6. April 2020 – Nicht viel los

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Morgens um drei schreckten wir vom lautesten Donner ever auf. Dazu regnete es weiterhin in Strömen. Es klang ein bisschen so, als sei das Küchendach zusammengebrochen (war es natürlich nicht). Wahrscheinlich hat der Blitz in die megalange Antenne der Nachbarn eingeschlagen, keine Ahnung wofür die gut ist, aber sie steht noch. Nach so einem Adrenalinschub dauerte es eine Weile, bis ich wieder in den Schlaf fand. Um sechs wachte ich das nächste Mal auf, da regnete es immer noch. Danach schlief ich noch mal bis um zehn. Ups. Deswegen fiel Morgenyoga aus, dafür regnete es nicht mehr und es gab das restliche Brot zum Frühstück. Und auch sonst war heute nicht viel los. Ich pipelte mit mittelmäßigem Erfolg am Rechner herum. Eigentlich hatte ich mich sehr aufs Arbeiten gefreut, weil das auch immer ein bisschen Me-Time ist. Aber dann hatte ich leichte Kopfschmerzen, war irgendwie müde und eher unproduktiv. Erst zum Nachmittag hin wurde es besser. Der Mann hat leider ein Talent dafür, mich zielsicher genau dann zu unterbrechen, wenn ich eben in meinen Flow gefunden habe.

Das machte er mit einer großen Portion Nasi goreng wett, dazu gab es frittierte Kartoffeln und die letzte Flasche Brause.

Abends besserte ich noch einen fertigen Text nach, guckte in meinen Onlinekurs und setzte mich dann zu Nina aufs Sofa. Mein Buch hatte ich gestern schon ausgelesen, jetzt versuchte ich, Nachschub aus der Onleihe zu besorgen. Die scheint jedoch momentan überlastet zu sein, jedenfalls lud mein Reader ewig, nur um dann zu verkünden, die Datei sei kaputt. Sehr frustrierend, ich hatte mich so gefreut, endlich „Sprache und Sein“ von Kübra Gümüsay zu lesen. Dafür hörte ich eine Folge des Podcasts „Women of Harry Potter„, nämlich die über Parvati Patil, deren Namen in sämtlichen Hörbüchern falsch ausgesprochen wird. Apropos Harry Potter: Es gibt ein Harry-Potter-Strickbuch! Ich bin ein bisschen verliebt in Hedwig <3

3. bis 5. April 2020 – Brot, Gecko, Maus und ich war draußen!

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Freitag war ein guter Tag, busybusy zwar, aber er begann mit Yoga und ich saß nicht wieder bis abends am Rechner und hatte noch ein bisschen Zeit, eine weitere Maske zu nähen. Der Mann mag seine nicht und ein anderes Modell kann ich mangels Bügeleisen nicht herstellen, darum hab ich jetzt halt drei (okay, an einer fehlen noch die Schnüre) und er kann die beiden Papiermasken haben. Da hier wahrscheinlich die Maskenpflicht kommen wird (in Jakarta müssen die Dinger seit heute immer getragen werden), ist es gut, vorbereitet zu sein. Vielleicht kaufe ich auch noch fix ein Bügeleisen und leihe mir eine Nähmaschine.

Samstag wieder eine Morgenrunde Yoga gemacht. Erst nach mehrmaligem Pendeln zwischen Küche und restlichem Haus (Küche und Bad liegen quasi in einem separaten Haus, an das das Gebäude mit den restlichen Räumen angebaut wurde) entdeckte ich mitten auf dem Küchenfußboden einen toten, ziemlich angematschten Gecko. Ein Wunder, dass ich nicht draufgetreten war! Da hatte wohl Nina ihre Jagdlust ausgelebt. Ich wickelte das bedauernswerte Reptil in ein Stück Küchentuch und begrub es hinterm Haus.

