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Allgemein

24. Dezember 2019 – Heiligabend

Der Tag begann wie auch die letzten beiden heiligen Abende mit einer umfangreichen To-Do-Liste. Zuerst fuhren wir zur Schwiegermutti, weil um zehn Uhr eine Tierärztin deren hustende Katze begutachten sollte. Auf dem Weg kauften wir Nasi kuning zum Frühstück. Der Tierärztinnenbesuch verschob sich um zwei Stunden, also fuhren wir wieder heim, um Kaffee zu trinken. Nachdem der Mann erneut aufgebrochen war, machte ich mich daran, die folgenden Punkte abzuarbeiten:

  • Katzenklos und die Plastikschalen darunter sauber machen (Manfred zielt äußerst schlecht)
  • Schlüpper waschen
  • Haus fegen
  • Fahrräder entspinnweben
  • Vorgarten roden
  • Bak mandi putzen

Es war sehr heiß, darum legt ich viele Trinkpausen vorm Ventilator ein. Die Gartenarbeit verschob ich auf den späten Nachmittag. Mit Soto gestärkt machte ich mich daran, das Vorgartenbäumchen von der alles plattmachenden Winde zu befreien. Dabei litt es leider sehr. Überraschend fand ich mitten im Windendickicht eine bereits blühende Clitoria terneata (ja, die heißt wirklich so). Die rettete ich und pflanzte sie vorübergehend in den Srikaya-Topf. Gemeinsam mit dem Mann kämpfte ich beinah eine Stunde gegen das Unkraut. Darunter fanden wir jede Menge Müll, dessen sich die Nachbar*innen aus ihrer Seitentür heraus entledigt hatten. Da sie über die Feiertage nicht zu Hause sind, habe ich ihre Terrasse damit dekoriert, sorrynotsorry. Danach waren wir schweißgebadet und es wurde Zeit, unter die Dusche zu gehen und sich kirchenfein zu machen. Hier wird sich für den Gottesdienst generell und insbesondere an Feiertagen aufgebrezelt. Ich weiß noch, wie erstaunt der Mann war, dass er in Deutschland einfach im T-Shirt in den Dom gehen darf. Die Kirche liegt auf der Spitze eines mittelhohen Hügels, das Moped hatte ganz schön zu kämpfen. Wie immer wurde der Gottesdienst von Polizei und Mitgliedern der umliegenden islamischen Gemeinden bewacht. Dass dies notwendig ist, fühlt sich merkwürdig an.
Hinterher fuhren wir zu Tante und Cousin des Mannes, dort gab es allerhand zu essen: Reis natürlich, dazu Gemüse, Fuyung Hai, Kidneybohnensuppe und das einzige Sambal, das ich gerne esse: mit Pete (Stinkbohnen) drin. Oh, ich mag Pete so gern!
Für mich war der Abend etwas getrübt, weil die Tante (oder ihre Haushälterin, ich weiß es nicht genau) Katzen angebunden im Käfig hält und ihr scheinbar vollkommen egal ist, wenn diese sich munter vermehren. Mal abgesehen davon, dass ihnen so eingesperrt kaum eine Wahl bleibt. Unsere Hinweise, die Tiere doch sterilisieren zu lassen (was nicht teuer ist, es gibt NGOs, bei denen das sogar umsonst anbieten), wurden abgetan. Seitdem grübele ich, wie wir konstruktiv helfen können, ohne den Familienfrieden zu zerstören.
Gegen Mitternacht kamen wir nach Hause. Die Miezchen warteten schon und schon bald lag ich gemütlich mit Nina und lesend im Bett, während es draußen zu donnern begann.

Gelesen | Das Paradies der Damen, im Gottesdienstliederheftchen (ich verstehe immer mehr, yeah!)
Gehört | Chorgesang, ansonsten keine Musik, weil der Rechner heute Pause hatte.
Gesehen | Das Wichtigste an Weihnachten (der Dachs <3)

23. Dezember 2019 – Regen am Morgen

Morgens vom Rauschen des Regens aufgewacht. Das war sehr gemütlich, vor allem, weil Nina sofort kuscheln kam und sich schnurrend in unserer Mitte niederließ.

Frühstück wie immer, dann Lohnarbeit. Trotz Kopfschmerzen viel geschafft. Die Temperatur war angenehm und nicht zu heiß, aber ich saß trotzdem mit freiem Bauch da. Manfred kam ab und zu vorbei, um ein bisschen den Mauszeiger zu beobachten. Er wird schwerer und irgendwie muskulöser, ob es an der abendlichen Spielrunde liegt?

Zum Abendessen hatte der Mann Soto gekocht, ich quetschte zwei vom Nudelessen neulich übrig gebliebene Jeruk* aus und mischte den Saft mit kaltem Wasser für Es Jeruk. Das Süppchen war mit rotem Reis und bei kaltem Wetter besonders lecker. Nach dem Essen werkelte ich noch ein bisschen und machte dann Yoga, diesmal mit viel Dehnung für Hüfte und Oberschenkel. Der Abend klang für mich lesend mit Katzengesellschaft aus.

