30. April 2020 – Einfach mal Pause machen

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Ein bisschen zu lange geschlafen, aber leider keine Zeit fürs Arbeiten vorm Frühstück. Das war eigentlich mein Plan gewesen, um den Abend freihaben zu können.

Workworkwork. Die Bachelorarbeit, die ich gerade am Wickel habe, ist gar nicht so schlimm, steckt aber voller verzwickter grammatikalischer Fragen. Vor allem die Kongruenz in Sätzen mit gereihten Subjekten bereitet mir plötzlich Schwierigkeiten und ich brauche meine gesamte Konzentration. Eine kurze Unterbrechung gabs, als unser Wasser geliefert wurde. Seit wir mehr kochen und ich dauernd Brause mache, reichen 40 Liter Trinkwasser nur wenige Tage.

Zum Abendbrot gabs Gudeg und anschließend süße Snackies. Und die letzte Brause.

Der Mann fuhr weg, um die Vapeshops zu beliefern, ich wollte eigentlich wieder arbeiten. Dann erwischte ich mich aber dabei, wie ich nur sinnlos im Internet herumklickte und machte kurzerhand den Rechner aus. Schnell abwaschen, schnell Ginger Bug füttern und dann die Nähmaschine aufstellen. Hach, was hatte ich sie vermisst. Den restlichen Abend verbrachte ich nähend und bügelnd, unterbrochen nur von gelegentlichem Fadensalat oder Katzen auf dem Nähtisch, es war die reinste Freude, ich hörte ohne Rücksicht auf mein Datenvolumen eine Podcastfolge nach der anderen und als ich aufhörte, war es plötzlich schon um elf.

Zuschnitt (okay, das war schon gestern).
Immerhin: eine fast fertige Maske.

Da ich wieder Masken schneiderte, dachte ich über diesen Artikel nach, den ich auf Instagram entdeckt hatte. Einerseits macht es mir großen Spaß, Masken zu nähen. Ich kann mit meinen Anfängerinnenfähigkeiten ein nützliches Produkt herstellen. Dabei recycle ich alte Kissenbezüge und Stoffreste, minimiere also Müll. Auch nach der Krise werde ich meine Masken bei langen Motorradfahrten tragen. Andererseits ist Nähen für mich Spaß und Entspannung, ich muss davon nicht leben. Und ich nähe nur für den Mann und mich. Ein kompliziertes Thema.

Jedenfalls ist Nähen anders als Stricken wirklich Arbeit, ich war ganz verschwitzt und lüftete erstmal das Haus ordentlich durch. Dann folgte das übliche Abendprogramm, war aber durch Müdigkeit sehr langsam und dadurch erst um 1 im Bett. Upsi.

29. April 2020 – Keine Zeit für die Nähmaschine, aber dafür war ich einkaufen

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Am Morgen durfte ich erstmal putzen, weil Manfred wahrscheinlich aus Protest gegen den dreckigen Wassernapf gesprüht hatte. My bad, aber hätte er nicht einfach aus einem der drei anderen sauberen Näpfe trinken können? Katzen.

Nach dem Frühstück brachen wir mit einer ellenlangen Einkaufsliste zum Supermarkt auf. Dort erwartete uns die übliche Prozedur aus Händewaschen und Temperaturcheck, dann durften wir rein. Ja, ich weiß, eigentlich ist zu zweit einkaufen unnötig und meistens ist der Mann auch allein unterwegs, weil ich noch keinen Führerschein habe (und er mehr Zeit hat), aber wir waren beinah die Einzigen im Supermarkt und ich muss halt auch manchmal raus. Die Straßen waren etwas belebter als sonst.

Wir kauften einen Einkaufswagen voller Zeug, darunter Spaghetti, Öl, roten Reis, Kaffee, Kecap manis, Instantnudeln, Küchenpapier, Anti-Mücken-Mittel, Seife und Gewürze. Himbeermarmelade und Zimt gabs leider nicht. Insgesamt bezahlten wir fast 700.000 Rupiah, das sind um die 43 Euro. Schwer beladen hielten wir auf dem Rückweg noch am Tierladen, um Vitaminpaste für die Katzen mitzunehmen.

