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Allgemein

Wochenrückblick 8/2019

Nichts los| Genau das war mit mir in der letzten Woche, denn pünktlich zum Montag wurde ich krank. Seit ich in Indonesien lebe, habe ich selbst bei kurzen Erkältungen mindestens einen Tag Fieber. Wahrscheinlich kennt mein Immunsystem auch nach vier Jahren noch nicht alle Viren, die hier so rumschwirren. Und so lag ich meistens einem Hörbuch lauschend herum, trank vom Mann gebrauten Jamu aus Kurkuma und Tamarinde und besserte mich.

Putzwahn| Sobald ich wieder halbwegs gesund bin, folgt bei mir auf mehrere Krankheitstage ein Putzanfall. Kaum war mein Kopf wieder halbwegs frei, wischte ich das Haus und brachte gemeinsam mit dem Mann die Küche auf Vordermensch. Das tat gut.

Besuchskatze| Seit etwa einer Woche wohnt auf unserer Terrasse eine Katze aus der Nachbarschaft. Alles begann mit ihrem hungrigen Miauen und einer Handvoll Trockenfutter. Inzwischen schläft sie auf unserer Bank und sobald ich auch nur meine Nasenspitze durch den Türspalt schiebe, kommt sie hoffnungsvoll angehopst. Nur: Die Miez ist eindeutig tragend und versucht mittlerweile, ins Haus zu schlüpfen. Unsere Katzen sind aber nicht durchgeimpft und so eine Streunerin – mag sie auch freundlich sein – hat Flöhe und Würmer. Wegen den Babies können wir sie nicht behandeln, also bleibt sie draußen. So leid es mir auch tut.

Gehäkelt|

Wochenrückblick 7/2019

Im Wald| Montag besuchte ich eine neue Freundin, die etwas abgelegen auf einem Hügel wohnt. Der Weg dorthin ist sehr lehmig und in der Regenzeit durchaus rutschig. Während der Mann auf dem Motorrad vor mir her schlingerte, ging ich zu Fuß. Mit jedem Schritt wurde ich größer, weil sich der Lehm unter meinen Wandersandalen sammelte.

Tantenbesuch| Ab und an reisen des Mannes Tanten an. Wann immer sie in der Nähe sind, treffen wir sie irgendwo. Meistens zum Essen. Und so auch dieses Mal. Sie luden uns zu Gudeg ein. Jedes Mal schwenkt an irgendeinem Punkt das Gespräch auf Ernährung, Diäten und dergleichen und es wird festgestellt, ob der Mann und ich ab- oder zugenommen haben. Jedes Mal gruselt es mich ein bisschen davor, mag ich es doch überhaupt nicht, wenn andere über meinen Körper urteilen. Und gleichzeitig schäme ich mich, weil ich mich freute, als die Tanten wiederholt beteuerten, wie schön ich abgenommen hätte.

Kurioses|Gestern lief mir eine Pflanze über den Weg, die ich schon lange gerne in meinem Garten hätte: kembang telang. Oder auf Deutsch: Blaue Klitorie. Wer hat sich das nur ausgedacht? Mit den leuchtend blauen Blüten, die – Überraschung! – an eine Vulva erinnern, kann man Getränke, Essen und Stoff einfärben. Darum gefällt sie mir so. Im Garten eines Restaurants entdeckte ich kembang telang, eine reife Schote wanderte in meine Hosentasche. Zu Hause entdeckte ich darin vier ebenfalls schwarze Bohnen, die jetzt in der Erde schlummern.

Drachenfruchtschwemme| Drachenfrüchte wachsen im tropischen Klima Javas ganz wunderbar und haben gerade Saison. Dieses Jahr fällt die Ernte so gut aus, dass niemand mehr Drachenfrüchte kaufen will und der Preis in den Keller sinkt. Manche Landwirt*innen werden ihre Ernte nicht mehr los, die Früchte vergammeln an den Pflanzen. Schade. Wir kauften gleich drei Kilo der knallroten Dinger, ich esse Drachenfrucht nämlich sehr gerne. Wir hätten auch noch mehr haben können, der Laden hatte sicher eine halbe Tonne auf Lager. Und natürlich pipelte ich ein paar Samen heraus, pflanzte sie ein und schon zwei Tage später reckten sich zwei junge Pflänzchen aus dem Substrat.

