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Tagebuch Samstag, 26. Oktober 2019

Ausgeschlafen| Durch die späte Heimkehr am Vorabend standen wir erst nach zehn auf und bis zum Frühstück dauerte es noch einige Zeit, weil weder saubere Schüsseln noch Eier im Haus waren. Um ersteres kümmerte ich mich, der Mann übernahm den Eierkauf. Und erwischte endlich mal wieder frische Eier. Vielleicht wars den Hühnern vorher einfach zu heiß (obwohl die Abkühlung weiterhin auf sich warten lässt).

Computerzeit| Nach dem Essen fuhr ich den Rechner hoch und machte mich ans Lektorieren. Noch befinde ich mich in der Trainingsphase und arbeite nicht an echten Texten. Ich hoffe sehr, dass meine Leistung nach diesem Test ausreicht und ich echten Studierenden helfen darf. Ich habe übrigens echt lange damit gehadert, dass ich nicht in dem Bereich arbeite, den ich studiert habe. Die fünf Jahre an der Uni kamen mir verschwendet vor und ich hatte eine richtige Trauerphase deswegen. Überraschenderweise ist es genau dieser Job als Lektorin, der mir hilft, damit meinen Frieden zu machen (und ein Hochschulabschluss war Voraussetzung für eine erfolgreiche Bewerbung, war also der Master doch noch zu was gut).

Besuch| Erst zum späten Nachmittag wurde die Luft etwas kühler. Wir sperrten die Katzen ein und öffneten Türen und Fenster. Im frischen Windzug konnte ich endlich konzentriert arbeiten, während der Mann am Motorrad werkelte. Bis plötzlich neben mir ein miauender Schatten auftauchte. Es war der Besuchskater, der sich klammheimlich in mein Arbeitszimmer geschlichen hatte. Sehr zu Manfreds Missfallen, der lautstark aus der Küche protestierte. Später schaute noch ein zweiter Nachbarskater vorbei, mit weiß-rotem Fell und einem Glöckchenhalsband. Beide sind sehr niedlich, aber nicht so niedlich, wie Manfred und Nina.
Apropos: Nina hat momentan eine komische Phase. Sie ist sehr verschmust und verlangt manchmal mit lautem Krähen nach Aufmerksamkeit. Außerdem will sie immer unter meiner Bettdecke schlafen (das ist warm!) oder rollt sich in meinem Schoß ein, wenn ich im Schneidersitz auf dem Boden sitze. Und nein, rollig ist sie nicht, aber es scheint eine Vorstufe oder abgeschwächte Form davon zu sein (ja, sie ist kastriert …). Das würde auch die häufigen Streitereien der beiden erklären, weil sie ständig Manfred auf die Pelle rückt.

Tagebuch Freitag, 25. Oktober 2019

Gescheitert| Mein Versuch, früh aufzustehen und die morgendliche Kühle für ein, zwei Stunden konzentriertes Schreiben zu nutzen, scheiterte an akuter Müdigkeit. Ich hörte den Wecker zwar, stellte ihn jedoch ab, um augenblicklich weiterzuschlafen. Und musste deswegen in brütender Hitze am Rechner sitzen. Was ist wohl die bessere Strategie, den Tagesrhythmus umzustellen? Abends früher ins Bett gehen und dadurch morgens eher aufstehen zu können? Oder sich einige Tage früh aus dem Bett quälen und deswegen abends früher müde werden? Ich bleibe dran.

Ameisen mögen Katzenfutter| Am späten Nachmittag wollte ich Nina füttern. Das ging leider nicht, weil ihr Futternapf vor Ameisen nur so wimmelte. Dieses Problem haben wir öfter mal, aber so schlimm war es noch nie. Meistens fülle ich das restliche Futter in eine kleine Tupperdose und stelle sie kurz ins Gefrierfach. Dann ist es nicht komplett verdorben. Nina isst es zwar nicht mehr, aber irgendein Streuner freut sich immer drüber. Diesmal war der Befall jedoch so krass, dass an ein längeres Anfassen nicht zu denken war. Auch, weil ich auf Ameisenbisse allergisch reagiere. Ich warf den nur schnell in die Spüle und stellte den Wasserhahn an. Nina bekam ihr Abendessen dann im Arbeitszimmer gereicht.

Abendgestaltung| Den Abend verbrachten wir bei Freund*innen und kehrten erst um ein Uhr nachts heim. Das war es wert!

