An meinen freien Tagen bleibt der Rechner oft aus, darum bin ich mit den Tagesrückblicken immer ein wenig in Verzug.
Freitag | Heute flatterte mir dieser Artikel in die Timeline. Für die, die kein Englisch können oder nicht draufklicken wollen: Westliche Länder, darunter Australien, England, Italien, Irland oder die USA, exportieren ihren Müll nach Indonesien (und in andere Länder Südostasiens). Deutschland übrigens auch. Das steht nicht im verlinkten Artikel, wird aber beispielsweise hier erwähnt.
Dieser Müll (vor allem Plastik und Verbundstoffe aus Papier und Plastik) soll offiziell recycelt werden, wird jedoch zum Großteil verbrannt. Zum Beispiel als Treibstoff in einer Tofufabrik. Eine Gruppe Umweltaktivist*innen hat Eier freilaufender Hühner aus der Gegend untersucht und darin Dioxine sowie Chemikalien gefunden, die Kunststoffen als Flammschutzmittel zugesetzt werden (PBDEs und SCCPs). Ein Ei enthielt die siebzigfache Menge der in der EU erlaubten Höchstmenge an Dioxin (die liegt bei 2,5 Petagramm, 1 Petagramm ist 1 Billionstel Gramm).
Solche Nachrichten machen mich wütend und zwar auf uns Westler*innen und vor allem auf das System, dass uns vorgaukelt, all unserer Müll würde fein säuberlich aufgearbeitet und wiederverwendet, wenn wir ihn nur ordentlich trennen. Das stimmt nämlich nicht. Vorher landete der Scheiß in China und jetzt eben in Südostasien. Immer wieder lese ich Nachrichten von Containern voller häufig toxischem Müll aus Europa oder Nordamerika, die entdeckt und an die Ursprungsländer zurückgeschickt wurden.
Und dann kommen westliche Reisende nach Indonesien und sind ob der vermüllten Straßenränder entsetzt. Oder sie schicken Schüler*innen nach Sumatra, um dort ein Dorf aus Müll zu bauen. Wenn das nicht nach White Saviourism klingt, was dann?
Klar ist der Zustand der Natur hier schlimm. Die Waldbrände, die überlaufenden Müllkippen, die Menschen, die darin nach Verwertbarem suchen. Doch vielleicht sollten wir uns einfach mal an unsere eigene Nase fassen. Die europäischen Verbraucher*innen sind nicht schuld an der Umwelt- und Klimakatastrophe, die Regierungen sind es. Also tut was. Unterstützt Fridays for Future, unterschreibt die Petition der FFF-Bewegung an die EU, informiert euch, geht wählen, tut, was in eurer Macht steht und passt auf euch auf.
Ach, dieses Thema macht mich wütend, ängstlich und müde zugleich. Was soll nur werden?
Samstag | Heute standen wir etwas früher als gewöhnlich auf, weil ich schon halb zehn meine nächste Unterrichtsstunde hatte. Das klappte gut und auch der Sprachunterricht war wieder super. Ich lernte den Unterschied zwischen tidak, bukan und jangan sowie wann eins kita und wann kami sagt. Diesmal verfiel mein Gehirn anschließend nicht in konstantes Rattern und ich konnte mich noch etwas der Lohnarbeit zuwenden. Bisher übrigens weiterhin kein Lektoratsauftrag. Hoffentlich kommt bald einer, sonst verlerne ich die ganzen Tricks wieder.
Abends dann schwangen der Mann und ich uns aufs Moped und fuhren zu einem großen Jazzfestival. Das gibts schon seit vielen Jahren und doch haben wir es noch nie zusammen dorthin geschafft. Jetzt aber. Das Festival heißt Ngayogjazz, ist kostenlos und dauert nur einen Tag.
Hier ein kleiner Einblick vom Festivalgelände und der Eröffnungszeremonie bei Tageslicht für euch:
Es war ziemlich voll, aber wunderbar, mal wieder Livemusik zu hören und ein bisschen mitzuwippen (weil niemand tanzte hab ichs auch nicht getan). Freund*innen waren da und eine Band hatte es mir besonders angetan. Leider habe ich vergessen, wie sie heißt, da muss ich noch mal googlen.
Bei aller Freude war die Atmosphäre nicht ganz so ausgelassen, weil der Veranstalter des Festivals erst vor wenigen Tagen verstarb. Alle Bands, die wir sahen, sagten ein paar Worte oder spielten seine Musik.
Sonntag | Seit Wochen haben wir nicht mehr vernünftig gekocht. Das wollten wir heute ändern und fuhren zum nahen Gemüseladen, in dem so ziemlich alle Dinge des täglichen Bedarfs verkauft werden. Es ist aber kein Supermarkt, alles ist ein bisschen chaotisch und es gibt auch keine Kasse, geschweige denn wird brav in der Schlange gewartet. In unseren Korb wanderten Tomaten, Kartoffeln, Pak Choy, Zwiebeln und ein Brokkoli, in dessen Innenleben ich später mindestens fünf Raupen fand. Außerdem schlug der Mann vor, doch unterwegs nur Indonesisch zu sprechen. Ich freute mich sehr über sein Angebot, allerdings war er es, der viel zu schnell aufgab, weil es „zu stressig“ sei. Na, das üben wir noch mal. Dafür entdeckte ich, dass ich die meisten Verkaufsgespräche verstehen konnte, ganz ohne aktiv zuhören zu müssen. Allein dafür lohnt sich der Sprachunterricht.
Zuhause kochten wir einen Nudel-Kartoffel-Tomatenauflauf mit echtem Gouda aus dem Lidl. Dazu grünes Gemüse, Tomatensoße und für den Herrn gegrillte Würstchen. War das lecker! Zwischendurch regnete es erstaunlicherweise, aber viel zu kurz, der Boden wurde nicht mal richtig nass.
Nach dem Essen war noch eine halbe Stunde Zeit bis zum Sonnenuntergang, also beeilte ich mich, in meine Gartenhandschuhe zu kommen und den Pflanzerdesack aus dem Schuppen zu zerren. Unter dem gestrengen Blick des Einbrecherkaters füllte ich meine Anzuchtplatte mit frischer Erde und steckte Samen der folgenden Pflanzen hinein: Rambutan, Srikaya, Sawo (auf deutsch: Breiapfelbaum. Wer hat sich diese Namen nur ausgedacht?), Banane, Katzenminze, Zierlauch, Zitrone und Sonnenblumen. Letztere schenkte mir ein Nachbar, das war supernett.
Und abends holte ich mein Strichzeug raus und strickte ein paar Runden an den Socken, die ich meiner Schwiegermutter zum Geburtstag schenken will. Einen Monat hab ich noch.