Was heute schön war | Zwar erhielt ich die beste Nachricht des Tages erst am Abend, dennoch will ich sie an erster Stelle nennen: Ich bin jetzt freie Lektorin bei einer Agentur, die Lektorat für akademische Texte anbietet, und warte schon ganz gespannt auf meinen ersten Auftrag. In den letzten Wochen habe ich mehr über die deutsche Grammatik gelernt als je zuvor, zum Glück hat sich die Mühe gelohnt (und ich sehe plötzlich überall Pleonasmen). Das zweitschönste Ereignis des Tages fand ebenfalls spät statt, nämlich kurz vor Mitternacht: Regen! Genauer gesagt, der erste Regen seit über sechs Monaten. Schon krass, oder? Und jetzt wissen wir endlich, an welchen Stellen das Küchendach leckt. Außerdem: die möglicherweise aromatischste Mango meines Lebens gegessen, wenig prokrastiniert, Zeit für Yoga gehabt.
Umzingelt | Gegen halb fünf erwachte ich von einem Vier-Kilo-Kater auf meinem Bauch und einer krähenden Miez neben mir. Wenigstens wecken sie mich so und nicht mit Kampfgeschrei und fliegenden Fetzen.
Stromausfall | Morgens, noch vor dem Frühstück, fiel der Strom aus. Das ist an sich ja nichts Ungewöhnliches hier und meistens gehen nach einer halben Stunde die Lampen wieder an. Da wir aber letztens schon mal den halben Tag ohne Strom dasaßen, guckte ich rasch auf der Webseite einer lokalen Zeitung nach – und Tatsache: es gab eine angekündigte Stromabschaltung für unsere Gegend, die regulär bis ein Uhr nachittags dauern sollte (Spoiler: Es war fast drei Uhr, als wir wieder Strom hatten). Macht aber nichts, alle meine Akkus waren geladen, das Wasserbecken im Bad bis zum Rand gefüllt und als Frühstücksunterhaltung las ich Michelle Obamas Buch weiter (der Mann war aufgrund eines Termins aushäusig).
Münzen im Farbtopf | Der Mann war in den letzten Tagen damit beschäftigt, unser wackliges Küchenregal in einen Schrank zu verwandeln. Rückwand und Tür hatten wir ja neulich gemeinsam montiert. Jetzt war streichen angesagt. Zu unserer Überraschung hatten wir noch eine Büchse Holzlasur im Kabuff. Darin wartete eine zweite Überraschung: zwei Tausend-Rupiah-Münzen, in Plastik verpackt. Wie auf dem Deckel angekündigt:
Finde hier drin 2000 Rupiah!
Hier sind sie (ich habe eine Münze auf umgedreht. Die 2000 ist die Jahreszahl, nicht der Geldwert):
Sonstiges | Konzentriert gearbeitet. Abends sehr entspannende Yogaübungen gemacht, dem Quadrizeps gehts schon viel besser. Musik aus meiner Zeit als Teenager bei Youtube entdeckt und mit viel Freude gehört (nein, nicht The Rasmus). Über eine Katze namens Zelda gelacht.
Was passiert, wenn die Apikaldominanz gebrochen wird | Pflanzen wachsen am liebsten geradeaus nach oben. Das machen sie, weil ihre Hauptknospe am Ende des Triebs ein Phytohormon produziert, das die Seitentriebknospen deaktiviert. Wenn nun die Hauptknospe kaputtgeht, nehmen diese ihre Arbeit auf. Und dann passiert das:
Komischer Tag | Ab dem Aufwachen begleiteten mich eine latente Übelkeit und Kopfschmerzen, dazu tat weiterhin der Nasenrücken weh. Denn nein, hier hats noch nicht geregnet, wohl aber im Norden der Stadt. Das gibt Hoffnung. Ich glaube, in den sechs Jahren, die ich jetzt hier bin, wurde der erlösende erste Regen noch nie so sehr erwartet, wie diesmal. Jedenfalls morkelte ich mich so durch den Tag, nahm mit mäßigem Erfolg eine Kopfschmerztablette und prokrastinierte mehr als dass ich schrieb. Immerhin konnte mich eine abendliche Folge Good Omens in bessere Stimmung versetzen und meine langsam zur Gewohnheit werdende Yogaübung tat sehr sehr gut. Ich bin noch in der Phase, in der ich rasch Fortschritte mache. Nach nur viermal üben hatten meine Arme schon wieder genug Kraft, um meinen Körper aus dem Liegestütz langsam auf die Matte sinken zu lassen. Ich weiß aber auch, dass ich dranbleiben muss, wenn die erste Erfolgseuphorie nachlässt – und das ist schwer.
Wochenendarbeit| Eigentlich sind Sonntag und Montag mein Wochenende, doch weil ich mittags eine Deadline hatte und noch einige Kleinigkeiten am letzten Auftrag zu tun waren, setzte ich mich nach dem Frühstück noch mal an den Rechner. Pünktlich vor Ablauf der Frist war ich fertig und konnte endlich entspannen.
