07./08. Dezember 2019 – Jahrestagspizza und Insektenflut

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Am Samstag jährte sich zum sechsten Mal jener Tag am Strand, als der Mann und ich uns gegenseitig unsere Gefühle füreinander gestanden. Das feierten wir mit der besten Pizza der Stadt im Restaurant Nanamia. Aber das war erst abends dran. Eigentlich war Samstag mein freier Tag, aber am 7. schicke ich immer meine Rechnungen raus und wollte vorher noch fix ein, zwei Kleinigkeiten erledigen. Das zog sich dann doch bis zum Nachmittag (ok, wir hatten spät gefrühstückt), also fuhr der Mann sein Motorrad im Bengkel besuchen.

Am frühen Abend wurde es immer bewölkter. Zum Glück hatten wir noch ein paar Snackies verspeist, denn gegen 18 Uhr begann der Regen – und da wollten wir eigentlich losfahren. Der Strom fiel dann auch noch aus und es war ein richtig heftiges Gewitter. Da saßen wir also, hungrig und schick angezogen und warteten. Die Katzen wussten vor lauter Angst nicht, wohin mit sich, Manfred saß irgendwann auf meinem Fuß. Nach einer guten Stunde war der Spuk vorbei, andernfalls hätten wir wohl ein GrabCar bestellt.

Samstags gehen hier die Pärchen aus und die Straßen und Restaurants sind entsprechend voll. Dank Regen war es aber nicht nur angenehm kühl, sondern auch leer. Im Nanamia waren vielleicht die Hälfte der Tische besetzt. Seit unserem letzten Besuch dort gab es eine überarbeitete Speisekarte mit etlichen neuen Gerichten. Ich bestellte Pizza mit Rucola und Parmesan, der Mann hatte Rind, Salami, Paprika und Pilze. Zum Nachtisch teilten wir uns ein Tiramisu. Das Restaurant arbeitet sehr am Plastikverzicht: Es gibt keine Strohhalme mehr (eine Zeitlang hatten sie welche aus Bioplastik) und die Glasuntersetzer sind aus Stoff. Ich habe eh immer ein kleines Beutelchen mit Edelstahl-Trinkhalmen dabei, konnte meinen Mango Lassi also stilecht wegnuckeln. Beim Tischabräumen muss ich nur aufpassen, den Strohhalm wieder einzupacken. Den kann eins übrigens einfach sauberlecken oder kurz kurz im Bad unter den Wasserhahn halten. Gesättigt und müde kamen wir wieder zu Hause an.

Da ich Samstag dann doch gearbeitet hatte, war eben Sonntag auch noch frei. Mittags regnete es schon wieder. Drei Tage Regen hintereinander, das ist jetzt wirklich die Regenzeit. Als die Wolken sich verzogen hatten, fuhren wir einkaufen und kehrten mit Kartoffeln, Tomaten und Pilzen beladen zurück, um einen Kartoffelauflauf zu kochen. Ich wusch und schnippelte, der Mann fabrizierte Bechamel- und Tomatensauce und baute den Auflauf zusammen. Ein Rest roter Reis war auch noch drin. Und es war ein wirklich phänomenales Mahl. Während wir noch aßen, kamen die ersten Laron ins Haus geflattert. Das sind geflügelte Termiten auf Hochzeitsflug. Deren Erscheinung ist ein weiterer Hinweis auf den Wechsel der Jahreszeit. Manfred liebt die Dinger sehr, er hüpfte ihnen in den ulkigsten Sprüngen hinterher und verspeiste sie alle.

Außerdem dachte ich endlich mal wieder daran, meine Pflanzen zu düngen, von denen etliche schon etwas gelb und nach Mangelernährung aussahen. Das kühle Wetter war eh ein super Zeitpunkt dafür, dann trocknen die Töpfe nicht so schnell aus. Die Bananen wachsen übrigens prächtig, sehen momentan wie kleine Maiglöckchen aus und fühlen sich auch so an. Sehr interessant.

Abends fuhren wir zur Schwiegermutti, wir hatten ihr nämlich einen separaten kleinen Auflauf gemacht. Auf dem Weg dorthin durchquerten wir eine wahre Laron-Wolke. Und es wurde noch schlimmer, als wir einen Abstecher zum Bengkel machten. Dort wimmelte es nur so vor Larons und geflügelten Ameisen mit gleicher Mission. Eine Lampe war komplett schwarz vor Insektenkörpern, überall krauchte und wuselte es. Mich juckts jetzt noch.

