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Allgemein

Was seither geschah – ein kleines Update

Wie sehr sich die Welt seit meinem letzten Blogeintrag verändert hat. Die Nachrichten fühlen sich nach wie vor sehr surreal an. Vor allem, weil zumindest in meiner näheren Umgebung beinah alles wie immer ist. Also, wie ist es so in Indonesien in Zeiten des Corona-Virus?

Indonesien galt echt lange offiziell als virusfrei, während nahezu alle umliegenden Ländern Infektionen meldeten. Bei so einem großen Land war das sehr verwunderlich, sorgte aber auch dafür, dass wir gelassen blieben. Ich meldete mich trotzdem vorsorglich bei der Krisenliste des Auswärtigen Amts an, die den schönen Namen ELEFAND trägt. Inzwischen sind in Indonesien rund 170 Menschen infiziert, hier in der Stadt gibt es bisher einen Fall. Möglicherweise ist die Dunkelziffer höher, wer weiß das schon. Bisher gibt es kaum Einschränkungen. In einigen Gegenden schließen Schulen und Touristenattraktionen, seit gestern wurde die Einreise für bestimmte Personengruppen beschränkt (z. B. können Deutsche nur noch einreisen, wenn sie sich im Voraus ein Visum in einer indonesischen Botschaft besorgt haben – und das gibts nur noch für Leute, die einen guten Grund dafür haben) und es gilt die Empfehlung des Social Distancing. Zumindest in der Nachbarschaft ist aber alles wie gehabt. Ob das so gut ist?

Mein Alltag hat sich bisher kaum geändert, ich war ja schon immer recht viel zu Hause. Allerdings ist der Mann jetzt auch immer da, keine Besuche beim Bengkel oder in Vapeshops mehr. Wir haben uns seit dem Wochenende so weit wie möglich eingeigelt. Im Küchenschrank lagern Instantnudeln, Reis, Spaghetti und Kekse, außerdem haben wir eine Großpackung Katzenfutter gekauft. Klopapier brauchen wir keins, hier wird sich der Popo mit Wasser gewaschen und das ist eh viel toller. Wir kaufen auch noch Essen von außerhalb, aber nur noch, wenn es frisch gekocht wurde.

Seit ein paar Tagen habe ich schon ganz leichte Halsschmerzen und bin heute morgen mit einem wirklich klitzekleinen Erkältungsgefühl und gelegentlichem Husten aufgewacht. Genau das ist es wahrscheinlich auch, aber trotzdem bin ich ein bisschen besorgt und werde nun noch stärker auf die üblichen Hygieneempfehlungen achten. Besuche bei der Schwiegermutter sind ohnehin gestrichen, aber der Mann gehört ebenfalls zur Risikogruppe, da müssen wir aufpassen.

Die ganze Corona-Geschichte beschäftigt mich sehr, euch geht das ja sicher ebenso. Anfangs tendierte ich noch sehr zur „ist doch nicht so schlimm“-Fraktion, inzwischen ist mir bewusst, dass die Lage deutlich ernster ist. Passt bitte gut auf euch und aufeinander auf, bleibt so weit wie möglich zu Hause und bleibt gesund!


Themenwechsel: Vor zwei Wochen habe ich zum ersten Mal vom sogenannten Ginger Bug erfahren. Das ist fermentierter Ingwer, mit dessen Hilfe eins natürliche Brause machen kann. Ich habe es ausprobiert, weil mir Getränke mit Kohlensäure ein bisschen fehlen. Hier gibts sowas nur in Form von süßer Cola. Dazu habe ich zunächst einen Starter angesetzt und

  • ca. 500 ml Wasser,
  • zwei EL geraspelten Ingwer (ungepellt!) und
  • zwei EL Zucker

