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Steffi

1. Dezember 2020 – Fast wieder normal

Der Mann stand vor mir auf und ließ den Kater ins Schlafzimmer, der sich prompt miepsend auf meinem Bauch niederließ und bekuschelt werden wollte. Ich tat ihm den Gefallen und stand dann auch auf, die Ex-Zähne waren beinah nicht mehr zu bemerken. Morgenkrams, Katzenfütterung, Pflanzencheck. Das zweite Blatt der Monstera wird immer deutlicher, dafür gefällt mir meine Schlumbergera gar nicht. Sie hängt schlapp im Topf und macht lauter Luftwurzeln, das ist kein gutes Zeichen. Ich muss unbedingt nachschauen, ob die Wurzeln vielleicht faulen. Der andere Weihnachtskaktus, der vorn auf der Terrasse steht, sah nach dem Umtopfen auch erst etwas traurig ist, hat sich inzwischen aber gut erholt.

Frühstück, Kaffee, Youtube.

Der Mann fuhr weg, ich setzte mich an den Schreibtisch, war aber wegen der jeden Moment eintreffen könnenden Wasserlieferung voll im Wartemodus und nicht konzentrationsfähig. irgendwann kam das Wasser dann, ich huschte mit Geld und Maske hinaus, öffnete das Tor und stand dann etwas awkward herum, während der Lieferant die vollen Kanister auf die Terrasse schleppte.

Dann endlich war halbwegs produktives Arbeiten möglich, nebenbei snackte ich übrig gebliebenes Porridge vom Frühstück, Nina schlief neben mir und Manfred auf dem Tisch. Ein seltener harmonischer Moment zwischen den beiden. Ich machte Feierabend, als Manfred erwachte und anfing, Nina zu nerven. Wir katzenangelten, er hechtete wild durchs Bett. Ich liebe es ja besonders, wenn er auf die Angel lauert und dabei so mit dem Hintern wobbelt.

Der Mann kam mit Nasi uduk heim, wir aßen und schauten Superstore. Manfred bettelte um Tempestückchen und bekam auch welche, nach dem Essen kuschelte sich Nina zwischen uns auf die Bank, sie ist schon seit ein paar Wochen sehr anhänglich und verschmust. Ich machte dann noch den Abwasch und schon war es wieder Zeit, schlafen zu gehen.

28. bis 30. November 2020 – Wochenende und der Montag danach

Gestern war ich zu busy zum Bloggen, darum gibts den Wochenendrückblick eben erst jetzt. Das Wichtigste zuerst: Mir gehts endlich besser, Montag war der erste Tag ohne Schmerztabletten und ich habe sogar schon zum ersten Mal unbewusst auf der linken Seite gekaut. Aber von vorn:

Samstag musste der Mann früh weg, also frühstückten wir getrennt, was heißt, dass ich mein morgendliches Spiegelei selbst briet und erfolgreich in der Pfanne wendete. (Wir machen das immer, weil die Eiqualität manchmal etwas zweifelhaft ist.) Nach dem Essen lungerte ich ein bisschen antriebslos herum und guckte Superstore, aber dann raffte ich mich auf und putzte das Bad. Podcast hörend ist das gar nicht so schlimm. Überhaupt mache ich inzwischen fast alle Hausarbeiten mit Kopfhörern, der Mann hat mir nämlich ein Paar alte Bluetoothkopfhörer vermacht, die zwar schon ein bisschen abgeranzt sind, aber genau aus diesem Grund genau richtig zum Putzen.

Als das Bad sauber war, ging ich direkt duschen und dann kam auch schon der Mann nach Hause, denn ich hatte am späten Nachmittag meinen Kontrolltermin in der Zahnklinik. Die ist im Norden und dort ballten sich gerade auch dicke dunkle Gewitterwolken zusammen. Also stopfte ich die Regensachen in meinen Rucksack, wir kamen dann aber ganz knapp vor dem richtigen Wolkenbruch an. Dann wurden endlich die ollen Fäden gezogen, alles heilt gut, weh tun ist ganz normal, und schon waren wir wieder draußen. In vier Wochen ist dann die andere Seite dran, es gruselt mich jetzt schon. Auf dem Rückweg holten wir Abendessen (Fuyung Hai und Bihun) und kamen trotz Regensachen etwas durchnässt wieder zu Hause an.

