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Tagebuch

Tagebuch 2. November 2019

  • Tagebuch

Irgendwie habe ich keine Lust mehr auf das bisherige Tagesberichtformat mit den vorangestellten Überschriften. Gerade ist mir mehr nach fröhlichem Drauflosschreiben und genau das mache ich jetzt auch.

Frühmorgens leider nicht von einem kuschligen Kater, sondern streitenden Grummelkatzen geweckt worden. Futter beruhigte die Lage nur semi, denn leider ist Nina tatsächlich wieder (schein-)rollig, nachdem immerhin sechs Wochen Ruhe war. Das tut mir so leid für sie und gleichzeitig bin ich doch etwas sauer auf die Tierarztpraxis, die die Kastration vermurkst hat. Wahrscheinlich kommen wir, also sie, doch nicht um die erneute Hormonspritze drumherum.

Dann Frühstück und immer wieder Freude über die kühle Temperatur, das Thermometer zeigt 28 Grad. Scheinbar liegen zwischen den beiden Extremen „Hilfe, ich schmelze!“ und „Es ist zu kalt zum Duschen“ gerade mal sechs Grad Celsius. Erstaunlich. Keine Schweißausbrüche beim Arbeiten und so beendete ich den Text, an dem ich diese Woche gesessen hatte. Endlich Wochenende!*

Wieder Yoga gemacht (dranbleiben!). Zum Abendbrot gabs wieder Soto, dazu Frühlingsrollen und hinterher einen kleinen Tape**-Cupcake. Außerdem hatte der Mann Snackies gekauft, die wir beim Filmabend auf dem Sofa knusperten. Wir sahen In the Shadow of the Moon. Der war zwar spannend, aber auch irgendwie unlogisch. Dann mit Hörbuch ins Bett. Ich habe das schier unendliche Cryptonomicon (Neal Stephenson) endlich ausgehört und lausche jetzt The Andromeda Strain von Michael Crighton, das ist der, der auch Jurassic Park geschrieben hat.

*mein Wochenende habe ich momentan auf Sonntag und Montag gelegt.

** Tape ist das Wort für Fermentiertes, in dem Fall war der Kuchen mit Tape Singkong, das ist fermentierte Kassava. Schmeckt ein kleines bisschen wie Käsekuchen.

Tagebuch 30. Oktober 2019

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Umzingelt | Gegen halb fünf erwachte ich von einem Vier-Kilo-Kater auf meinem Bauch und einer krähenden Miez neben mir. Wenigstens wecken sie mich so und nicht mit Kampfgeschrei und fliegenden Fetzen.

Stromausfall | Morgens, noch vor dem Frühstück, fiel der Strom aus. Das ist an sich ja nichts Ungewöhnliches hier und meistens gehen nach einer halben Stunde die Lampen wieder an. Da wir aber letztens schon mal den halben Tag ohne Strom dasaßen, guckte ich rasch auf der Webseite einer lokalen Zeitung nach – und Tatsache: es gab eine angekündigte Stromabschaltung für unsere Gegend, die regulär bis ein Uhr nachittags dauern sollte (Spoiler: Es war fast drei Uhr, als wir wieder Strom hatten). Macht aber nichts, alle meine Akkus waren geladen, das Wasserbecken im Bad bis zum Rand gefüllt und als Frühstücksunterhaltung las ich Michelle Obamas Buch weiter (der Mann war aufgrund eines Termins aushäusig).

Münzen im Farbtopf | Der Mann war in den letzten Tagen damit beschäftigt, unser wackliges Küchenregal in einen Schrank zu verwandeln. Rückwand und Tür hatten wir ja neulich gemeinsam montiert. Jetzt war streichen angesagt. Zu unserer Überraschung hatten wir noch eine Büchse Holzlasur im Kabuff. Darin wartete eine zweite Überraschung: zwei Tausend-Rupiah-Münzen, in Plastik verpackt. Wie auf dem Deckel angekündigt:

Finde hier drin 2000 Rupiah!

Hier sind sie (ich habe eine Münze auf umgedreht. Die 2000 ist die Jahreszahl, nicht der Geldwert):

Sonstiges | Konzentriert gearbeitet. Abends sehr entspannende Yogaübungen gemacht, dem Quadrizeps gehts schon viel besser. Musik aus meiner Zeit als Teenager bei Youtube entdeckt und mit viel Freude gehört (nein, nicht The Rasmus). Über eine Katze namens Zelda gelacht.

