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21. Januar 2020 – Maus!

Morgens von Manfred geweckt. Ich finde es immer wieder überraschend, wie schnell das Klickertraining wirkt und unsere Beziehung stärkt. Da traut er sich auch ins Bett, obwohl Nina bereits auf ihrer Decke liegt und schläft. Ich stand auf. Zähne putzen, anziehen, abwaschen, Frühstück machen. Während ich abwusch, fuhr der Mann fix Bananen fürs Oatmeal kaufen, die waren nämlich alle. Diese neuen Bananen sind sehr zeitaufwendig, denn sie haben so viele Kerne, als hätte jemensch mit einer Schrotflinte darauf geschossen. Bisher hatten wir nur Bananen, bei denen pro Frucht so ein bis fünf Samen drin waren. Und auch nicht in jeder. Diesmal waren es pro Banane mindestens zwanzig, ich pulte also mehr, als das ich schnippelte. Interessanterweise befinden sich die alle in der unteren Hälfte, darum sind die Bananen da dicker wie eine Zucchini. Diese Erkenntnis wird uns bei der Auswahl zukünftiger Bananen nützlich sein.

Arbeit ging heute eher schleppend voran, weil es drückend heiß war. Ich brauchte den großen Ventilator, um nicht völlig zu zerfließen. Der arme Mann musste ans andere Ende der Stadt (und wieder zurück) fahren und kam ziemlich kaputt wieder Zuhause an. Wir speisten Gudeg, dann brauchte er eine Pause und ich setzte mich noch einmal an den Laptop, bis Manfred vehement seine Klickerübungen einforderte. Er kann eigentlich schon ziemlich viel: sich hinsetzen, in beide Richtungen drehen, sich hinlegen, auf einen Stuhl hüpfen und wieder herunterspringen, sich sein Geschirr anziehen lassen und High Five geben. Allerdings nur mit der rechten Pfote. Ich muss dringend nach neuen Übungen googlen, damit ihm nicht langweilig wird.

Als es nach Sonnenuntergang draußen kühler wurde, sperrten wir die Katzen ein und öffneten alle Türen und Fenster. Tat das gut! Ich ging noch fix die Blumen gießen und yogte eine Runde, dann guckten wir ein paar Folgen Lost. Ein Klappern in der Küche ließ uns aufspringen, aber es war nur eine ziemlich große Maus, die durch unsere Töpfe turnte. Das war tolles Kino für die Katzen. Wir versuchten, die Maus mit Besen aus dem Haus zu scheuchen, aber sie versteckte sich in dem Moped, das schon seit beinah einem Jahr ein Freund bei uns geparkt hat (eigentlich sollte das schon vor Monaten jemensch abholen kommen, aber das ist eine andere Geschichte). Also stellten wir kurzerhand das Moped vor die Tür, damit die Maus nicht plötzlich nachts durch unsere Gesichter läuft oder von den Katzen gejagt wird. Der restliche Abend verlief ruhig.

20. Januar 2020 – Klickertraining

Seit langem wurde ich heute mal wieder von Manfred geweckt. Abends darf er aus Gründen* nicht mehr ins Bett, das hat er mir ein bisschen übel genommen, glaube ich. Wir machten Frühstück, das war in der sauberen Küche gleich noch einmal so schön.

Ansonsten war alles wie immer. Nach dem Essen war workworkwork angesagt, ich pipelte erst ein bisschen vor mich hin und bekam dann zum frühen Nachmittag einen kurzfristigen Auftrag, den ich zum Glück innerhalb von drei Stunden weglektorieren konnte. Langsam werde ich besser und muss nicht mehr jede zweifelhafte Grammatik im Duden nachschlagen. Zum Beispiel habe ich jetzt endlich die Regeln zum Zusammen- und Getrenntschreiben im Kopf. Wenn das erste Wort nämlich ein Adjektiv ist und das zweite ein Verb (wie bei übel nehmen), schreibt eins getrennt. Allerdings gibt es da jede Menge Ausnahmen oder Fälle, in denen beides möglich ist. Am schlimmsten sind eh Komposita aus zwei, drei Wörtern, von denen am besten mindestens eins Englisch ist und die ganze Konstruktion ein Eigenname sein könnte, aber auch irgendwie nicht. Jedenfalls kommt dieses Schulgrammatikwissen so langsam wieder zurück und das ist super.
Abends gab es Nasi uduk mit wirklich gutem Tempe. Und zum Feierabend (um 22 Uhr …) ließ ich den Ventilator das Haus durchpusten, während ich eine Weißweinschorle (mit mehr Wasser als Wein) aus meinem letzten bisschen Wein trank und dazu Joghurt mit Zimt aß.

