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Allgemein

29. November 2019 -Zwei Geburtstage und Unterricht

Ich erlaubte mir, etwas länger zu schlafen und erwachte gegen acht, weil es so heiß im Zimmer und ich ziemlich verschwitzt war. Trotz Ventilator. Ich stand auf und ging ins Bad für Dusche Nr. 1. Danach bloggte ich und inzwischen war auch der Mann aufgestanden, so dass wir Frühstück machen konnten.

Selbst nach dem Kaffee war ich noch etwas müde und langsam, also beschloss ich, den neuen Zeitplan mit dem Pausentag zu beginnen. Während es immer heißer wurde, räumte ich ein bisschen auf, putzte die Gästeecke und machte in meinem Arbeitszimmer ein Räucherstäbchen an, weil es dank Manfred ein bisschen wie im Zoo roch. Wusstet ihr, dass eins die Flamme an Räucherstäbchen nicht ausgeschüttelt, sondern ausgepustet werden darf? Zumindest bei denen, die ich auf Bali gekauft habe. Und weil es inzwischen so heiß und ich schon wieder verschwitzt war, nahm ich Dusche Nr. 2.

Heute wäre meine Oma einundachtzig Jahre alt geworden. Ich erinnerte mich an letztes Jahr. Da waren wir in Deutschland gewesen und hatten zusammen mit leckerer Torte, Besuch und Luftballons gefeiert. Ich freue mich, dass wir diesen besonderen Tag mit ihr verbringen konnten. Heute hat noch jemand Geburtstag, den Oma sicher sehr gemocht hätte und den sie immerhin vom Familienkalender kannte: Manfred. Der ist jetzt schon sechs, benimmt sich aber weiterhin, wie ein ungezogener Teenager.

Am frühen Nachmittag war ich mit meiner Lehrerin zum Sprachunterricht verabredet. Ich hatte während der letzten Tage kaum Indonesisch gesprochen und brauchte einen Moment, um reinzukommen. Wir beschäftigten uns mit Possesivpronomen, Ortsangaben und unterhielten uns dann einfach. Das hilft mir immer sehr, schließlich ist mein Ziel in erster Linie, flüssig sprechen zu können. Perfekte Grammatik kommt später, das geht bei Indonesisch zum Glück.

Nach dem Unterricht fuhren der Mann und ich erst beim Pecel lele essen (für mich gabs Nasi uduk mit Ei und Aubergine) und dann Einkaufen. Im Supermarkt war es unglaublich voll, so voll ist es sonst nur sonntags am Monatsanfang. Leider ist das der einzige Laden, der richtige Haferflocken zu einem guten Preis verkauft, da hatten wir leider keine andere Wahl. Und dann mussten wir an der Kasse gar nicht so lange warten. Auf dem Rückweg hielten wir noch bei einem zweiten Supermarkt, weil es im ersten keinen guten Kaffee gab. Wir hatten Glück, der Arabica-Kaffee war im Angebot und für mich gabs noch eine Flasche Sojamilchkakao fürs Frühstück.

Zuhause war es weiterhin heiß, wir machten alle Fenster auf und ließen den Ventilator den Rest erledigen, aber erst nach 23 Uhr fiel die Temperatur unter 30 °C. Ich ging zum dritten Mal duschen und dann ziemlich kaputt ins Bett.

28. November 2019 – Ein neues Wochenkonzept

Der Wecker brummte um 7 Uhr, aber ich kam einfach nicht aus dem Bett. Ich hatte sehr unruhig geschlafen und wieder ziemlich realistisch geträumt. Aus einem Traum schreckte ich hoch, weil ich darin eine Wespe verschluckt hatte, eine eher unschönes Erwachen. Ich erlaubte mir, noch ein Stündchen weiterzuschlafen und verschob das Meditieren. Auch der Mann war heute schwerer zum Aufstehen zu bewegen, als an den Tagen zuvor. Ein Fall von Donnerstagsmüdigkeit?

