16. April 2020 – Etwas besser

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Manfred weckte mich, ich reichte Essen und blieb gleich wach, um Yoga zu machen. Denn ein Tag, der mit Yoga beginnt, fühlt sich meistens etwas besser an. Eine gute Entscheidung.

Zum Frühstück gab es Porridge und Ei und Obst (Avocado, Sternfrucht). Der Mann hat eine neue Eierquelle aufgetan und das Spiegelei war wirklich sehr gut.

Dann Computerzeit, während der Mann Gemüse einkaufen fuhr. Meine liebste Arbeitsmusik momentan ist der Soundtrack der Harry-Potter-Filme. Sehr beruhigend irgendwie.

Nach dem Abendessen (Spaghetti und Fertigtomatensoße, dazu frittiertes Tempeh) schnitt ich aus einem alten Kissenbezug Stoff für eine neue Maske zu, diesmal in Entenschnabelform. Der Mann mag es nämlich nicht, wenn der Stoff sein Gesicht berührt und vielleicht sagt ihm diese Version ja eher zu. Allerdings ist der Stoff durch lange Benutzung recht weich und dadurch möglicherweise zu labbrig. Zum Nähen hatte ich dann aber nicht mehr genug Energie.

Wir guckten dann noch einen Film, nämlich den neuesten Dolittle. So richtig doll war der nicht. Ich fand alle Figuren eher so meh und wenn sämtliche Witze entweder das Aussehen anderer Menschen oder Fäkalien zum Inhalt haben, hat ein Film bei mir eh verloren.

Dann Dusche und Bett. Ich höre jetzt übrigend „The Diamond Age“ von Neil Stephenson und das ist ziemlich spannend.

15. April 2020 – Misttag, aber Nina saß im Kühlschrank

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Es gibt so Tage, an denen flutscht alles. Wie gestern. Da schafft eins alles, braucht den Pomodorotimer nicht, hat gute Laune, das C-Wort erscheint weniger bedrohlich und die auf Shuffle gestellte Playlist spielt einen passenden Song nach dem anderen.

Heute war kein solcher Tag. Ich schreckte morgens aus einem Albtraum hoch, in dem in Magdeburg ein Vulkan explodierte. Tagsüber konnte ich mich nicht konzentrieren und schaffte beinah nichts, meine Hose nervte mich (warum auch immer), im Gudeg waren harte Stückchen drin und Manfred sprühte seit langem mal wieder, wobei er meinen Rucksack um Katzenhaaresbreite verfehlte. Abends fühlte ich mich von allem überwältigt, das äußerte sich in einem spontanen Heulanfall und anschließender bleierner Müdigkeit.

Aber es war nicht alles schlecht. Was schön war:

  • mit Nina aufs Sofa kuscheln und von ihr beschmusen lassen.
  • Brause ist fertig.
  • meine Blümelein sehen toll aus, vor allem die Clitoria blüht ununterbrochen.
  • Nina saß im (abtauenden) Kühlschrank und das war niedlich.
  • Donuts von der Schwiegermutter.

Außerdem wagten wir uns ins Warnet, denn unser Vorrat an Filmen und Serien geht zur Neige und mit 10 GB im Monat ist Ntflx leider unmöglich. Nun ist so ein Warnet ja ein Ort, an den täglich sehr viele Menschen kommen. Darum wurden dort Vorsichtsmaßnahmen ergriffen: Alle Besuchenden müssen noch draußen ihre Hände waschen (es gab Seife und ein behelfsmäßiges Waschbecken, aber wie immer nix zum Abtrocknen) und eine Maske tragen. Außerdem wird nur jede zweite Computerkabine genutzt und überall hängen Bilder, die die Mitarbeitenden beim Desinfizieren des Warnets zeigen. Ob das wirklich täglich geschieht, wer weiß, aber es sauberer denn je. Wir achteten peinlich darauf, uns nicht ins Gesicht zu fassen und beluden die externe Festplatte mit jeder Menge neuer Unterhaltung. Auf die letzte Staffel von The Good Place freue ich mich besonders.