An P. gedacht.

Momentan habe ich immer den Klicker und eine kleine Dose mit Katzensnacks in der Hosentasche. Für Manfred. Denn der markiert wieder. Damit hat er ja auch nach seiner Kastration nie ganz aufgehört, aber im alten Haus hat ers im Garten gemacht und auch das nur selten. Seit der Einbrecherkater ihn vermöbelt hat, sprüht er jeden Abend irgendwo hin: An alle Haustüren (unser Haus hat vier …), das Moped in der Küche, die Wasserkanister, Flip Flops, den Trinknapf und alles, was irgendwann mal draußen war und dort möglicherweise Katzenkontakt hatte. Selbst der Enzymreiniger aus Deutschlanf hilft nicht. Gesund ist er auch. Er hat das kurz vor unserer Abreise schon mal gemacht, da hatten wir grad die Draußenkatzen auf der Terrasse, und wir waren beim Tierarzt mit ihm, da war alles ok. Manfred ist also eifersüchtig und unter Stress. Jetzt fahre ich mehrere Strategien:

  1. Wenn er auf sein Klo geht (und ich es mitkriege), klicke ich und gebe ihm ein Snackie.
  2. Klo und Kloumgebung werden so oft wie möglich gründlich geputzt.
  3. Wir machen mehrmals täglich für ein paar Minuten Klickertraining, um sein Selbstbewusstsein zu stärken.
  4. Ich nehme mir viel Zeit nur für ihn, damit keine Eifersucht auf Nina aufkommt.
  5. Alle seine bevorzugten Sprühorte habe ich mit seiner Lieblingspflanze (Indische Nessel, wirkt wie Katzenminze) eingerieben.

Jetzt hoffen wir sehr, dass er sein Verhalten bessert. Gestern hat er nicht gesprüht, war aber kurz davor. Ich bin vorsichtig optimistisch, habe aber gestern auch den Einbrecherkater nicht gesehen. Wir werden sehen.

Zum Glück ist er süß.

*Er hat auf des Mannes Sarong gesprüht, dabei auch das Bettlaken und mich erwischt.

13. bis 19. Januar – Previously on Steffi’s life

Huch, eine Woche nicht gebloggt. Was halt so passiert, wenn eins eine aufwendige Korrektur und dann zwei freie Tage hat. Dann erzähle ich euch mal fix, was hier so los war. Nicht unbedingt chronologisch, eher so, wie es mir gerade einfällt.

Zuerst das Wichtigste: Der Bauch ist wieder ok. Das wurde nach fünf Tagen auch Zeit, ich hatte meine Schonkost (Haferflocken und Bananen zum Frühstück, weißer Reis mit gekochtem Ei zum Lunchdinner) gründlich satt (haha). Geholfen hat möglicherweise der ausgepresste Saft aus zwei jungen Guavenblättern, aber vielleicht hat sich auch einfach mein Immunsystem berappelt. Who knows.

Dann war es vor allem eins: heiß. Die Regenzeit legte eine mehrtägige Pause ein, das bescherte uns eine ganz herrlich klare Luft, blauen Himmel und Temperaturen um die 34 °C. Die Katzen zogen sich in die dunkelsten Ecken des Hauses zurück und ich musste wieder jeden Tag die Blumen gießen. Da die Bauarbeitenden Wasser aus unserem Brunnen fürs Zementmischen beziehen und der Mann an einem Abend vergessen hatte, den Wasserhahn im Bad zuzudrehen, hatten wir ein bisschen Wasserknappheit. Nach der langen Trockenzeit wäre es eh naiv, zu denken, dass ein paar heftige Regenfälle zum Auffüllen der Speicher ausreichen würden.