Zu Hause gabs erstmal einen Eiskaffee und eine Pause, dann setzte ich mich an den Rechner. Da wars schon um 3 und es war klar, dass ich heute nicht mehr zum Nähen komme. Dafür experimentierte ich abends mit Zitronensäure als Kalkentferner im Bad. Dort ist nämlich vor dem Stöpsel des Wasserbeckens eine enorme Kalkkruste entstanden, weil unser Wasser enorm hart und der Stöpsel wahrscheinlich undicht ist. Daran habe ich schon mit Spachteln gekratzt, sie mit Essig und niedrig dosierter Salzsäure (wird hier zum Kloputzen verkauft) eingeweicht – ohne Erfolg. Aber die Zitronensäure schaffte es tatsächlich, einen Teil der Kruste zu lösen. Ich bin begeistert, endlich kein elendes Schrubben mehr.

Zum Abendbrot gab es nochmals Reste: ein bisschen Nudeln mit Tomatensoße, ein paar Stückchen Tempeh, roter Reis, Ei. Dann machte ich den Abwasch, fütterte den Ginger Bug, hörte Podcast und putzte halt das Bad.

Gerade haben Nina und ich ein neues Zubettgeh-Ritual. Wenn ich mich hinlege, lehne ich meine Beine gegen die Wand, damit der wehe Fuß ein bisschen abschwellen kann. Der wird abends weiterhin so dick, dass der Zeigezeh den Boden kaum noch berührt. Jedenfalls spiele ich dann Ninas Lieblingsvideo ab und binnen weniger Sekunden ist sie neben mir und kuschelt an mir rum. Das geht so zehn Minuten, bis sie plötzlich draußen was hört und davonhopst. Immer wieder schön.

28. April 2020 – Update zur C-Wort-Lage

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Von Manfred wach getrampelt worden, da wars noch nicht mal um sechs. Aufgestanden und in die Küche gewankt, nur um eine noch beinah volle Katzenfutterschüssel vorzufinden. War dem Herrn wohl nicht mehr knusprig genug. Eigentlich war ich ziemlich wach, legte mich aber trotzdem nochmal hin, ignorierte den Wecker um acht und stand um neun auf. Der Mann fuhr Eier und Bananen kaufen (die roten Bananen sind weiterhin steinhart, wir witzelten, dass es sich um reine Dekobananen handelt) und kam außerdem mit einer Tüte voll Snackies wieder.

Ab hier alles wie immer: Frühstück, Computerzeit, Abendbrot kochen und essen (Mie goreng mit frittiertem Tempeh, Ei für mich, Fisch für den Mann und kalte BRAUSE!), nochmal ein, zwei Stündchen arbeiten, Abwasch, Ginger Bug füttern (blubbert jetzt schon wie ein Großer), dann zur Entspannung einen Haufen Masken zugeschnitten.

Außerdem habe ich heute zum ersten Mal eine E-Mail an einen Bundestagsabgeordneten geschickt, um die Evakuierung der Flüchtlingslager in Griechenland anzuregen. Macht bitte auch mit und/oder spendet an die Seebrücke, das geht sogar per SMS. Die Lage ist ernst.

Weil hier eh kaum was Neues passiert, dachte ich mir, ich erzähle mal kurz, wie hier die Coronalage momentan ist.

Wollt ihr Zahlen? In Indonesien wurden momentan um die 9000 Leute positiv getestet, jeden Tag kommen recht stabil zwischen 200 und 400 neue Fälle dazu, der Großteil im Raum Jakarta. Allerdings sind so 200 000 Leute entweder in Quarantäne zu Hause oder im Krankenhaus, im letzteren Fall haben sie bereits Covid-19-Symptome. Hier in Jogja wurden insgesamt 93 Personen positiv getestet, hinzu kommen etwa 5000 Leute in Quarantäne (davon 700 im Krankenhaus). Die aktuellen Zahlen kann eins hier angucken.

