pronomen (he/they) bekanntgegeben. Wie großartig ist es bitte, dass queere Kinder immer mehr Vorbilder haben, immer besser repräsentiert werden. Leider hat es kaum eine deutsche Nachrichtenseite geschafft, darüber zu berichten, ohne Elliot zu misgendern oder den abgelegten Namen oder das unsägliche Wort „transsexuell“ (als Eigenbezeichnung aber vollkommen okay) zu verwenden. Aber Twitter quoll über vor Liebe, das war toll. Kleiner Reminder am Rande: normalisiert es, eure Pronomen in Social-Media-Profile, bei WhatsApp oder Zoom reinzuschreiben, insbesondere wenn ihr cis seid. Trans Personen schlägt so viel Hass im Internet entgegen, weil sie meistens die einzigen sind, die ihre Pronomen angeben, und dadurch leicht erkannt werden. Also, seid solidarisch, wenn es euch möglich ist. Und falls ihr mal ein gutes Buch zu dem Thema lesen wollt, empfehle ich Ich bin Linus von Linus Giese. Ich habs kurz nach der Veröffentlichung gekauft und in einem Rutsch durchgelesen.

Frühstück mit zu viel Oatmeal und einer Folge Superstore. Dann fuhr der Mann weg und ich den Laptop hoch. Nach einer Weile zog ich vom Schreibtisch an den Esstisch um, da kann ich momentan besser arbeiten und Nina schläft neben mir – vielleicht liegt es ja daran.

Der Mann kam heim mit Abendessen (Mie goreng) und unseren neuen Regenanzügen. Meiner riecht wie ein aufblasbares Schwimmbecken und ist überraschend durchsichtig, aber das macht ja nichts. Und: Der des Mannes hat Taschen, aber meiner (als Frauenmodell vermarktet) nicht. Ich prangere das an.

Nach dem Essen spielte ich Manfred müde, während auf unserem Küchendach lautstark eine Zikade rumorte. Mein Ex-Zahn tat heute wieder mehr weh, keine Ahnung warum, also nahm ich doch wieder eine Schmerztablette. Not so Fun Fact: ich habe nachgezählt, seit 2018 hatte ich an 35 Tagen so starke Weisheitszahnprobleme, dass ich es in meiner Zyklus-App aufgeschrieben hab, an den meisten davon hab ich auch irgendein Schmerzmittel genommen. Genau darum muss ich jetzt durchhalten.

1. Dezember 2020 – Fast wieder normal

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Der Mann stand vor mir auf und ließ den Kater ins Schlafzimmer, der sich prompt miepsend auf meinem Bauch niederließ und bekuschelt werden wollte. Ich tat ihm den Gefallen und stand dann auch auf, die Ex-Zähne waren beinah nicht mehr zu bemerken. Morgenkrams, Katzenfütterung, Pflanzencheck. Das zweite Blatt der Monstera wird immer deutlicher, dafür gefällt mir meine Schlumbergera gar nicht. Sie hängt schlapp im Topf und macht lauter Luftwurzeln, das ist kein gutes Zeichen. Ich muss unbedingt nachschauen, ob die Wurzeln vielleicht faulen. Der andere Weihnachtskaktus, der vorn auf der Terrasse steht, sah nach dem Umtopfen auch erst etwas traurig ist, hat sich inzwischen aber gut erholt.

Frühstück, Kaffee, Youtube.

Der Mann fuhr weg, ich setzte mich an den Schreibtisch, war aber wegen der jeden Moment eintreffen könnenden Wasserlieferung voll im Wartemodus und nicht konzentrationsfähig. irgendwann kam das Wasser dann, ich huschte mit Geld und Maske hinaus, öffnete das Tor und stand dann etwas awkward herum, während der Lieferant die vollen Kanister auf die Terrasse schleppte.