Samstags hab ich frei und während der Mann an seinem Motorrad herumpipelte, wischte ich das Haus durch und tat dabei 2000 Schritte. Dann wollten wir ein bisschen spazierenfahren und Brot kaufen, aber kaum waren wir zehn Minuten unterwegs, begann es zu regnen und wir kehrten um. Ich las gemütlich auf dem Sofa (Becoming von Michelle Obama), Nina kuschelte sich an mich und protestierte, als ich irgendwann meinen eingeschlafenen Arm unter ihr hervorholen musste. Zum Abendbrot gab es roten Reis und Kidneybohnensuppe. Mit vollen Bäuchen saßen wir bewegungsunfähig herum, als es in der Küche rumpelte: Eine Maus war vom Dach gefallen und marodierte durch das auf den Abwasch wartende Geschirr. Wir sperrten die Katzen ein, öffneten die Hintertür und versuchten die Maus, die inzwischen unterm Herd Zuflucht gesucht hatte, mit Klopfen zum Verlassen des Hauses zu bewegen. Irgendwann kam sie dann raus, sauste hin und her und erklomm schließlich die Wand, um durch die Dachziegel hindurch aufs Badezimmerdach zu verschwinden. Inzwischen hatte es aufgehört zu regnen und wir holten die abgebrochene Spazierfahrt nach. Natürlich mit Maske, die sich als erstaunlich bequem und stabil unterm Helm erwies.

Für einen Samstagabend waren die Straßen geradezu gespenstisch leer, es wirkte wie Mitternacht statt halb acht. Dennoch saßen in den geöffneten Restaurants und Straßenständen Menschen. Außerdem entdeckte ich viele mobile Handwaschstationen, Desinfektionskammern vor einer der größeren Moscheen und eine automatische Desinfektionsanlage, die alle Durchfahrenden besprüht. Mir tun die Lieferfahrer leid, die wahrscheinlich täglich dauernd desinfiziert werden, so gesund ist das sicher nicht.

Vor allem die Touristenstraße, in der die beste Bäckerei der Stadt zu finden ist, wirkte wie ausgestorben. Aber der Bäckerladen hatte offen, ein Schild wies die Kundschaft an, bei mehr als zwei Leuten im Geschäft draußen zu warten. Wir waren die einzigen und konnten gleich reingehen, um Brot, Focaccia und Apfeltaschen zu erwerben. Es gibt dort auch Sauerteigbrot, aber für eine zünftige Brotzeit fehlen mir die Aufstriche und Beläge. Wir hatten lediglich Margarine, falschen Käse und ein Gläschen Orangenmarmelade zu Hause.

Am Sonntag regnete es schon beim Frühstück, mein Plan vom Gartentag war dahin. So las ich stundenlang auf dem Sofa, während der Mann neben mir an seinen Lautsprechern bastelte und Nina eng an mich gekuschelt schlief. Zum Abendessen machten wir Nasi goreng mit rotem Reis, das war gut, aber die Gewürzmischung etwas zu scharf und auch zu salzig für meinen Geschmack. Ich googelte ein bisschen nach Gemüselieferdiensten und übte in Gedanken die Wegbeschreibung zu unserem Haus auf indonesisch. Denn auf Google Maps ist unsere Straße nicht mal eingezeichnet, wodurch es bei Bestellungen und Erstbesuchen regelmäßig zu Verwirrung kommt.

Ach genau, heute hatten wir auch noch eine Schlange im Haus. Keine Sorge, es war eine Blindschleiche, die sogenannte Blumentopfschlange. Sie sieht aus wie ein großer Regenwurm, bewegt sich aber wie eine Schlange. Ich trug sie auf meinem Kehrblech ins Freie, dort versteckte sie sich gleich unter einem Blatt.

Abends guckten wir den dritten Harry-Potter-Film, dazu gab es Brause und für mich Schokolade. Draußen rauschte der Regen und sollte damit auch so schnell noch nicht aufhören.