Lecker| Am Sonntag speisten wir im Cak Sule zu Abend. Das ist ein Restaurant, das chinesisches Essen zu erschwinglichen Preisen anbietet und dabei ziemlich gut ist. Besser als Streetfood, aber noch nicht in der gleichen Kategorie wie das ganz hervorragende Lie Djiong. Ich aß Kwetiau, der Mann hatte Capcay und was mit Huhn.
Wetterwechsel| Seit Sonntag tut meine Nase und das deutet ziemlich sicher auf einen bevorstehenden Wetterumschwung hin. Diese Vorhersagekraft besitzt sie, seit sie im FÖJ-Seminar eine unsanfte Begegnung mit einem Fahrradlenker machen musste. Und der Wetterbericht bestätigt mein Gefühl: Montag hats im Norden schon ein bisschen geregnet, bei uns im Süden gehts ab Donnerstag los. Dann hat der Staub endlich ein Ende (und wird durch Schimmel und Geckokacke ersetzt, yay).
Alterserscheinungen| Seit ich wieder mit Yoga angefangen habe, tut mir die Hüfte weh. Oder eher der Oberschenkel in Hüftnähe. Dr. Googles Diagnose lautete „Verspannung des Quadrizeps“ und bei Youtube fand ich einige Übungen, deren Nachturnen das Problem sofort besserte. Ganz weg ist es noch nicht, aber ich kann wieder im Schneidersitz sitzen und das linke Bein heben. Süß war, wie Nina gestern versuchte, mir den Faszienball wegzuschnappen.
Needlework| Montag war es zu heiß für Ausflüge, darum packte ich endlich den aus Deutschland mitgebrachten Stickrahmen aus, lieh in der Online ein Stickbuch und übte Gobelin- und Kreuzstiche. Das war sehr entspannend, auch wenn ich nur langsam vorankam. Jedenfalls ist sticken bei der Hitze eine super Alternative zu Stricken und Häkeln, weil eins nicht mit warmer Wolle hantieren muss. Hier das Ergebnis:
Bei dem braunen Blopp der unten habe ich Plattstiche ausprobiert, hab dann aber abgebrochen, weil Hunger. Außerdem ist Plattstich ohne eine Kontur, die eins damit ausmalen kann, eh sinnlos.
Ausgeschlafen| Durch die späte Heimkehr am Vorabend standen wir erst nach zehn auf und bis zum Frühstück dauerte es noch einige Zeit, weil weder saubere Schüsseln noch Eier im Haus waren. Um ersteres kümmerte ich mich, der Mann übernahm den Eierkauf. Und erwischte endlich mal wieder frische Eier. Vielleicht wars den Hühnern vorher einfach zu heiß (obwohl die Abkühlung weiterhin auf sich warten lässt).
Computerzeit| Nach dem Essen fuhr ich den Rechner hoch und machte mich ans Lektorieren. Noch befinde ich mich in der Trainingsphase und arbeite nicht an echten Texten. Ich hoffe sehr, dass meine Leistung nach diesem Test ausreicht und ich echten Studierenden helfen darf. Ich habe übrigens echt lange damit gehadert, dass ich nicht in dem Bereich arbeite, den ich studiert habe. Die fünf Jahre an der Uni kamen mir verschwendet vor und ich hatte eine richtige Trauerphase deswegen. Überraschenderweise ist es genau dieser Job als Lektorin, der mir hilft, damit meinen Frieden zu machen (und ein Hochschulabschluss war Voraussetzung für eine erfolgreiche Bewerbung, war also der Master doch noch zu was gut).
Besuch| Erst zum späten Nachmittag wurde die Luft etwas kühler. Wir sperrten die Katzen ein und öffneten Türen und Fenster. Im frischen Windzug konnte ich endlich konzentriert arbeiten, während der Mann am Motorrad werkelte. Bis plötzlich neben mir ein miauender Schatten auftauchte. Es war der Besuchskater, der sich klammheimlich in mein Arbeitszimmer geschlichen hatte. Sehr zu Manfreds Missfallen, der lautstark aus der Küche protestierte. Später schaute noch ein zweiter Nachbarskater vorbei, mit weiß-rotem Fell und einem Glöckchenhalsband. Beide sind sehr niedlich, aber nicht so niedlich, wie Manfred und Nina. Apropos: Nina hat momentan eine komische Phase. Sie ist sehr verschmust und verlangt manchmal mit lautem Krähen nach Aufmerksamkeit. Außerdem will sie immer unter meiner Bettdecke schlafen (das ist warm!) oder rollt sich in meinem Schoß ein, wenn ich im Schneidersitz auf dem Boden sitze. Und nein, rollig ist sie nicht, aber es scheint eine Vorstufe oder abgeschwächte Form davon zu sein (ja, sie ist kastriert …). Das würde auch die häufigen Streitereien der beiden erklären, weil sie ständig Manfred auf die Pelle rückt.