13. November – Planänderung

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Heute schaffte ich es endlich, früh aufzustehen. Auch dank Manfred, der mich kurz vor sieben wecken kam. Nach der Katzenfütterung beschloss ich, wach zu bleiben und mich an den Rechner zu setzen. Ein Text wollte beendet und die Bilder für 12 von 12 hochgeladen werden. Ich schrieb anderthalb Stunden lang, dann erwachte der Mann und erzählte mir kurz darauf, dass sein Onkel in der Nacht verstorben war. Er fuhr dann gleich zu seiner Familie, während ich unser Frühstück vorbereitete. Als er wiederkam, stand der Plan für den Tag fest. Beerdigungen finden hier nämlich so schnell wie möglich statt, meist noch am gleichen Tag, und es war für uns klar, dass wir hingehen.
Ich habe den Onkel, der ein berühmter Musiker und Komponist war, nur einmal getroffen. Da war ich noch Darmasiswa-Studentin und er hat mich ein bisschen darüber ausgefragt, was ich an der Kunsthochschule so lerne. Vom Mann weiß ich, dass er ein in der Gemeinschaft hoch angesehen und zu allen Menschen freundlich war. Sein Tod kam ganz plötzlich, er war erst Mitte fünfzig.

Jedenfalls kamen sicher an die Tausend Menschen zur Trauerfeier. Die Straßen waren mit Autos verstopft. Wir parkten das Motorrad am Haus der Schwiegerfamilie. Dort wurde ich noch mit einer schwarzen Bluse ausgestattet und dann liefen wir los. Die Feier fand in einem Art Space statt. Dort werden normalerweise Konzerte und Performances veranstaltet, es gibt eine Galerie und eine Tanzschule. Und eben Platz genug für die vielen Menschen, die sich verabschieden wollten.
Es war sehr voll und sehr heiß und ziemlich emotional. Nach der Messe gab es noch einige Ansprachen, unter anderem von einem ehemaligen Minister.
Anschließend zogen wir weiter zum Friedhof. Der liegt auf einem Berg, vielleicht einen Kilometer vom Ort der Trauerfeier entfernt. Wir gingen zu Fuß, weil es in all dem Verkehrchaos sicher noch anstrengender gewesen wäre, erst das Moped zu holen. Und die Bewegung tat uns trotz Hitze gut.
Auf dem Friedhof drängten sich alle ums Grab, wir hielten ein bisschen Abstand. Für mich ein wenig befremdlich war es, dass viele Leute den Moment der eigentlichen Beerdigung mitfilmten. Dann habe ich mich daran erinnert, dass ich, als wir im letzten Sommer auf Bali am Ngaben, der hinduistischen Verbrennungszeremonie, teilnahmen, auch viele Fotos gemacht habe.

Alles in allem war es ein sehr anstrengender Tag. Wirklich traurig war ich nicht, ich kannte den Onkel ja kaum. Eher betroffen, wie schnell es doch manchmal vorbei sein kann. Was mich bedrückt, ist diese rasante Beerdigung (auch wenn ich natürlich verstehe, dass es in dieser Tropenhitze wahrscheinlich notwendig ist). In Deutschland vergehen ja meistens einige Wochen bis zur Beerdigung. Natürlich ist di*er Verstorbene dann auch schon weg. Aber vielleicht können sich die Angehörigen noch einmal am Sarg verabschieden und haben überhaupt ein bisschen mehr Zeit, sich auf den finalen Abschied vorzubereiten.
Hier lassen die Menschen alles stehen und liegen, wenn jemand stirbt. Sie versammeln sich sofort im Haus der betroffenen Familie. Das finde ich einerseits schön, weil dadurch niemand mit seiner Trauer allein sein muss. Andererseits erwarten die Gäste Bewirtung, so dass die Familie sich darum kümmern muss.
So hat eben jede Kultur ihre Art, mit dem Tod umzugehen. Da gibt es kein besser und schlechter, denn das ist immer schwer.



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