Beim Frühstückmachen dachte ich darüber nach. Während der letzten drei Tage hatte ich sehr intensiv gearbeitet, bis abends noch am Rechner gesessen, aber auch viel geschafft (auch wenn ich meiner To-do-Liste weiter hinterherhänge). Kein Wunder, das heute die Luft raus war. Doch als Freiberufliche kann ich mir meine Zeit komplett selbst einteilen. Warum halte ich dann so an der Vorstellung fest, dass auf fünf Tage Arbeit zwei Tage freies Wochenende folgen müssen. Wenn ich an drei aufeinanderfolgenden Tagen Höchstleistungen bringen kann und am vierten erschöpft bin, könnte ich doch einfach einen Pausentag einlegen und dann wieder drei Tage arbeiten. Der Gedanke gefällt mir und ich denke, ich werde das mal ausprobieren.

Die Arbeit lief etwas zäh heute. Lag es an der fehlenden Meditation oder am trockenen Thema? Ich loggte nur knapp vier Stunden reine Arbeitszeit, das ist mein Tagesminimum. Während der Mann Abendessen kaufte, goß ich meine Blümelein. Alle wachsen prima, aber demnächst wird eine Düngung fällig sein.

Später beim Abwaschen guckte ich zur Unterhaltung Reisevideos auf Youtube. Diesmal die eines weißen deutschen Paares auf Weltreise. Die waren in dem Video zum ersten Mal mit Armut im Reiseland konfrontiert und irgendwas störte mich an ihrer Reaktion. Sie meinten, dass sie nun viel dankbarer für ihr Leben seien und gleichzeitig seien die Menschen ja so glücklich, obwohl sie nicht viel besitzen oder in aus deutscher Sicht einfachen Verhältnissen wohnen. Irgendwie kann ich nicht so recht in Worte fassen, was genau mich daran stört. Ich meine, woher wissen sie, dass die Einheimischen glücklich sind oder wenig besitzen, ohne mit ihnen gesprochen zu haben? Dieser Artikel schafft noch am ehesten, mein Unbehagen auszudrücken, auch wenn die Situation nicht ganz die gleiche ist. Ein Punkt wird darin erwähnt, den ich an all den Reiseblogs und -instagramaccounts ganz furchtbar finde: Das exzessive Posten von Fotos der Einheimischen, gerne auch Kindern. Und zwar gehäuft bei Reisen in ärmere Länder. Oder habt ihr schon mal in einem Reiseblog eine zufällige Gruppe weißer Kinder auf einem Foto gesehen, die den Reisenden einfach so über den Weg liefen? Ich auch nicht.

Ja, aus unserer privilegierten Position ist sichtbare Armut schwer auszuhalten. Mir geht es ja auch so. Aber eine obdachlose Person anzugucken und gleichzeitig zu denken „Ich bin dankbar für alles, was ich habe“ fühlt sich so heuchlerisch an. Weil ein „Zum Glück bin ich nicht in dieren Position“ mitschwingt. Und diese Person benutzt wird, um sich selbst besser zu fühlen. Oder? Und letztendlich ist das extreme soziale Ungleichgewicht die Schuld der Kolonialmächte und des Kapitalismus – beides Dinge, die Weiße erfunden haben und die jetzt unsere Erde zerstören.

Zum Abschluss etwas Flausch |

27. November 2019 – Manfred!

Unruhig geschlafen und komische, lebhafte Träume gehabt. Zwischendurch war es kühl genug, um zumindest die Beine unter die Bettdecke zu stecken. Manchmal vermisse ich es, sich so richtig gemütlich ins Bett kuscheln zu können.

