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Steffi

11. Januar 2020 – Sturm und Stromausfall

Ich erwachte ausgeschlafen, doch nicht so richtig auf der Höhe. Den Kaffee zum Frühstück hatte ich mir verkneifen sollen, denn jeder Schluck rächte sich mit Magenkrämpfen. So ging es dann den Tag über weiter, auch wenn ich halbwegs konzentriert arbeiten konnte. Draußen war es sonnig und ein leichter Wind ging, perfektes Waschwetter. Also weichte ich alle Katzenschlafunterlagen in heißem Wasser ein, denn die müffelten inzwischen alle, wusch sie und hängte sie raus.

Der Mann kam mit Abendbrot heim, es gab Magelangan und Gemüse. Ich wünschte mir heimlich Zwieback, aber den gibts hier leider nicht. Als ich nach dem Essen den Abwasch machte, wurde es plötzlich laut draußen: Ein heftiger Wind rüttelte am Metalldach der Nachbarn und warf meinen Kapokbaum um. Weil unser Küchendach zwar den Wind selbst aushält, aber einem hineinfliegenden Objekt möglicherweise nicht standhalten könnte, trugen wir die Katzenkäfige ins Wohnzimmer und sperrten die Miezen zur Sicherheit ein. Inzwischen regnete es ebenso heftig, überall tröpfelte es und der Sturm drückte Wasser unter der Küchentür durch. In solchen Situationen bin ich froh, dass wir keine Glasfenster haben, sondern stabile hölzerne Fensterläden. Nach vielleicht zwanzig Minuten (die sich aber viel länger anfühlten), beruhigte sich das Wetter wieder, zumindest der Wind ließ nach. Wir gingen hinaus, dort war alles ok. Keine heruntergefallenen Dachziegel und außer dem Kapoktopf standen alle Pflanzen noch. Sogar meine Katzenhandtücher waren noch da.

Dann allerdings fiel der Strom aus. Wir haben für den Fall LED-Lampen mit USB-Anschluss, die von einer Powerbank betrieben das Haus erhellen. Für längere Fälle steht außerdem eine alte Öllampe bereit. Glücklicherweise war mein schlaues Telefon voll geladen und ich legte mich mit weiterhin wehendem Bauch aufs Sofa und guckte YouTube-Videos, bis das Licht nach einer guten Stunde wieder anging. Yoga musste ich heute erneut ausfallen lassen und ging lieber früh ins Bett.

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Auf Instagram habe ich eine Tierschutzorganisation namens Peduli Kucing Pasar gefunden (Vorsicht, manche Fotos sind ziemlich heftig!), die sich hier in Jogja um die in den vielen Märkten lebenden Katzen kümmert, sie füttert und kastriert. Wo diese Katzen herkommen? Leute setzen ihre ungewollten Katzen dort aus, weil sie glauben, sie könnten dort überleben. Das können sie aber nur, weil Katzenfreund*innen ihnen Futter hinstellen. Ich habe große Lust, bei sowas mitzumachen.

10. Januar 2020 – Bauchweh und endloser Regen

Nachts um drei erwachte ich von Katzengeschrei vor unserem Haus. Manfred schlief, Nina jedoch lief besorgt auf und ab und antwortete auf jeden Laut mit tiefem Knurren. Ich ging kurz ins Bad und nahm auf dem Rückweg das Tier mit ins Bett, wo es sich beruhigte und auf meinem Arm einschlief. Ich allerdings war hellwach und lag sicher zwei Stunden herum, lauschte meinem Hörbuch und dem Regen draußen.

Dementsprechend war ich auch zur Aufstehzeit viel müder als sonst. Wir frühstückten das Übliche, diesmal mit Apfel im Oatmeal. Der Mann ging arbeiten und ich auch. Allerdings wurde ich schon bald von ollem Bauchgeglucker abgelenkt, das mich zwang, mehr Zeit im Bad als am Rechner zu verbringen. Zum Nachmittag hin beruhigte sich die Situation, nach dem Abendessen begann es erneut und ich fühlte mich allmählich wie gerädert. Darum ließ ich auch Yoga ausfallen und legte mich mit Tee und Katze aufs Sofa.