Abends den wirklich grottenschlechten Film Portals geguckt. Es spricht wohl für sich, dass die Bewertungen bei IMDB unterhaltsamer waren als der gesamte Film. Um die NY Times zu zitieren: „Wer hätte gedacht, dass die Erstbegegnung mit interdimensionalen Wesen solche Zeitverschwendung sein kann.“

14. April 2020 – Ein Eiscappuccino rettet den Tag.

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Um fünf war ich das erste Mal wach, schlief dann aber nochmal bis halb neun. Brausebefüllung, dann Frühstück, Porridge mit Marmelade ist immer noch mein Favorit.

Nach dem Essen Computerzeit. Als ich mich gerade etwas matt zu fühlen begann, reichte der Mann einen Eiscappuccino. Und wahrscheinlich deswegen hakte ich schon um vier den letzten Punkt auf meiner To-do-Liste ab und konnte schon mal mit der Essenszubereitung starten, während der Mann noch busy war. Das war ein sehr gutes Gefühl. Wir kochten wieder eine Gemüsepfanne aus Bohnen, Kohl und Lauchzwiebeln, dazu gab es roten Reis, für den Mann Huhn und für mich ein Ei. Sehr lecker.

Als ich danach die Blumen gießen ging, wurde gerade der Müll abgeholt. Das erleichterte mich sehr. Es gab letzte Woche Streiks an der Müllkippe, denn die ist voll, aber irgendwie passiert nichts, das die Lage verbessern könnte. Kein Wunder, dass die Leute, die dort wohnen, keinen Bock mehr haben. Leider finde ich es unglaublich schwierig, unsere Müllproduktion zu reduzieren. Beim Einkaufen verzichten wir schon auf Plastetüten, aber gerade beim Lebensmitteleinkauf ist alles verpackt, denn es gibt kaum Unverpacktläden. Und sowas wie Haferflocken oder Nudeln sind lose nicht zu bekommen. Es ist kompliziert.

Später half der Mann mir, die Nähmaschine zu ölen. Und siehe da, das Handrad ließ sich ganz leicht drehen. Dann beschäftigte die richtige Fadeneinfädelung uns noch eine Weile. Als endlich alles da war, wo es hingehörte, holte ich einen Stoffrest, nähte fröhlich auf und ab und probierte die verschiedenen Stiche aus, davon hat die Maschine nämlich so einige auf Lager. Ich trennte noch einen löchrigen Kissenbezug auf, aus dem ich morgen eine andere Art Gesichtsmaske nähen will, dann war es Zeit, das Haus nachtfein zu machen und dabei den Harry-Potter-Podcast zu hören. Immer noch große Liebe dafür!

13. April 2020 – Ich hab jetzt eine Nähmaschine <3

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Aus lebhaften Träumen heraus aufgewacht. Momentan träume ich noch realistischer als sonst, keine Ahnung warum. In diesem Traum kam ein Antiquitätenladen namens „I killed the plätzle“ vor. Was würde Freud dazu sagen?

Aufgestanden und angezogen, dann klopfte es an der Tür. Eine Freundin war gekommen, um mir eine Nähmaschine auszuleihen, die wiederum eine andere Freundin bei ihr untergestellt hatte, bevor sie zurück nach Europa zog. Da sie wahrscheinlich nicht wiederkommen wird, handelt es sich um eine Dauerleihgabe. Wir redeten kurz mit Sicherheitsabstand, das war schön.

Dann Frühstück, Porridge mit Himbeermarmelade war super, nur die schlechte Eierqualität zog die Laune des Mannes in Mitleidenschaft.

Computerzeit mit Nina. Ich zeigte ihr auf meinem zweiten Bildschirm ein Eichhörnchenvideo, damit sie nicht ständig auf der Tastatur herumtapste. Das klappte so lange, bis ich den Bildschirm brauchte.

Alles geschafft, was ich schaffen wollte, trotz schlechter Internetverbindung.

Zum Abendbrot gab es Reste der letzten Tage. Kartoffeln, Reis, Gemüsepfanne, Spaghetti und Tomatensoße. Und sehr guten Kuchen von der Schwiegermutter.

Nach dem Essen ging ich in die Küche, um neue Brause zu fabrizieren, wieder Limette und Palmzucker. Danach nahm ich mir die Nähmaschine vor. Leider ist das Handrad verklemmt, ich werde sie morgen gründlich putzen und ölen müssen. Falls das nichts hilft, bringen wir sie zur Reparatur. Aber wie das Einfädeln geht, hab ich schon herausgefunden.

