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Allgemein

6. November – Ungebetene Gäste

Gegen drei Uhr morgens weckte mich lautes Katzengeschrei. Draußen gibt es häufiger Keilereien, doch es klang irgendwie nah und anders, also stand ich auf, um nach den Flauschis zu sehen. In der Küche kam mir eine verstörte Nina schon entgegen. Und unterm Herd in einem Wirbel aus Fell – Manfred und der Besuchskater. Mein verschlafenes Hirn brauchte kurz, um zu realisieren, dass hier ein fremder Kater im Haus war, meine Hände waren schneller und schnappten Manfred aus dem Kampfgetümmel (gefährlich! nicht nachmachen!). Ich sperrte ihn in seinen Käfig und lief, den Mann wecken. Das dauerte einen Augenblick. Zusammen schafften wir es, Nina in meinem Arbeitszimmer einzuschließen, den Eindringling zu fangen und aus dem Haus zu befördern. Durchatmen. Dann die Frage: Wie war der Kater reingekommen? Kommt er wieder? Können unsere Katzen raus? Mit Taschenlampen leuchteten wir die Türen, Fenster und vor allem das leicht lückige Küchendach ab. Das schließt in einer Ecke nicht bündig mit der Wand ab. Durch den Spalt könnte eine wendige Katze durchschlüpfen, das schien uns die einzige Möglichkeit (Spoiler: Falsch gedacht).
Wir checkten noch kurz die Miezen, die waren okay, aber ziemlich verstört. Manfred hatte ordentlich Fell gelassen, ich sammelte die überall in der Küche herumfliegenden Büschel ein. Die restliche Nacht verbrachten die Beiden zur Sicherheit im Käfig.
Am Morgen untersuchte ich Manfred nochmals nach Wunden und fand: Flöhe. Erst die typischen schwarzen Krümel in Hautnähe (Flohkacke, also getrocknetes Blut), dann sah ich es in seinem Nacken huschen. Nicht das noch. Bei Nina das gleiche Ergebnis. Mist. Auch deren Herkunft war uns ungewiss. Entweder vom Besuchskater, der schon öfter mal durch die offene Haustür hereinspaziert kam und bei der Gelegenheit vielleicht ein paar Floheier fallenließ. Oder von der Katze der Schwiegerfamilie, die Freigängerin ist und gerade ziemlich verfloht. Ein paar Haare an unseren Klamotten genügten wahrscheinlich.
Und so machten wir nach dem Frühstück einen Ausflug zum Tierladen. Unsere letzte Floherfahrung liegt schon ein paar Jahre zurück, doch uns beiden noch in lebhafter Erinnerung. Damals hatten wir tagelang juckende Stiche an den Beinen und probierten jedes Hausmittel durch, bevor wir uns endlich das teure Antiflohmittel zum Auftropfen leisteten. Denn: Hausmittel bringen nichts. Kokosöl, Shampoo, Kämme, alles Quatsch. Darum entschieden wir uns diesmal gleich für die Chemiekeule, obwohl der Befall noch nicht so stark zu sein schien. Die Schwiegerkatze wurde gleich mitbehandelt.
Nachdem beide Katzen mit Flohkiller betropft worden waren, saß ich neben ihren Käfigen und passt auf, dass keiner sich den Nacken kratzte, weil das Mittel so langsam einzog. Beim letzten Mal reagierte Nina so empfindlich auf das Fipronil und sabberte tagelang. Darum und seit der Vergiftung habe ich eine Heidenangst, dass das wieder passiert und bewachte sie den ganzen Nachmittag lang. Diesmal ging zum Glück alles gut.
Als wir beim Abendessen saßen, rummste es auf einmal in der Küche. Wir sprinteten hin – da stand der Besuchskater auf dem Tisch am Herd. Offensichtlich war er durch eins der drei Belüftungslöcher gehopst, die recht weit oben in der Wand sind. Eine beachtliche Leistung. Doch jetzt konnten wir weitere Besuche verhindern. Inzwischen sind die Löcher provisorisch verstopft und wir fühlen uns wieder sicher. Und das Flohproblem ist hoffentlich auch bald Geschichte.

5. November – Matter Tag und #wmdedgt

Heute ist der Fünfte und der Freundeskreis Tagebuchbloggen trifft sich bei Frau Brüllen. Alles weitere ist ebenfalls dort zu erfahren.