Nach der arbeitsreichen Woche freute ich mich über zwei Tage Pause vom Computer. Freitag wollten wir auwärts zu Abend essen und fuhren zu einer Art Freilicht-Foodcourt, den wir neulich entdeckt hatten. Dort stehen jede Menge zu Foodtrucks umgebaute VW-Busse. Die Atmosphäre war wirklich toll und alle Leute sehr nett, nur leider war das Essen nicht sehr gut. Für mich war die Auswahl eh nicht so berauschend. Die beiden einzigen vegetarischen Gerichte waren Nasi goreng und frittierte Samosas, allerdings aus der Tiefkühltruhe. Letztere schmeckten mir eigentlich ganz gut, aber der gebratene Reis war irgendwie merkwürdig. Hinterher fuhren wir zu einem neuen Supermarkt. Dort fand ich den perfekten Joghurt: im Glas, ohne Zucker, ohne Gelatine und nicht zu teuer. Leider musste ich später Zuhause feststellen, dass er irgendwie nach saurem Schaf schmeckte, obwohl laut Etikett Kuhmilch drinnen war. Inzwischen habe ich aber entdeckt, dass ein Teelöffelchen Zucker den Joghurt doch noch genießbar macht.

Am Samstag putzten wir die Katzenecke und besuchten danach mit (gekauftem) Kuchen im Gepäck Freund*innen. Auch am Sonntag schwang ich den Putzlappen und verpasste der Küche eine Grundreinigung. Das war bitter nötig. Unter unserem lange nicht mehr bewegten Ofen fand ich eine Art Geckonest mit Dutzenden leeren Eihüllen. Jetzt strahlt alles wieder, ich habe nämlich große Lust, wieder zu kochen. Übrigens der Verdienst des großartigen Youtube-Channels Binging with Babish. Zwischendurch legte ich eine längere Putzpause ein, der Mann äußerte nämlich den Wunsch nach frischem Kokoswasser. Wir machten uns auf die Suche nach einem entsprechenden Stand, die länger dauerte, als erwartet. Das Kokoswasser war sehr erfrischend, aber jetzt hatten wir Hunger und beschlossen, das vegetarische Restaurant KITASUKA zu erproben, dass ich vor einiger Zeit auf Google Maps entdeckt hatte. Das erwies sich glücklicherweise als Volltreffer. Wir saßen im Schatten eines herrlich wilden Gartens direkt am Fluss, die Portionen waren ausreichend groß und das Essen sehr sehr lecker. Der Mann speiste Gado Gado (das ist eine Art Salat mit Erdnusssoße), mein Essen hies Terong Rames. Es bestand aus mehreren Gemüsen, gebratener Aubergine, Omelett, einer tomatigen Soße, rotem Reis und viel Knoblauch. Zum Nachtisch teilten wir uns einen Chiapudding. Und wir trafen eine Freundin mit ihrem anderthalbjährigen Sohn, das war auch sehr toll.
Ich war höchst erfreut, dass es dem eigentlich auf sein tägliches Hühnchen bestehenden Mann so gut schmeckte, dass er schon weitere Besuche im KITASUKA plant. Preislich wird das nicht allzu oft möglich sein, aber einmal im Monat wäre schon schön.

Und jetzt Fotos!

Was ich im KITASUKA aß.
Nina hat ein Gesicht (Besitzer*innen schwarzweißer Katzen wissen, was ich meine).
Der zweite Cashewkeimling: Die Nuss klappt auf und wird zu Blättern. Genial.
Bananenstatus: läuft.

12. Januar 2020 – Heute keine Fotos

So wie ich schon am Fünften #wmdedgt vergessen habe, fiel mir auch erst am Nachmittag ein, dass ja heute der Zwölfte ist. Leider hatte ich bis dahin keine Fotos gemacht, versuchte auch gar nicht, es aufzuholen und konnte darum auch nicht bei 12von12 mitmachen.

Zum Frühstück verzichtete ich heute auf Kaffee und machte mir stattdessen einen Kräutertee. Der Magen dankte es, dafür hatte ich den ganzen Tag lang koffeinentzugsbedingte Kopfschmerzen. Irgendwas ist ja immer. Heute widmete ich mich erneut der zu lektorierenden Arbeit. Donnerstag ist Deadline und es ist noch viel zu tun. Es gab zwischendurch ein paar Probleme, doch der Support arbeitet auch sonntags und half mir schnell weiter.

So mühte ich mich bis zum frühen Abend ab. Wenn ein Text viele Fehler enthält, muss ich mich besonders konzentrieren, um auch jeden zu erwischen. Das fiel mir heute nicht leicht, obwohl Manfred ein vorbildlicher Bürokater war und neben mir auf dem Schreibtisch schlief. Nur auf die Maus musste ich wieder verzichten, da der flauschige Herr darauf ruhte.