12. April 2020 – Spaziergang, Kochen und Familienkonferenz

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Morgens von einem sehr hungrigen Manfred geweckt worden, das passiert immer, wenn er am Vorabend Vitaminpaste bekommen hat. Nochmal hingelegt und bis neun geschlafen, ist ja Wochenende.

Zum Frühstück kochte ich Porridge, der Mann übernahm die Spiegeleibratung. Nach dem Essen ging er am Vergaser seines Motorrads basteln, ich saß herum und versuchte, mich an die vielen Sachen zu erinnern, die ich eigentlich heute erledigen wollte. Mir fiel nur „Fußabtreter waschen“ ein und das war innerhalb von fünf Minuten erledigt. Also trank ich in Ruhe meinen Kaffee, bloggte ein bisschen und sortierte in meinem Zimmer herum, dann war es auch schon Zeit zu kochen. Ich hatte mir eine Gemüsepfanne gewünscht, wie sie der Mann häufig kocht. Dazu hatte ich gestern bereits Pak Choi und Lauchzwiebeln vorbereitet und getrocknete Pilze eingeweicht. Jetzt schnippelte ich alles klein, dann zeigte der Mann mir die richtige Zusammenstellung der Gewürze. Mal gucken, ob ich noch alles zusammenkriege:

  • vier Prisen Salz
  • Pfeffer (ca. ein Drittel der Salzmenge)
  • 1 TL salzige Sojasoße
  • ein ordentlicher Klecks Kecap Manis
  • ordentlich Knoblauchpulver (in Ermangelung frischen Knoblauchs)
  • 1 TL Kochwein (habe den Namen grad nicht im Kopf)

Keine Ahnung, ob das so stimmt, muss nachher den Experten fragen. Außerdem mischten wir etwas Maisstärke in Wasser, die macht hinterher das Gemüse schön glänzend und dickt die Soße an. Und ein paar Spritzer Sesamöl kamen auch noch dran. Das Ergebnis war lecker, vor allem zu Salzkartoffeln und rotem Reis.

Beim Kochen hatten wir die Katzen eingesperrt und alle Türen geöffnet, weils so heiß war. Beide schliefen, bis plötzlich hinter uns ein Brummen ertönte: ein weiß-oranger Kater hatte sich ins Haus geschlichen und Nina protestierte.

Ich hatte den Wunsch nach mehr Bewegung geäußert, darum fuhren wir zu einer nahen Kirche, die auf einem kleinen Berg liegt. Dort ist nicht viel los, weil alle Gottesdienste momentan im Livestream stattfinden, und es geht ordentlich bergauf. Wir liefen ein paar Runden, dann fuhren wir wieder nach Hause. Dort kamen wir pünktlich zum Familiengruppenvideotelefonat mit meinen Eltern und meinem Bruder an. Das war ziemlich lustig, weil wir erstmal herausfinden mussten, wer wann reden darf und weil Nina zwischendurch dauernd auf den Tisch hopste und ihren wirklich sehr flauschigen Hintern in die Kamera hielt.

Das war schön.

Abends abgewaschen, ein bisschen gestrickt und ein bisschen matt herumgesessen, bis es Zeit fürs Bett war.

11. April 2020 – Was ich immer zu erzählen vergesse

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Davon aufgewacht, wie sich Manfred auf meinem Bauch niederließ. Später schlief er dann auf Ninas Decke, die zwischen unseren Kopfkissen liegt (und eventuelle Unfälle des leider manchmal undichten Tiers auffangen soll).

Futter gereicht, Zähne geputzt, das Übliche halt. Dann Frühstück mit leckerer pisang raja im Porridge.

