Zum Inhalt springen

Steffi

22. Dezember 2019 – Käsekuchen anders als gedacht

Sonntag wird ausgeschlafen, auch wenn eins eine Deadline hat. Ich stand so gegen neun auf, der Mann allerdings war erst mithilfe der verschmusten und dabei laut miauenden Ninamiez wachzukriegen. Sie wird wohl wirklich wieder rollig. Das wäre dann das dritte Mal seit August und damit wird es definitiv Zeit für die nächste Spritze. Für sie ist das ja auch kein Spaß.

Aber erst mal machte ich Frühstück, der Mann fuhr noch fix Eier kaufen und einen Kuchen von seiner Mama abholen. Das war ein Käsekuchen, aber nicht so, wie ihr jetzt vielleicht denkt. Nein, er sah aus wie ein Rührkuchen, aber es waren kleine Käsewürfel* drin verbacken. Voll gut irgendwie.

Für mich wurde es Zeit, ein bisschen am Computer zu arbeiten. Die aktuelle Arbeit ist weniger umfangreich und ich hoffe, damit noch vor Heiligabend fertig zu werden. In Weihnachtsstimmung bin ich übrigens kein bisschen und mir ist auch nicht nach Weihnachtslieder singen oder so. Klar, meine Timeline besteht nur noch aus Plätzchen backen und geschmückten Tannenbäumen und wäre ich in Deutschland, dann würde es mir auch anders gehen. Ich hatte auch keine Lust, zu dekorieren. Da würde eh nach einem Tag schon Geckokacke drankleben. Ein kleines bisschen heimwehmütig ist mir schon. Andererseits mag ich, dass hier Weihnachten so herrlich unaufgeregt ist. Wir werden zum Gottesdienst gehen und mit der Schwiegerfamilie essen.

Zurück zum Sonntag. Ich lektorierte vor mich hin, bis es wieder Zeit zum Essen wurde. Der Mann hatte Kartoffeln gekocht und Gudeg gekauft, das war ein interessanter Mix. Danach ließ ich die Arbeit sein, yogte eine halbe Stunde lang und ging dann duschen. Es hatte zwischendurch mal kurz geregnet und die Luft draußen war herrlich kühl, also rissen wir Türen und Fenster auf, um sie hereinzulassen. Anschließend war ich schon müde, aber Manfred forderte Spielzeit ein. Die geht so: Ich kullere seinen Ball durchs Haus und er rennt wie wild daran vorbei und hechtet auf den Kühlschrank. Das machen wir zwanzig Minuten lang, dann ist er platt. Eigentlich bräuchte er nicht den Ball, sondern ein Laufband.

*Was hier als Käse verkauft wird, ist ein würfelförmiges, nicht schmelzendes Produkt, das neben Käse auch diverse andere Zutaten enthält. Definitiv kein Clean Eating und nur müder Ersatz fürs Original, aber besser als nüscht.

+++

Gelesen | Die ersten zwei Seiten von Emile Zolas Paradies der Damen (spontan im Bett im Reader der Onleihe-App).
Gehört | Zum ersten Mal seit langem wieder Pascow mit diesem Song:

21. Dezember 2019 – Falsches Gewitterversprechen

Am Samstagmorgen erwachte ich trotz frisch geöltem Ventilator verschwitzt, es war heiß und schwül. Außerdem waren die Bananen alle, also stand vor dem Frühstück eine kleine Ausfahrt an, die uns erst zum Geldautomaten und dann zum Bananenladen führte. In dem Warung war der Mann bisher nur allein gewesen. Die Besitzerin schaute mich ziemlich skeptisch an, als ich mit einem „tanpa plastik“ ihre Rascheltüte ablehnte und einen Stoffbeutel hervorholte.