2. April 2020 – Meine Brause ist eigentlich Limo

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Nach wirren Träumen aufgewacht, in denen ich mit dem Mann in Ahornberg im Biergarten war und komischen Salat aß. Sehr merkwürdig. Aufstehen, Bad, Katzen füttern. Noch vor dem Frühstückmachen die aktuelle Brause* abgefüllt. Das ist eine Tätigkeit, die ich sehr gerne mag. Diesmal inokulierte ich den Sud erst mit drei Schnapsgläsern voll Ginger Bug, eins pro Liter und goß ihn dann durch ein Sieb, um Zitronenschalen und -kerne sowie Ingwerstückchen herauszufiltern, erst in einen Messbecher und dann in die sauberen Flaschen. Deckel drauf, fertig. Ach ja, den Ginger Bug noch füttern, damit er weiterhin so schön sprudelig bleibt. Ich bin ja sehr erstaunt, wie lange der sich schon hält. Scheinbar reicht es, wenn ich ihn nach jeder Entnahme mit frischem Wasser auffülle und je einen Löffel Zucker und gehackten Ingwer zugebe. Das Glas kommt dann lose verschlossen wieder in den Kühlschrank, bis ich es etwa 24 Stunden vor der nächsten Brauseproduktion wieder raushole.

Frühstück mit etwas anderen Haferflocken als sonst, dann setzte ich mich an den Schreibtisch. Allerdings meinte Nina, es sei jetzt erstmal Kuschelzeit, darum tippte ich den gestrigen Blogeintrag mit einer Hand, mit der anderen musste ich das Tier von der Tastatur fernhalten.

Workworkwork, diesmal mit schlafendem Manfred neben mir.

Zum Abendbrot kochte der Mann roten Reis und Omelett mit Tofu. Nomnomnom. Hinterher noch ein bisschen was wegarbeiten, dann lungerten wir auf dem Sofa rum. Als ich meiner Abendroutine folgend das Haus fegte, fand ich in meinem Zimmer erneut eine Gottesanbeterin, diesmal eine grüne (die gestern war gelb, wohl eine andere Sorte). Ich tupperte sie zur späteren Freilassung ein und zwar in eine große durchsichtige Dose. Das Insekt war darin ziemlich aktiv und seine Raschelgeräusche lockten Nina an, die sich vor der Dose niederließ und die Gottesanbeterin anstarrte wie sonst ihre Eichhörnchenvideos. Damit hörte sie auch nicht auf, als der Mann in der Küche den 8-kg-Beutel Katzenfutter in große Schraubdosen umzufüllen begann. Er entließ die Gottesanbeterin dann später nach draußen und Nina hat jetzt wahrscheinlich jeden Respekt vor den Krabblern verloren.

Dann Dusche, Hausaufgaben, Bett.


*Eine Wikipediasuche brachte zutage, dass Brause ein Getränk mit Aromastoffen und noch so allerlei ist, während Limonade nur natürliche Zutaten enthalten darf. Zwar gehört mein Getränk zur letzteren Kategorie, aber ich mag das Wort Brause so viel lieber, darum nenne ich es einfach weiter so. Ätsch, deutsches Lebensmittelbuch!

1. April 2020 – Nicht in Scherzstimmung

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Um halb sechs erwachte ich davon, dass Manfred erst auf meinem Kopfkissen und dann meinem Kopf herumtrampelte. Mit ausgefahrenen Krallen natürlich. Autsch. Ich stand auf, reichte Essen, ging aufs Klo und legte mich dann nochmal hin.

Der Mann stand ausnahmsweise vor mir auf und verließ das Haus, um seinen Führerschein zu verlängern, denn der gilt nur noch eine Woche. Nach einer kleinen Odyssee zu verschiedenen Polizeistationen kam er zurück, überall hatte er andere Informationen erhalten, jedoch keinen neuen Führerschein. Hoffen wir mal, dass es da momentan Ausnahmeregeln gibt.

Nach dem Frühstück fuhr der Mann erneut los, diesmal zur Werkstatt, wegen irgendwelcher Motorradprobleme. Ich sah ihm mit gemischten Gefühlen nach: Einerseits brauchen wir gerade jetzt ein fahrtüchtiges Motorbike, andererseits ist jeder Kontakt nach draußen ein Risiko.