Sonntag regnete es schon seit morgens immer wieder und wir machten gar nichts, außer online neue Regenanzüge zu bestellen. Und ich schnitt noch ein paar Masken zu. In einer Regenpause fuhren wir zum Markt, kauften Gemüse und Huhn für den Mann. Mir sind die Fleischstände mit den aufgereihten toten blassen Hühnern sehr unangenehm, den Geruch mag ich überhaupt nicht, wobei die Maske schon ein bisschen hilft. Zum Abendbrot kochten wir Gemüsesuppe und frittierte Kartoffelspalten, das war sehr lecker. Hinterher fuhren wir noch eine Freundin besuchen, die sich neulich ein Bein gebrochen hat, um sie ein bisschen aufzumuntern.

Montag war dann endgültig Business as usual, ich fühlte mich fast wieder normal und schaffte es tatsächlich ohne Schmerztablette, auch wenn die Stelle abends noch etwas schmerzt. Ich hatte einen Korrekturauftrag, der meine gesamte Aufmerksamkeit forderte, und als ich damit fertig war, übernahm Manfred und wollte bespaßt werden. Abendessen waren Reste vom Sonntag, dann fuhr der Mann zu einem Freund und ich ging zeitig schlafen.

27. November 2020 – Die Vögel

Erholt aufgewacht, komischerweise hatte ich geträumt, dass ich des Mannes Masken bügele. Dabei macht er das immer selbst, er stärkt die nämlich, damit sie sein Gesicht nicht berühren. So langweilig ist mein Leben also schon. Heute hatte ich keine Lust auf Experimente oder Schmerzen und nahm konsequent meine Schmerztabletten. Meine arme Leber tut mir leid, aber das muss jetzt halt mal sein.

Workworkwork war ganz okay heute, aber ich war froh, als ich endlich fertig war. Zum Feierabend fing Manfred einen Gecko, den er grollend um Maul hielt. Ich zwang ihn, den Gecko auszuspucken, sperrte beide Katzen weg und manövrierte das arg angeschlagene Tier ins Freie. Hoffentlich kommt er durch. Jetzt weiß ich, dass auch Geckos ziemlich rot bluten.

Nach dem Abendessen (Kwetiau) fuhren der Mann und ich gen Norden zu einem großen Kaufhaus, um Kaffee und Küchentücher zu kaufen und einfach mal ein bisschen rauszukommen. Und besser jetzt als in ein paar Tagen, denn am Monatsanfang kriegen alle ihr Gehalt und dann sind die Läden voll. Beeindruckend war, das jetzt wieder die Zeit ist, in der in einer bestimmten Straße tausende Schwalben auf den Kabeln hocken. Die sind auf der Durchreise, tagsüber sind sie weiter oben in den Bergen und nachts schlafen sie eben in dieser einen Straße, das ist schon seit Jahren zu. Hier ist ein Zeitungsartikel darüber, allerdings auf Indonesisch und vom letzten Jahr – aber da gibts Fotos. Dort steht, dass es Rauchschwalben sind, die aus Korea, Japan und dem Himalaya kommen und hier überwintern. Im März fliegen sie wieder heim. Ah, sogar auf Youtube wird darüber berichtet.

26. November 2020 – Gecko am Fenster

Wieder früh aufgewacht (letztes Mal Antibiotikum!). Ich hatte geträumt, dass wir mit Manfred zelten waren, das war irgendwie eine schöne Vorstellung und erinnerte mich an Henry und Baloo (Vorsicht, niedlich!). Die Backe war auszuhalten, also ließ ich erneut das Schmerzmittel weg. Podcast hörend abgewaschen, dann Frühstück. Der Mann hatte Muffins geholt, aber die hob ich mir für später als Snack auf. (Fehler, später waren dann Ameisen drin.)