Vor ein paar Tagen war die große Nachricht, dass sämtlicher Inlandstransport bis Ende Mai pausiert. Keine Flüge, keine Züge, keine Fähren und auch die Autobahnen sind zu. Denn Mudik, also die Tradition, am Ende des Ramadans seine Familie zu besuchen, fällt dieses Jahr aus. In einigen Städten herrscht bereits Ausgangssperre, die heißt aber nicht so, sondern versteckt sich hinter dem Akronym PSBB. Das steht für Pembatasan Sosial Berskala Besar, auf deutsch ungefähr: soziale Einschränkungen im großen Stil, vergleichbar mit den aktuellen Maßnahmen in Deutschland. Bei uns in Yogyakarta gilt PSBB noch nicht. Allerdings sind Schulen und Unis geschlossen, viele gehobene Restaurants liefern nur noch und die meisten Hotels sind wohl auch zu. In Supermärkten gilt schon lange eine Maskenpflicht (das bestimmt aber jeder Laden selbst) und überall stehen mehr oder weniger sinnvolle Handwascheinrichtungen herum. Die Einwanderungsbehörde hat schon lange zu. Meine Aufenthaltsgenehmigung gilt noch bis Ende Juni, danach kriege ich eine automatische Verlängerung, bis der Notfallstatus im Land wieder aufgehoben wird. Allerdings weiß ich noch nicht, wie viel Zeit ich dann habe, um die nächste Aufenthaltsgenehmigung zu beantragen. Darum werde ich auf jeden Fall sämtlichen Papierkram vorbereiten, damit wir sofort reagieren können. Aber wer weiß schon, wann das ist.

27. April 2020 – Brausebrauerei

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Manfred weckte mich halb sechs, das macht er gerade ziemlich regelmäßig. Dabei hatte ich gerade so schön geträumt, dass ich mit zwei Freundinnen in einer ziemlich coolen Eisdiele war, die so Arbeitskabinen wie die Unibibliothek hatte. Leider wachte ich auf, bevor mein Zitroneneisbecher gebracht wurde, das war echt schlechtes Timing. Anschließend quasi sofort nach einem veganen Rezept für Lemon Curd gegoogelt, vegan, weil mir die Sache mit den Eiern zu heikel ist.

Der Mann schlief noch, also mixte ich erstmal in Ruhe meine Brause zusammen und filmte mich dabei. Bitte sehr:

Mein Starter (das Zeugs im blauen Glas) ist inzwischen verdächtig schaumig, darum war dies die letzte Brause damit. Keine Ahnung, warum ich ihn trotzdem noch mal gefüttert habe.

Frühstück wie immer, Porridge mit Bananen, Zimt und Ahornsirup wird mir nie langweilig.

Dann Computerzeit. Ich habe viel zu tun diese Woche, mehrere Texte wollen geschrieben und eine äußerst umfangreiche Bachelorarbeit will korrigiert werden. In keinem Buch lese ich momentan öfter als im Duden Band 9. Zwischendurch regnete es einmal kurz und heftig.

Außerdem wurde mein Bügeleisen geliefert. Nach dem Abendbrot (Fusion aus Spaghetti mit Tomatensoße, Gemüsepfanne und Spiegelei) machte ich erst den Abwasch und setzte einen neuen Ginger Bug an. Und dann probierte ich mein Bügeleisen aus. Sicherheitshalber mit Taschenlampe neben mir, unser Haus hat nur 450 Watt, da kann schon mal die Sicherung rausfliegen. Tat sie aber nicht. Hoch motiviert bügelte ich also erst lauter Stoffreste für Masken und dann den neulich gekauften Stoff, den ich anschließend für Kissenbezüge zerschnitt, die ich hoffentlich morgen nähen werde. Alles noch ein bisschen krumm und schief, aber das wird schon. Ich bin beim Stricken schon sehr perfektionistisch und ribbele lieber eine halbe Socke auf, anstatt eine leichte Unstimmigkeit hinzunehmen. Beim Nähen versuche ich, ein bisschen entspannter zu sein.

Dann wurde mein Fuß wieder dick und ich beeilte mich, unter die Dusche und ins Bett zu kommen, um ihn hochlegen zu können.

25. und 26. April 2020 – Wochenende im Zeitraffer

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Am Samstagmorgen weckte Manfred mich früh wie immer. Beim Aufstehen entdeckte ich mehrere kleine Kotzpfützen in der Küche, die wohl auf Ninas Konto gingen. Das war sicher die Nachwirkung des gestrigen Sabberns. Also durfte ich um halb sechs morgens erstmal putzen.

Noch ein bisschen schlafen, dann aufstehen und Frühstück machen. Anschließend Computerzeit, ich wollte unbedingt noch einen Text fertigkriegen. Damit war ich bis zum Abendessen (Spaghetti) gut beschäftigt. Mein Fuß, der am Morgen normale Form hatte, schwoll zum Nachmittag wieder an. Überhaupt ist es erstaunlich, wie sehr ein weher Zeh eins aus dem Trott bringen kann. Vor allem beim Klobesuch habe ich momentan Balanceprobleme*.