Ich ging an den Schreibtisch und machte mich an meine To-Do-Liste. Noch gibt es genug zu tun, noch haben die Vapeshops geöffnet, in denen der Mann sein E-Liquid verkauft. Hoffentlich bleibt es so.

Bis zum Abendbrot (Nudelsuppe und Tempe) war ich tatsächlich mit allem fertig und konnte mich nach dem Abwasch der Herstellung von drei Litern Zitronenbrause widmen. Dazwischen gab es kurz Aufruhr, weil eine Gottesanbeterin den Weg ins Haus und die Haare des Mannes gefunden hatte. Wir tupperten sie kurzerhand ein, um sie später ins Freie zu entlassen.

Geduscht, Hausaufgaben gemacht, Hörbuch, Bett.


The Left Hand of Darkness gefällt mir nach einem etwas holprigen Start ganz gut. Es geht um Genly Ai, der von der Erde stammt, den Planet Gethen als Botschafter besucht und dort den ein oder anderen Kulturschock erleidet. Das liegt unter anderem daran, dass die Bewohner Gethens androgyn sind und nur einmal im Monat entweder männliche oder weibliche Merkmale entwickeln. Welche, das können sie sich nicht aussuchen. Das verwirrt Genly sehr, der die Leute, die er trifft, dauernd in irgendwelche Schubladen stecken will.

Is it a fever, is it just allergies? | Kennt ihr schon die Coronavirus-Rhapsody?

31. März 2020 – Gewöhnung setzt ein

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Morgens von einem flauschigen Kater geweckt worden, der erst das Kissen durchknetete und sich dann auf meinem Bauch zum Schlafen niederließ. Das war sehr niedlich und definitiv mein Savoring-Moment des Tages.

Ich stand auf, zog mich an, machte die Katzenklos sauber und trug deren Inhalt samt vollem Müllbeutel zur Mülltonne draußen. Dabei traf ich ein Kätzchen mit weißem Fell und orangen Ohren, das ich schon mal in der Nachbarschaft gesehen hatte. Es folgte mir laut piepsend bis zur Haustür. Für solche Fälle habe ich eine extra Dose Katzenfutter im Schrank. Ich sperrte sicherheitshalber Manfred und Nina ein, ging wieder raus und gab dem Kätzchen was zu essen. Es stürzte sich geradezu auf die Futterschüssel, wirkte aber nicht dünn oder ungepflegt. Wahrscheinlich hatte es nur sein Frühstück verpasst. Später schlief es auf der Terrasse, von Manfred argwöhnisch durchs Fenster beäugt.

Nach dieser kurzen Aufregung speisten wir, dann setzte ich mich an den Rechner. Seit über zwei Wochen habe ich keinen neuen Korrekturauftrag bekommen. Das liegt sicher an den geschlossenen Unis und Bibliotheken, aber wahrscheinlich auch daran, dass viele Studierenden ihren Nebenjob nicht machen und sich deshalb kein Lektorat leisten können. Gut, dass ich noch einen anderen Auftraggeber habe und Ersparnisse auch. Doch natürlich hoffe ich, dass sich die Situation bald bessert.

Seit ein paar Tagen merke ich schon, dass bei mir ein gewisser Gewöhnungseffekt an die neue Normalität einsetzt. Ich lese nicht mehr alle Nachrichten und fühle mich überhaupt etwas gelassener. Das ist gut, aber auch ein bisschen erschreckend, wie schnell eine Ausnahmesituation zur Gewohnheit wird.

Übrigens habe ich vor kurzem den whlw-Newsletter abonniert, der ist ganz großartig und nachdem ich erst eine Ausgabe gelesen habe, bin ich schon begeistert. Sehr empfehlenswert.

Zum Nachmittag hin begann es zu gewittern. Der Kater schlief neben mir, ich pipelte so vor mich hin. Der Mann holte in Regensachen gehüllt Essen (Gudeg, heute ganz prima und ohne harte Stückchen), dazu tranken wir die zweite Flasche Brause aus. Laut Mann schmeckt sie nach Thymian, ich wüsste sehr gern, wo der herkommen soll.

