18. März 2020 – Ingwerlimo

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Aufgestanden, Katzen gefüttert, Zähne geputzt, Brause kontrolliert. Die Flasche steht ordentlich unter Druck, zischend entweicht das Kohlendioxid, das die fleißigen Mikroorganismen produziert haben. Ich stelle sie in den Kühlschrank, um die Fermentation zu bremsen, denn die Limo prickelt inzwischen gut. Der Mann kauft Eier und Bananen und berichtet vom Abstandhalten im kleinen Bananenshop. Manche Leute verstehens, andere weniger. Wir machen Frühstück, essen es, reden über die Situation. Wie unwirklich alles ist.

Momentan versuche ich, meiner mentalen Gesundheit zuliebe etwas weniger in den sozialen Medien unterwegs zu sein und nur noch abends Nachrichten zu lesen. Das klappt nur so semigut. Momentan bekomme ich beinah täglich einen Newsletter vom Auswärtigen Amt, der über die aktuelle Lage in Indonesien informiert. Den lese ich jedes Mal sofort.

Dann arbeiten. So viel wie möglich, denn wer weiß, wie lange ich noch Aufträge kriege. Das funktioniert gut heute, ich bin trotz minimalem Krankheitsgefühl konzentriert und werde nur abgelenkt, als Nina mit der Eleganz eines Trampeltiers auf meinem Schreibtisch herumläuft, mich bekuschelt und versucht, ihre Krallen auf der Tastatur zu wetzen. Ungewohnt ist vor allem, dass der Mann jetzt dauernd zu Hause ist. Aber dafür kocht er. Heute gibt es Omelett mit Tofu und dazu roten Reis und eine weitere Folge Lost. Ich trinke kalte Ingwerlimo, die ist toll und scharf und tut dem kratzenden Hals gut.

Die Abendgestaltung besteht aus Schlüpferwäsche, Blumengießen (Radieschen und Ringelblumen keimen!) Abwaschen und dann Kekse essend Nachrichten gucken. Damit wären die Kekse aus unserer Notration bereits alle. Vom Nachschub werde ich eine Packung extra gut verstecken, für Zeiten mit schlechter Stimmung.

Später mit Hörbuch ins Bett. Irgendwie fühlt sich „The Handmaid’s Tale“ angesichts der aktuellen Lage erschreckend real an. Hoffen wir das Beste.

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