Terrasse gefegt, Wäsche abgenommen, was eins halt so macht. Ein bisschen vor mich hin prokrastiniert, bis ich mich überwinden konnte zu tun, was ich schon lange erledigen wollte: den Ordner mit den wichtigen Papieren aufräumen. Denn in einem Monat steht die Umwandlung meines befristeten in den permanenten Aufenthaltsstatus an und dafür braucht es jede Menge Papierkram. Und so saß ich schon bald auf dem Boden, umringt von Papierstapeln, sortierte Kopien von abgelaufenen Visa aus und ordnete alles neu. Dann ging ich die Liste der benötigten Unterlagen durch, die wir schon im Januar (?) vom Kantor Imigrasi abgeholt hatten, suchte sie zusammen und schrieb gleichzeitig auf, welche Kopien noch fehlen. Ich war guter Dinge, beinah alle Papiere hatte ich schon da – dann las ich die Liste noch einmal durch und entdeckte den letzten Satz: Alle Unterlagen sind in dreifacher Ausführung einzureichen. Und jetzt müssen wir doch jede Menge Kram kopieren. Aber wer weiß, ob die Einwanderungsbehörde in einem Monat schon wieder geöffnet hat, da werden momentan nämlich nur Notfälle bearbeitet. Falls mein Status vorher abläuft, kriege ich aber automatisch ein kostenloses Not-Visum und kann die Änderung meiner Genehmigung dann später beantragen.

Zum Abendbrot gabs Spaghetti und vegetarische Bolognese mit jeder Menge Käse und dazu Limonenbrause. Letztere hat dank Palmzucker ein tolles Karamelaroma und auch der Sprudel ist irgendwie stärker. Wird wiederholt.

Abendgestaltung wie immer: Abwaschen, stricken, Podcast. Weil es auch um elf Uhr abends noch heiß im Haus war, sperrte ich die Katzen ein und öffnete alle Türen und Fenster weit. Nina protestierte, darum durfte sie Eichhörnchenvideos auf meinem Telefon angucken.

Beim Zähneputzen fiel mir ein, dass ich beim Bloggen häufig eigentlich wichtige Ereignisse vergesse. Zum Beispiel ist vor zwei Tagen Merapi mal wieder ausgebrochen, aber das war jetzt schon das 13. Mal seit September 2019 und ist irgendwie längst nicht so schlimm, wie es die europäischen Medien darstellen. Es gibt halt eine spektakuläre Aschesäule und etwas Ascheregen meistens westlich vom Vulkan (wir wohnen im Süden). Ohne die Nachrichten würden wir davon nichts mitkriegen.

C-Wort-mäßig ist die Lage unverändert, obwohl es sich so anfühlt, als ob wieder mehr Leute rausgehen würden. Viele haben natürlich auch keine andere Wahl, denn von zu Hause arbeiten können, ist ein Privileg, das beispielsweise ein Motorradtaxifahrer oder eine Shopbesitzerin nicht haben. Ich überlege momentan, wie ich helfen kann. Mittlerweile gibt es nämlich schon einige Organisationen, die Grundnahrungsmittel oder fertig gekochtes Essen verteilen.

10. April 2020 – Ist Srikayabrause eine gute Idee? Teil 2

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Um acht verschwitzt aufgewacht und wach geblieben, es war einfach zu warm. Überhaupt glich das Wetter heute einer Sauna: Die Sonne schien, dann regnete es ein bisschen, dann schien die Sonne wieder. Der Boden wurde zum Saunaofen, der Regen zum Aufguss. Puh.

Gleich nach dem Aufstehen testete ich die Brause und wurde nicht enttäuscht. Beim Öffnen schäumte sie wie geschüttelte Club Mate. Ich stellte die Flasche in den Kühlschrank und inokulierte gleich noch die nächste Fuhre Limonenlimonade, die dank Palmzucker die Farbe von Cola hat.

Ansonsten war alles wie immer: Frühstück, Kaffee, Schreibtisch. Ich schaffte einiges und sogar noch ein bisschen Buchhaltung.

Zum Abendbrot gab es Mie goreng, dazu tranken wir die nun kalte Brause. Sie schmeckte ein bisschen wie sehr junger Tuak, da war wohl die Gärung etwas zu stark. Ich überlege schon, einen neuen Starter anzusetzen, vielleicht ist der alte ein bisschen aus dem Gleichgewicht geraten. Aber schlecht wars nicht.

Nach dem Essen probierte ich einen weiteren Workaround, um endlich das E-Book, das ich lesen will, auf den Tolino zu zaubern. Es klappte nicht. Jetzt habe ich echt alles probiert, es ist sehr frustrierend.