Wieder zu Hause angekommen, strickte ich ein bisschen (die Socken müssen in zehn Tagen fertig sein!) und ging dann zeitig schlafen.

06. Dezember 2019 – Erfrischung

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Der Tag begann mit drückender Hitze. Mittags hatten wir schon 35 °C. Die Katzen lagen ermattet in den dunkelsten und leider auch dreckigsten Winkeln. Des Mannes Vaporizer überhitzte, ich hing schwitzend vorm Rechner, ein nasses Tuch überm Kopf. Und wir warteten, warteten auf die im Wetterbericht angekündigte Abkühlung. Zunächst sah nichts nach Regen aus. Kaum Wolken am blauen Himmel, die Sonne brannte. Dann. Im Norden zog es sich langsam zu. Wurde immer dunkler. Ich applaudierte dem ersten Donner. Gegen 15 Uhr ging es dann los, erst nur zaghaft, aber dann rauschte ein Tropenregen, der seinem Namen alle Ehre machte, vom Himmel. Innerhalb kürzester Zeit sank die Temperatur auf 30 °C, wir atmeten auf. Den Rest des Tages regnete es immer wieder, ich hatte kalte Füße, die Katzen waren glücklich. Das war echt das Ereignis, so darf es jetzt bitte gerne weitergehen, dankesehr. Egal, ob ich in zwei Wochen meckere, weil es dauernd regnet oder mir wieder mal mein Pass verschimmelt ist oder es in der Küche tröpfelt oder das Unkraut im Garten exxplodiert, das ist nun mal der Preis. Das gehört dazu.

05. Dezember 2019 #WMDEDGT

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Es ist der Fünfte und damit wieder Zeit zum Tagebuchbloggen. Was es damit auf sich hat und was andere Leute heute so erlebt haben, kann bei Frau Brüllen nachgelesen werden. Da ich das ja eh jeden Tag mache, habe ich den heutigen Tag mal etwas anders dokumentiert.

5:40 Uhr – Erstes Mal aufgewacht, Temperatur gecheckt (aha, 36,90 °C, heute kann das Tässchen noch im Schrank bleiben (Spoiler: konnte es nicht), aufs Klo gegangen.

6:57 Uhr – Manfred weckt mich mit trampelnden Pfötchen und versucht, mich aus dem Bett zu schubsen. Das ist sehr niedlich und tut auch nicht mehr weh, seit wir ihm die Maniküre verpasst haben.

7:10 Uhr – Genug der Katermassage. Ich stehe auf, reiche Katzenfutter und gehe ins Bad.

7:20 Uhr – Meditation umringt von Katzen. Als ich die Augen nach einer Viertelstunde wieder öffne, sind die Flauschis verschwunden.

7:40 Uhr – Ich mache den Laptop an. Erst bloggen, dann arbeiten.

8:59 Uhr – Ein Rumms aus der Küche: Die Katzen jagen eine Spinne, die schwer angeschlagen über den Boden taumelt. Ich fege sie unter der Tür durch ins Freie, vielleicht schafft sie es ja.

9:30 Uhr – Ich klappe den Rechner zu, mehr schaffe ich ohne Kaffee nicht. Der Kater tobt wild durchs Haus und jagt seinen Ball, Nina guckt ihm skeptisch zu.

9:45 Uhr – Katzenklos saubermachen, Müll rausbringen. Juhu, die Bananenpflänzchen sind noch da, Nummer Zwei hat größenmäßig ordentlich aufgeholt. Weil ich eine ungeduldige Gärtnerin bin, pule ich im Tray und entdecke einen weiteren Keimling. Schnell wieder Erde drauf.

9:55 Uhr – Frühstück machen und essen, dann ab an den Schreibtisch.

13:40 Uhr – Ein erneuter Rumms aus der Küche reisst mich aus dem Flow, in den ich nach langem Ringen mit der Müdigkeit finden konnte. Ich schaue nach. Der Grund sind zwei kämpfende Geckos, die ineinander verbissen vom Dach gefallen sind. Als ich ein Foto machen will, huschen sie zirpend davon.

2:39 Uhr – Es ist so verdammt heiß. Kein Wunder, es sind 35 °C im Haus. Die Katzen schlafen in den kühlsten Winkeln und ich google, ob es Sinn macht, ihnen die Bäuche zu scheren. Denn: nasse Handtücher als Schlafplatz und Eiswürfel zum Spielen verschmähen sie.