Morgens mit Halsschmerzen aufgewacht. Danke, Kinoklimaanlage (stimmt nicht, ich hatte gestern schon ein wenig Halsweh, und zwar vor dem Kinobesuch)! Zum Frühstück gibts den üblichen Dreiklang aus Haferbrei mit Bananen und Zimt, zwei Spiegeleiern und Kaffee. So lecker!
Als ich dann am Schreibtisch saß, kam ein ekliges Erkältungsgefühl dazu und heiß war es auch wieder. Ich mühte mich ab, den neuen Text zumindest in Stichpunkten zu skizzieren und las viel über das Thema. Zwischendurch schrieb ich mit meiner hoffentlich zukünftigen Sprachlehrerin zwecks Probeunterricht. Außerdem tat ich das einzig Vernünftige in diesem Matschzustand und meldete mich bei der Agentur krank. Weil das bringt ja nichts, für den ersten echten Auftrag brauch ich einen klaren Kopf.
Der Mann und das morgens bestellte Wasser* trafen gleichzeitig ein, das war praktisch. Wenn ich alleine bin, ist das immer ein Chaos aus „Eine Katze ins Arbeitszimmer und eine ins Schlafzimmer sperren“ und bitte schnell, bevor die Lieferperson ungeduldig wird. Geld und leere Kanister lagen und standen schon parat, diesmal waren wir wirklich gut vorbereitet.
Zum späten Lunch/frühen Abendessen gab es Soto, die hatte ich mir wegen der Hühnerbrühe und der ihr nachgesagten Heilungskraft gewünscht. Leider bescherte sie mir vor allem Bauchgrummeln. Nach dem Essen gab ich die Arbeitsversuche auf und guckte häkelnd Youtube-Videos. Der Mann fuhr einen Freund besuchen, ich hängte noch von ihm gewaschene Wäsche auf und goss heimlich und im Dunkeln die Blumen. Am Nachmittag hatte wir eine Unterhaltung der Nachbar*innen belauscht, die laut beschlossen, keine Blumen zu gießen, weil ihr Brunnen fast leer ist. Unserer ist noch ganz gut dabei, obwohl neben uns noch eine zweite Familie daraus ihr Wasser bezieht. Trotzdem hatte ich ein schlechtes Gewissen und wässerte nur die Pflanzen, die es wirklich nötig hatten. Dann duschen, Haare waschen und halb zehn lag ich mit Hörbuch im Bett.

Tagebuch 4. November 2019

Der Tag begann damit, dass sich ein Kater namens Manfred zwischen mirund meinem guling* niederließ. Die dadurch entstehende Gemütlichkeit verzögerte mein Aufstehen ein wenig. Dann aber: Katzenfutterdose aus dem Kühlschrank holen, abwaschen, Kater füttern, Haferbrei kochen. Eier gabs auch. Und Kaffee.
Nach dem Frühstück sperrte ich die Katzen ein und wischte das Haus durch. Das wäre eigentlich jeden Tag nötig, aber wer hat dafür schon Zeit? Außerdem fegte ich den Küchenflur, der einen rauhen Betonfußboden hat und darum nicht mopkombatibel ist. Bei der Gelegenheit entstaubte ich auch mein Fahrrad (ja, das parkt in der Küche) und beschloss, es in den nächsten Tagen wieder fahrtauglich zu machen**. Währenddessen räumte der Mann die Terrasse auf, scharf beobachtet vom Besuchskater. Um zwei stellten wir alle Putztätigkeiten ein und machten uns zur Abfahrt gen Kino bereit. Dort wollten wir den neuen Terminator sehen. Die Kinos sind alle im Norden, so fünfzehn bis zwanzig Kilometer von hier. Nach einem Zwischenstopp kamen wir an, kauften unsere Tickets***, aßen noch was und spazierten ein bisschen durch die Mall, in der sich das Kino befindet. Im Kinosaal waren neben uns noch vielleicht zwanzig Leute. Wir saßen in der letzten Reihe, in der es Doppelsitze gibt. In Indonesien laufen fremdsprachige Filme im Originalton mit indonesischen Untertiteln. Außerdem werden manche Szenen zensiert und gar nicht erst gezeigt.
Nach Filmende fuhren wir nach Hause und hielten nur kurz an, um Nasi uduk**** zum Abendessen zu kaufen. Bei der Bestellung liebäugelte ich kurz mit den frischen, grünen, appetitlichen Pete, entschied mich dann aber doch für frittierte Auberginen als Beilage, weil ich a) nicht stinken möchte und b) Pete nicht gut für die Nieren ist und ich gerade knapp an einer Blasenentzündung vorbeigeschrammt bin. In ein, zwei Wochen vielleicht.
Abends fuhr der Mann noch mal weg, ich machte es mir mit meiner aktuellen Häkelei gemütlich. Außerdem überwand ich meine Schüchternheit und nahm Kontakt zu einer Indonesischlehrerin auf, die Privatunterricht anbietet. Denn es wird Zeit, mein Geradebreche in fließende Sprache zu verwandeln – und das schaff ich alleine nicht. Zum Glück hat sie noch Kapazitäten und wir werden uns demnächst für eine Probestunde treffen. Ich bin gespannt und freue mich sehr, das seit Monaten geplante Vorhaben endlich umgesetzt zu haben.