Abwasch, dann stricken, beides begleitet von Harry Potter and the Sacred Text. Ich liebe diesen Podcast mit jeder Folge mehr. Socke Nr. 2 wurde fertig, ich schloss die Spitze mit dem kitchener stitch und machte mich dann trotz fortgeschrittener Stunde daran, Socke Nr. 1 zur Hälfte aufzuribbeln, weil das Fersenmuster ungleich ist. Dazu fädelte ich an der entsprechenden Stelle Zahnseide als Maschensicherung ein, das war ein Tipp, den ich mal auf irgendeinem Strickblog gelesen habe. Wahrscheinlich muss ich noch ein oder zwei Runden rückwärts stricken, weil vor allem die Sicherung der linken Maschen nicht sooo gut gelungen ist, aber das wird schon. Und ich freue mich schon darauf, die hübsche Ferse noch einmal zu stricken, jetzt, wo ich raushabe, wie das Muster funktioniert.

Dann fegen, Bett ausklopfen, duschen, Schlaf.

9. April 2020 – Geburtstag! (leider ohne Kuchen)

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Heute war des Mannes Geburtstag (selamat ulang tahun!), darum nahm ich mir frei. Zuerst frühstückten wir und guckten dabei zwei Folgen Superstore. Dann musste der Mann was am Computer machen und ich schrieb in der Zwischenzeit die Einkaufsliste. In Jakarta gibt es ab morgen nämlich eine 14-tägige Ausgangsbeschränkung und ich bin mir sicher, dass das hier auch bald kommen wird. Also ist es immer gut, ein paar Packungen der großartigen Nudelsoße im Schrank zu haben.

Ausgangsfertig machen heißt in Zeiten des C-Worts: Maske auf. Bei mir dauert es noch ein paar Minuten, bis ich das Stoffding zurechtgefriemelt habe. Die zweite Maske hat übrigens keine gehäkelten Schnüre zum Zubinden, sondern welche aus selbst gemachtem T-Shirt-Garn, mit dem ich einen Teppich häkle.

Unter einem strahlend blauen Himmel fuhren wir erst gen Süden zu einem Vapeshop. Unterwegs kamen wir an vielen gesperrten Straßen vorbei. Es scheint, als ob einige Nachbarschaften alle Zugänge bis auf einen schließen und am einzigen offenen Eingang eine Desinfektionsmitteldusche aufbauen. Bei uns ist das glücklicherweise nicht so und die Hauptstraßen sind auch nicht betroffen. Inzwischen werden Stimmen laut, dass so viel Desinfektion die Haut und die Atemwege reizt und außerdem umweltschädlich ist. Ich kann aber auch die Leute verstehen, die verzweifelt irgendetwas tun wollen. Meine Maskenschneiderei wurde ja durch dieselbe Motivation befeuert.

Eine Weile vorm Vapeshop herumgestanden, dann wieder aufs Motorrad gestiegen. Ziel: Supermarkt. Die Straßen wirkten wieder ein bisschen voller auf mich, aber das kann auch an der Tageszeit liegen. Und warum fahren Leute mit Maske aber ohne Helm herum?

Vorm Supermarkt sprach uns erstmal eine Frau an, die uns einen Flyer mitgeben wollte, der die richtigen Verhaltensweisen gegen Ihr-wisst-schon-was lehrt. Sie redete ziemlich lange auf uns ein, aber wir lehnten ab. Dann wuschen wir uns an aufgestellten Waschbecken die Hände, bekamen Fieber gemessen (36,6 °C) und konnten endlich in den kühlen Supermarkt. Dort kauften wir jede Menge ein, ich freute mich besonders über Palmzucker für meine Brause, Joghurt und Himbeermarmelade.

Wieder zu Hause goß ich die Blumen und der Mann besprühte alle Einkäufe mit Alkohol. Alles ist Lava. Dann begann der angenehme Teil des Tages: meine erste Pizzabestellung in Indonesien. Der Mann rief im Restaurant an und bekam die Speisekarte als PDF-Datei zugeschickt. Er wiederum teilte unsere Location, die leider außerhalb des Lieferradius lag. Dann also GrabFood. Grab ist eine App, mit der eins ein Auto- oder Motorradtaxi bestellen kann. Außerdem kann eins den Fahrer zum Einkaufen oder zu einem Restaurant schicken. Das klappte gut und nach einer halben Stunde bekamen wir zwei Pizzakartons überreicht. Die Pizzeria setzt auf komplett plastikfreie Verpackung, darum waren die Kartons mit Schnur zusammengebunden.

