27. bis 29. März – Maskenschneiderei und unser Haus ist jetzt desinfiziert

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Am Freitag saß ich am Rechner, guckte auf den Bildschirm, schob die Maus herum und kriegte einfach nichts gebacken. Überforderung, keine Konzentration und PMS. Ganz schlechte Mischung. Ich gab auf, machte den Laptop aus und begann, dieser Anleitung folgend Atemmasken aus einem alten T-Shirt zu nähen. Mein Prototyp sitzt auch ohne Nasendraht gut und ich hatte das erleichternde Gefühl, einfach mal etwas Sinnvolles zu tun. Und Hände, die mit Nähen beschäftigt sind, können nicht zum x-ten Mal durch den Facebook-Newsfeed scrollen. Da Elastikband inzwischen ausverkauft ist, häkelte ich lange Schnüre, die die Masken in Position halten sollen. Abends wusch ich den Prototyp probeweise mit kochendem Wasser, was er gut überstand. Yeah!

Samstag war Pausentag. Ich führte die Maskenbastelei weiter, telefonierte mit dem Brüderlein in der Heimat, kochte mit dem Mann Mie goreng, flauschte Herrn Manfred, lag ein bisschen bauchwehend herum, setzte zwei Liter Zitronenbrause an (mit Ahornsirup!) und guckte ziemlich viele Folgen Lost. Abends kam dann eine Nachbarin vorbei und kündigte für Sonntag eine Desinfizierungsaktion der Nachbarschaft an.

Wegen der standen wir am nächsten Morgen schon um sieben auf (überraschende Erkenntnis, dass mir das leichter fiel als gedacht) und bereiteten das Haus vor. Desinfektionsmittel sind generell nicht so toll für Katzen, also trugen wir die Katzenkäfige in die Abstellkammer und sperrten die beiden Miezen darin ein. Das fanden sie gar nicht gut, aber das musste jetzt einfach mal sein. Dann warteten wir auf der Terrasse auf das Sprühkommando. Das bestand aus zwei jungen Typen, die immerhin Masken trugen. Einer ging ins Haus und besprühte Wände, Türen, Fußboden und das Sofa mit irgendwas Chlorhaltigem, der andere verfuhr ebenso mit dem Vorgarten und den Mopeds. Das ging erstaunlich schnell, viel länger dauerte das Warten, bis alles wieder trocken war. Gerade wegen der Katzen, die ihren Unmut lautstark äußerten. Die lieben zwar Chlorgeruch, vor allem Manfred ist da ganz scharf drauf, aber giftig ist das Zeug trotzdem für sie. Also saßen wir draußen, bespaßten den niedlichen Nachbarskater und guckten zu, wie die anderen Häuse desinfiziert wurden. Ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass das viel bringt. Wir hätten auch ablehnen können, aber wenn dann jemand in der Nähe krank wird, sind wir am Ende die Sündenböcke.

Dann gefrühstückt und die Katzen rausgelassen.

Die Brause brauchte etwas länger als sonst, das lag wohl an der kalten Nacht. Interessante Beobachtung: Die Hefen setzen sich in den fünf Ausbeulungen des Flaschenbodens ab, darum schwimmen auf der Oberfläche ebenfalls fünf runde Schaumkronen, die ich anfangs für Schimmel hielt. Durch das ungewohnt frühe Aufstehen fühlte sich der Tag sehr lang an. Wir kochten mit Gemüse aufgepeppte Instantnudeln, dazu Kartoffelspalten und Tempe. Ich wusch Wäsche und putzte das bak mandi.

In einigen Gegenden Indonesiens scheinen manche Einheimische weiße Tourist*innen für die Einschleppung des Coronavirus verantwortlich zu machen – womit sie meiner Meinung nicht ganz unrecht haben. Schließlich konnte es sich auch dank reicher Reisender rasch verbreiten. Klar sind dadurch motivierte Übergriffe zwar scheiße und nicht okay, aber kein Rassismus. Fremdenfeindlich, ja, aber kein Rassismus. Es gibt keinen Rassismus gegen Weiße, schlussausbasta. Alman und Bule sind auch keine rassistischen Beleidigungen wie etwa das N-Wort. Abends beschlossen, dass ich endlich mal dieses Buch lesen muss.

Mit Hörbuch ins Bett.

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