Die Bananen waren jedenfalls gut und auch keine Kerne drin. Nachdem ich inzwischen drei Pflänzchen und etwa zwanzig Reserverkerne habe, reicht das fürs erste. Vielleicht nehme ich die Samen im Sommer mit nach Deutschland und finde heraus, ob die dort auch so gut keimen. Wir speisten, tranken Kaffee und schauten dazu eine Folge Pretty Little Liars. Mittlerweile sind wir bei der dritten Staffel angekommen und es wird langsam immer schlechter. Dafür feiere ich diese Zusammenfassungen sehr ab.

Dann war Arbeit angesagt. Ich lektorierte fröhlich vor mich hin, es war heiß, der Ventilator lief. Dann wurde es immer düsterer draußen und windig auch, das lose Dach der Nachbarn klapperte ziemlich. Donner grummelte. Alles in allem die spektakuläre Ankündigung eines ordentlichen Gewitters. Ich freute mich schon auf die Abkühlung, als die ersten Tropfen fielen. Die gleichzeitig die letzten waren. Die Wolken zogen von dannen, nix mit Regen. Das war ziemlich enttäuschend.

Später ging ich Blumen gießen, den Strunk einer neulich verputzten Ananas einpflanzen und die größte Banane umtopfen. Als ich mich nach dem Abendbrot (Magelangan mit Capcay) wieder bewegen konnte, machte ich eine halbe Stunde lang Yoga. Das tut jedesmal so unglaublich gut. Diesmal riss mich Nina aus dem Flow, weil sie vor der Tür unseres Kabuffs laut miaute und offensichtlich hineingelassen werden wollte. Vielleicht hatte sie ja eine Maus gehört. Als ich später mit der Taschenlampe nachschaute, war nichts auffälliges zu sehen. Naja, ich befürchte, sie nähert sich einer erneuten Rolligkeit, sie ist schon seit Tagen sehr anhänglich, schläft neben mir im Bett, verkloppt allerdings Manfred, sobald er sie nur schief anguckt. Wir werden sehen. Der Mann war aushäusig unterwegs, aber ich schaffte es trotzdem nicht vor Mitternacht ins Bett. Aber dafür lag dann Nina neben mir und guckte friedlich ihr Lieblingsvideo (Vorsicht beim Angucken, falls Katzen in der Nähe sind!):

Okay, und dann wollte ich ja noch Bilder nachreichen. Bitte schön:

Das sind Cashewäpfel. Unten das Anhängsel ist die eigentliche Frucht, da sitzt der Kern drin. Übrigens sollte eins diese Hülle nicht einfach so knacken, weil der Kern von einer giftigen Flüssigkeit umgeben ist, die schlimme Sachen mit der Haut anstellen kann. Beim Rösten gehen die Wirkstoffe kaputt. Und zum Einpflanzen ist kein Knacken notwendig. Das paprikaförmige Gebilde ist aus botanischer Sicht der Stiel und essbar. Ich habe es probiert und es schmeckt ein bisschen wie Apfel oder Mango, hat aber einen stark adstringierenden Effekt. Trotzdem lecker.

Und das, was wie drei kleine Tomaten aussieht, sind Surinamkirschen. Sie wachsen an einem Strauch, sind lecker sauer und haben viel Vitamin C. Angeblich soll es ganz leicht sein, sie anzubauen, aber ich habe alle drei Samen eingepflanzt und bisher ist noch niemand gekeimt. Das war übrigens sehr überraschend, ich habe irgendwie mit vielen kleinen Samen wie bei einem Nachtschattengewächs gerechnet (die Früchte hab ich von meiner Schwiegermutti bekommen. Sie wusste, dass sie essbar sind, aber nicht, wie sie heißen) und dann war da ein fetter Kern drin.

09. bis 20. Dezember 2019 – Riesenkorrektur, Gelato, komisches Obst

Kaum bekam ich meinen ersten Korrektoratsauftrag in Form einer ganzen Bachelorarbeit mit dreizehntausend Wörtern, war es mit dem täglichen Bloggen aus und vorbei. Sorry. Ich hatte eine Woche Zeit und konnte die Deadline nur mit Mühe einhalten, weil es einfach so viel zu tun gab. Inzwischen arbeite ich an einer weiteren Bestellung und bin schon ein ganz klein wenig routinierter geworden. Es wird. Jetzt muss ich nur noch aufpassen, mir nicht meine anderen Aufträge zu torpedieren. Diese Balance mehrerer Projekte ist echt tricky.