Abends fuhren wir kurz bei meiner Schwiegermutter vorbei, um ihr Spaghetti und eine Flasche meiner Brause zu bringen. Im Gegenzug bekam ich eine Tüte voller Stoffreste in verschiedenen Batikmustern. Aus einigen werde ich noch ein paar Masken schneidern, der Rest wird sich gut als Innenfutter von Taschen oder Applikation machen. Es war übrigens das erste Mal, dass ich meine selbst genähte Maske ausführte und sie sitzt wirklich gut.

Sonntag begann kuschlig mit einem schlafenden Manfred neben mir, der seine Füßchen ins Guling stemmte. Dann Frühstück (die roten Bananen sind noch immer nicht reif …). Der Mann musste in der Küche noch mal Insektenmittel sprühen, weil einige Tausend Ameisen über den Ölrest in einer Pfanne hergefallen waren. Nach dem Frühstück wischte ich daher den Fußboden, um alle Reste des Mittels zu entfernen. Um das unterhaltsamer zu gestalten, probierte ich eine neue App aus, die Zeitraffervideos macht und hatte damit sehr viel Spaß. Außerdem wusch ich meine Umhängetasche und eine Fuhre Schlüpfer und schnippelte eine große Menge Gemüse fürs Abendbrot.

Nach dem Essen (roter Reis, Gemüsepfanne und Ei) machte ich den Abwasch und kochte podcasthörend neue Brausebasis. Zur Abendgestaltung guckten wir Knives Out (sehr zu empfehlen!) und aßen Kekse.


* Wir haben ein Hockklo und zum Hocken braucht eins Zehen.

24. April 2020 – Nina sabbert

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Da der nächtliche Regen für Abkühlung gesorgt hatte, schlief ich endlich mal wieder durch und erwachte erstaunlich ausgeruht aus merkwürdigen Träumen, in denen ich im Buckingham Palace nach dem Klo suchte. Niedlicher Moment am Morgen: Manfred putzt Ninas Kopf.

Frühstück wie immer, aber diesmal mit Ahornsirup überm Porridge. Ich muss dringend neue Marmelade kaufen.

Ich hatte eben zu schreiben begonnen, da hörte ich ein komisches Schmatzen. Das kam von Nina, die plötzlich sabbernd und unruhig durchs Haus lief. Dabei hatte sie doch eben noch friedlich unterm Esstisch geschlafen. Dieses Sabbern ist eine Abwehrreaktion, sie macht das auch bei Flohkur oder wenn sie Medizin kriegt, die sie eklig findet. Aber es ist halt auch ein Vergiftungssymptom und wir hatten doch gestern erst mit Insektenspray … Jedenfalls waren wir sehr besorgt, putzten ihr Gesicht, guckten ihr sogar in den Mund, konnten aber keine Ursache finden. Zum Glück hörte das Sabbern recht schnell wieder auf und Nina beruhigte sich wieder, wedelte aber noch eine Weile nervös mit dem Schwanz. Meine Theorie ist, dass sie ein Tierchen im Fell hatte, vielleicht eine Ameise, das sie beim Putzen in den Mund gekriegt hat.

Nach der Aufregung fand ich es schwer, mich zu konzentrieren und war auf einmal sehr müde. Der Mann fuhr weg, um Bananen und Essen zu kaufen und sich die Haare schneiden zu lassen. Dann hatte ich noch einen kleinen Unfall: Als ich den frechen Manfred zu schnappen wollte, der Streit mit Nina anzetteln wollte, stieß ich mir den Zeh an einem Stuhlbein. Das passiert mir öfter mal, weil ich ja tagaus tagein barfuß herumlaufe, aber so schlimm wars noch nie. Der Zeh wurde sofort dick und lila, zum Abend war der ganze Fuß geschwollen. Also verbrachte ich den restlichen Tag mit einem kalten Lappen auf dem hochgelagerten Fuß, aß Gudeg und Kekse und guckte strickend eine erstaunlich interessante Doku über eine Ameisenkolonie in der Schweiz.

23. April 2020 – Morgens Sonne, abends Sturm

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Der Tag begann mit einem Manfred, der sich an meinen Bauch kuschelte und dort einschlief. Vielleicht wusste er ja, dass der wehtat und dass Schnurren hilft. Danke Manfred. Allerdings war es wie gestern schon morgens sehr warm, sodass ich die Kuschelei nicht allzu lange aushielt. Es war einfach zu heiß und ich stand auf. Beim Frühstückmachen konnte ich gleich noch neue Brause verkosten, die Hefen waren über Nacht sehr aktiv gewesen und beide Flaschen waren ordentlich prall.