Die Pizza war großartig. Der Mann hatte welche mit Fleisch und Paprika, ich hatte mich für Rucola, Tomaten und Parmesan entschieden. Es war sooooo lecker. Aber wie immer hätte ich eigentlich nach der Hälfte aufhören sollen. Da ich das nicht tat, war der restliche Tag etwas … träge.

Als ich mich wieder bewegen konnte, ging ich abwaschen und dann Limonenbrause ansetzen. Dazu hörte ich den Podcast Harry Potter and the Sacred Text, bei dem jede Woche bei Buch 1 beginnend ein Kapitel unter einem bestimmten Thema gelesen und wie ein religiöser Text analysiert wird.

Den restlichen Abend verbrachten wir redend und in meinem Fall strickend und das war schön.

8. April 2020 – Ob Srikayabrause eine gute Idee ist?

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Frühmorgens aufgewacht, weil ein Kater mein Kopfkissen in Beschlag nahm, dann nochmal weggepennt bis neun. Beim Zähneputzen wurde ich von einer Töpferwespe bedrängt, die anscheinend im Bad ein Nest bauen wollte. Aber wo? Später fand ich es, und zwar direkt unter den Handtuchhaken. Anscheinend hatte ich das Handtuch genau vor ihre Baustelle gehängt.

Beim Gang zum Mülleimer prüfte ich die letzte Frucht meines Srikayabaums und – siehe da! – sie war endlich weich, darum nahm ich sie gleich mit rein.

Frühstück wie immer, allerdings mit Jajanan, traditionellen Snackies zum Kaffee.

Dann Computerzeit. Ich lektorierte den Text von gestern und versuchte dann noch einmal, meine beiden Computerprobleme zu lösen. Das E-Book-Problem scheiterte an einem Fehler des Adobeservers und das Gerätemanagerproblem konnte weder durch sfc /scannow noch durch RestoreHealth beseitigt werden. Wenn irgendwer Rat hat: Her damit! Am liebsten würde ich ja Windows komplett neu installieren, aber das verbraucht sicher ein komplettes Internetpaket.

Der Mann kaufte Gudeg zum frühen Abendbrot und brachte auch seiner Mama ein Bungkus vorbei, damit sie zu Hause bleibt. Im Gegenzug packte sie uns eine große Tüte Eier und eine riesige Banane ein.

In den letzten zwei Tagen war’s trocken hier, also ging ich noch fix die Blumen gießen. Dabei geriet mir irgendeine Ameise oder ein anderes wehrhaftes Insekt in die Latschen. Ich sah es nicht, aber es stach oder biss mich in den Fuß. Das passiert mir öfter mal und normalerweise klingt der Schmerz schnell wieder ab, aber dieser Biss/Stich/wasauchimmer tat noch Stunden später weh, trotz Cortisonsalbe. Dabei war die Stelle nur minimal geschwollen und auch kein Stachel oder so zu sehen.

Abendbrot gegessen. Dann war Manfred plötzlich weg, ich fand ihn schlafend mitten in all dem Gerödel, das sich im Laufe der Woche auf meinem Zweittisch ansammelt.

Später brach der Mann auf, um die Läden abzuklappern, die sein E-Liquid verkaufen. Ich machte den Abwasch und hatte dann die Idee, aus der Srikayafrucht Brause zu machen. Dazu pulte ich alle Kerne aus dem Fruchtfleisch, das ich mit rund 800 ml Wasser und ein bisschen Limonenschale aufkochte. Dann gab ich zwei Esslöffel Zucker, eine Prise Salz und den Saft der Limone hinzu. Dabei guckte ich übrigens Some Good News, den neuen Youtube-Kanal von John Krasinski. Der ist toll und lustig und ermutigend.

Die Brausemischung ließ ich abkühlen und setzte mich mit Strickzeug aufs Sofa, diesmal hörte ich den Women-of-Harry-Potter-Podcast. So langsam geht die zweite Socke in den Endspurt, in wenigen Runden kann ich die Spitze beginnen. Dafür muss ich die erste Socke nochmal bis zur Ferse aufribbeln und ab da neu stricken, weil es ein paar Ungleichheiten gibt. Ich selber trage nie passende Socken, aber wenn ich welche stricke (noch dazu für die Schwiegermutter) müssen sie so identisch wie möglich sein.