in einen großen Plastebecher gefüllt. Den habe ich mit Küchenpapier und Gummiband lose verschlossen und an einen warmen Ort gestellt. Das war in meinem Fall einfach die Küche. Dann habe ich meinen Ginger Bug jeden Abend mit jeweils einem Esslöffel voll gehacktem Ingwer und Zucker gefüttert und die Mischung mehrmals täglich mit einem Plastelöffel umgerührt. Nach drei Tagen zeigten sich die ersten Luftblasen und nach fünf Tagen roch der Starter nach Bier. Fertig war der Ginger Bug und damit habe ich dann Zitronenlimo gemacht. Dazu habe ich die Schale von einer Zitrone und zwei Limetten in einem Liter Wasser köcheln lassen und danach Zucker, Zitronen-/Limettensaft und eine Prise Salz untergerührt. Als das Ganze abgekühlt war, kam noch ein Schnapsglas voll Ginger Bug dazu und dann habe ich die werdende Limo in zwei saubere Plasteflaschen gefüllt. Schon bald bildete sich Kohlensäure, die muss eins regelmäßig entweichen lassen. Nach knapp 24 Stunden war meine Brause sprudelig genug und ich stellte sie in den Kühlschrank, um die Fermentation zu verlangsamen. Das Resultat war eine echt leckere und gar nicht süße Limo.

Der Ginger Bug wohnt jetzt in meinem Kühlschrank, ich füttere ihn nur noch einmal die Woche und zwacke ab und zu ein bisschen was ab. Heute ist eine Flasche Ingwerlimonade fertig geworden, aber ich habe noch weitere Ideen, etwa Eistee mit Sprutz oder lila Brause mit den Blüten meiner Clitoria.

05. März 2020 – #wmdedgt und ein Dachschaden

Pünktlich zur #wmdedgt-Aktion von Frau Brüllen melde ich mich aus der Versenkung zurück, in die mich Faulheit und zu viel Computerzeit katapultiert hatten. Worum es dabei geht und wie andere Leute ihren Fünften so verbracht haben, steht alles hier.

Los gehts.

Der Tag begann um Mitternacht mit Krach aus der Küche. Manfred war von Ninas Käfig aus auf den nächsten Schrank gesprungen und hatte dabei die Dose mit dem Trockenfutter runtergeschmissen. Von der war der Deckel abgesprungen und überall lag Futter herum. Manfred wirkte sehr zufrieden, aber ich hatte mich doch eben erst hingelegt …

Der restliche Teil der Nacht war äußerst erholsam. Es regnete durch und war darum angenehm kühl. Ich brauchte sogar eine Decke zum Schlafen, das feiere ich immer sehr, weil mir das gemütliche Einkuscheln manchmal fehlt. Gegen sieben saß dann Herr Manfred wieder neben mir, trampelte auf mir herum, schubste mich und piepste mitleiderregend. Irgendwann schaffte er es dann, mich zum Aufstehen zu bewegen, aber sein Futternapf war noch voll. Katzen ey.

Wegen Loch im Küchendach frühstückten wir auswärts in der Nähe unseres früheren Hauses. Dort gibt es ein Warung, das morgens immer ein riesiges Buffet auftafelt. Für mich gab es Reis mit Nudeln, Cap Cay, dann noch einem gelben Gemüsegericht und einem gekochten Ei. Und zum Nachtisch eine frittierte Banane. Wir blieben etwas länger als sonst, weil wir einen Freund trafen, der auch zum Essen kam und der gerne und viel erzählt. Wieder zu Hause machte ich Kaffee und der Mann lotste den Dachdecker zu uns, der den verrutschten Dachziegel wieder gerade rücken sollte. Das klappte zum Glück ganz schnell und jetzt ist unsere Küche wieder trocken.

Ich setzte mich an den Rechner, wo ich nacheinander von beiden Katzen besucht wurde. Manfred schlief irgendwann neben mir und benutzte meine Maus als Kissen, weswegen ich aufs Touchpad ausweichen musste. Trotzdem kam ich gut voran und hatte bis zum Abendessen alles erledigt, was ich mir vorgenommen hatte. Wir guckten dann noch zwei Folgen Lost. Danach wollte ich mich eigentlich bettfertig machen, als mal wieder eine dieser Riesenmotten ins Haus geflattert kam. Das war jetzt sicher das vierte oder fünfte Mal. Der Mann stupste sie mit einem langen Stab aus dem Dach, ich fing sie in einer leeren Konservendose ein und ließ sie in sicherer Entfernung zu unserem Haus frei. So gut hatte das bisher noch nie geklappt, wahrscheinlich wirkte die Kälte (= 23 °C) verlangsamend auf das Flattertier. Jedenfalls konnte ich dann endlich in einem mottenfreien Haus und mit Herr-der-Ringe-Hörspiel schlafen gehen.