16:55 Uhr – Der Mann hat gekocht und alle Türen geöffnet, damit die Hitze des Herdes ihn nicht völlig umhaut. Als ich ihm bei den letzten Vorbereitungen fürs Essen helfe, sitzt der Einbrecherkater hechelnd in der Tür. Ich reiche Wasser. Manfred späht böse aus seinem Käfig hervor.

17:12 Uhr – Wir essen, als aus der Küche Geschrei ertönt. Der Einbrecherkater steht mit flaschenbürstengesträubtem Fell vor Nina, die ihn entsetzt anfaucht. Ich setze ihn an die frische Luft und mache vorsichtshalber die Küchentür zu.

18:00 Uhr – Ich gehe die Blumen gießen und mache das tägliche Bananenfoto. Das ist gar nicht so leicht, weil die Blattspitzen beinah durchsichtig sind. Verzeiht bitte die Unschärfe:

20:00 Uhr – Genug für heute. Eigentlich ist noch viel zu tun, aber ich fühle mich ausgelaugt und kaputt. So viel Egoismus muss sein. Ich mache den Abwasch und gucke dabei Youtube-Videos, dann lese ich in Harry Potter und schreibe nebenbei alle Wörter auf, die ich noch nicht kenne. Dann kann ich sie später in meine Karteikartenapp eintragen und lernen.

22:00 Uhr – Endlich ist es draußen kühl und ich lüfte das Haus durch. Dann fege ich den Fußboden, klopfe den Staub vom Bett, mache die Katzenklos sauber und gehe duschen. Das Wasser aus dem bak mandi, dem Becken mit dem frischen Wasser im Bad, ist einfach nicht kalt genug. Weil an den Wänden schon wieder Algen wachsen (das geht dank Hitze und Sonnenlicht im Bad ruckzuck), dusche ich das Becken leer, schrubbe es und fülle neues Wasser nach. Das ist immer ein Nervenkitzel so spät am Abend, weil das Wasser direkt aus dem Brunnen gepumpt wird. Abends fällt aber gerne mal der Strom aus und in dem Fall hätten wir auch kein Wasser. Doch es geht alles gut und das saubere Wasser ist herrlich kühl.

23:30 Uhr – Endlich sind meine Haare halbwegs trocken, die Katzen müde gespielt und ich gehe schlafen. Der Mann ist noch aushäusig und wird es spät heimkommen.

04. Dezember 2019 – Heiß, heißer, am heißesten

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Ein komischer Tag. Morgens nicht meditiert (warum eigentlich?) und prompt den ganzen Tag Konzentrationsprobleme gehabt. Wobei da sicher die krasse Hitze auch ihre Finger im Spiel hatte. Aber der Reihe nach:

Mit dem Wecker aufgestanden, gebloggt, versucht zu arbeiten, aufgegeben, Frühstück gemacht. Trotz exakt gleicher Zutatenmengen (550 ml Wasser , zwölf Löffel Haferflocken) kam irgendwie eine kleinere Oatmealportion als sonst heraus. Ich schobs auf die komischen Bananen, denn deren Einfluss ist unberechenbar. Außerdem hatte der Mann beim Eierbraten nicht gemerkt, dass Ameisen in der Nähe waren (an der Ölflasche, dem Pfannenwander oder wasweißich) und ich beim Frühstück erst mal jede Menge Insekten aus meinem Essen pulen musste.

Das Schreiben lief heute so gar nicht. Ich fiel in alte Prokrastinationsmuster, klickte müde durchs Internet und fühlte mich trotz Ventilator als säße ich in einem Backofen. Dazu die altbekannte negative Gedankenspirale, PMDD, hau ab, du bist noch nicht dran!

Der Mann kam heim und brachte Gudeg mit. Das ist immer sehr lecker, aber irgendwie war heute eiertechnisch nicht ein Tag. Zum Gudeg gehört ein hartgekochtes Ei und meins war leider sehr eindeutig schlecht. Zum Glück hatte ich vorher misstrauisch dran gerochen, denn das im Bungkus des Mannes hatte schon einen leicht funky Nachgeschmack.