Beim Frühstücken juckte es mich plötzlich überall. Schnell war der Grund gefunden: Ich saß in der Straße sehr kleiner Ameisen. Also sperrten wir nach dem Essen die Katzen ein und der Mann sprühte den Boden mit Insektenmittel ein. Das ist halt leider manchmal nötig, aber wir verwenden es wirklich selten. Nach einer halben Stunde wischte ich die behandelte Fläche dann mit dem Mop, weil Nina dort häufig schläft und Insektengift ist wirklich sehr gefährlich für Katzen. In der Zwischenzeit legte ich die Kissen in die Sonne, dort werden sie schnell richtig heiß und sind abends ganz fluffig.

Dann war Computerzeit, ich tippte vor mich hin, wenn auch nicht ganz so motiviert wie gestern. Zwischendurch gab es einen Eiskaffee, aber auch dessen Wirkung war heute nicht ganz so anregend. Dafür verspannte sich meine Schulter, sehr nervig (aber das lag sicher nicht am Kaffee).

Zum Abendessen gabs erneut Magelangan. Nach einer Verdauungspause und dem Abwasch machte ich Yoga, um den Rücken zu mobilisieren. Das half ein bisschen. Draußen grummelte schon der Donner, aber erst als ich duschen gehen wollte, brach ein Gewitter mit heftigem Sturm los. Das wartete ich trotz Müdigkeit ab, sicher ist sicher und uns ist schon mal im Wind ein Stück vom Badezimmerdach weggeflogen, das muss ja nun nicht gerade dann passieren, wenn eins duscht. Ich überbrückte die Wartezeit, indem ich den vor mir auf dem Tisch schlafenden Manfred kämmte, sicher eine halbe Stunde lang. Er genoss das sehr. Irgendwann beruhigte sich das Wetter dann und ich konnte mich endlich bettfertig machen.

22. April 2020 – Motivation durch Kaffee und Nähen

Davon aufgewacht, wie Manfred auf mir herumlief und dann plötzlich davonhüpfte. Aufgestanden, Katzen gefüttert, Klo. Dann wollte ich eigentlich nochmal schlafen, aber mir war zu warm und ich hielt es im Bett einfach nicht aus. Also zog ich mich an und ging in die Küche, um die Brause anzusetzen. Also den gestrigen Sud durchzusieben, mit Starter zu inokulieren und in leere Sodaflaschen zu füllen. Das macht jedes Mal viel Spaß, ich hörte dabei meinen Lieblingspodcast und dachte sogar daran, den Ginger Bug gleich dem ersten Liter zuzugeben, nicht erst später, das gibt nur Probleme.

Weil ich grad so gut dabei war, machte ich Frühstück, während der Mann langsam erwachte. Wir aßen (leider ist die Himbeermarmelade alle) und guckten die letzte Folge Superstore.

Dann Busywork. Ich motivierte mich mit dem Gedanken daran, dass ich nähen darf, sobald ich alles geschafft habe, machte mir zum Nachmittag noch einen Eiskaffee und ratet mal, wer um fünf den Rechner zuklappte und die Nähmaschine aufstellte? Yes! (und entschuldigt den Näh-Spam, das ändert sich auch wieder) Ich nähte dreieinhalb Masken, von denen eine sogar den wirklich hohen Ansprüchen des Mannes zu genügen scheint. Dann maß ich noch unsere Kopfkissen aus und überlegte mir eine Schnitt für einen einfachen Bezug mit Hotelverschluss. Damit kann ich aber erst anfangen, wenn mein Bügeleisen da ist und ich weiß gerade nicht, ob der Mann das überhaupt schon bestellt hat.

Zum Abendbrot gabs Reste von gestern mit Indomie und Kartoffelecken, dazu eine tolle Folge Supergirl. Dann wurde es irgendwie immer heißer im Haus, trotz kurzem Regenschauer und ausdauerndem Lüften, und erst nach Mitternacht war die Temperatur einigermaßen okay, um ins Bett zu gehen.

21. April 2020 – Ein guter Tag

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Beim Aufwachen fühlte ich mich irgendwie ungut. Ich habe eh schon seit Tagen latentes Halsweh (und trinke scharfen Ingwertee dagegen), heute kamen Kopf- und Gliederschmerzen dazu. Kein gutes Zeichen in Zeiten des C-Worts. Egal, erstmal aufstehen und Frühstück machen. Alles etwas hastig heute, weil der Mann einen Termin vergessen hatte.

