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Allgemein

2. November 2020 – Langsamer Wochenstart

Nachdem ich die letzten Nächte durchgeschlafen hatte, weckte mich Nina heute Nacht um vier Uhr morgens, damit ich sie rauslasse. Die Schlafzimmertür ist nachts wegen der Klimaanlage nämlich zu und wir haben noch keine Katzenklappe eingebaut. Ich stand mit ihr auf, sie ging essen und ich ins Bad, vor der Schlafzimmertür trafen wir uns wieder, sie schlief auf meiner Hand liegend ein.

Nach dem endgültigen Aufstehen führte mein erster Weg ans Arbeitszimmerfenster, denn darunter stehen draußen die Pflanzen, die gerade besondere Aufmerksamkeit brauchen: die Multitopfpalette mit den winzigen Erdbeerchen, den Stecklingen von Sansevieria und Minze und der Topf mit dem Monstera-Wurzelsteckling, der es weiterhin spannend macht. Bei den Erdbeeren gab es erste Verluste, aber das war ja klar. Der Großteil sah aber gut aus und ich ging raus, um sie alle gewissenhaft einzusprühen.

Frühstück und Kaffee, dann fuhr der Mann weg und ich setzte mich an den Laptop. Irgendwie wollte ich nicht so richtig in die Gänge kommen und mühte mich bis kurz vor Sonnenuntergang ab. Dann klappte ich den Rechner zu und ging die Blumen gießen, das ist trotz Regenzeit notwendig. Außerdem liebe ich es, sie alle gewissenhaft zu begutachten, die Früchte am Srikayabaum zu zählen (mindestens 7, Rekord!) und zuzuschauen, wie sich eine Horde Grabwespen im Bambus zur Nachtruhe niederlässt. Aus irgendeinem Grund gedeihen meine geliebten Pflanzen nämlich viel besser, seit wir im neuen Haus wohnen. Der Mann sagt, es sei das Wasser, ich denke, die schützende Mauer und die vielen Bäume auf den beiden Nachbargrundstücken sorgen für ein günstigeres Mikroklima.

Ich versuchte mich nochmal am Computer, aber nichts wollte gelingen. Dafür forderte Manfred vehement Aufmerksamkeit ein. Also ließ ich ihn mit der Katzenangel durchs Bett floppen, er sprang und lauerte und tobte hin und her. Gleichzeitig guckte ich ein gruseliges Video von einem Typen, der in den USA eine Geisterstadt gekauft hat. Als Manfred müde war, war mein Sport an der Reihe und ich yogte eine Runde. Und dann kam der Mann nach Hause und brachte lecker frittierte Austernpilze mit, die es zum Abendbrot zur Suppe gab. Abendausklang mit zwei Folgen The Americans und dann lag ich tatsächlich schon vor Mitternacht im Bett.

1. November 2020 – Wieder da

So, nach einem halben Jahr Pause mache ich da weiter, wo ich aufgehört habe. Aus einem neuen Haus, mit neuer Frisur und einem Haufen neuer Pflanzen, der Rest ist so geblieben.

Morgens erwachte ich zum dritten Mal in Folge mit Wadenkrampf, der Grund ist wahrscheinlich das Zusammentreffen von Muskelkater (Yoga!) und Klimaanlagenkälte (wir haben jetzt eine Klimaanlage!). Aufgestanden, die Katzen gefüttert, Bad. Dann nochmal Manfred im Bett geflauscht. Podcasthörend abgewaschen, während der Mann Eier und Snackies kaufte, er brachte eine Tüte voller Muffins mit, das war schön.

Zum Frühstück gabs Haferflocken mit Banane und Chiasamen, ein Ei und zum Kaffee dann die Muffins. Draußen regnete es ein bisschen, wir sahen bei Youtube einigen Leuten dabei zu, wie sie (unerlaubt) Prypjat erkundeten. (Erinnerungen an leerstehende Fabrikhallen und – ähem – das DVB-Hochhaus, heute sind das sicher alles fancy Lofts oder so.)

