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Allgemein

Tagebuch Donnerstag 24. Oktober 2019

Mit Vorsicht zu genießen| Zum Frühstück essen wir fast immer Porridge mit Bananen drin. Weil Indonesien das Genzentrum der Banane und die Vielfalt entsprechend riesig ist, wird das nie langweilig. Das liegt auch daran, weil hier manche Bananen Kerne haben. Die, die es in Deutschland zu kaufen gibt, sind deshalb kernlos, weil sie es sich um kernlose Sorten handelt – die Früchte wachsen trotzdem, weil Bananen parthenokarp sind, also keine Bestäubung brauchen, um die Fruchtbildung auszulösen. Anders als Erdberen zum Beispiel, da gibts ohne Bienchen auch keine Frucht. Aber zurück zum Thema: Gestern pulte ich etwa zwanzig Kerne aus fünf Bananen und das war schon ordentlich. Eingepflanzt habe ich die noch nie, das sollte ich mal nachholen.

Grummelig mit Grund| Manfred war gestern schlecht drauf und versuchte dauernd, Nina zu verhauen. Das bedeutet meistens, dass er demnächst einen Haarballen ausspucken wird. Trotz täglichem Bürsten kann ich die bei ihm leider nicht verhindern. Und tatsächlich durfte ich am frühen Abend einmal Katzenkotze wegputzen, während Manfred wieder völlig entspannt und friedlich in der Gegend herumlag. Ach Katzen <3

Gartennews| Die Düngergabe von Montag zeigt Wirkung. Kapok und Granatapfel kriegen schon neue Blätter und die Physalisse explodieren förmlich. Im Srikayatopf keimt ein Apfelbäumchen und eine Physalis teilt sich ihre Erde mit mittlerweile acht Wassermelönchen – die muss ich dringend umsetzen, sobald sie etwas größer sind.

Lieblingslied| Zum Abschluss des Tagesberichts hier mein aktueller Ohrwurm, gesungen von der großartigsten Amanda Palmer.

Tagebuch 19. bis 23. Oktober 2019

Die letzten Tage waren etwas durcheinander, weil ein Verwandter des Mannes im Krankenhaus war und er sich um vielerlei Besorgungen kümmern musste. Ab heute herrscht wieder Normalität und ich habe vor dem Arbeiten kurz Zeit, die vergangenen Tage zu rekapitulieren.

Samstag| Das wichtigste Ereignis des Tages fand abends statt: Wir waren auf eine Hochzeit eingeladen. Indonesische Hochzeiten verlaufen etwas anders, als wir es in Deutschland kennen. Die eigentliche Trauung findet meistens vormittags statt, abends ist dann ein Empfang mit mehreren hundert Gästen, die teilweise das Brautpaar nur um mehrere Ecken kennen. Am Eingang tragen sich alle ins Gästebuch ein, liefern ihr Geschenk (ein Umschlag mit Geld drin) ab und erhalten ihrerseits ein Souvenir. Dann geht es vorbei an den Familienmitgliedern des Paares, die in einheitliche Batik gekleidet an der Seite stehen und denen natürlich gratuliert wird. Braut und Bräutigam thronen auf einer festlich geschmückten Bühne, links und rechts ihre Eltern. Die Gäste gratulieren, stellen sich mit dem Paar zum Foto auf und dürfen sich dann am Buffet etwas zu essen holen. Sind die Teller leer, fahren sie wieder ab.
In unserem Fall heiratete die Nichte eines Schulfreundes des Mannes. Die Feier fand im Festsaal eines großen Hotels statt. Der Mann schätzte die Anzahl der Eingeladenden auf zwei- bis dreitausend. Weil diese Menge schlicht nicht zu bewältigen ist, gab es zwei Einladungen, für 19 und für 20 Uhr. Wir gehörten zur zweiten Welle. Nach der Gratulationsrunde blieben wir im hinteren Teil des Saals, erzählten mit anderen Freund*innen aus des Mannes Schulzeit, posierten für Fotos und aßen natürlich. Die Musik war ziemlich gut, einige Gäste tanzten sogar kurz, und unter großer Begeisterung wurde der Brautstrauß geworfen. Neben den hier üblichen Pre-Wedding-Fotos wurde auch ein Pre-Wedding-Video gezeigt, das scheint ein neuer Trend zu sein. Und während ich mich in Deutschland in meinem Batikkleid immer etwas overdressed fühle, war diesmal das Gegenteil der Fall. Viele Gäste trugen bunte Stoffe in Kombination mit Batik, auch Glitzer war sehr beliebt. Ein wirklich toller Anblick.