*Guling ist das indonesische Wort für die hier zur Standardausrüstung gehörende Kissenwurst. Die wird beim Schlafen wie ein Seitenschläferkissen umarmt und eins braucht dadurch bei heißem Wetter keine Bettdecke mehr.
** = Spinnweben abbürsten, Luft aufpumpen, Kette ölen, Lampen prüfen.
*** Das war der billigste Kinobesuch überhaupt. Wir haben 75.000 IDR bezahlt, das sind nicht mal fünf Euro.
**** Nasi uduk ist in Kokosmilch und mit diversen Gewürzen gekochter Reis, dazu gibts Frittiertes nach Wahl (z. B. verschiedene Hühner- und Ententeile, Tempe, Tofu, Aubergine oder Ei).

Tagebuch 3. November 2019

Der Morgen begann früh, weil Manfred die immer rolliger werdende Nina anmiaute. Und zwar laut. Ich servierte einen Snack, um für Ruhe zu sorgen, konnte dann aber nicht wieder einschlafen. Also stand ich auf, erledigte den am Vorabend liegengebliebenen Abwasch und bloggte. Dann war irgendwann auch der Mann wach und es gab Frühstück.
Später fuhren wir zum Geldautomaten und anschließend zum Supermarkt, die Haferflockenbestände auffüllen. An einem Sonntag, der gleichzeitig am Monatsanfang liegt, war das keine gute Idee. Es sei denn, eins hat Spaß daran, eine halbe Stunde an der Kasse anzustehen. Auf dem Rückweg hielten wir noch am Tierladen und kauften Katzenfutter sowie Manfreds geliebtes Dosenfutter. Mit Essen kamen wir daheim an, denn es war bereits Abendbrotszeit. Mein mit Magelangan und Risoles gefüllter Bauch benötigte dann einige Zeit Ruhe, die ich zur Reparatur des Saums eines meiner T-Shirts nutzte. Erst dann fühlte ich mich fähig dazu, die Yogamatte zu entrollen. Dafür gelangen mir eine Balancehaltung und der Humble Warrior – zumindest einseitig – recht gut. Frisch geduscht fanden wir uns zum Abendausklang auf dem Sofa ein, mit Snacks und einer verschmusten Katze ausgestattet, um den Film Paradise Hills zu schauen. Der war leider mehr als schlecht. Die Geschichte war seicht, es gab keine Atmosphäre und nicht mal was zu lachen. Einziger Pluspunkt: die Kostüme waren hübsch anzusehen. Manchmal.

Tagebuch 1. November 2019

Regen | Fangen wir damit an, womit der gestrige Tag aufhörte: Regen! Endlich! Und dann gleich das volle Programm. Ein leises Nieseln verwandelte sich schnell in einen rauschenden Guss, es donnerte, tropfte durchs Küchendach und dann fiel auch noch der Strom aus. Das war okay, es war ja inzwischen schon ein Uhr morgens, doch die drückende Luft wäre mit Ventilator wirklich leichter ertragbar gewesen. Als mich der gute Manfred um vier Uhr früh mit einer Kopfmassage weckte, war der Strom zum Glück wieder da. Am Morgen regnete es noch einmal. Der restliche Tag war wirklich angenehm. Bei frischen 29 Grad saß ich gemütlich und ohne zu schwitzen am Schreibtisch, draußen staubte es nicht mehr und bei Sonnenuntergang genügte eine Gießkanne voll Wasser statt der vorher üblichen vier bis fünf. Überhaupt sehen die Pflanzen prall und glücklich aus, irgendwie viel grüner als zuvor. Nur die ganzen Minibrutblätter von dem Foto gestern hat der Regen abgespült.

Und sonst so | Der Mann werkelte am zweiten Küchenschrank, ich schrieb. Zum späten Mittagessen gab es aufgepeppte Soto, das ist momentan unser Favorit. Später übte ich wieder Yoga´und freute mich über die Dreiviertelstunde, die wirklich nur mir ganz alleine gehört.