Um 7 Uhr aufgestanden. Zähne geputzt (die schlaue Zahnbürste fordert vehement piepsend einen Bürstenwechsel, aber der ist nach meiner Rechnung erst Anfang Dezember dran). Die kleine Meditationsübung am Morgen klappt eigentlich immer besser, heute war ich jedoch etwas angespannt. Dann arbeiten. Vom anderen Ende des Hauses hörte ich wildes Gebuddel in einem Katzenklo und dann raste auch schon Manfred von seinem Post-Poop-Energieschub getrieben ins Zimmer und gleich hinein in den Kleiderschrank. Stille. Und dann ein Geräusch wie von einer Wasserpistole. Neeeeiiiin! Ich scheuchte den Kater raus, holte Papiertücher und Reinigungsspray. Zum Glück hatte er nur im untersten Fach gegen die Wand gesprüht und dabei nichts Wichtiges getroffen. Trotzdem. Seit der Sache mit dem Einbrecherkater markiert Manfred wieder echt viel. Inzwischen sehe ich ihm schon an, was er gleich tun wird, aber leider auch nicht immer. Lasst euch das eine Lehre sein und kastriert eure Kater, bevor sie lernen, wie das geht!

Noch ein bisschen Arbeit, dann Frühstück. In der neuen Pfanne werden die Eier wirklich lecker. Und vom guten Kaffee ist auch noch was da. Mit vollem Bauch und voller Kaffeetasse zurück an den Rechner und viel geschafft. Dann fuhren der Mann und ich ein paar Besorgungen erledigen. Erst zum Geldautomaten. Die sind hier häufig in so kleinen Häuschen und mit Klimaanlage. Wenn keiner wartet, lassen wir uns gern extra Zeit, das ging diesmal leider nicht. Als nächstes tauschten wir in der Wäscherei dreckige gegen saubere Klamotten und holten dann Essen. Gudeg. Hauptbestandteil ist grüne Jackfrucht, die stundenlang in Kokosmilch und mit vielerlei Gewürzen köchelt. Sehr gerne esse ich auch Gudeg Manggar, da wird statt Nangka die Blüte der Kokospalme verwendet. In unserer Nähe gibts einen guten Laden dafür, aber der macht erst halb zehn abends auf.

Zuhause speisten wir bei offenen Türen, denn es wehte eine kühle Brise. Zum Nachtisch gab es noch die letzten Rambutan, dann ging ich Blumen gießen. Die kleine Srikaya-Frucht wächst, außerdem hat eine weitere Wüstenrose einen Fruchtansatz und im Tray keimt ein Srikaya-Kern. Denn Srikayas kann eins nie genug haben.


Wüstenrose mit sich entwickelnder Frucht |


Terrassenbesuch|

Nein, das ist nicht der Einbrecherkater. Dieser hier ist ganz scheu und trinkt gern aus meiner Gießkanne.

26. November 2019 – Kein Wind

Als mein Wecker um 7 vibrierte, war unser Ventilator aus. Komisch, der läuft eigentlich die Nacht durch. Noch komischer: Das Licht am vorgeschalteten Timer war noch an. Nunja, darum würden wir uns später kümmern und der Mann schlief eh noch. Ich ging Zähneputzen, Katzen füttern, meditierte ein Viertelstündchen und setzte mich dann an den Rechner. Ich mag es, morgens zu arbeiten, da ist es noch kühl und irgendwie herrscht eine ruhige Atmosphäre. Eine gute Stunde schaffte ich, dann erwachte der Mann und nahm beinah zeitgleich den Ventilator auseinander. Ich machte derweil Frühstück.
Nach dem Essen schließlich fand der Mann heraus, was dem Ventilator fehlte. Wir hatten ja schon einen Motorschaden befürchtet, aber dann war es doch nur ein kleines Element, dass bei Überhitzung den Stromfluss unterbricht. Das konnten wir leicht ersetzen und fummelten gleich noch alle Flusen und Katzenhaare raus.

Ich weiß nicht, ob es am Meditieren liegt oder am Hampeln in den Schreibpausen, jedenfalls konnte ich mich heute so gut konzentrieren, wie schon seit Wochen nicht mehr. Am Abend hatte ich einen Text fertig und noch einiges mehr geschafft. Ein tolles Gefühl. Zum Abendbrot gabs Reis, Tempe, Bakwan, Nudeln und obendrauf ein Ei. Im Garten tut sich weiterhin nichts, jedenfalls sind weiterhin keine neuen Sämlinge dazugekommen und ich hatte noch keine Zeit, die Wüstenrosen umzutopfen. Die Winde wuchert inzwischen mein ehemaliges Auberginen zu und guckt schon bei uns zur Küchentür rein. Eine wahre Teufelsschlinge ist das.