20. Februar 2020 – #tanggalcantik

Gestern war das Datum hübsch, darum trendete #tanggalcantik (= hübsches Datum) auf Twitter. Andernfalls hätte ich es auch nicht bemerkt. Und das habe ich sonst so gemacht:

  • Frühmorgens aufgewacht, weil Nina die Snackiedose vom Tisch geschubst hatte und laut klappernd durchs Haus kickte. Katzenfutter verteilt und wieder hingelegt.
  • Aufgestanden, Bananen geschnippelt, gefrühstückt, Kaffee getrunken.
  • Computer eingeschaltet, lektoriert, prokrastiniert, über gutes Feedback gefreut, E-Mails geschrieben.
  • Nachrichten gelesen. Entsetzen. Wut. Deutschland hat ein Rassismusproblem und Rassismus tötet. Und hört auf „Fremdenfeindlichkeit“ zu sagen, es heißt „Rassismus“. Es war kein Einzeltäter, kein „geistig verwirrter“ Typ, der sich „abgehängt“ gefühlt hat oder irgendwas, sondern rechter Terror.
  • .
  • Passt aufeinander auf und ganz besonders auf eure Schwarzen und POC-Freund*innen. Entsetzt zu sein und anschließend unabhängig von den Geschehnissen einen ganz normalen Tag haben zu können, ist ein Privileg (das ist nicht mein Gedanke, sondern wurde von einer schlauen Person in den sozialen Medien gepostet, ich finde nur die Quelle nicht mehr).
  • Und übrigens: Genau das ist der Grund, warum ich nicht mehr in Deutschland leben will. Um meinen Mann und unsere zukünftigen Kinder zu schützen. Wie unglaublich gut es uns geht, dass wir diese Wahl treffen können.
  • Mich abgeschirmt und nochmal gearbeitet.
  • Abendbrot gegessen (roter Reis, Gemüse, Pastel)
  • Nach Stromausfall durch krassen Regen im Dunkeln gesessen.
  • Abgewaschen, Wäsche aufgehängt.
  • Nina geflauscht, Manfred geflauscht, Snackies für alle und dann ab ins Bett.

The Good Place | Die allerbeste Serie ever heißt The Good Place und ist großartig. Wir gucken sie grad erneut, um für die nächste und letzte Staffel gerüstet zu sein. Es geht um Ethik, aber das macht nichts. Am liebsten mag ich Janet, eine personifizierte Datenbank, die alles über das Universum weiß und außerdem ein nicht binärer Charakter mit weiblichem Passing und sie-Pronomen ist. Was Janet so macht, wenn niemand ihre Dienste braucht, zeigt das folgende Video:

19. Februar 2020 – Zahnbedingte Odyssee

Nachdem wir gestern Abend Besuch hatten und erst gegen zwei ins Bett kamen, kostete das Aufstehen um acht Uhr ziemliche Überwindung. Doch es war nötig, weil wir in die Poliklinik eines nahen Krankenhauses fahren wollten, um die ganze Zahngeschichte mal voranzubringen. Pünktlich um neun saßen wir auf dem Motorrad und fuhren los. Im Krankenhaus angekommen, erwartete uns erst einmal Bürokratie. Ich zog eine Nummer für die Anmeldung und wartete beinah eine Stunde. Als ich drankam, war die Zahnchirurgin schon ausgebucht. Mist.

Wir fuhren wieder nach Hause und riefen in einem anderen Krankenhaus an, das eine eigene Zahnklinik hat. Bei der ist die Sprechstunde ab 18 Uhr, also perfekt für unseren Tagesrhythmus. Daheim setzte ich mich fröhlich korrigierend an den Rechner, neben mir schlummerte der Kater.

Nach dem Essen (Gudeg, heute mal ohne harte Kerngehäuse!) fuhren wir unter einem dramatisch bewölkten Himmel wieder los, diesmal gen Norden. Die Zahnklinik gehört zu einer Universität hier und versprühte einen gewissen Baustellencharme, weil – nun ja – an einem großen Anbau gewerkelt wurde. Drinnen war aber alles schick. Bei der Anmeldung musste ich jede Menge Daten angeben, die mir sehr überflüssig vorkamen. Oder was haben meine Religion, mein Familienstand, mein Bildungsabschluss und mein jetziger Beruf mit meinen Zähnen zu tun? Außerdem wurde mein Blutdruck gemessen, der zu Hause immer um die 100 rumdümpelte, hier aber mit 130 zu 80 als zu hoch bewertet wurde. Danke dir, gute alte Wartezimmernervosität.