Lied der Woche| Bigger On The Inside von der allergroßartigsten Amanda Palmer.

Wochenrückblick 6/2019

Erfolgserlebnis I| Die richtige Aussprache des gerollten R ist für mich die größte Herausforderung beim Indonesisch lernen. So viele Worte enden auf -r und wenn ich das in gewohnt deutscher Manier verschlucke, versteht mich niemand. Ich übte und übte, allein, mit dem Mann und verschiedenen Videos. Seit Montag nun rollt es – nicht immer, doch immer öfter.

Erfolgserlebnis II| Großartiges, mich verlegen und stolz machendes, meiner Motivation neuen Schwung verleihendes Feedback bekommen. Daraufhin den Samstag dem Webseite-Basteln gewidmet. Kaum vorangekommen. Egal, dann eben beim nächsten Mal.

Erfolgserlebnis III|Die Kaladie blüht (eher ihr Erfolg, als meiner):

Zwangspause| Früher war ich stolz darauf, überall essen zu können. Ganz ohne Bauchprobleme. Das ist jetzt anders. Vor allem, wenn falsches Essen und PMS zusammen kommen. Freitag verbrachte ich häufiger im Bad, als mir lieb war. Dazwischen lag ich erst auf dem Sofa, dann im Bett. Immer mit mindestens einer Katze in meiner Nähe. Schlaf, Schnurren und Kohlebletten halfen. Jetzt ist alles wieder gut.

Mein erstes Mal #WMDEDGT

Am 5. jedes Monats fragt Frau Brüllen „Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?“ und sammelt die Antworten auf ihrem Blog. Ich wollte schon länger mitmachen und habe es endlich nicht vergessen. Hier ein ganz normaler Dienstag in Indonesien.

Viertel sieben wache ich auf, weil der Kater seine hölzerne Aussichtsplattform lautstark zum Kratzbrett umfunktioniert. Ich schnappe mir automatisch Thermometer und Timer, um fünf Minuten später meine Aufwachtemperatur zu wissen. Aha, 36,90 °C. Kurz bevor der Timer aufleuchtet, fällt in der Küche ein Stuhl im. Die Katzen sprinten wild durchs Haus.Es beginnt zu regnen. Ich füttere die Raubtiere, gehe aufs Klo und platziere drei Eimer unter den üblichen Lecks: Vor der Badezimmertür, neben Manfreds Klo, in der Tür zwischen Küche und dem Rest des Hauses. Dann lege ich mich noch mal für eine Stunde hin.

Viertel acht stehe ich auf. Der Mann schlummert noch, die Katzen haben sich wieder beruhigt. Ich trinke mein morgendliches Wasser-Apfelessig-Gemisch und gehe dann in mein Arbeitszimmer. Yogamatte ausrollen, Handtuch zum Kissen falten, zehn Minuten Meditation. Klappt heute nicht so gut. Egal. Dann Yoga. Schon besser. Der Schweiß läuft. Katzenklos ausmisten. Duschen.

Der Mann kommt nicht in die Gänge, ich mach schon mal Oatmeal. Endlich habe ich das perfekte Maß gefunden. Wasser bis über die erste Beule im Aluminiumtopf und so viele Haferflocken, wie in ein Glas passen. Dazu Rosinen, Zimt und Bananen. Das Oatmeal ist fertig, der Mann erscheint zum Eier braten. Das kann er besser als ich. Die Eierqualität ist nicht gut, das Gelb zerläuft, sobald das Ei in die heiße Pfanne fällt und der Mann schimpft.

Wir schnappen uns Nina, Zeit für ihre Augentropfen. Sie hasst die Prozedur und liebt die Entenfleischsnackies, die ich ihr hinterher vor die Nase halte. Dann Frühstück. Oatmeal, Spiegeleier, Kaffee und Master of None. Das Gelbe meines zweiten Eis schmeckt eklig fischig. Bäh.