Abends Yoga gemacht, geduscht, eine Folge Lost und ein Schokoriegel, dann Bett. Vor lauter Müdigkeit ganz meine Hausaufgaben vergessen, obwohl ich beim Zähneputzen noch dran gedacht hatte. Upsi.

30. März 2020 – Auf Sparflamme

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Zu lange geschlafen, zu spät aufgestanden. Morgenroutine am Vormittag und Frühstück um elf. Passiert. Dann am Rechner gesessen, leichte Kopfschmerzen und zähe Gedanken. Nichts hingekriegt. Passiert. Dafür Erleichterung, weil Nina nicht noch einmal gekotzt hatte (hab ich das gestern erwähnt?), es war wohl wirklich nur ein Haarballen und nicht das Desinfektionsmittel. Seit ihrer Vergiftung sind wir diesbezüglich etwas dünnhäutig. Währenddessen fuhr der Mann einkaufen. In den Supermarkt dürfen nur noch 150 Leute auf einmal rein, sehr vernünftig. Er kam mit einem Rucksack voller Haferflocken, Nudeln und anderen Leckereien wieder und berichtete von gesperrten Dorfstraßen, die die Leute am Wegfahren hindern sollen.

Abwasch gemacht und dem Mann beim Kochen geholfen. Es gab Nudelsuppe und dazu frittierte Kartoffeln und Tempe, genau wie gestern. War halt lecker. Und die Zitronenbrause war auch endlich fertig. Nur vom Ahornsirup merkt man leider nichts.

Abends in Woche 2 meines Onlinekurses gestartet. Meine Hausaufgaben: jeden Abend fünf Dinge aufschreiben, für die ich dankbar bin und eine Sache, die ich an diesem Tag besonders wahrgenommen und genossen habe. Danach Sporthosen angezogen und Yoga gemacht, endlich mal wieder. Versucht, ganz im Moment zu bleiben und jede Bewegung auszukosten. Das hat gut geklappt, ich fühlte mich anschließend weniger träge und hatte gleich einen Punkt für meine Hausaufgaben.

Geduscht, zwei Folgen Lost geguckt, einen Schokoriegel gegessen und dabei einen Kater beschmust, der vor mir auf dem Tisch schlief. Dann mit Hörbuch ins Bett.

27. bis 29. März – Maskenschneiderei und unser Haus ist jetzt desinfiziert

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Am Freitag saß ich am Rechner, guckte auf den Bildschirm, schob die Maus herum und kriegte einfach nichts gebacken. Überforderung, keine Konzentration und PMS. Ganz schlechte Mischung. Ich gab auf, machte den Laptop aus und begann, dieser Anleitung folgend Atemmasken aus einem alten T-Shirt zu nähen. Mein Prototyp sitzt auch ohne Nasendraht gut und ich hatte das erleichternde Gefühl, einfach mal etwas Sinnvolles zu tun. Und Hände, die mit Nähen beschäftigt sind, können nicht zum x-ten Mal durch den Facebook-Newsfeed scrollen. Da Elastikband inzwischen ausverkauft ist, häkelte ich lange Schnüre, die die Masken in Position halten sollen. Abends wusch ich den Prototyp probeweise mit kochendem Wasser, was er gut überstand. Yeah!

Samstag war Pausentag. Ich führte die Maskenbastelei weiter, telefonierte mit dem Brüderlein in der Heimat, kochte mit dem Mann Mie goreng, flauschte Herrn Manfred, lag ein bisschen bauchwehend herum, setzte zwei Liter Zitronenbrause an (mit Ahornsirup!) und guckte ziemlich viele Folgen Lost. Abends kam dann eine Nachbarin vorbei und kündigte für Sonntag eine Desinfizierungsaktion der Nachbarschaft an.