*Jeruk heißt einfach Zitrusfrucht, ich weiß nicht genau, um welche Art es sich hier handelte. Es war jeden falls weder jeruk bali (Pomelo) noch jeruk nipis (Limone).

Gelesen | Paradies der Damen (es ist so gut, wie ich es in Erinnerung habe) und viel im Duden 9.

Gehört | Abendliches Froschkonzert und den Soundtrack von Game of Thrones rauf und runter.

22. Dezember 2019 – Käsekuchen anders als gedacht

Sonntag wird ausgeschlafen, auch wenn eins eine Deadline hat. Ich stand so gegen neun auf, der Mann allerdings war erst mithilfe der verschmusten und dabei laut miauenden Ninamiez wachzukriegen. Sie wird wohl wirklich wieder rollig. Das wäre dann das dritte Mal seit August und damit wird es definitiv Zeit für die nächste Spritze. Für sie ist das ja auch kein Spaß.

Aber erst mal machte ich Frühstück, der Mann fuhr noch fix Eier kaufen und einen Kuchen von seiner Mama abholen. Das war ein Käsekuchen, aber nicht so, wie ihr jetzt vielleicht denkt. Nein, er sah aus wie ein Rührkuchen, aber es waren kleine Käsewürfel* drin verbacken. Voll gut irgendwie.

Für mich wurde es Zeit, ein bisschen am Computer zu arbeiten. Die aktuelle Arbeit ist weniger umfangreich und ich hoffe, damit noch vor Heiligabend fertig zu werden. In Weihnachtsstimmung bin ich übrigens kein bisschen und mir ist auch nicht nach Weihnachtslieder singen oder so. Klar, meine Timeline besteht nur noch aus Plätzchen backen und geschmückten Tannenbäumen und wäre ich in Deutschland, dann würde es mir auch anders gehen. Ich hatte auch keine Lust, zu dekorieren. Da würde eh nach einem Tag schon Geckokacke drankleben. Ein kleines bisschen heimwehmütig ist mir schon. Andererseits mag ich, dass hier Weihnachten so herrlich unaufgeregt ist. Wir werden zum Gottesdienst gehen und mit der Schwiegerfamilie essen.

Zurück zum Sonntag. Ich lektorierte vor mich hin, bis es wieder Zeit zum Essen wurde. Der Mann hatte Kartoffeln gekocht und Gudeg gekauft, das war ein interessanter Mix. Danach ließ ich die Arbeit sein, yogte eine halbe Stunde lang und ging dann duschen. Es hatte zwischendurch mal kurz geregnet und die Luft draußen war herrlich kühl, also rissen wir Türen und Fenster auf, um sie hereinzulassen. Anschließend war ich schon müde, aber Manfred forderte Spielzeit ein. Die geht so: Ich kullere seinen Ball durchs Haus und er rennt wie wild daran vorbei und hechtet auf den Kühlschrank. Das machen wir zwanzig Minuten lang, dann ist er platt. Eigentlich bräuchte er nicht den Ball, sondern ein Laufband.

*Was hier als Käse verkauft wird, ist ein würfelförmiges, nicht schmelzendes Produkt, das neben Käse auch diverse andere Zutaten enthält. Definitiv kein Clean Eating und nur müder Ersatz fürs Original, aber besser als nüscht.

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Gelesen | Die ersten zwei Seiten von Emile Zolas Paradies der Damen (spontan im Bett im Reader der Onleihe-App).
Gehört | Zum ersten Mal seit langem wieder Pascow mit diesem Song:

21. Dezember 2019 – Falsches Gewitterversprechen

Am Samstagmorgen erwachte ich trotz frisch geöltem Ventilator verschwitzt, es war heiß und schwül. Außerdem waren die Bananen alle, also stand vor dem Frühstück eine kleine Ausfahrt an, die uns erst zum Geldautomaten und dann zum Bananenladen führte. In dem Warung war der Mann bisher nur allein gewesen. Die Besitzerin schaute mich ziemlich skeptisch an, als ich mit einem „tanpa plastik“ ihre Rascheltüte ablehnte und einen Stoffbeutel hervorholte.

Die Bananen waren jedenfalls gut und auch keine Kerne drin. Nachdem ich inzwischen drei Pflänzchen und etwa zwanzig Reserverkerne habe, reicht das fürs erste. Vielleicht nehme ich die Samen im Sommer mit nach Deutschland und finde heraus, ob die dort auch so gut keimen. Wir speisten, tranken Kaffee und schauten dazu eine Folge Pretty Little Liars. Mittlerweile sind wir bei der dritten Staffel angekommen und es wird langsam immer schlechter. Dafür feiere ich diese Zusammenfassungen sehr ab.

Dann war Arbeit angesagt. Ich lektorierte fröhlich vor mich hin, es war heiß, der Ventilator lief. Dann wurde es immer düsterer draußen und windig auch, das lose Dach der Nachbarn klapperte ziemlich. Donner grummelte. Alles in allem die spektakuläre Ankündigung eines ordentlichen Gewitters. Ich freute mich schon auf die Abkühlung, als die ersten Tropfen fielen. Die gleichzeitig die letzten waren. Die Wolken zogen von dannen, nix mit Regen. Das war ziemlich enttäuschend.