Nach dem Frühstück gehe ich auf die Terrasse, meine Aussaat vom Sonntag checken. Der Basilikum wächst schon und in der Granatapfelreihe erhebt sich ein Nachzügler. Sehr schön. Ich gucke mich noch kurz um, als ich die tote Katze neben dem Weg liegen sehe. Das gelbe Fell nass vom Regen. Näher will ich nicht rangehen und schicke den Mann. Er berichtet: schwarzes Halsband, weißes Glöckchen, keine erkennbaren Verletzungen. Gelbe Tigerkatzen gibt es viele in der Nachbarschaft, wir denken gleich an die Katze der Nachbarn zwei Häuser weiter, die ich clumsy kitty nenne, weil sie wackelig läuft und dabei die Beine hebt, wie ein Dressurpferd. Die Nachbarn sind nicht daheim und die Leute, die hinter uns wohnen, vermissen keine Katze. Später wird der Körper verschwunden sein.

Aufgewühlt setze ich mich an den Rechner. War es clumsy kitty? Was war die Ursache? Rattengift, Schlangenbiss, ein Unfall, eine Krankheit, ein grausamer Mensch? Letzte Nacht noch geisterte wie immer das Klingeln ums Haus. Ich stehe noch mal auf und drücke mein Gesicht ins tröstliche Manfredfell.

Computerzeit. Auftragsarbeit. Zwischendurch Blogs lesen, ins Forum schreiben, die Fragen für die theoretische Führerscheinprüfung googlen, ein neues Workout-Video runterladen. Heute ist die Internetverbindung gar nicht gut und mein Computer verliert ständig den Draht zum Hotspot, den mein Telefon erzeugt.

Zehn nach zwei kündigen langgezogene „Sateeeeee”-Rufe die Ankunft der Sateverkäuferin an. Den kleinen (heißen!) Grill, die Erdnusssoße, Fleischspieße und lontong (in Palmblättern gekochter Reis) trägt sie auf dem Kopf. Jeden Tag dreht sie ihre Runde. Auch heute, obwohl doch Feiertag ist. Chinesisches Neujahr. Wer Hunger hat, schnappt sich einen Teller und bestellt. Sie setzt sich auf die Stufe unter meinem Fenster und grillt die Sate-Spieße, dabei halten alle Beteiligten ein Schwätzchen. Solche fliegenden Händler’innen gibt es viele hier.

Der Grillduft zieht durchs Haus und weckt unseren Hunger. Der Mann fährt los und kauft Essen. Gemüse, martabak (eine Art frittierte Teigtasche), tempe goreng, berkedel und für den Herrn einen Hühnerkopf. Dazu Reis, was auch sonst.

Später setze ich mich noch mal an den Rechner, während der Mann das Sofa zusammenbaut, das er während der letzten Wochen aufwändig neu gepolstert und bezogen hat. Zusammen putzen wir das Haus, er fegt, ich wische. Die Schaumstofffetzen fliegen überall herum, auch in mein Auge. Es tränt und schmerzt, ich spüle mit Wasser und Augenspülflüssigkeit. Erst nach einigen Stunden fühlt es sich wieder normal an.

Ich klappe noch mal den Rechner auf und übe Indonesisch. Eine neue Lektion. Nachdem Hermann schon im Hotel, am Strand, beim Frühstück und im Bahnhof war, verirrt er sich diesmal in der Stadt. Sieben neue Vokabeln. Das R rollt mir immer besser von der Zungenspitze.