Sonntag| Eigentlich wollte ich heute Hausputz machen, doch dann wurde es ein handwerklicher Tag. Der Mann hatte für unser etwas wackliges Küchenregal eine Rückwand und eine Tür gebaut, die wir gemeinsam montierten. Das Ergebnis braucht noch einen Anstrich und einen Verschluss, momentan geht die Tür immer wieder von allein auf, weil das Holz ein bisschen verzogen ist. Aber immerhin kann jetzt hinten nichts mehr rausfallen, wenn eins vorn nach den Tupperdosen kramt.
Außerdem suchte ich überall nach einem flachen Gefäß, um Weizengras für die Miezen auszusäen. Dabei schaute ich auch in den windschiefen Bambusschrank, der neben unserem Brunnen steht und in dem allerhand Kram der Hausbesitzer lagert. Den werde ich in Zukunft nicht mehr anfassen, denn ich entdeckte mehrere riesige und bewohnte Wespennester darin. Abends holten wir endlich meine Blumen nach Hause, um die sich meine Schwiegermutti während unseres Deutschlandaufenthalts gekümmert hatte. Jetzt ist meine kleine Pflanzenfamilie wieder komplett.

Montag| Der Mann war den ganzen Tag unterwegs, ich sperrte die Katzen ein und wischte das Haus einmal durch. Dabei kam ich nur langsam voran, denn es war so heiß, dass mir selbst beim ruhigen Sitzen der Schweiß lief. Und doch musste ich mich beeilen, denn die Miezen protestierten, ihnen war es trotz Ventilator ebenfalls zu warm. Laut der Wetterbehörde liegt die momentane Hitzewelle am beinah senkrechten Stand der Sonne über dem Äquator. Und immer wieder wundere ich mich, wie konsequent das Thema Klimakatastrophe hier in den Medien vermieden wird. Trotz der krassen Trockenzeit, die in diesem Jahr zwei bis drei Wochen später als üblich beginnen wird. Bei uns in Bantul hat es seit über 180 Tagen nicht mehr geregnet. Es ist ja schon ein großes Wunder, dass wir immer noch Wasser im Brunnen haben.
Am späten Nachmittag verteilte ich endlich mal wieder Dünger an alle Blümelein. Ich dünge niedrig dosiert mit Blaukorn, den ich vorher in Wasser auflöse. Meistens so fünf Gramm auf einen Liter für die Starkzehrer, die anderen etwas weniger. Für die Topfpflanzen ist das okay, im Freiland verwende ich den nicht. Mein Auberginen hatte ich mit meinen Haaren und denen der Katzen gedüngt, das ist auch nichts anderes als Haarmehlpellets.
Zum Glück kühlt es sich abends schnell ab, darum rollte ich nach Sonnenuntergang meine frisch gewaschene Yogamatte aus und übte nach langer Zeit mal wieder. Unglaublich, wie unflexibel ich geworden bin. Doch die Bewegung und der Ausgleich zum vielen Sitzen tat wirklich gut.

Dienstag und Mittwoch| Workworkwork. Einen alten Text beendet, ein neues Projekt begonnen. Trotz Hitze konnte ich mich recht gut konzentrieren. Ob es am Yoga liegt oder am Thema, keine Ahnung. In der Nachbarschaft werden Bäume gefällt. Ich plane, noch mehr Pflanzen auszusäen und anzubauen. Sobald es nicht mehr so brütend heiß ist, kann ich endlich das Beet jäten. Das ist jedes Mal ein Ganzkörperworkout, weil dort eine mir unbekannte Pflanze mit einem äußerst hartnäckigen Rhizom wächst.