Was passiert, wenn die Apikaldominanz gebrochen wird | Pflanzen wachsen am liebsten geradeaus nach oben. Das machen sie, weil ihre Hauptknospe am Ende des Triebs ein Phytohormon produziert, das die Seitentriebknospen deaktiviert. Wenn nun die Hauptknospe kaputtgeht, nehmen diese ihre Arbeit auf. Und dann passiert das:

12 von 12 im Oktober 2019

Seit Jahren verfolge ich mehr oder weniger regelmäßig das Fotoprojekt 12 von 12. Jeweils am zwölften eines Monats werden zwölf Fotos gepostet, die an diesem Tag entstanden. Und endlich habe ich mal dran gedacht, meinen Tagesverlauf zu dokumentieren – hier ist das Ergebnis. Alle Spielregeln und viele viele andere Fotos findet eins bei Caro von Draußen nur Kännchen.

Eins| Das beste Bild des Tages gleich zuerst: Manfred, nach Dosenfutter gierend. Seine Lieblingssorte, Thunfisch und Huhn. Da überschlägt sich sein kleines Stimmchen jedes Mal vor Begeisterung und manchmal hängt er mir auch am Bein, weil er es gar nicht abwarten kann, bis die Schüssel endlich vor ihm steht.

Zwei| Während der Kater speist und der Mann Eier fürs Frühstück brät, bringe ich die Ergebnisse der Katzenkloreinigungsaktion raus. Jeden Morgen eine gute Gelegenheit, meine Blümelein zu begrüßen. Hallo Tomaten, die ihr komisch aus dem Mangotopf hängt und einfach nicht reif werden wollt!

Drei| Nach dem Frühstück setze ich mich an den Rechner, aber meine Konzentration will sich nicht einstellen. Obwohl meine Arbeitsplatzoptimierung sich so toll und motivierend anfühlt, bringe ich kaum einen Satz zustande. Kein Wunder, es sind ja auch fast 34 Grad im Haus.

Vier| Bei der Hitze muss eins trinken, trinken, nochmals trinken. Immer nur Wasser ist langweilig, der Limonensirup sorgt für Abwechslung.

Fünf| Auf der Terrasse schläft die scheue getigerte Katze der Nachbarn.

Sechs| Auch Nina hält ein Nickerchen.

Sieben| Manfred ruht ebenfalls. Ja, das ist ein Reifen, der gehört zu dem in unserem Küchenflur parkenden Motorbike, das wir für einen gerade außer Lande weilenden Freund aufbewahren.

Acht| Der Mann kommt heim und bringt neben Essen auch belimbing sayur mit. Das sind die Früchte des Gurkenbaums. Und die sind sauer. Sehr sauer. Möglich, dass ich noch nie etwas Saureres probiert habe. Man dippt sie hier in etwas Salz, das hilft ein bisschen. Ich habe eine halbe geschafft. Aber sauer macht lustig und in diesem Fall auch wacher als Kaffee.

Neun| Manfred hat den Terrassenschläfer entdeckt und muss jetzt erstmal böse Blicke aus dem Fenster werfen. Als wir uns zum Essen hinsetzen kommt auch noch ein weiterer Nachbarschaftskater vorbei, der hier jeden Nachmittag seine Runde dreht und mir ein kleines Facebookdrama beschert hat. Diese Geschichte erzähle ich ein andermal.

Zehn| Nach dem Essen gehe ich Blumen gießen. Hier sehen wir mehrere Pomelos, eine Orange und zwei Sirsak in friedlicher Blumenkastengemeinschaft.

Elf| Die meine vielen Physalisse machen fleißig Früchte, nur reif werden die irgendwie nicht. Meistens werden die Lampione gelb und fallen ab, aber die Beere drinnen ist noch grün. Ob die Hitze schuld ist? Hier ein unreifes Exemplar.

Zwölf| Letztens habe ich alle möglichen Erdreste in den Topf der Srikaya gekippt, weil deren Substrat in sich zusammengesackt war. Irgendwo schlief da wohl ein Samen vom Kapokbaum und das ist das Ergebnis. Wunderschöne Bäume sind das übrigens, die werden bis sechzig Meter hoch und leben mehrere hundert Jahre, sagt das Internet.