Was schön war heute: ein kuschliger Schreibtischkater, leckere Bakpia, das erste Srikayabäumchen ist endlich aufgestanden, Nachricht von einer lieben Freundin bekommen, kühle Abendluft und beim Duschen dieses herrliche Gefühl, gleich ins Bett zu können.

03. Dezember – Umtopfung, Katzenmaniküre und Bücherkauf

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Mein erster freier Tag nach der dreitägigen Arbeitsphase. Ich erwachte gewohnt früh (vielleicht einen Ticken später als sonst), stand auf, bloggte und machte dann schon mal Frühstück. Der Mann gesellte sich bald dazu und übernahm die Eierbraterei, ich trug rasch den Müll raus. Natürlich als Vorwand, um nach meiner kleinen Banane sehen zu können. Die hatte über Nacht Gesellschaft bekommen, im Töpfchen nebenan wächst ein zweiter Sämling. Sehr schön, vielleicht wirds ja doch was mit meinem Traum von der eigenen Bananenplantage. Egal, jede Pflanze zählt, das ist mein Weg, mich angesichts der Klimakatastrohe nicht komplett ausgeliefert zu fühlen.

Dann Frühstück und Tagesplanung. Während der Mann endlich den Inhalt der neuen Küchenschränke sortierte, ging ich meine Wüstenrosen umtopfen. Jetzt wachsen sie in hübschen flachen Kästen und sehen ziemlich bonsaimäßig aus. Ich war grad so gut dabei und eh schon dreckig, also topfte ich noch einen Bleistiftstrauch und eins meiner vielen Hundert Brutblätter um, dann war das Substrat alle.

Für heute hatte ich mir einen Ausflug zum Büchermarkt gewünscht. Der gehört glaub ich mit zu dem großen Komplex um den Pasar Beringharjo und es gibt dort jede Menge neue und gebrauchte Bücher. Nach einem kleinen Anschubs schaffte ich es, mich ganz allein um die Sache nach dem gewünschten Buch zu kümmern und den Kauf zu erledigen. Leider klappt das mit dem Handeln noch nicht so gut, darum habe ich den Band Harry Potter dan Tawanan Azkaban wahrscheinlich etwas zu teuer gekauft. Die Idee dahinter war, dass ich ein Buch, das ich bereits kenne, auf indonesisch lese und dadurch meine Sprachkenntnisse verbessere. Ich hatte vor ein paar Jahren schon mal Harry Potter dan Batu Bertua als E-Book aus dem Warnet mitgenommen, aber das klappte nicht so gut. Ich lese gern auf meinem E-Book-Reader, aber in diesem Fall brauchte ich ein physisches Buch. Das ich ja jetzt habe und ich bin auch schon auf Seite fünfzehn.

Wieder zu Hause angekommen, begann die Vorbereitung des Abendessens. Der Mann frittierte Kartöffelchen, dazu gab es eine leckere Pilzsoße, Gemüse und Reis von gestern. Sehr lecker! Gut gesättigt waren wir bereit für eine lange überfällige und allen Beteiligten unbequeme Aufgabe: den Katzen die Krallen schneiden und das Pohaar frisieren. Anschließend waren wir nassgeschwitzt und klebten voller Katzenhaare, aber wenigstens können die beiden einander jetzt nicht mehr beim Kabbeln verletzen.

02. Dezember 2019 – Fleißig gewesen

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Um sechs war ich hellwach und zwang mich, aufzustehen. Nach der morgendlichen Meditationsübung saß ich direkt anderthalb Stunden am Rechner und werkelte vor mich hin. Ich hatte noch einige Fakten zu recherchieren, außerdem begann ich, meinen fertigen Text zu korrigieren. Das ist immer schwierig, weil das Gehirn den Inhalt ja schon kennt und dadurch Fehler einfach ausblendet. Um es auszutricksen, lasse ich einen Artikel vorher über Nacht oder wenigstens ein paar Stunden ruhen oder lese von unten nach oben. Trotzdem kann ich fremde Texte einfach besser editieren (immer noch keinen Job von der Seite bekommen, muss mal fragen, was da los ist).