Den Abend verbringen wir zu Hause. Mein Auge tut noch weh. Wir gucken zwei Folgen Shameless, dazu naschen wir von der guten deutschen Schokolade. Dann Bett ausklopfen, Fenster schließen, Nachtbeleuchtung einschalten, die Anti-Mückenlampe neu befüllen, Katzen füttern, Klo saubermachen. Im Bad treffe ich die riesige Krabbenspinne (wahrscheinlich Heteropoda venatoria), die schon vorgestern durchs Haus sauste und irgendwo in meinem Arbeitszimmer verschwand. Sie ist so groß wie meine Handfläche und ihre Facettenaugen reflektieren das Badezimmerlicht. Ich mag diese Spinnen. Sie sind nicht giftig und essen sogar Kakerlaken. Danke, Spinni!

Ich liege im Bett, der Mann ist noch auf. Plötzlich Gepolter aus der Küche. Wir sprinten hin. Manfred kommt aus der Ecke, in der die Fahrräder stehen, eine riesige Maus baumelt leblos aus seinem Maul. Nina umkreist ihn aufgeregt. Der Mann schnappt sich den Kater, ich hole den Eimer aus dem Bad, um die Maus aufzufangen. Doch Manfred lässt nicht los. Tiefes Brummen dringt aus seiner Kehle. Erst ein Entenfleischsnackie bewegt ihn dazu, seine Beute aufzugeben. So eine Aufregung. Die Katzen suchen die Maus, die der Mann hinausbefördert hat und ich lege mich wieder hin. Hörbuch, Schlafen.

Wochenrückblick 5/2019

Führerschein II|Nein, ich habe die Prüfung noch nicht absolviert. Dafür aber anderen Leuten dabei zugeguckt, um den Ablauf kennenzulernen. Und der geht so:

  • Treffpunkt Prüfungsplatz. Warten auf Beginn der Prüfung.
  • Der wie ein Sportlehrer gewandete Prüfer versammelt die Schar der Prüflinge um sich und erklärt den auf das Pflaster gemalten Parcours: Zickzack, zwei Achten und eine U-Wende müssen gefahren werden. Dabei darf keiner der zahlreich aufgestellten Holzpoller umfallen oder ein Fuß den Boden berühren.
  • Jede*r hat zwei Versuche pro Aufgabe.
  • Die Aufgaben kommen nicht in einem Rutsch dran.
  • Bevor es losgeht müssen Motor und Licht eingeschaltet und der Helm geschlossen sein. Linker Fuß auf dem Boden, rechter auf Fußstütze.
  • Der Prüfer bläst in seine Trillerpfeife. Die geprüfte Person schaut über ihre rechte Schulter zurück und fährt dann los.
  • Ein zweiter Pfiff am Ende des Parcoursabschnitts signalisiert Anhalten. Der*die Fahrende stoppt, setzt den linken Fuß auf den Boden und wiederholt den Schulterblick.
  • Merke: Die Fußstützen für Beifahrende sollte eins vor der Prüfung hochklappen, um die Pollerumwerfungsfläche zu minimieren.

Der Parcours sieht mit Pollern wesentlich schwieriger aus. Zur nächsten Übungsstunde bringen wir selbst welche mit, um die Prüfungssituation besser simulieren zu können. Vor allem die Ausfahrt aus der 8 ist sehr steil, an der scheiterten die meisten.

Garten|Eigentlich wollte ich mein zukünftiges Gemüsebeet weiter jäten, besann mich dann eines Besseren. Die Pflanzen, die dort wachsen sollen, sind noch zu klein, um ins Beet umzuziehen. Nackte Erde (die sehr gut zu sein scheint, braun und krümelig) würde aber mit dem nächsten Regen – und der kommt bestimmt – davon schwimmen. Damit hätte ich nichts gekonnt. Den bereits gejäteten Part deckte ich mit dem ausgerupften Grünzeug ab, als Mulchschicht. Sehr zum Missfallen des Mannes, der meine Bodenschutzmaßnahme unordentlich fand. Da muss er durch.

Weitere Aktivitäten| Yoga gemacht, beinah täglich. Mehrmals früh aufgestanden und meditiert. Klappt immer besser. Freundschaft mit der ulkigen Nachbarskatze geschlossen (niemand widersteht den Entenfleischsnackies!). Gestern Instantnudeln und heute teure Suppe gegessen. Neunundvierzig neue Vokabeln gelernt.