Wegen der standen wir am nächsten Morgen schon um sieben auf (überraschende Erkenntnis, dass mir das leichter fiel als gedacht) und bereiteten das Haus vor. Desinfektionsmittel sind generell nicht so toll für Katzen, also trugen wir die Katzenkäfige in die Abstellkammer und sperrten die beiden Miezen darin ein. Das fanden sie gar nicht gut, aber das musste jetzt einfach mal sein. Dann warteten wir auf der Terrasse auf das Sprühkommando. Das bestand aus zwei jungen Typen, die immerhin Masken trugen. Einer ging ins Haus und besprühte Wände, Türen, Fußboden und das Sofa mit irgendwas Chlorhaltigem, der andere verfuhr ebenso mit dem Vorgarten und den Mopeds. Das ging erstaunlich schnell, viel länger dauerte das Warten, bis alles wieder trocken war. Gerade wegen der Katzen, die ihren Unmut lautstark äußerten. Die lieben zwar Chlorgeruch, vor allem Manfred ist da ganz scharf drauf, aber giftig ist das Zeug trotzdem für sie. Also saßen wir draußen, bespaßten den niedlichen Nachbarskater und guckten zu, wie die anderen Häuse desinfiziert wurden. Ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass das viel bringt. Wir hätten auch ablehnen können, aber wenn dann jemand in der Nähe krank wird, sind wir am Ende die Sündenböcke.

Dann gefrühstückt und die Katzen rausgelassen.

Die Brause brauchte etwas länger als sonst, das lag wohl an der kalten Nacht. Interessante Beobachtung: Die Hefen setzen sich in den fünf Ausbeulungen des Flaschenbodens ab, darum schwimmen auf der Oberfläche ebenfalls fünf runde Schaumkronen, die ich anfangs für Schimmel hielt. Durch das ungewohnt frühe Aufstehen fühlte sich der Tag sehr lang an. Wir kochten mit Gemüse aufgepeppte Instantnudeln, dazu Kartoffelspalten und Tempe. Ich wusch Wäsche und putzte das bak mandi.

In einigen Gegenden Indonesiens scheinen manche Einheimische weiße Tourist*innen für die Einschleppung des Coronavirus verantwortlich zu machen – womit sie meiner Meinung nicht ganz unrecht haben. Schließlich konnte es sich auch dank reicher Reisender rasch verbreiten. Klar sind dadurch motivierte Übergriffe zwar scheiße und nicht okay, aber kein Rassismus. Fremdenfeindlich, ja, aber kein Rassismus. Es gibt keinen Rassismus gegen Weiße, schlussausbasta. Alman und Bule sind auch keine rassistischen Beleidigungen wie etwa das N-Wort. Abends beschlossen, dass ich endlich mal dieses Buch lesen muss.

Mit Hörbuch ins Bett.

26. März 2020 – Ein schlechter Tag für Spinnen und Geckos

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Trotz spätem Zubettgehen schaffte ich es, gegen neun aufzustehen. Das lag unter anderem an einem nervigen Bauchproblem, na schönen Dank auch. Übliche Morgenroutine, dann Bloggen. Inzwischen wachte der Mann auf, ich machte Porridge, er briet Eier. Wir speisten, während ein ungeduldig fiepender Manfred darauf wartete, dass sein Nassfutter Raumtemperatur annahm. In diesem Punkt ist er kein bisschen lernfähig.

Als ich vor dem Arbeiten noch mal ins Bad ging, griff ich nach der Klobürste und übersah dabei an deren Stiel sitzende Spinne, die leicht angematscht und mit zwei Beinen weniger zu Boden fiel. Das tat mir sehr leid, aber ich sah sie später an der Wand entlang huschen, was mein schlechtes Gewissen beruhigte.

Ich werkelte vor mich hin, heute mit nicht so guter Konzentration. PMS wahrscheinlich.