Später ging ich Blumen gießen, den Strunk einer neulich verputzten Ananas einpflanzen und die größte Banane umtopfen. Als ich mich nach dem Abendbrot (Magelangan mit Capcay) wieder bewegen konnte, machte ich eine halbe Stunde lang Yoga. Das tut jedesmal so unglaublich gut. Diesmal riss mich Nina aus dem Flow, weil sie vor der Tür unseres Kabuffs laut miaute und offensichtlich hineingelassen werden wollte. Vielleicht hatte sie ja eine Maus gehört. Als ich später mit der Taschenlampe nachschaute, war nichts auffälliges zu sehen. Naja, ich befürchte, sie nähert sich einer erneuten Rolligkeit, sie ist schon seit Tagen sehr anhänglich, schläft neben mir im Bett, verkloppt allerdings Manfred, sobald er sie nur schief anguckt. Wir werden sehen. Der Mann war aushäusig unterwegs, aber ich schaffte es trotzdem nicht vor Mitternacht ins Bett. Aber dafür lag dann Nina neben mir und guckte friedlich ihr Lieblingsvideo (Vorsicht beim Angucken, falls Katzen in der Nähe sind!):

Okay, und dann wollte ich ja noch Bilder nachreichen. Bitte schön:

Das sind Cashewäpfel. Unten das Anhängsel ist die eigentliche Frucht, da sitzt der Kern drin. Übrigens sollte eins diese Hülle nicht einfach so knacken, weil der Kern von einer giftigen Flüssigkeit umgeben ist, die schlimme Sachen mit der Haut anstellen kann. Beim Rösten gehen die Wirkstoffe kaputt. Und zum Einpflanzen ist kein Knacken notwendig. Das paprikaförmige Gebilde ist aus botanischer Sicht der Stiel und essbar. Ich habe es probiert und es schmeckt ein bisschen wie Apfel oder Mango, hat aber einen stark adstringierenden Effekt. Trotzdem lecker.

Und das, was wie drei kleine Tomaten aussieht, sind Surinamkirschen. Sie wachsen an einem Strauch, sind lecker sauer und haben viel Vitamin C. Angeblich soll es ganz leicht sein, sie anzubauen, aber ich habe alle drei Samen eingepflanzt und bisher ist noch niemand gekeimt. Das war übrigens sehr überraschend, ich habe irgendwie mit vielen kleinen Samen wie bei einem Nachtschattengewächs gerechnet (die Früchte hab ich von meiner Schwiegermutti bekommen. Sie wusste, dass sie essbar sind, aber nicht, wie sie heißen) und dann war da ein fetter Kern drin.

09. bis 20. Dezember 2019 – Riesenkorrektur, Gelato, komisches Obst

Kaum bekam ich meinen ersten Korrektoratsauftrag in Form einer ganzen Bachelorarbeit mit dreizehntausend Wörtern, war es mit dem täglichen Bloggen aus und vorbei. Sorry. Ich hatte eine Woche Zeit und konnte die Deadline nur mit Mühe einhalten, weil es einfach so viel zu tun gab. Inzwischen arbeite ich an einer weiteren Bestellung und bin schon ein ganz klein wenig routinierter geworden. Es wird. Jetzt muss ich nur noch aufpassen, mir nicht meine anderen Aufträge zu torpedieren. Diese Balance mehrerer Projekte ist echt tricky.

Nach einer Woche Dauerschreibtisch brauchte ich eine Pause und zwar am Dienstag. Der Mann und ich trafen uns mit einer Freundin und ihrem Sohn im besten Eisladen der Stadt. Auf dem Weg dorthin kamen wir zum ersten Mal für diese Regenzeit so richtig in den Regen und waren trotz Gummisachen ziemlich durchnässt. Das waren zwar nicht die optimalsten Voraussetzungen fürs Eisessen, aber egal. Zur Auswahl standen ungefähr drölfhundert Sorten. Es gab ganz traditionell SchokoVanilleErdbeer, aber auch Koriander, Schokolade mit Scharf oder Pfefferminzbonbon. Ich hatte Matcha und Maracuja und es war wirklich wirklich gut. Leider sind die Preise recht gehoben, aber wir waren sicher nicht zum letzten Mal da.

Außer Eis aß ich in den letzten Tagen noch weitere exotische Dinge: Surinamkirsche und Cashewapfel. Das ist aus botanischer Sicht der Stiel der eigentlichen Frucht, in der sich die allseits bekannte Cashewnuss befindet. Es handelt sich um eine Scheinfrucht, die auf indonesisch den herrlichen Namen jambu monyet, Affenguave, trägt. Alle Samen wurden natürlich umgehend eingepflanzt, bisher wächst aber noch nichts.

An dieser Stelle wäre es schön, einige Fotos zu zeigen, aber ich mag nicht mehr und bin müde. Wird nachgeholt, versprochen!

PS: Was denn eigentlich der Manfred macht? Dem gehts hervorragend, vor allem, wenn er vom Post-Poop-Energieschub getrieben durchs Haus schießt.