Draußen regnete es kontinuierlich. Mal ebbte der Regen ab, nur im mit neuer Kraft aufs Dach einzutrommeln. Auf dem Rückweg vom Bad überraschte mich ein Stromausfall, aber ich hielt meine elektrische Zahnbürste in der Hand und deren LED leuchtete mir den Weg zur nächsten Taschenlampe. Allerdings ging das Licht nach nur wenigen Minuten wieder an – und das war auch gut so, denn unser Mückenabwehrverdampfer braucht Strom. Ich legte mich hin und hoffte, das Schlaf den Bauch heilen möge.

09. Januar 2020 – Workout und Shoppingtour

Heute standen wir etwas früher auf, da wir zwei Dinge erledigen wollten, bevor der Mann um zwölf einen Termin hatte: Frühstücken und ins Fitnessstudio fahren. Frühstück war Nasi kuning, denn das ist lecker und liegt auf dem Weg. Das Fitnessstudio hat der Mann vor ein paar Wochen entdeckt. Es hat zwei Laufbänder und ist damit deutlich besser ausgestattet als die kleinen Muckibuden, in denen nur Geräte für Kraftsport herumstehen. Er war bisher einmal dort, diesmal war ich auch neugierig. Und: Es war mein erstes Mal auf dem Laufband, ein wirklich merkwürdiges Gefühl. Anfangs joggte ich nicht, sondern ging nur schnell, bis ich mich sicher fühlte. Wir legten zwei kurze Pausen ein, aber nach einer Dreiviertelstunde waren wir schon ziemlich kaputt. Kein Wunder bei dem bewegungsarmen Lebensstil, den wir hier haben. Das machen wir definitiv öfter. Und ein Besuch kostet nur 20.000 IDR.

Wieder Zuhause duschte ich, machte Kaffee und fuhr dann den Laptop hoch. Zwar war heute mein freier Tag, aber ich musste einige wichtige Dinge recherchieren und Mails beantworten. Als der Mann heimkam, brachen wir schon bald zum Supermarkt auf. Dort wanderten unter anderem kiloweise Haferflocken, Seife und Kaffee in unseren Einkaufskorb. Auf dem Rückweg packte uns der Hunger, also kauften wir Mie Lethek für mich (das sind Nudeln aus Kassava) und Sate Ayam (gegrillte Hühnerspieße in Erdnusssoße) für den Mann.

Nach dem Abendessen fühlte ich meine Beine schwer werden, dennoch machte ich Yoga (Tag 8/30!). Der heutige Tag stand unter dem Thema Heal und fiel sehr entspannend aus. Nur die Atemübungen, bei denen eins eine Weile die Luft anhält, mag ich nicht, bei denen muss ich immer gähnen.

Eine zweite Dusche später saß ich mit einer Tasse Tee und einer Katze auf dem Sofa, spielte Offlinesolitär und lauschte dem Froschchor, der im Teich der Nachbar*innen hinter unserm Haus lebt und jeden Abend ganz allerliebst quakt.

08. Januar 2020 – Kopfschmerztag mit gutem Essen

Ich erwachte mit einer Katze neben mir, das ist immer super. Das mit dem Handtuch funktioniert auch und seit ich Nina jeden Abend konsequent auf ihr Klo setze (das sie umgehend benutzt), ist bisher kein weiteres Malheur passiert.

Wir machten und aßen Frühstück, dann ging ich arbeiten. Heute mit nur semigutem Erfolg wegen Kopfschmerzen. Vielleicht lags am Wetter oder auch an dem Medikament, das ich grade nehme. Ich trank viel und machte langsam, so ist es halt manchmal. Am Nachmittag brachte der Mann Lotek mit nach Hause, das ist eine Art Salat mit Erdnusssoße. Die genaue Rezeptur ist überall etwas anders. Dieses Lotek war mit gekochtem Spinat, Bohnen, Sprossen, Tempe, Tofu und Lontong (das ist in Bananenblättern gekochter Reis). Die Erdnusssoße war frisch mit ganz frisch gerösteten Erdnüssen und dadurch unglaublich lecker. Nur der darin verarbeitete rohe Knoblauch sollte mir später einiges Bauchgrummeln bescheren. Es war eine gewaltige Portion, aber so lecker, dass ich alles verputzte.