Zum frühen Abendbrot gab es Reste von gestern. Danach wollten wir zum Zahnarzt. Denn, nachdem ich dreißig Jahre lang für meine naturgesunden Zähne gelobt wurde, ist das scheinbar vorbei und unter der Versiegelung meines einen Backenzahns sitzt Karies. Es tut nicht wirklich weh, nur beim Putzen, aber ich habe Angst, dass es größer wird. Leider haben inzwischen sämtliche Praxen entweder komplett geschlossen oder behandeln nur noch Notfälle. Verständlich, aber auch frustrierend, denn ein Notfall bin ich leider nicht. Allerdings war ich auch ganz froh, dass wir recht schnell wieder zu Hause waren, weil mein Bauchproblem noch nicht besser war. Jetzt muss ich wohl oder übel warten, bis entweder der olle Virus verschwindet oder mein Zahn so schlimm wird, dass ich nicht mehr abgelehnt werde. Kein gutes Gefühl.

Ich setzte mich dann noch mal an den Rechner, um meinen Onlinekurs weiterzumachen. Für diese Woche besteht der hauptsächlich aus Einführungsvideos und einem Quiz, das meine Grundzufriedenheit ermitteln sollte. Leider lud es nicht, weil das Internet so langsam war und ich ging lieber stricken.

Später beim abendlichen Fegen entdeckt, dass ich einen kleinen Gecko mit meinem Schreibtischstuhl überrollt hatte. Beinah geweint, weil es mir so leid tat. Damit habe ich nun zwei auf dem Gewissen, der erste war ein tragischer Unfall mit der Kühlschranktür.

25. März – Abenteuer Supermarkt

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Nachdem unser Tagesrhythmus ein bisschen aus dem Lot geraten war, wollte ich nicht wieder erst um zwölf frühstücken und schaffte es tatsächlich, halb neun aufzustehen. Ich ging ins Bad und wollte dann eine Yoga-App ausprobieren, die momentan kostenlos verfügbar ist. Allerdings gefiel sie mir so gar nicht, alles war sehr technisch und hastig. Ich vermisste Adrienes ruhige Art und wie sie „Move, like you love yourself“ sagt und löschte die App wieder. Dann packte ich die saubere Wäsche aus, die der Mann gestern von der Laundry geholt hatte. Leider vermisse ich ein Laken, wir werden nachfragen müssen.

Dann erwachte der Mann und wir machten Frühstück. Dazwischen miepste Manfred herum, weil er gerade wieder Dosenfutter kriegt. Das kommt aber aus dem Kühlschrank und muss erst mal aufwärmen, bevor er es essen darf. Nach dem Frühstück brachen wir zum Einkaufen auf. Die Straßen waren wieder relativ leer, vor allem die Abwesenheit gigantischer, in Schwärmen unterwegs seiender Reisebusse macht sich bemerkbar. Auch der Supermarkt war – zumindest bei unserem Eintreffen – recht wenig besucht. Allerdings hatten sich scheinbar alle Einkaufenden vor dem einen Regal versammelt, in dem alles wichtige zum Kochen steht: Öl, Sojasoße, Gewürzmischungen, Margarine. Ich hatte nicht an meinen Mundschutz gedacht und fühlte mich merkwürdig ungeschützt. Wahrscheinlich war meine Technik, rasch an herumstehenden Leuten vorbeizuhuschen auch nicht die beste, ich werde optimieren.

Mit Shampoo, Öl, Schokolade, Gewürzen, Seife, Zitronen, Nudeln und noch einigem mehr im Einkaufskorb standen wir dann an der Kasse. Dort gibt es auch diese Abstandhalteraufkleber, allerdings nur zwei. Zwei! Ich hielt drei Fliesen Abstand zu unseren Vorderleuten, während die hinter uns Wartenden uns zunehmend auf die Pelle rückten. Die beiden vor uns demonstrierten auch noch mal sehr schön, warum eins im Supermarkt momentan nicht alles anfassen sollte: Sie nahmen verschiedene Sachen aus dem Regal, guckten sie an, stellten sie wieder zurück und fassten sich zwischendurch dauernd ins Gesicht. Worauf eins so achtet in Zeiten von Corona.

Die Rückfahrt fühlte sich dann endgültig apokalyptisch an, weil der Himmel im Norden wirklich rabenschwarz war und auch schon die ersten Tropfen fielen. Zum Glück wohnen wir im Süden und es wurde spürbar heller. Wir kamen genau in dem Moment zu Hause an, als der Regen losging.

