Um sechs Uhr wachte ich das erste Mal auf (und dachte ans Messen, wuhu!), dann alle halbe Stunde, bis ich gegen acht endgültig wach, nur leider sehr schlecht gelaunt war. Meine Laune besserte sich erst angesichts der Pancakes, die der Mann zum Frühstück machte.
Vor dem Arbeiten wollte ich nur fix die E-Books, die ich gestern aus der Onleihe ausgeliehen hatte, auf dem Rechner runterladen und dann übers USB-Kabel auf den Tolino kopieren. Auch das klappte nicht und produzierte nur Fehlermeldungen und kaputte Dateien. Außerdem gingen meine USB-Anschlüsse plötzlich nicht mehr. Das Problem hatte ich schon mal, eins kann das im Gerätemanager aber leicht reparieren. Also rief ich den auf – und erhielt die frohe Botschaft, dass ich dieses Programm nur mit Administratorenrechten öffnen könne. Aber i c h bin doch Administrator! Nach vielerlei Googeln, Scans und Diagnosen weiß ich jetzt, dass im Windows-Ordner irgendwelche Systemdateien fehlen oder korrupt sind, aber hatte dann keinen Nerv mehr zu weiteren Maßnahmen. Morgen dann.
Dafür konnte ich einen Text beenden, eine Rechnung verschicken und erhielt zum ersten Mal seit fast einem Monat wieder einen Korrekturauftrag. Einen wirklich kleinen, der sich aber als so verzwickt herausstellte, dass ich ihn ebenfalls aus morgen verschob.
Als ich die Wäsche aufhing, bemerkte ich zwei Jungs, die scheinbar Zettel an die Nachbarhäuser verteilten. Vor unserem Haus blieben sie in einiger Entfernung stehen und berieten sich, in welcher Sprache sie mich wohl ansprechen sollten. Sie entschieden sich tatsächlich für Indonesisch, was mich freute, denn ich habe momentan nicht viele Gelegenheiten, Indonesisch zu sprechen. Der Zettel stellte sich als neue Corona-Regeln für die Nachbarschaft heraus. Wir dürfen ab sofort nach 21 Uhr keine Gäste mehr empfangen und auch keinen Besuch von Leuten bekommen, die von außerhalb der Daerah Istimewa Yogyakarta kommen. Gäste, die länger als 24 Stunden bleiben, müssen unter anderem ein Gesundheitszertifikat vorlegen. Außerdem sind Versammlungen von mehr als 10 Personen verboten und nach 21 Uhr haben alle leise zu sein. Was der letzte Punkt mit dem Coronavirus zu tun hat, weiß ich leider nicht.
Hier beginnt ja demnächst der Fastenmonat und damit Mudik, die Reisebewegung, bei der alle Leute nach Hause zu ihren Familien fahren, um gemeinsam Idul Fitri zu feiern. Das ist jedes Mal ein Riesending, Millionen Menschen sind unterwegs, das Fernsehen berichtet von Megastaus, alle Tickets für Flüge und Züge sind Wochen im Voraus ausverkauft. Aus Coronagründen soll diese Tradition dieses Jahr ausfallen, aber das durchzusetzen wird natürlich schwer. Die Medien bewerben bereits Mudik Online, aber ob das so angenommen wird? Jedenfalls sind die neuen Verhaltensregeln hier in der Gegend sicher ein Schritt, um dem entgegenzusteuern.
Das Lesen hatte ich noch nicht aufgegeben und probierte noch einmal vom Tolino aus, die geliehenen Bücher herunterzuladen. Es. klappte. nicht. Dabei ließ ich nichts unversucht, befolgte Anleitungen aus dem Internet, loggte mich aus und wieder ein, stellte die Uhrzeit richtig ein, löschte irgendwelche Zertifikatsdateien und setzte den Reader am Ende sogar auf Werkseinstellungen zurück. Nichts half und ich ging leicht frustriert, aber immerhin mit Hörbuch, ins Bett.