Nach einer angemessenen Pause wegen besagtem Bauchgeblubber und allgemeiner Fülle machte ich Yoga (Tag 7/30!), heute mit Fokus auf Dehnen. Anschließend duschte ich, machte mir einen Tee und verzog mich mit einem Kartenspiel aufs Sofa, um ein paar Patiencen zu legen. Offline macht das nämlich viel mehr Spaß, wie ich Dienstag wiederentdecken durfte. Als der Mann nach Hause kam, guckten wir noch ein paar Folgen Lost, dann war Schlafenszeit.

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Gelesen | Ab Juni sind in Jakarta Plastetüten verboten. Yeah!
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07. Januar 2020 – Klimaangst-Rant und Solitär

Aufgestanden, Katzen gefüttert, Zähne geputzt. Dann Porridge zum Frühstück gemacht und die restliche halbe Papaya geschnippelt. Nach dem Frühstück war eine kurze Ausfahrt zur Apotheke notwendig, die wir im beginnenden Regen erledigten. Wieder zu Hause verzogen sich die Wolken, ich ging ins Arbeitszimmer, der Mann fuhr weg, Dinge erledigen. Zwischendurch las ich Nachrichten über die Buschfeuer in Australien und bekam einen erneuten Anfall von Klimaangst. Aber vor allem bin ich wütend. Auf die Politiker*innen, die die Warnungen der Wissenschaft seit Jahrzehnten ignorieren. Die noch immer nichts ändern. Die uns verdammt noch mal mit dem Scheißproblem allein lassen. Obwohl es ihr Job ist, sich genau um dieses Problem zu kümmern. Auf die vorigen Generationen, die fröhlich konsumiert haben. Auf mich, weil ich es auch nicht besser wusste. Weil alle Umweltthemen in der Schule und Uni immer so weit weg wirkten. Weil niemals Dringlichkeit vermittelt wurde. Auf mich, weil ich seit Monaten das Anlegen eines Komposts prokrastiniere, obwohl ich nur zehn Löcher in zwei Plastikboxen bohren und eine Tüte Würmer kaufen muss.

Ich tendiere inzwischen arg dazu, vegan zu werden. Milchprodukte konsumiere ich hier so gut wie nie, weil sie so furchtbar teuer sind. Ohne die komme ich gut klar. Nur die Eier sind mein Problem. Eier sind in beinah jedem Gericht drin und wir essen sie jeden Tag zum Frühstück. Ich beruhige mein Gewissen damit, dass es sich im lokal produzierte Eier handelt, allerdings halt auch aus der Legebatterie. Eier freilaufender Dorfhühner sind unglaublich teuer und beinah nicht zu haben. Falls wir mal ein eigenes Haus mit großem Garten haben, will ich auf jedenfall Hühner halten. Oder halt bis dahin einen Weg gefunden haben, ohne Eier auszukommen.

Die Klimaangst ist lähmend, aber sie kann uns auch anspornen, ein bisschen was zu ändern. Die Flugmango im Obstladen liegen zu lassen und stattdessen den lokal produzierten Apfel zu kaufen (für mich gilt das eher umgekehrt). Mal im Unverpacktladen reinzuschauen. Häufiger auf Fleisch zu verzichten. Parteien zu wählen, die für Klimaschutz stehen. Diese Petition zu unterschreiben. Sich am Klimastreik zu beteiligen. Es geht ja nur um unseren Planeten. Und der brennt.

Puh.

Nach Abendbrot und Yoga (Tag 6/30!) fuhren wir in den Vapeshop, der des Mannes Freund gehört. Vapeshops sind hier auch immer Treffpunkt. Ich finde das meistens etwas langweilig, weil ich nicht mitreden kann. Diesmal aber lag ein Kartenspiel herum und schon bald legten der Mann und ich abwechselnd Solitär und hatten viel Spaß dabei. Außerdem lernte ich die Kartenfarben auf indonesisch (und weiß sie immernoch!).

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Gehört | Hobbitmusik.