Wir packten die Einkäufe aus, der Mann bestand auf deren Besprühen mit Alkohol, dann setzte ich mich an den Computer. Manfred, den Donner fürchtend, ruhte neben mir.

Zum Abendbrot kochte der Mann Nudeln mit weißer Soße und Tomatensoße mit Zucchini drin. Ein Fest! Ich pipelte dann noch mal am Rechner rum, dann fingen wir um zehn an, Harry Potter zu gucken und kamen natürlich wieder mal erst nach Mitternacht ins Bett.

23. & 24. März – Läuse und ein Onlinekurs

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Am Montag erwachte ich früh von einem Kater, der erst auf mir herumtrampelte und dann einfach neben mir einschlief. Das war sehr niedlich und so konnte er es natürlich nicht verpassen, als ich später aufstand. Es folgte die übliche Routine aus Katzen füttern, Zähne putzen, anziehen, Katzenklos saubermachen, Porridge kochen. Der Mann fuhr rasch Eier kaufen, während ich Bananen schnippelte.

Dann Computerzeit. So richtig toll war meine Konzentration noch nicht wieder, es ist einfach alles sehr komisch momentan. Muss ich euch ja sicher nicht erzählen. Irgendwann hopste Nina auf meinen Schreibtisch und legte sich auf der Tastatur schlafen. Da sie sich momentan ständig kratzt, nutzte ich die Gelegenheit und untersuchte ihr Fell mit der Taschenlampe. Tatsächlich fand ich winzig kleine schwarze Dinger, die an einzelnen Haaren klebten. Flohdreck war das definitiv nicht. Wahrscheinlich sind es die Nissen von Haarlingen oder Katzenläusen, wobei ich keine Ahnung habe, wo sie sich die eingefangen haben könnten. Und laut Internet treten Katzenläuse eher im Winter auf, das ergibt ja nun gar keinen Sinn. In Manfreds Fell siehts übrigens ähnlich aus, also dürfen sich die beiden schon mal auf ein ausgiebiges Bad freuen. Dafür müssen wir aber auf warmes und sonniges Wetter warten und außerdem neues Babyshampoo kaufen. Ich ziehe ja sogar eine Katzenschur in Betracht, dann trocknen sie schneller.

Übrigens war es den ganzen Tag über kälter als sonst, das machte sich auch in der Brauseproduktion bemerkbar. Bisher dauerte es um die zwölf Stunden, bis die Flaschen das erste Mal aufgebläht waren und nach knapp einem Tag ist die Limo fertig. Dieses Mal brauchten die Hefen auffallend länger.

Dienstag stand ich viel zu spät auf und war den ganzen Tag tranig. Zum Frühstück gab es Porridge mit Kokosmilch und echtem Ahornsirup, sodass die leicht unreifen Bananen kaum in Erscheinung traten. Ich las auch wieder mehr Nachrichten, es ist echt schwer, sich von der ganzen Coronageschichte abzuschirmen. Und dann immer wieder Geschichten von Tourist*innen, die an ihren Urlaubsorten festsitzen und gerettet werden wollen, während Geflüchtete an den Grenzen Europas tatsächlich gestrandet sind. Dazu strömender Regen den ganzen Tag lang. Immerhin beendete ich einen Text und las dann im Lektorierendenchat von einem Onlinekurs namens „The Science of Well-Being“ (Die Wissenschaft des Wohlbefindens), der von der Yale University momentan kostenlos angeboten wird. Den mache ich jetzt und werde berichten, was ich lerne und ob ich tatsächlich die zehn Wochen durchhalte. Zum Abendessen gab es Magelangan, Capcay und dazu die endlich fertige Brause. Allerdings schmeckt sie mit den verwendeten Orangen nicht so dolle. Zitronen und Minze auf die Einkaufsliste gesetzt. Hinterher vernichteten wir noch eine Packung Waffeln und dann schaffte ich es tatsächlich kurz nach Mitternacht ins Bett.