Zum Abendessen servierte der Mann selbst gekauften Reis mit Aubergine, Tempe und Tofu. Für ihn gabs auch Petai, ich verzichtete magenbedingt. Obwohl der Bauch mittlerweile nicht mehr schmerzt, fühlte ich mich doch noch recht kaputt und so richtig rund läuft die Verdauung noch nicht wieder. Normalerweise ist bei mir so eine kleine Verstimmung innerhalb weniger Stunden wieder vorbei, dass ich mehrere Tage damit zu tun habe, hatte ich schon lange nicht mehr. Selbst das altbewährte EntroStrop brachte nicht die gewünschte Wirkung. Nach dem Essen legten die Kopfschmerzen mit neuer Energie los, darum legte ich mich eine Weile mit der schnurrenden Nina hin, das half.

Außerdem stellten wir fest, dass unsere Wanduhr schon wieder nachging. Das ist ein wirklich merkwürdiges Phänomen, das uns nun schon einige Monate beschäftigt. Innerhalb von wenigen Tagen wechselt die Uhr nämlich von akkurater Zeitanzeige über fünf verschmerzbare Minuten hin zu anderthalb Stunden Unterschied zur aktuellen Zeit. Mehrere Batteriewechsel und ein Tausch des Uhrwerks halfen nicht.

Yoga ließ ich wieder ausfallen, jetzt hänge ich schon drei Tage hinterher. Hoffentlich habe ich morgen wieder genug Energie.

11. Januar 2020 – Sturm und Stromausfall

Ich erwachte ausgeschlafen, doch nicht so richtig auf der Höhe. Den Kaffee zum Frühstück hatte ich mir verkneifen sollen, denn jeder Schluck rächte sich mit Magenkrämpfen. So ging es dann den Tag über weiter, auch wenn ich halbwegs konzentriert arbeiten konnte. Draußen war es sonnig und ein leichter Wind ging, perfektes Waschwetter. Also weichte ich alle Katzenschlafunterlagen in heißem Wasser ein, denn die müffelten inzwischen alle, wusch sie und hängte sie raus.

Der Mann kam mit Abendbrot heim, es gab Magelangan und Gemüse. Ich wünschte mir heimlich Zwieback, aber den gibts hier leider nicht. Als ich nach dem Essen den Abwasch machte, wurde es plötzlich laut draußen: Ein heftiger Wind rüttelte am Metalldach der Nachbarn und warf meinen Kapokbaum um. Weil unser Küchendach zwar den Wind selbst aushält, aber einem hineinfliegenden Objekt möglicherweise nicht standhalten könnte, trugen wir die Katzenkäfige ins Wohnzimmer und sperrten die Miezen zur Sicherheit ein. Inzwischen regnete es ebenso heftig, überall tröpfelte es und der Sturm drückte Wasser unter der Küchentür durch. In solchen Situationen bin ich froh, dass wir keine Glasfenster haben, sondern stabile hölzerne Fensterläden. Nach vielleicht zwanzig Minuten (die sich aber viel länger anfühlten), beruhigte sich das Wetter wieder, zumindest der Wind ließ nach. Wir gingen hinaus, dort war alles ok. Keine heruntergefallenen Dachziegel und außer dem Kapoktopf standen alle Pflanzen noch. Sogar meine Katzenhandtücher waren noch da.

Dann allerdings fiel der Strom aus. Wir haben für den Fall LED-Lampen mit USB-Anschluss, die von einer Powerbank betrieben das Haus erhellen. Für längere Fälle steht außerdem eine alte Öllampe bereit. Glücklicherweise war mein schlaues Telefon voll geladen und ich legte mich mit weiterhin wehendem Bauch aufs Sofa und guckte YouTube-Videos, bis das Licht nach einer guten Stunde wieder anging. Yoga musste ich heute erneut ausfallen lassen und ging lieber früh ins Bett.

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Auf Instagram habe ich eine Tierschutzorganisation namens Peduli Kucing Pasar gefunden (Vorsicht, manche Fotos sind ziemlich heftig!), die sich hier in Jogja um die in den vielen Märkten lebenden Katzen kümmert, sie füttert und kastriert. Wo diese Katzen herkommen? Leute setzen ihre ungewollten Katzen dort aus, weil sie glauben, sie könnten dort überleben. Das können sie aber nur, weil Katzenfreund*innen ihnen Futter hinstellen. Ich habe große Lust, bei sowas mitzumachen.