Irgendwann wurde ich aufgerufen, schilderte dem Zahnarzt mein Problem und wurde sofort weiter zum Röntgen geschickt. Dabei stellte sich heraus, dass meine Weisheitszähne nicht genug Platz im Kiefer haben und deshalb immer wieder rumzicken und raus müssen. Möp. Aber nicht heute!

Wir bezahlten 100.000 IDR (um die 7 Euro), warteten eine halbe Stunde lang einen heftigen Regenguss ab und fuhren dann nach Hause. Dort gab es Snackie und zwei Folgen Lost, bis es Zeit war, Schlafen zu gehen.

Zwischenstand

Und wieder einmal vergaß ich über dem täglichen Leben das tägliche Bloggen. Macht nichts, so ist das halt manchmal, wenn eine Deadline ansteht. Bevor ich mich an meine nächste Aufgabe mache, berichte ich schnell, was in der letzten Woche so los war.

Zuerst: Mein Zahn ist wieder okay. Morgen fahren wir dann zum Röntgen, um der Ursache auf den Grund zu gehen. Inzwischen werden auch meine Vorderzähne schiefer und ich habe häufig Kopfschmerzen, es wird also Zeit. Nur fühlt es sich irgendwie komisch an, ohne akute Beschwerden zum Arzt zu gehen. Außerdem hatte ich entweder vom Antibiotikum oder der antiseptischen Mundspülung eine (zum Glück harmlose) Nebenwirkung mit dem gruseligen Namen Schwarze Haarzunge. Erst dachten wir, die zuvor verspeiste Schokolade hätte meine Zunge verfärbt, allerdings war die morgens auch noch braun gestreift. Mit einer in Natron getunkten Zahnbürste konnte ich das Schlimmste entfernen und hoffe jetzt, dass sich das Problem von selbst bessert.

An den meisten Tagen war Business as usual. Ich verbrachte den Tag am Laptop, goß abends die Blumen (trockenste Regenzeit ever), manchmal fuhren wir nach dem Abendbrot noch weg oder aßen auswärts. Einmal in einer chinesischen Garküche, bei der es zwar sehr lecker war, wir aber hinterher von Kopf bis Fuß nach Frittieröl rochen.

Eines Nachts wachte ich auf, um aufs Klo zu gehen. Auf dem Weg ins Bad bemerkte ich, dass die Katzen sich komisch verhielten und in der Küche roch es stark nach Essig. Mein schläfriges Gehirn brauchte ein, zwei Minuten, um den richtigen Schluss zu ziehen: Die Katzen mussten auf einen Geißelskorpion gestoßen sein. Diese Tiere versprühen nämlich eine Abwehrflüssigkeit, die zu großem Teil aus Essigsäure besteht. Nina hockte unglücklich herum und tatsächlich rochen ihre Pfoten und ihr Gesicht stark nach Essig. Das ist zwar unangenehm, aber glücklicherweise nicht giftig und sie schien nichts direkt in die Augen bekommen zu haben. Sie konnte schon wieder ordentlich zappeln, als ich sie mit einem Lappen wusch und abtrocknete. Ich suchte dann noch das ganze Haus mit der Taschenlampe ab, doch der Übeltäter war nirgends zu entdecken.

Und am Sonntag fuhren wir endlich mal wieder an den Strand, um dort im Cafe de Paris (Paris ist ein Akronym für Parangtritis) bei frischer Kokosnuss, gebratenem Tempe und Eierkuchen mit Schokosoße ein paar faule Stunden zu verbringen. Allerdings war es mal wieder krass, wie viel Müll überall herumlag. Nächstes Mal werde ich eine Tüte mitnehmen und so viel einsammeln, wie ich kann. Der Mann meinte zwar, das sei unhöflich, aber ist es nicht viel unhöflicher, den Planeten für zukünftige Generationen unbewohnbar zu machen?