Meine Basilikum-Chroniken

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Ich glaube, ich habe noch kein Kraut so unterschätzt, wie den guten alten Basilikum (Ocimum basilicum). Kann doch nichts schiefgehen, dachte ich. Und: In ein paar Wochen gibt’s Pesto. Haha, so kann man sich täuschen.

Basilikum ist der indonesischen Küche nichts gänzlich unbekannt. Sein zitronig-frischer Verwandter Ocimum x africanum vervollständigt die Rohkostbeilage Lalapan aus Weißkohl und ein, zwei Gurkenscheibchen, die beim Pecel lele neben meinem frittierten Tempe/Gemüse/Ei liegt. Anfangs dachte ich, dass Grünzeug solle den Mundgeruch bekämpfen, der nach dem Verzehr der leider leckeren Stinkbohne Pete unvermeidbar ist. Später warf ich die Blättchen mangels Seife ins Wasserschälchen, in dem eins nach dem Essen die fettigen Hände wäscht.

Außerdem entdeckte ich, dass Basilikumsamen, genannt biji selasih, in manchen gesunden und weniger gesunden Getränken schwimmen. Sie quellen nämlich froschlaichartig auf, genau wie Chia, und haben im Grunde genommen den gleichen Nährwert. Superfood hin oder her. Chia ist nämlich auch ein Lippenblütler und seine Keimlinge sehen denen des Basilikums zum Verwechseln ähnlich. Nur Pesto, das gibt es hier nicht.

Und so säte ich frohgemut meine ersten Basilikumsamen aus, während ich mir allerlei mediterrane Nudelgerichte ausmalte, die seine würzigen Blätter bald verfeinern würden. Das war im Sommer Zweitausendundfünfzehn.

Anfangs lief alles wunderbar. Die Samen keimten hervorragend, bald schon wurde es eng im Topf. Ich vereinzelte sie mit einem alten Bleistift als Pikierstab und harrte der Dinge, die da kommen würden. Gut sahen sie aus, wie sie da in hängenden Töpfen und umfunktionierten Plastikflaschen wuchsen.

Was kam, war ein gewaltiger Wachstumsschub und darauf folgend, prächtig blühende Pflanzen. Ob das nun am Klima lag oder am Regen, wer weiß das schon. Ich ließ einige Samen heranreifen, pipelte sie aus den vertrockneten Blütenständen und gab den Pestotraum vorerst auf.

Den nächsten Versuch startete ich vor etwa einem Jahr. Neues Haus, neues Glück. Und das sorgfältig im Kühlschrank aufbewahrte Saatgut war nass geworden und musste dringend in die Erde. Dort keimte es trotz Schimmel erstaunlich gut. Als ich die jungen Pflänzchen in die eigens für diesen Zweck erworbene Multipot-Platte pflanzte, fühlte ich mich zum ersten Mal seit langem wieder als Gärtnerin. Und als sie dann groß genug waren, bezogen die kleinen Basilikums (Basiliki? Basilikumme?) zu zweit oder dritt ihre eigenen Töpfe und den Balkonkasten, der meine Pflanzversuche in Indonesien schon so lange begleitet.

Einige Zeit wuchsen die Kräuter fröhlich vor sich hin. Sie standen auf meiner Terrasse von frühmorgens bis zum Nachmittag in der Sonne, unbehelligt von heftigen Regenfällen der Regenzeit. Vorbildlich sprossen leuchtend grüne Blätter am Basilikum, kein Blüte weit und breit. Dann kamen die Minierlarven. Bis heute konnte ich nicht herausfinden, welches Tier da seine Eier ablegten. Verbissen zupfte ich regelmäßig die befallenen Blätter ab und legte sie in die Sonne, wo sie zuverlässig samt Larve eintrockneten. Gleichzeitig begann ich, alle meine Pflanzen und auch den Basilikum mit Blaukorn zu düngen. Ja Blaukorn, böses, aus Russland importiertes Blaukorn. Und das klappte ganz toll.

Die Minierlarven verschwanden, als die Pflanzen zu blühen begannen. Ich schnitt die Triebe eisern ab und als wir etwas Olivenöl ergattern konnten, erntete ich einen Arm voll Basilikum und der Mann produzierte jede Menge Pesto. Mit echtem Parmesan (hier Fanfaren vorstellen) und Erdnüssen statt Pinienkernen.

Mittlerweile mickert die Plantage vor sich hin. Jede Menge Wanzen bevölkern die Blätter, ich überlasse ihnen das Feld. Die Pflanzen sind zu alt geworden, Basilikum ist einjährig und ohne Winter wissen die Pflanzen nicht, wann Schluss ist. Bevor wir nächste Woche ins Flugzeug nach Deutschland steigen, werde ich die Gartenschere walten lassen.

Und wiederkommen, mit frischem Saatgut im Gepäck.

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