Freitag, 18. Oktober 2019

Wegen des Arbeitseinsatzes am Vorabend etwas länger geschlafen. Beim Frühstückmachen festgestellt, dass wir keine Bananen im Haus haben, also düste der Mann fix los, welche kaufen. Die, die er finden konnte, waren noch etwas zu grün, darum briet er sie kurz in etwas Butter an. War sehr lecker.
Dann am Rechner gesessen, heute wieder schreibend. Musik mit Kopfhörern hören spornt mich jedes Mal wieder an und hält mich von der Prokrastination ab.
Am frühen Abend erinnerte mich der Gesang von der Moschee an den herannahenenden Sonnenuntergang und ich beeilte mich, die Blumen zu gießen. Das mache ich doch lieber im Hellen. Der Besuchsstreuner war auch wieder da, ließ sich bekraulen und bekam dann einen Snack.
Später machten wir eine kleine Ausfahrt. Der Mann musste noch etwas abholen, ich wollte zur Apotheke. Es war sehr voll auf den Straßen. Auf einem kleinen Platz neben einer Ampel probte eine Tänzerinnengruppe, das war schön. Als wir schon auf dem Rückweg waren, überkam den Mann plötlich Appetit auf Schweinefleisch. Das ist ja nun schwer zu bekommen hier, darum machten wir einen Abstecher zu einem kleinen Warung neben der Kirche, die wir manchmal besuchen. Dort steht neuerdings neben Schwein (B2) auch B1 auf der Speisekarte. Ich dachte immer, das stünde für Schlange, aber das Internet wusste es besser: es ist Hund. Ein merkwürdiges Gefühl. Aber warum eigentlich? Ich jedenfalls aß Instantnudeln. Wieder zu Hause öffneten wir Türen und Fenster weit, um die frische Abendluft hereinzulassen und ich schaffte es endlich, noch vor Mitternacht ins Bett zu gehen.

Mittwoch, 16. Oktober und Donnerstag 17. Oktober 2019

Aus Gründen der Faul- und Müdigkeit hier die Ereignisse der letzten beiden Tage in Stichpunkten:

  • Kühlschrank verkauft, überraschend schnell einen neuen Herd angeschafft.
  • Neun Stunden (fast) am Stück editiert, jetzt nervöses Warten auf das Ergebnis. Falls es gut ausfällt, darf ich echte Texte lektorieren, yay!
  • Manfred war schlecht gelaunt und anhänglich, nach Ausspucken eines Haarballens ist er wieder ganz der Alte.
  • Vier meiner Wüstenrosen blühen.
  • Die Gottesanbeterin, die so lange in meinem Srikayabaum gewohnt hat, ist weg.
  • Der flauschige Halbstreuner kommt regelmäßig vorbei, schläft stundenlang auf der Terrasse, guckt gern Youtube-Videos und ich würde ihn wirklich gern behalten. Geht aber nicht.

Dienstag, 15. Oktober 2019

Der erste Arbeitstag nach dem Wochenende begann mit einem Eilauftrag, den ich bis zum Abend fertigstellen konnte. Neben meinem neuen Schreibtischarrangement motiviert mich momentan vor allem ein – noch sehr vager – Reiseplan. Gestern erzählte ich dem Mann nämlich, dass einige unserer Freund*innen für ein paar Tage an den Strand fahren wollen. Das klang nach einer guten Idee, doch für nur ein, zwei Nächte weg ist es immer sehr umständlich, die Katzen ins Tierhotel zu bringen und dann kostet so ein Kurztrip immer relativ viel. Und so beschlossen wir, stattdessen zu sparen und dafür im Dezember, vielleicht über Weihnachten und Neujahr, endlich die langersehnte Reise nach Karimunjawa anzutreten. Das ist eine Inselgruppe nördlich von Jawa, die noch nicht komplett mit Hotels zugepflastert ist. Und weil dort das Meer flach ist, kann eins darin baden und schnorcheln und überhaupt eine gute Zeit haben. Weil im Dezember Regenzeit ist, die für hohen Wellengang sorgt, wird es hoffentlich auch über die Feiertage dort nicht allzu voll. Es kann nämlich sein, dass die Fähre deswegen im Hafen bleiben muss und die Urlauber*innen dann auf den Inseln festsitzen. Für uns wäre das kein Problem, weil des Mannes Arbeit flexibel ist und ich meine einfach mitnehmen kann.
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Ansonsten passierte gestern nicht viel. Es war wieder sehr heiß und drückend, mit jedem Tag werden die Wolken dunkler, dicker und regenverheißender. Ich bin gespannt, wann es endlich losgeht. Der erste Regen ist immer erfrischend und anstrengend zugleich, weil die Erschütterung der Tropfen den ganzen Dreck aus dem Dach rüttelt, der sich dort während der vergangenen Monate festgesetzt hat. Und dann kommen wieder die geflügelten Termiten hervor, die Manfred so gerne jagt.
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Nachdem ich meinen Auftrag endlich abschließen konnte, belohnte ich mich mit zwei Scheiben roti kukus, schaute ein bisschen Youtube und ging dann schlafen.