Dann endlich war halbwegs produktives Arbeiten möglich, nebenbei snackte ich übrig gebliebenes Porridge vom Frühstück, Nina schlief neben mir und Manfred auf dem Tisch. Ein seltener harmonischer Moment zwischen den beiden. Ich machte Feierabend, als Manfred erwachte und anfing, Nina zu nerven. Wir katzenangelten, er hechtete wild durchs Bett. Ich liebe es ja besonders, wenn er auf die Angel lauert und dabei so mit dem Hintern wobbelt.

Der Mann kam mit Nasi uduk heim, wir aßen und schauten Superstore. Manfred bettelte um Tempestückchen und bekam auch welche, nach dem Essen kuschelte sich Nina zwischen uns auf die Bank, sie ist schon seit ein paar Wochen sehr anhänglich und verschmust. Ich machte dann noch den Abwasch und schon war es wieder Zeit, schlafen zu gehen.

28. bis 30. November 2020 – Wochenende und der Montag danach

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Gestern war ich zu busy zum Bloggen, darum gibts den Wochenendrückblick eben erst jetzt. Das Wichtigste zuerst: Mir gehts endlich besser, Montag war der erste Tag ohne Schmerztabletten und ich habe sogar schon zum ersten Mal unbewusst auf der linken Seite gekaut. Aber von vorn:

Samstag musste der Mann früh weg, also frühstückten wir getrennt, was heißt, dass ich mein morgendliches Spiegelei selbst briet und erfolgreich in der Pfanne wendete. (Wir machen das immer, weil die Eiqualität manchmal etwas zweifelhaft ist.) Nach dem Essen lungerte ich ein bisschen antriebslos herum und guckte Superstore, aber dann raffte ich mich auf und putzte das Bad. Podcast hörend ist das gar nicht so schlimm. Überhaupt mache ich inzwischen fast alle Hausarbeiten mit Kopfhörern, der Mann hat mir nämlich ein Paar alte Bluetoothkopfhörer vermacht, die zwar schon ein bisschen abgeranzt sind, aber genau aus diesem Grund genau richtig zum Putzen.

Als das Bad sauber war, ging ich direkt duschen und dann kam auch schon der Mann nach Hause, denn ich hatte am späten Nachmittag meinen Kontrolltermin in der Zahnklinik. Die ist im Norden und dort ballten sich gerade auch dicke dunkle Gewitterwolken zusammen. Also stopfte ich die Regensachen in meinen Rucksack, wir kamen dann aber ganz knapp vor dem richtigen Wolkenbruch an. Dann wurden endlich die ollen Fäden gezogen, alles heilt gut, weh tun ist ganz normal, und schon waren wir wieder draußen. In vier Wochen ist dann die andere Seite dran, es gruselt mich jetzt schon. Auf dem Rückweg holten wir Abendessen (Fuyung Hai und Bihun) und kamen trotz Regensachen etwas durchnässt wieder zu Hause an.

Sonntag regnete es schon seit morgens immer wieder und wir machten gar nichts, außer online neue Regenanzüge zu bestellen. Und ich schnitt noch ein paar Masken zu. In einer Regenpause fuhren wir zum Markt, kauften Gemüse und Huhn für den Mann. Mir sind die Fleischstände mit den aufgereihten toten blassen Hühnern sehr unangenehm, den Geruch mag ich überhaupt nicht, wobei die Maske schon ein bisschen hilft. Zum Abendbrot kochten wir Gemüsesuppe und frittierte Kartoffelspalten, das war sehr lecker. Hinterher fuhren wir noch eine Freundin besuchen, die sich neulich ein Bein gebrochen hat, um sie ein bisschen aufzumuntern.

Montag war dann endgültig Business as usual, ich fühlte mich fast wieder normal und schaffte es tatsächlich ohne Schmerztablette, auch wenn die Stelle abends noch etwas schmerzt. Ich hatte einen Korrekturauftrag, der meine gesamte Aufmerksamkeit forderte, und als ich damit fertig war, übernahm Manfred und wollte bespaßt werden. Abendessen waren Reste vom Sonntag, dann fuhr der Mann zu einem Freund und ich ging zeitig schlafen.