Nach einer Woche Dauerschreibtisch brauchte ich eine Pause und zwar am Dienstag. Der Mann und ich trafen uns mit einer Freundin und ihrem Sohn im besten Eisladen der Stadt. Auf dem Weg dorthin kamen wir zum ersten Mal für diese Regenzeit so richtig in den Regen und waren trotz Gummisachen ziemlich durchnässt. Das waren zwar nicht die optimalsten Voraussetzungen fürs Eisessen, aber egal. Zur Auswahl standen ungefähr drölfhundert Sorten. Es gab ganz traditionell SchokoVanilleErdbeer, aber auch Koriander, Schokolade mit Scharf oder Pfefferminzbonbon. Ich hatte Matcha und Maracuja und es war wirklich wirklich gut. Leider sind die Preise recht gehoben, aber wir waren sicher nicht zum letzten Mal da.

Außer Eis aß ich in den letzten Tagen noch weitere exotische Dinge: Surinamkirsche und Cashewapfel. Das ist aus botanischer Sicht der Stiel der eigentlichen Frucht, in der sich die allseits bekannte Cashewnuss befindet. Es handelt sich um eine Scheinfrucht, die auf indonesisch den herrlichen Namen jambu monyet, Affenguave, trägt. Alle Samen wurden natürlich umgehend eingepflanzt, bisher wächst aber noch nichts.

An dieser Stelle wäre es schön, einige Fotos zu zeigen, aber ich mag nicht mehr und bin müde. Wird nachgeholt, versprochen!

PS: Was denn eigentlich der Manfred macht? Dem gehts hervorragend, vor allem, wenn er vom Post-Poop-Energieschub getrieben durchs Haus schießt.

07./08. Dezember 2019 – Jahrestagspizza und Insektenflut

Am Samstag jährte sich zum sechsten Mal jener Tag am Strand, als der Mann und ich uns gegenseitig unsere Gefühle füreinander gestanden. Das feierten wir mit der besten Pizza der Stadt im Restaurant Nanamia. Aber das war erst abends dran. Eigentlich war Samstag mein freier Tag, aber am 7. schicke ich immer meine Rechnungen raus und wollte vorher noch fix ein, zwei Kleinigkeiten erledigen. Das zog sich dann doch bis zum Nachmittag (ok, wir hatten spät gefrühstückt), also fuhr der Mann sein Motorrad im Bengkel besuchen.

Am frühen Abend wurde es immer bewölkter. Zum Glück hatten wir noch ein paar Snackies verspeist, denn gegen 18 Uhr begann der Regen – und da wollten wir eigentlich losfahren. Der Strom fiel dann auch noch aus und es war ein richtig heftiges Gewitter. Da saßen wir also, hungrig und schick angezogen und warteten. Die Katzen wussten vor lauter Angst nicht, wohin mit sich, Manfred saß irgendwann auf meinem Fuß. Nach einer guten Stunde war der Spuk vorbei, andernfalls hätten wir wohl ein GrabCar bestellt.

Samstags gehen hier die Pärchen aus und die Straßen und Restaurants sind entsprechend voll. Dank Regen war es aber nicht nur angenehm kühl, sondern auch leer. Im Nanamia waren vielleicht die Hälfte der Tische besetzt. Seit unserem letzten Besuch dort gab es eine überarbeitete Speisekarte mit etlichen neuen Gerichten. Ich bestellte Pizza mit Rucola und Parmesan, der Mann hatte Rind, Salami, Paprika und Pilze. Zum Nachtisch teilten wir uns ein Tiramisu. Das Restaurant arbeitet sehr am Plastikverzicht: Es gibt keine Strohhalme mehr (eine Zeitlang hatten sie welche aus Bioplastik) und die Glasuntersetzer sind aus Stoff. Ich habe eh immer ein kleines Beutelchen mit Edelstahl-Trinkhalmen dabei, konnte meinen Mango Lassi also stilecht wegnuckeln. Beim Tischabräumen muss ich nur aufpassen, den Strohhalm wieder einzupacken. Den kann eins übrigens einfach sauberlecken oder kurz kurz im Bad unter den Wasserhahn halten. Gesättigt und müde kamen wir wieder zu Hause an.