Tagebuch Donnerstag 24. Oktober 2019

Mit Vorsicht zu genießen| Zum Frühstück essen wir fast immer Porridge mit Bananen drin. Weil Indonesien das Genzentrum der Banane und die Vielfalt entsprechend riesig ist, wird das nie langweilig. Das liegt auch daran, weil hier manche Bananen Kerne haben. Die, die es in Deutschland zu kaufen gibt, sind deshalb kernlos, weil sie es sich um kernlose Sorten handelt – die Früchte wachsen trotzdem, weil Bananen parthenokarp sind, also keine Bestäubung brauchen, um die Fruchtbildung auszulösen. Anders als Erdberen zum Beispiel, da gibts ohne Bienchen auch keine Frucht. Aber zurück zum Thema: Gestern pulte ich etwa zwanzig Kerne aus fünf Bananen und das war schon ordentlich. Eingepflanzt habe ich die noch nie, das sollte ich mal nachholen.

Grummelig mit Grund| Manfred war gestern schlecht drauf und versuchte dauernd, Nina zu verhauen. Das bedeutet meistens, dass er demnächst einen Haarballen ausspucken wird. Trotz täglichem Bürsten kann ich die bei ihm leider nicht verhindern. Und tatsächlich durfte ich am frühen Abend einmal Katzenkotze wegputzen, während Manfred wieder völlig entspannt und friedlich in der Gegend herumlag. Ach Katzen <3

Gartennews| Die Düngergabe von Montag zeigt Wirkung. Kapok und Granatapfel kriegen schon neue Blätter und die Physalisse explodieren förmlich. Im Srikayatopf keimt ein Apfelbäumchen und eine Physalis teilt sich ihre Erde mit mittlerweile acht Wassermelönchen – die muss ich dringend umsetzen, sobald sie etwas größer sind.

Lieblingslied| Zum Abschluss des Tagesberichts hier mein aktueller Ohrwurm, gesungen von der großartigsten Amanda Palmer.

Tagebuch 19. bis 23. Oktober 2019

Die letzten Tage waren etwas durcheinander, weil ein Verwandter des Mannes im Krankenhaus war und er sich um vielerlei Besorgungen kümmern musste. Ab heute herrscht wieder Normalität und ich habe vor dem Arbeiten kurz Zeit, die vergangenen Tage zu rekapitulieren.

Samstag| Das wichtigste Ereignis des Tages fand abends statt: Wir waren auf eine Hochzeit eingeladen. Indonesische Hochzeiten verlaufen etwas anders, als wir es in Deutschland kennen. Die eigentliche Trauung findet meistens vormittags statt, abends ist dann ein Empfang mit mehreren hundert Gästen, die teilweise das Brautpaar nur um mehrere Ecken kennen. Am Eingang tragen sich alle ins Gästebuch ein, liefern ihr Geschenk (ein Umschlag mit Geld drin) ab und erhalten ihrerseits ein Souvenir. Dann geht es vorbei an den Familienmitgliedern des Paares, die in einheitliche Batik gekleidet an der Seite stehen und denen natürlich gratuliert wird. Braut und Bräutigam thronen auf einer festlich geschmückten Bühne, links und rechts ihre Eltern. Die Gäste gratulieren, stellen sich mit dem Paar zum Foto auf und dürfen sich dann am Buffet etwas zu essen holen. Sind die Teller leer, fahren sie wieder ab.
In unserem Fall heiratete die Nichte eines Schulfreundes des Mannes. Die Feier fand im Festsaal eines großen Hotels statt. Der Mann schätzte die Anzahl der Eingeladenden auf zwei- bis dreitausend. Weil diese Menge schlicht nicht zu bewältigen ist, gab es zwei Einladungen, für 19 und für 20 Uhr. Wir gehörten zur zweiten Welle. Nach der Gratulationsrunde blieben wir im hinteren Teil des Saals, erzählten mit anderen Freund*innen aus des Mannes Schulzeit, posierten für Fotos und aßen natürlich. Die Musik war ziemlich gut, einige Gäste tanzten sogar kurz, und unter großer Begeisterung wurde der Brautstrauß geworfen. Neben den hier üblichen Pre-Wedding-Fotos wurde auch ein Pre-Wedding-Video gezeigt, das scheint ein neuer Trend zu sein. Und während ich mich in Deutschland in meinem Batikkleid immer etwas overdressed fühle, war diesmal das Gegenteil der Fall. Viele Gäste trugen bunte Stoffe in Kombination mit Batik, auch Glitzer war sehr beliebt. Ein wirklich toller Anblick.

Sonntag| Eigentlich wollte ich heute Hausputz machen, doch dann wurde es ein handwerklicher Tag. Der Mann hatte für unser etwas wackliges Küchenregal eine Rückwand und eine Tür gebaut, die wir gemeinsam montierten. Das Ergebnis braucht noch einen Anstrich und einen Verschluss, momentan geht die Tür immer wieder von allein auf, weil das Holz ein bisschen verzogen ist. Aber immerhin kann jetzt hinten nichts mehr rausfallen, wenn eins vorn nach den Tupperdosen kramt.
Außerdem suchte ich überall nach einem flachen Gefäß, um Weizengras für die Miezen auszusäen. Dabei schaute ich auch in den windschiefen Bambusschrank, der neben unserem Brunnen steht und in dem allerhand Kram der Hausbesitzer lagert. Den werde ich in Zukunft nicht mehr anfassen, denn ich entdeckte mehrere riesige und bewohnte Wespennester darin. Abends holten wir endlich meine Blumen nach Hause, um die sich meine Schwiegermutti während unseres Deutschlandaufenthalts gekümmert hatte. Jetzt ist meine kleine Pflanzenfamilie wieder komplett.