Als der Mann nach Hause kam, war es beinah Mitternacht, aber wir hatten beide plötzlich Appetit und verspeisten deshalb die restlichen Spaghetti von gestern und die riesige Banane (kurz in Margarine gebraten). Und dann war Schlafenszeit.

7. April 2020 – Tolinoärger führt zu Computerärger

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Um sechs Uhr wachte ich das erste Mal auf (und dachte ans Messen, wuhu!), dann alle halbe Stunde, bis ich gegen acht endgültig wach, nur leider sehr schlecht gelaunt war. Meine Laune besserte sich erst angesichts der Pancakes, die der Mann zum Frühstück machte.

Vor dem Arbeiten wollte ich nur fix die E-Books, die ich gestern aus der Onleihe ausgeliehen hatte, auf dem Rechner runterladen und dann übers USB-Kabel auf den Tolino kopieren. Auch das klappte nicht und produzierte nur Fehlermeldungen und kaputte Dateien. Außerdem gingen meine USB-Anschlüsse plötzlich nicht mehr. Das Problem hatte ich schon mal, eins kann das im Gerätemanager aber leicht reparieren. Also rief ich den auf – und erhielt die frohe Botschaft, dass ich dieses Programm nur mit Administratorenrechten öffnen könne. Aber i c h bin doch Administrator! Nach vielerlei Googeln, Scans und Diagnosen weiß ich jetzt, dass im Windows-Ordner irgendwelche Systemdateien fehlen oder korrupt sind, aber hatte dann keinen Nerv mehr zu weiteren Maßnahmen. Morgen dann.

Dafür konnte ich einen Text beenden, eine Rechnung verschicken und erhielt zum ersten Mal seit fast einem Monat wieder einen Korrekturauftrag. Einen wirklich kleinen, der sich aber als so verzwickt herausstellte, dass ich ihn ebenfalls aus morgen verschob.

Als ich die Wäsche aufhing, bemerkte ich zwei Jungs, die scheinbar Zettel an die Nachbarhäuser verteilten. Vor unserem Haus blieben sie in einiger Entfernung stehen und berieten sich, in welcher Sprache sie mich wohl ansprechen sollten. Sie entschieden sich tatsächlich für Indonesisch, was mich freute, denn ich habe momentan nicht viele Gelegenheiten, Indonesisch zu sprechen. Der Zettel stellte sich als neue Corona-Regeln für die Nachbarschaft heraus. Wir dürfen ab sofort nach 21 Uhr keine Gäste mehr empfangen und auch keinen Besuch von Leuten bekommen, die von außerhalb der Daerah Istimewa Yogyakarta kommen. Gäste, die länger als 24 Stunden bleiben, müssen unter anderem ein Gesundheitszertifikat vorlegen. Außerdem sind Versammlungen von mehr als 10 Personen verboten und nach 21 Uhr haben alle leise zu sein. Was der letzte Punkt mit dem Coronavirus zu tun hat, weiß ich leider nicht.

Hier beginnt ja demnächst der Fastenmonat und damit Mudik, die Reisebewegung, bei der alle Leute nach Hause zu ihren Familien fahren, um gemeinsam Idul Fitri zu feiern. Das ist jedes Mal ein Riesending, Millionen Menschen sind unterwegs, das Fernsehen berichtet von Megastaus, alle Tickets für Flüge und Züge sind Wochen im Voraus ausverkauft. Aus Coronagründen soll diese Tradition dieses Jahr ausfallen, aber das durchzusetzen wird natürlich schwer. Die Medien bewerben bereits Mudik Online, aber ob das so angenommen wird? Jedenfalls sind die neuen Verhaltensregeln hier in der Gegend sicher ein Schritt, um dem entgegenzusteuern.

Das Lesen hatte ich noch nicht aufgegeben und probierte noch einmal vom Tolino aus, die geliehenen Bücher herunterzuladen. Es. klappte. nicht. Dabei ließ ich nichts unversucht, befolgte Anleitungen aus dem Internet, loggte mich aus und wieder ein, stellte die Uhrzeit richtig ein, löschte irgendwelche Zertifikatsdateien und setzte den Reader am Ende sogar auf Werkseinstellungen zurück. Nichts half und ich ging leicht frustriert, aber immerhin mit Hörbuch, ins Bett.