Irgendwann hörte der Regen auf und wir fuhren zur Schwiegermutter, um ihr Bakso vorbeizubringen, die wir gestern auf dem Markt gekauft hatten. Wir wohnen jetzt nämlich ganz nah an einem großen Markt und kaufen dort regelmäßig frische Lebensmittel ein. Es gibt sogar Paprika, Kürbisse und – leider geschmacksneutrale – Granatäpfel. Aber zurück zur Schwiegermutter. Dort blieben wir ein Weilchen, ich bewunderte ihre Monstera (wir haben zur selben Zeit einen Wurzelsteckling gepflanzt, ihrer hat schon ein Blatt, meiner treibt gerade erst aus) und wir unterhielten uns auf Abstand ein bisschen. Außerdem gab sie uns den Kontakt eines Nähmaschinenreparateurs, weil meine kaputt ist. Eins dieser Plastikteile, die die Spule an ihrem Platz fixieren, ist abgebrochen.

Wieder zu Hause war noch eine Stunde bis Sonnenuntergang, die nutzte ich, um meine winzigen Erdbeersämlinge zu pikieren. Im Topf war schon Graufäule ausgebrochen und ich hoffe, dass ich so wenigstens ein paar von ihnen retten kann. Ich habe schon oft Erdbeeren ausgesät und bisher sind sie nie übers zweite Laubblatt hinausgekommen. Mal sehen, ob es diesmal anders wird.

Dann Abendbrot, Kürbissuppe und Kartoffelsuppe (nacheinander) mit Reis für mich, der Mann speiste dazu noch Hühnerköpfe. Manfred saß eine Weile bettelnd zwischen uns, das geht jetzt, weil wir eine Essecke mit Bank haben. Manchmal hopst er auch einfach auf den Tisch, da muss eins aufpassen. Hinterher guckten wir ein paar Folgen The Americans, ich aß noch eine kleine Orange zum Nachtisch. Danach wurden wir nochmal aktiv und schleppten die Leiter ins Schlafzimmer, um den Filter der Klimaanlage zu reinigen. Der war schon ziemlich flauschig, aber die Mühe hat sich gelohnt, jetzt kühlt das Maschinchen nämlich viel schneller und der Mann muss hoffentlich weniger niesen. Dann noch ein bisschen Katzenangeln, Manfred floppte wild durchs Bett und kullerte über die Kissen, das ist jedes Mal sehr amüsant.


Gelesen| COVID-Underdogs – Die Mongolei. Wenn über die Pandemie berichtet wird, werden viele Länder vergessen, die viel besser reagiert haben als beispielsweise Deutschland. Eins davon ist die Mongolei, in der bis heute niemand an COVID-19 gestorben ist und es keine lokale Ansteckung gab. Das hat übrigens nichts mit dem Wetter, den dortigen Ernährungsgewohnheiten oder sonstewas zu tun, sondern schlichtweg an einer schlauen und schnellen Reaktion NOCH VOR DEM ERSTEN FALL!

I’ll pause here for a minute. This is January. Mongolia was doing all this in January, when most countries were doing nothing. Like the story of the ant and the grasshopper, or Jon Snow, they knew that winter was coming and they acted accordingly.
What was your country doing in January? How many lives could we have saved, if we’d just looked to Mongolia then?

Ich mache hier einen Moment Pause. Das war im Januar. Die Mongolei hat alles das im Januar gemacht, während die meisten anderen Länder nichts getan haben. Wie in der Geschichte von der Ameise und dem Grashüpfer und wie Jon Snow wussten sie, dass der Winter kommt, und sie haben entsprechend gehandelt.
Was hat dein Land im Januar getan? Wie viele Leben hätten wir retten können, wenn wir nur damals auf die Mongolei geschaut hätten?

Indi Samarajiva, COVID Underdogs: Mongolia – The best response in the world

25. Mai 2020 – Ein Tag so zäh wie Sirup

Heute war ein komischer Tag. Manfred trampelte mich wach, ich stand auf, ging ins Bad, weckte den Mann. Beim Frühstückmachen scheuchte uns eine Töpferwespe vom Herd, die auf der Lampe darüber ihr Nest baute. Ich mag Töpferwespen, sie sind relativ friedlich, bauen coole Nester aus Matsch und kleckern dabei sehr. Das ist mir sympatisch, aber leider über der Kochstelle eher unpraktisch. Wir warteten, bis sie ihren Lehmbatzen abgelegt hatte und kratzten dann das halbfertige Nest mit einem Spachtel weg. Sorry, das musste sein. Ich hoffe, sie findet anderswo einen besseren Platz.