Später fuhr der Mann noch mal weg und lieh mir seine reparierten Bluetooth-Kopfhörer. Was für ein Klangunterschied zu meinen mickrigen Laptoplautsprechern! Und so verbrachte ich den restlichen Abend mit Musik.

25. November 2019 – Bewegung am Arbeitsplatz

Um sechs aufgewacht und aufgestanden! Das war super, ich war sehr stolz auf mich. Zähne geputzt, kurz in Katzengesellschaft meditiert, Rechner angemacht, gebloggt. Dann bis zum Erwachen des Mannes am aktuellen Text gebastelt.

Erstes Frühstück mit in der neuen Pfanne gebratenen Eiern. War super, weil der Mann zur Feier des besonderen Ereignisses noch Gouda aus unserem Geheimvorrat drauflegte. Dafür neigt sich der Kaffee aus Banyuwangi dem Ende entgegen. Wenn der alle ist, kann ich wohl nicht einfach so zum bisherigen* Billigkaffee zurückgehen.

Mit der Kaffeetasse zurück an den Rechner. Es ist so ein gutes Gefühl, wenn ich schon vor dem Frühstück was geschafft habe und erleichtert das Anfangen ungemein. Weil mir meine Hüfte wieder weh tut und ich leider schon einige Zeit nicht mehr auf der Yogamatte gesichtet wurde, probierte ich etwas aus. Ich arbeite ja mit der Pomodoro-Technik: Auf fünfunfzwanzig Minuten arbeiten folgen fünf Minuten Pause. Bisher habe ich in den Pausen nur sinnlos im Internet herumgeklickt oder bin höchstens mal aufgestanden, um ein Glas Wasser zu trinken. Diesmal stand ich auf und hampelte ein bisschen im Zimmer herum. Auf der Stelle laufen, Ausfallschritt, sowas.

Leider wurde es gegen Mittag sehr laut, weil auf dem Nachbargrundstück ein Baum gefällt wurde. Es heulte die Motorsäge, dann wurden scheinbar Stücke vom Stamm mit lautem Gepolter, das das Haus beben ließ, zum abtransportierenden Auto gewälzt. Mich macht jeder Baum weniger traurig. Als wir hier eingezogen sind, war der ganz Hügel hinter unserem Haus bewachsen. Jetzt wird dort gebaut, alle Bäume und mein geliebter Bambus sind weg. Ein weiterer Grund, so viele Obstbäumchen wie möglich zu ziehen.

Gegen fünf aßen wir Lunch, es gab eine kleine Zusammenstellung vom Angkringan: Reis, Gemüse, Bakwan, Tempe. Danach ging ich Blumen gießen. In meiner Palette sind weiterhin keine neuen Keimlinge dazugekommen. Meine Srikaya hat eine neue Frucht in Arbeit und ob die Wüstenrose auch eine macht, ist noch immer ungewiss.

Bis acht saß ich noch mal am Rechner, dann ging ich die Rambutans pellen, die schon den ganzen Tag in der Küche herumlagen. Nina bestand darauf, neben mir auf dem Küchentisch zu sitzen und mich schnurrend zu beobachten. Nun gut. Rambutans sind übrigens sehr leckere Dinger, schmecken ein bisschen wie Litschi.

Dann kam der Mann von einer Ausfahrt nach Hause und brachte Terang Bulan mit. Das verspeisten wir zu einer Folge Pretty Little Liars und waren uns hinterher einig: viel zu süß! So schnell kaufen wir das nicht noch mal.

* An dieser Stelle stand erst „08/15“. Dann habe ich gegoogelt, ob das mit oder ohne Querstrich geschrieben wird, und gelesen, dass die Redewendung aus den Weltkriegen und von der Typnummer eines Maschinengewehrs stammt. Werde sie ab sofort nicht mehr nutzen.