Beim Frühstückmachen kriegte ich plötzlich grundlos schlechte Laune. Wahrscheinlich die ersten Vorboten meiner PMDS (ich bin mir ziemlich sicher, dass es das ist) und das an Hochlagentag sechs, na schönen Dank auch. Der Mann ahnte das und kaufte mir einen Schokomuffin und Roti kukus <3

Nach dem Essen zurück an den Schreibtisch und die To-Do-Liste abgearbeitet. Trotz komischer Stimmungsschwankungen konnte ich mich heute super konzentrieren und hatte schon vorm Dinner mein Tagessoll erledigt. Der Mann bat zu Tisch, es gab grünes Gemüse mit jungen Maiskolben und Pilzen, gebratenes Tempe (das er immer in Fischstäbchenform schneidet) und roten Reis. Sehr lecker!

Danach hatte ich noch eine Korrektur zu erledigen, anschließend belohnte ich mich mit einer schweißtreibenden halben Stunde Yoga und Süßkram. Und morgen hab ich frei!

Und was ist eigentlich im Garten los? | Alles wie immer. Das Banänchen wächst ganz toll, ich mache jeden Tag ein Foto und die Unterschiede sind echt enorm für so ein kleines Ding. Nebenan sprießen drei Srikayas, von denen ist aber noch keine über das Hakenstadium hinausgekommen. So nennen es Landwirt*innen, wenn vom Sämling nur eine Schlaufe über der Erde zu sehen ist. Am großen Srikayabaum entwickelt sich langsam eine Frucht, aber aus Erfahrung denke ich, dass wir die erst im Februar essen können. Und die eine Wüstenrose hat ebenfalls eine Frucht, die momentan wie eine lange Nase aussieht. Später werden es dann zwei an der Basis verwachsene Balgfrüchte, um mal Wikipedia zu zitieren.

01. Dezember 2019 – Mit links

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Mit schlimmem Nasenpickel aufgewacht. Einer von der unsichtbaren, schmerzhaften Sorte. Leider ist meine Schwefelseife alle, naja, muss es halt ohne gehen. Nach dem Zähneputzen meditiert. Immer, wenn ich das mache, kommen die Katzen an irgendeinem Punkt gucken, warum ich denn nur still auf dem Fußboden sitze und schnuppern ein bisschen an mir rum. Das ist sehr süß, aber gestern fühlten sich Ninas Barthaare wie das Krabbeln einer Ameise an.

Frühstück wie immer, ein letztes Mal mit dem guten Banyuwangikaffee. Beim Bananenschnippeln kamen noch mal gut zehn Kerne zusammen. Die weichen jetzt ein, damit ich sie bald einpflanzen kann. Dann Schreibtischtime. Schon beim Bloggen machte sich mein rechtes Handgelenk bemerkbar. Da hatte ich wohl einen kleinen Mausarm, den ich aber mit Anschaffung einer Maus und verstellbarem Schreibtischstuhl gut in den Griff bekommen hatte. Wahrscheinlich waren die letzten Tage etwas anstrengend gewesen. Ich entschied mich für radikale Schonung und stellte Maustasten für die linke Hand um. Anfangs ruckelte der Zeiger noch etwas unbeholfen über den Bildschirm, aber so langsam gehts. Und in den Arbeitspausen hampelte ich nicht herum, sondern machte Anti-Mausarm-Übungen.

Ich kam gut voran. Gegen fünf war ein großer Punkt auf der To-Do-Liste abgehakt und ich ging die Blumen gießen. Mein kleines Banänchen ist schon größer geworden und eins kann schon das Blatt erahnen, das sich demnächst entfalten wird. Ich mache jetzt täglich ein Foto davon, um die Wachstumsfortschritte festzuhalten. Weil ich eine ungeduldige Gärtnerin bin, stocherte ich noch ein bisschen in den bisher leeren Töpfen herum. Ein zweiter Bananensamen hat schon Wurzeln, doch die Rambutan-Kerne sind alle vergammelt.

Nach dem Abendessen (Magelangan mit Capcay) setzte ich mich noch mal für zwei Stündchen an den Rechner, der Mann fuhr einen Freund besuchen, der heute einen Laden eröffnet hatte. Ich machte irgendwann Feierabend und schloss gleich eine Runde Yoga an. Sehr behutsam heute, weil Muskelkater. Vor 23 Uhr ins Bett (ich werde besser!) und beinah sofort eingeschlafen.

30. November 2019 – Yoga, Kakao und ein Bananensämling

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Früh aufgestanden, meditiert, gebloggt. Frühstück gemacht. Gegessen. Dann saß ich schwitzend vorm Rechner und es ging gar nichts. Laut Wetterapp herrschten gefühlte 41 °C (eigentlich 34 °C) und auch wenn die Vorhersage immer daneben legt, die aktuellen Verhältnisse stimmen meistens. Ich kriegte einfach nichts gebacken (höhö).