Ja, das war also mein zwölfter Oktober. Jetzt ist es schon spät und glücklicherweise nicht mehr so heiß. Ich mache jetzt Feierabend und freue mich aufs Wochenende, das beginnt nämlich für mich erst heute und dauert bis Montag.

Freitag, 31. Mai 2019

Wieder da. Tagebuchbloggen scheint in meiner Filterblase wieder aktuell zu sein. Das probiere ich auch mal.

Worst Bus Ever| Gerade sind die Straßen proppenvoll, weil nächste Woche Idul Fitri ist und deswegen alle Leute, die woanders arbeiten, jetzt nach Hause zu ihren Familien fahren. Das sind immerhin 30 Millionen Leute und diese jährliche Massenreise heißt mudik. Zwar kommen die nicht alle nach Yogyakarta, aber gefühlt schon. Die Stadt ist nämlich nach Bali Urlaubsziel Nr. Eins für inländische Touristen. Nächste Woche werden am örtlichen Strand Parangtritis 260.000 Besucher erwartet.

Zurück zum Bus. Wir haben jetzt also etabliert, dass davon momentan echt viele sämtliche Straßen verstopfen. Heute waren der Mann und ich auf dem Weg zur Ausländerbehörde, um meinen Pass mit dem neuen Stempel drin abzuholen. Dabei nahmen wir die Schnellstraße namens Ring Road, die das Stadtzentrum umrundet und an einem der Busbahnhöfe vorbeikommt. Der Worst Bus Ever verdiente sich seinen Namen dadurch, dass er ohne zu gucken quer über alle Spuren vor uns aus dem Busbahnhof auf die Schnellstraße bog. Zum Glück achtet der Mann auf hervorragende Bremsleistung. An der nächsten Ampel – wir hatten den Bus inzwischen überholt – drängelte jener Bus von hinten über die Linksabbiegerspur (wir erinnern uns, in Indonesien herrscht Linksverkehr) an allen Leuten vorbei – nur um dann bei Grün geradeaus zu fahren. Und um dem ganzen die Krone aufzusetzen, tauchte eine gigantische Rußwolke aus dem knalpot sämtliche Verkehrsteilnehmer in Finsternis. Was war ich froh, meine Gesichtsmaske zu tragen. Die restliche Fahrt verlief unspektakulär, ich bekam meinen Pass, unterschrieb und wir machten uns, nach einem Zwischenhalt im Katzenfutterladen, auf den Heimweg.

Schwarze Füße| In unserer Nachbarschaft, vielleicht ein, zwei Kilometer entfernt, steht eine Zuckerfabrik, in der Zuckerrohr zu Zucker und auch zu Schnaps wird. Gerade ist Zuckersaison und täglich knattern mit frisch geerntetem Zuckerrohr turmhoch beladene LKWs dorthin. Aus dem Schornstein der Zuckerrohrfabrik quillt tagein tagaus eine dunkle Wolke. Den Abgasen des eben erwähnten Busses nicht unähnlich. Steht der Wind ungünstig, bläst er die Wolke (und den Zuckerfabrikgeruch) zu uns und dann regnet es Asche. Nicht so wie nach einem Vulkanausbruch, eher beiläufig. Wenn ich abends das Bett abklopfe, malen die kleinen Aschepartikel schwarze Linien aufs Laken. Und weil ich zu faul bin, jeden Tag das ganze Haus zu wischen, haben wir alle schwarze Fußsohlen. Die Katzen bestimmt auch, aber bei denen merkt man das nicht so.

Work work work| Viel zu tun. Ich hänge meiner To-Do-Liste chronisch hinterher und bin mir ziemlich sicher, im nächsten Jahr zum ersten Mal Steuern zahlen zu müssen. Genau weiß ich das nicht, weil ich mit meiner Buchhaltung auch hinterherhänge, ach und von der Steuererklärung fangen wir besser gar nicht erst ein. Ein Hoch auf die Fristverlängerung ab diesem Jahr, die hat mir echt den Popo gerettet.

Und was macht eigentlich der Manfred? Der schläft am liebsten in meinem Regal, verhaut Nina öfter als mir lieb ist und ahnt noch nicht, dass ich ihm sein Lieblingsdosenfutter gekauft habe.