Montag| Der Mann war den ganzen Tag unterwegs, ich sperrte die Katzen ein und wischte das Haus einmal durch. Dabei kam ich nur langsam voran, denn es war so heiß, dass mir selbst beim ruhigen Sitzen der Schweiß lief. Und doch musste ich mich beeilen, denn die Miezen protestierten, ihnen war es trotz Ventilator ebenfalls zu warm. Laut der Wetterbehörde liegt die momentane Hitzewelle am beinah senkrechten Stand der Sonne über dem Äquator. Und immer wieder wundere ich mich, wie konsequent das Thema Klimakatastrophe hier in den Medien vermieden wird. Trotz der krassen Trockenzeit, die in diesem Jahr zwei bis drei Wochen später als üblich beginnen wird. Bei uns in Bantul hat es seit über 180 Tagen nicht mehr geregnet. Es ist ja schon ein großes Wunder, dass wir immer noch Wasser im Brunnen haben.
Am späten Nachmittag verteilte ich endlich mal wieder Dünger an alle Blümelein. Ich dünge niedrig dosiert mit Blaukorn, den ich vorher in Wasser auflöse. Meistens so fünf Gramm auf einen Liter für die Starkzehrer, die anderen etwas weniger. Für die Topfpflanzen ist das okay, im Freiland verwende ich den nicht. Mein Auberginen hatte ich mit meinen Haaren und denen der Katzen gedüngt, das ist auch nichts anderes als Haarmehlpellets.
Zum Glück kühlt es sich abends schnell ab, darum rollte ich nach Sonnenuntergang meine frisch gewaschene Yogamatte aus und übte nach langer Zeit mal wieder. Unglaublich, wie unflexibel ich geworden bin. Doch die Bewegung und der Ausgleich zum vielen Sitzen tat wirklich gut.

Dienstag und Mittwoch| Workworkwork. Einen alten Text beendet, ein neues Projekt begonnen. Trotz Hitze konnte ich mich recht gut konzentrieren. Ob es am Yoga liegt oder am Thema, keine Ahnung. In der Nachbarschaft werden Bäume gefällt. Ich plane, noch mehr Pflanzen auszusäen und anzubauen. Sobald es nicht mehr so brütend heiß ist, kann ich endlich das Beet jäten. Das ist jedes Mal ein Ganzkörperworkout, weil dort eine mir unbekannte Pflanze mit einem äußerst hartnäckigen Rhizom wächst.

Freitag, 18. Oktober 2019

Wegen des Arbeitseinsatzes am Vorabend etwas länger geschlafen. Beim Frühstückmachen festgestellt, dass wir keine Bananen im Haus haben, also düste der Mann fix los, welche kaufen. Die, die er finden konnte, waren noch etwas zu grün, darum briet er sie kurz in etwas Butter an. War sehr lecker.
Dann am Rechner gesessen, heute wieder schreibend. Musik mit Kopfhörern hören spornt mich jedes Mal wieder an und hält mich von der Prokrastination ab.
Am frühen Abend erinnerte mich der Gesang von der Moschee an den herannahenenden Sonnenuntergang und ich beeilte mich, die Blumen zu gießen. Das mache ich doch lieber im Hellen. Der Besuchsstreuner war auch wieder da, ließ sich bekraulen und bekam dann einen Snack.
Später machten wir eine kleine Ausfahrt. Der Mann musste noch etwas abholen, ich wollte zur Apotheke. Es war sehr voll auf den Straßen. Auf einem kleinen Platz neben einer Ampel probte eine Tänzerinnengruppe, das war schön. Als wir schon auf dem Rückweg waren, überkam den Mann plötlich Appetit auf Schweinefleisch. Das ist ja nun schwer zu bekommen hier, darum machten wir einen Abstecher zu einem kleinen Warung neben der Kirche, die wir manchmal besuchen. Dort steht neuerdings neben Schwein (B2) auch B1 auf der Speisekarte. Ich dachte immer, das stünde für Schlange, aber das Internet wusste es besser: es ist Hund. Ein merkwürdiges Gefühl. Aber warum eigentlich? Ich jedenfalls aß Instantnudeln. Wieder zu Hause öffneten wir Türen und Fenster weit, um die frische Abendluft hereinzulassen und ich schaffte es endlich, noch vor Mitternacht ins Bett zu gehen.