Zum frühen Nachmittag fing es endlich zu regnen an. Das war ein Regen, der seinen Namen auch verdient hat. Ich platzierte Eimer unter allen mir bekannten Lecks (es sind nur drei, keine Sorge), ging auf die Terrasse und atmete Regenluft. Nach einer halben Stunde hörte es wieder auf – und dann wurde es noch heißer. Das ist dieser Effekt, den Saunabesucher*innen vom Aufguss kennen. Ich gab auf, der Mann kam eh mit Essen heim und wir speisten gemütlich bei einer Folge Pretty Little Liars.

Hinterher ging ich die Blumen gießen, die vom Regen nichts abbekkommen hatten und durfte ein neues Mitglied in meiner Pflanzenfamilie begrüßen: einen Bananensämling! Das ist für mich ein großes Ding, schließlich wusste ich bis vor ein paar Jahren nicht mal, dass Bananen Kerne haben können.

Den Abend läutete ich mit einer Runde Yoga ein, was meinem vom vielen Sitzen schmerzenden Rücken gut tat. Ich muss wirklich darauf achten, wieder jeden Tag zu üben. Nach der erfrischenden Dusche (in deren Lauf ich eine Mücke einatmete) gab es einen Feierabend-Sojamilchkakao, den ich gestern im Supermarkt entdeckt hatte. Und dann lag ich wirklich vor Mitternacht im Bett.

29. November 2019 -Zwei Geburtstage und Unterricht

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Ich erlaubte mir, etwas länger zu schlafen und erwachte gegen acht, weil es so heiß im Zimmer und ich ziemlich verschwitzt war. Trotz Ventilator. Ich stand auf und ging ins Bad für Dusche Nr. 1. Danach bloggte ich und inzwischen war auch der Mann aufgestanden, so dass wir Frühstück machen konnten.

Selbst nach dem Kaffee war ich noch etwas müde und langsam, also beschloss ich, den neuen Zeitplan mit dem Pausentag zu beginnen. Während es immer heißer wurde, räumte ich ein bisschen auf, putzte die Gästeecke und machte in meinem Arbeitszimmer ein Räucherstäbchen an, weil es dank Manfred ein bisschen wie im Zoo roch. Wusstet ihr, dass eins die Flamme an Räucherstäbchen nicht ausgeschüttelt, sondern ausgepustet werden darf? Zumindest bei denen, die ich auf Bali gekauft habe. Und weil es inzwischen so heiß und ich schon wieder verschwitzt war, nahm ich Dusche Nr. 2.

Heute wäre meine Oma einundachtzig Jahre alt geworden. Ich erinnerte mich an letztes Jahr. Da waren wir in Deutschland gewesen und hatten zusammen mit leckerer Torte, Besuch und Luftballons gefeiert. Ich freue mich, dass wir diesen besonderen Tag mit ihr verbringen konnten. Heute hat noch jemand Geburtstag, den Oma sicher sehr gemocht hätte und den sie immerhin vom Familienkalender kannte: Manfred. Der ist jetzt schon sechs, benimmt sich aber weiterhin, wie ein ungezogener Teenager.

Am frühen Nachmittag war ich mit meiner Lehrerin zum Sprachunterricht verabredet. Ich hatte während der letzten Tage kaum Indonesisch gesprochen und brauchte einen Moment, um reinzukommen. Wir beschäftigten uns mit Possesivpronomen, Ortsangaben und unterhielten uns dann einfach. Das hilft mir immer sehr, schließlich ist mein Ziel in erster Linie, flüssig sprechen zu können. Perfekte Grammatik kommt später, das geht bei Indonesisch zum Glück.

Nach dem Unterricht fuhren der Mann und ich erst beim Pecel lele essen (für mich gabs Nasi uduk mit Ei und Aubergine) und dann Einkaufen. Im Supermarkt war es unglaublich voll, so voll ist es sonst nur sonntags am Monatsanfang. Leider ist das der einzige Laden, der richtige Haferflocken zu einem guten Preis verkauft, da hatten wir leider keine andere Wahl. Und dann mussten wir an der Kasse gar nicht so lange warten. Auf dem Rückweg hielten wir noch bei einem zweiten Supermarkt, weil es im ersten keinen guten Kaffee gab. Wir hatten Glück, der Arabica-Kaffee war im Angebot und für mich gabs noch eine Flasche Sojamilchkakao fürs Frühstück.