Weil ich das Wochenende durchgearbeitet hatte, war heute frei. Nachdem der Mann weggefahren war, machte ich mich daran, meine To-do-Liste abzuarbeiten – und fühlte mich mit der Bewegung schlagartig besser. Außerdem entdeckte ich, dass besagtes Unwohlsein durch einen überraschenden Zyklusbeginn verursacht wurde, darum musste ich ungeplant früh meine Tässchen auskochen. Was ich außerdem tat:

  • alle Lappen waschen (ich sammele die in einem Eimer im Bad und wasche dann einmal die ganze Fuhre mit heißem Wasser),
  • Küche fegen und wischen,
  • Ginger Bug rausstellen,
  • saubere Wäsche auspacken,
  • Masken nähen.

Als ich alles bis auf den letzten Punkt erledigt hatte und eben die Nähmaschine aufstellen wollte, drängelte sich Nina dazwischen und forderte Kuschelzeit ein. Sie ist sehr anhänglich momentan und liebt es, auf meinen Tisch zu hopsen, in meinem Gesicht rumzuwuscheln und sich dann in meinen Armen einzurollen. Das ist jedes Mal sehr niedlich. Dabei entstand ein hübsches Selfie.

Dann siedelte ich Nina auf meinen Zweittisch um und konnte endlich die gestern zugeschnittenen Masken nähen. Anfangs brauchte ich ein bisschen, um die Fadenspannung einzustellen, dann verklemmte sich der Stoff und natürlich musste ich drölfzig mal den Faden neu einfädeln. Aber so ganz langsam stellt sich eine gewisse Routine ein, das ist ein schönes Gefühl. Und beim Nähen rennt mir der Stoff auch nicht mehr weg, weil sich meine Hand-Fuß-Koordination bessert. Jedenfalls macht die Arbeit mit der Nähmaschine wirklich großen Spaß, ich habe mich schon lange nicht mehr so sehr in eine Tätigkeit vertieft, dass ich die Zeit vergesse. Irgendwann kam der Mann nach Hause und wir besprachen die Abendessenoptionen. Er fuhr dann los, um Magelangen zu kaufen und ich wollte nur noch schnell eine Maske fertignähen, aber Nina hatte meinen Tisch in Beschlag genommen.

Dann Abendbrot, Magelangan mit ganz ausgezeichnetem Acar (das sind sauer eingelegte Gurken und Zwiebelchen).

Anschließend ging ich podcasthörend abwaschen und neue Brause vorbereiten: diesmal mit Jeruk jember (das ist eine Art Orange, aber kleiner, mit grüner Schale und seeeehr saftig), Palmzucker und ein bisschen Ingwer.

Zur Abendgestaltung guckten wir den letzten Star-Wars-Film auf dem Sofa. Der war leider ein bisschen langweilig, aber ganz nett anzuschauen.

17. bis 20. April 2020 – Nähkrams gekauft

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Okay, schnell die letzten Tage rekapitulieren, dann darf ich an die Nähmaschine 🙂

Aaaaaalso.

Am Freitagabend bekam ich meine erste große Korrektur seit langem, Abgabe war Montagabend. Die nahm ich an und war fortan fürs ganze Wochenende beschäftigt. Aber hey, über 15 000 Wörter in unter 20 Stunden lektoriert, das ist mein persönlicher Rekord. Nur das Timing war ungünstig, denn Freitag war ich endlich im Nähladen gewesen, um Stoff, Nadeln, Kreide, eine Schere und so Krams zu kaufen. Das lag jetzt alles herum und wollte benutzt werden, aber ich kam einfach zu nichts anderem.

Überhaupt ist alles Erzählenswerte schon Freitag passiert. Tagsüber gab es nämlich ein unglaublich heftiges Gewitter mit Donner, der das Haus erschütterte und gewaltigen Regenmengen. Manfred saß nur verstört irgendwo herum und Nina schlief hinter meinem Laptop. Abends war es dann wunderbar kalt, das war auch mal wieder nett.

Ansonsten habe ich gestern gelernt, dass Einsiedlerkrebse sich der Größe nach aufstellen, um einander ihre Häuser weiterzugeben and I think thats beautiful. Guckt euch das Video an, ich mach jetzt den Rechner aus. Tschüssi!