Beim Arbeiten dann puckerte es wieder stärker und irgendwann beschloss ich, dass es keine Schwäche ist, wenn ich jetzt eine Schmerztablette nehme und tat das dann auch. Aber es strengt mich schon an, dass es trotz allem* einfach nicht besser wird. Immerhin ist heute schon Tag 5. Lohnarbeit war dann eher zäh, ich schloss einen Auftrag ab, hatte dann aber einfach keine Löffel mehr übrig und machte kurzerhand Feierabend. Inmitten einer Pandemie und kurz nach einer Zahn-OP ist das wirklich gerechtfertigt und ich versuchte sehr, mich nicht schuldig zu fühlen. Scheiß Kapitalismus, mein Wert ist mehr als nur meine Produktivität.

Es regnete nicht, also ging ich die paar Pflanzen gießen, deren Erde schon wieder trocken war (vor allem die stets durstige Banane) und schaute mir einfach alle mal an, das hatte ich jetzt schon einige Tage nicht gemacht. Vor allem die Ananas und der Bambus gehen grad ganz schön ab und ich denke, dass ich bald die erste Srikayafrucht ernten kann. Der kleine Baum hängt ganz schön durch, weil die meisten Früchte an der Spitze irgendwelcher dünnen Zweiglein wachsen. Wahrscheinlich kann eins das irgendwie durch den richtigen Schnitt lenken, aber wir hatten genau eine Vorlesung zum Thema Obstbaumschnitt im Studium und a) hab ich genau da nicht aufgepasst und b) wurden Srikayabäume nicht besprochen.

Ich hing dann einfach nur ein bisschen herum, schrieb mit einer Freundin, vermisste Yoga und guckte den Katzen zu, denn die rasteten ein bisschen aus, als draußen am Fenster ein Gecko hin und her lief. Sie saßen dann noch echt lange da und starrten das Glas an, nur für den Fall.

Der Mann kam dann mit Bihun zum Abendessen nach Hause, wir guckten ein bisschen Superstore und erzählten, ich gab Manfred sein Dosenfutter (große Freude) und legte mich dann bald hin.

*Antibiotikum, Schmerztabletten, Salzspülungen, weiche Zahnbürste und Abstand beim Zähneputzen, nur rechts kauen, nur weiches Essen, nur auf der rechten Seite schlafen, kein Sport, viel Katzenflausch

25. November 2020 – Kalt

Morgens fühlte ich mich ganz gut soweit und beschloss, die Schmerztablette wegzulassen, um mal zu gucken, wie das so ist. Das stellte sich später leider als schlechte Idee heraus. Jedenfalls machte ich Morgendinge, schaute nach der schon grüner werdenden Monstera und machte Frühstück. Endlich wieder mit Kaffee für mich! Es hatte die ganze Nacht geregnet und war so kalt, dass ich nach dem Essen Socken und eine lange Hose anziehen musste, um nicht zu frieren. Eine nette Abwechslung zu den Tagen, an denen ich vom bewegungslosen Herumsitzen in Schweiß ausbreche.

Dann Lohnarbeit. Heute hatte ich wieder einen Korrekturauftrag, an dem ich ziemlich zu knobeln hatte. Da half es nicht, dass zum frühen Nachmittag meine Wange zu puckern begann. Eigentlich kann ich Schmerzen ganz gut aushalten und auch verdrängen, aber diesmal musste ich herumlaufen und mein Gesicht in weiches Manfredfell drücken, bis die Tablette endlich wirkte.

Schon seit Tagen habe ich groß Lust zu putzen, das passiert oft, wenn ich mich nicht gut fühle. Heute hatte ich endlich genug Energie und wischte kurzerhand das Haus durch, mit unserem neuen Mopp und einem Hörbuch ist das eigentlich eine recht entspannte Sache. Und dann kam auch schon der Mann mit Abendbrot nach Hause, ich hatte wieder um Mie goreng gebeten und die waren auch wieder sehr lecker. Ansonsten passierte nichts mehr, wir schauten ein paar Folgen Superstore und der Mann naschte die restliche Erdnussbutter weg, die ich ja leider wegen ihrer Chunkyness momentan nicht essen kann, was mich ein bisschen traurig macht. Überhaupt hat diese Zahnsache ziemliche Auswirkungen auf mein Snackverhalten, das momentan nicht existent ist, gleichzeitig vermisse ich Yoga und Sport sehr. Samstag werd ich fragen, wann ich das wieder machen darf (hoffentlich bald!).

Gesehen:
Superstore

Gehört:
QualityLand 2.0
All Inclusive