Zuhause war es weiterhin heiß, wir machten alle Fenster auf und ließen den Ventilator den Rest erledigen, aber erst nach 23 Uhr fiel die Temperatur unter 30 °C. Ich ging zum dritten Mal duschen und dann ziemlich kaputt ins Bett.

28. November 2019 – Ein neues Wochenkonzept

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Der Wecker brummte um 7 Uhr, aber ich kam einfach nicht aus dem Bett. Ich hatte sehr unruhig geschlafen und wieder ziemlich realistisch geträumt. Aus einem Traum schreckte ich hoch, weil ich darin eine Wespe verschluckt hatte, eine eher unschönes Erwachen. Ich erlaubte mir, noch ein Stündchen weiterzuschlafen und verschob das Meditieren. Auch der Mann war heute schwerer zum Aufstehen zu bewegen, als an den Tagen zuvor. Ein Fall von Donnerstagsmüdigkeit?

Beim Frühstückmachen dachte ich darüber nach. Während der letzten drei Tage hatte ich sehr intensiv gearbeitet, bis abends noch am Rechner gesessen, aber auch viel geschafft (auch wenn ich meiner To-do-Liste weiter hinterherhänge). Kein Wunder, das heute die Luft raus war. Doch als Freiberufliche kann ich mir meine Zeit komplett selbst einteilen. Warum halte ich dann so an der Vorstellung fest, dass auf fünf Tage Arbeit zwei Tage freies Wochenende folgen müssen. Wenn ich an drei aufeinanderfolgenden Tagen Höchstleistungen bringen kann und am vierten erschöpft bin, könnte ich doch einfach einen Pausentag einlegen und dann wieder drei Tage arbeiten. Der Gedanke gefällt mir und ich denke, ich werde das mal ausprobieren.

Die Arbeit lief etwas zäh heute. Lag es an der fehlenden Meditation oder am trockenen Thema? Ich loggte nur knapp vier Stunden reine Arbeitszeit, das ist mein Tagesminimum. Während der Mann Abendessen kaufte, goß ich meine Blümelein. Alle wachsen prima, aber demnächst wird eine Düngung fällig sein.

Später beim Abwaschen guckte ich zur Unterhaltung Reisevideos auf Youtube. Diesmal die eines weißen deutschen Paares auf Weltreise. Die waren in dem Video zum ersten Mal mit Armut im Reiseland konfrontiert und irgendwas störte mich an ihrer Reaktion. Sie meinten, dass sie nun viel dankbarer für ihr Leben seien und gleichzeitig seien die Menschen ja so glücklich, obwohl sie nicht viel besitzen oder in aus deutscher Sicht einfachen Verhältnissen wohnen. Irgendwie kann ich nicht so recht in Worte fassen, was genau mich daran stört. Ich meine, woher wissen sie, dass die Einheimischen glücklich sind oder wenig besitzen, ohne mit ihnen gesprochen zu haben? Dieser Artikel schafft noch am ehesten, mein Unbehagen auszudrücken, auch wenn die Situation nicht ganz die gleiche ist. Ein Punkt wird darin erwähnt, den ich an all den Reiseblogs und -instagramaccounts ganz furchtbar finde: Das exzessive Posten von Fotos der Einheimischen, gerne auch Kindern. Und zwar gehäuft bei Reisen in ärmere Länder. Oder habt ihr schon mal in einem Reiseblog eine zufällige Gruppe weißer Kinder auf einem Foto gesehen, die den Reisenden einfach so über den Weg liefen? Ich auch nicht.

Ja, aus unserer privilegierten Position ist sichtbare Armut schwer auszuhalten. Mir geht es ja auch so. Aber eine obdachlose Person anzugucken und gleichzeitig zu denken „Ich bin dankbar für alles, was ich habe“ fühlt sich so heuchlerisch an. Weil ein „Zum Glück bin ich nicht in dieren Position“ mitschwingt. Und diese Person benutzt wird, um sich selbst besser zu fühlen. Oder? Und letztendlich ist das extreme soziale Ungleichgewicht die Schuld der Kolonialmächte und des Kapitalismus – beides Dinge, die Weiße erfunden haben und die jetzt unsere Erde zerstören.

Zum Abschluss etwas Flausch |