Da ich Samstag dann doch gearbeitet hatte, war eben Sonntag auch noch frei. Mittags regnete es schon wieder. Drei Tage Regen hintereinander, das ist jetzt wirklich die Regenzeit. Als die Wolken sich verzogen hatten, fuhren wir einkaufen und kehrten mit Kartoffeln, Tomaten und Pilzen beladen zurück, um einen Kartoffelauflauf zu kochen. Ich wusch und schnippelte, der Mann fabrizierte Bechamel- und Tomatensauce und baute den Auflauf zusammen. Ein Rest roter Reis war auch noch drin. Und es war ein wirklich phänomenales Mahl. Während wir noch aßen, kamen die ersten Laron ins Haus geflattert. Das sind geflügelte Termiten auf Hochzeitsflug. Deren Erscheinung ist ein weiterer Hinweis auf den Wechsel der Jahreszeit. Manfred liebt die Dinger sehr, er hüpfte ihnen in den ulkigsten Sprüngen hinterher und verspeiste sie alle.

Außerdem dachte ich endlich mal wieder daran, meine Pflanzen zu düngen, von denen etliche schon etwas gelb und nach Mangelernährung aussahen. Das kühle Wetter war eh ein super Zeitpunkt dafür, dann trocknen die Töpfe nicht so schnell aus. Die Bananen wachsen übrigens prächtig, sehen momentan wie kleine Maiglöckchen aus und fühlen sich auch so an. Sehr interessant.

Abends fuhren wir zur Schwiegermutti, wir hatten ihr nämlich einen separaten kleinen Auflauf gemacht. Auf dem Weg dorthin durchquerten wir eine wahre Laron-Wolke. Und es wurde noch schlimmer, als wir einen Abstecher zum Bengkel machten. Dort wimmelte es nur so vor Larons und geflügelten Ameisen mit gleicher Mission. Eine Lampe war komplett schwarz vor Insektenkörpern, überall krauchte und wuselte es. Mich juckts jetzt noch.

Wieder zu Hause angekommen, strickte ich ein bisschen (die Socken müssen in zehn Tagen fertig sein!) und ging dann zeitig schlafen.

06. Dezember 2019 – Erfrischung

Der Tag begann mit drückender Hitze. Mittags hatten wir schon 35 °C. Die Katzen lagen ermattet in den dunkelsten und leider auch dreckigsten Winkeln. Des Mannes Vaporizer überhitzte, ich hing schwitzend vorm Rechner, ein nasses Tuch überm Kopf. Und wir warteten, warteten auf die im Wetterbericht angekündigte Abkühlung. Zunächst sah nichts nach Regen aus. Kaum Wolken am blauen Himmel, die Sonne brannte. Dann. Im Norden zog es sich langsam zu. Wurde immer dunkler. Ich applaudierte dem ersten Donner. Gegen 15 Uhr ging es dann los, erst nur zaghaft, aber dann rauschte ein Tropenregen, der seinem Namen alle Ehre machte, vom Himmel. Innerhalb kürzester Zeit sank die Temperatur auf 30 °C, wir atmeten auf. Den Rest des Tages regnete es immer wieder, ich hatte kalte Füße, die Katzen waren glücklich. Das war echt das Ereignis, so darf es jetzt bitte gerne weitergehen, dankesehr. Egal, ob ich in zwei Wochen meckere, weil es dauernd regnet oder mir wieder mal mein Pass verschimmelt ist oder es in der Küche tröpfelt oder das Unkraut im Garten exxplodiert, das ist nun mal der Preis. Das gehört dazu.