Nach dem Essen saß ich irgendwie müde vorm Rechner, trotz Kaffee. Wirklich voran kam ich nicht, es war heiß, ich hatte Kopfschmerzen, der Ventilator half kaum. Wenigstens schlief Manfred neben mir und verbreitete flauschige Stimmung.

Und plötzlich war es Abendbrotzeit, der Mann hatte Reis und Gemüse gekocht. Hinterher versuchte ich es nochmal mit dem Arbeiten, aber es war vergebene Müh. Also abwaschen, Podcast, zwei Folgen Ozark und dann Bett. Vor dem Hinlegen fand ich noch die erste interessante Hausanzeige in einer der vielen FB-Gruppen, die wir momentan täglich nach Häusern abscannen. Dieses erfüllt viele Wünsche, es scheint recht groß, hat einen Zaun, zwei Zimmer und zwei Bäder, überall Fliesen, genug Land ringsherum und eine große Terrasse. Leider ist es mit 13 Millionen IDR ein bisschen außerhalb unserer Preisklasse (wir wollten höchstens 10 ausgeben), aber der Mann kann gut handeln und wird sich die Sache mal näher ansehen. Ich denke zwar nicht, dass das schon unser Haus wird, aber habe wieder etwas Hoffnung, das wir bis August eine hübsche Butze finden.

23. & 24. Mai 2020 – Freies Wochenende mit Nähmaschinenzeit und einem schönen Sonnenuntergang

Der Samstag war sehr geschäftig. Nach dem Frühstück wandte ich mich meiner To-do-Liste zu und erledigte die folgenden Dinge:

Außerdem kochte ich meine Ruby Cups aus und wusch meine Haarbürste. Die war mir vor der bespiegelten Schranktür heruntergefallen und unter den Schrank gekullert. Als ich sie hervorangelte, war sie von einem grauen Flusenwust umgeben. Und ich pflegte meine viel zu selten benutzte Wildschweinborstenbürste. Der Stiel war etwas schimmlig geworden, ich rieb ihn deshalb mit Essig ein.

Als alle Aufräumarbeiten erledigt waren, baute ich die Nähmaschine auf und werkelte an zwei Masken herum. Dabei freute ich mich besonders darüber, dass mir gerade Nähte zunehmend leichter fallen. Am späten Nachmittag brachte der Mann von seiner Mutter selbst gebackene Kekse in hübscher Verpackung. Ich habe leider kein Foto davon gemacht. Denn heute war der letzte Tag des Ramadhans und damit Vorabend von Idul Fitri, das in Deutschland Zuckerfest heißt. Zu diesem Anlass werden traditionell Kekse gegessen, auch in nicht muslimischen Familien. Wir kosteten ein paar davon, dann bestiegen wir das Motorrad für eine kleine Abendausfahrt. Eigentlich wollten wir gucken, ob der Strand zugänglich ist, aber es wurde dunkel, bevor wir dort ankamen und wir drehten vorher um. Dafür sahen wir einen wirklich spektakulären Sonnenuntergang, den wir vom Straßenrand aus bestaunten und den ich ganz ohne Kamera betrachtete. Eindrucksvoll vor allem die Silhouetten der Bäume und Kokospalmen vor dem roten Himmel.

Auf dem Rückweg kauften wir Magelangan beim gleichen Straßenstand, an dem wir vor sechseinhalb Jahren als frisch verliebtes Paar (auch auf dem Weg zum Strand) zum Essen hielten. Während wir auf unser Bungkus warteten, leistete uns eine hübsche kleine Katze Gesellschaft.

Wieder zu Hause aßen wir und guckten dann zwei Folgen der neuen Staffel Ozark. Nina zeigte erste Anzeichen der Normalisierung. Abends rief sie noch mal laut nach Katern, doch ihr Verhalten war zunehmend ninatypisch. Sehr beruhigend.

Den Sonntag verbrachte ich glücklich an der Nähmaschine. Erst trennte ich eine Maske für den Mann auf, um ein neues Gummiband einzubauen, dann werkelte ich an einem Kissenbezug mit aufgesteppten Batikstreifen. Ich bin meiner Freundin so dankbar, dass sie mir die Nähmaschine ausgeliehen hat, weil ich damit so viel Spaß habe. Ich genieße es, mich ganz aufs Nähen zu konzentrieren, meine Fortschritte zu bemerken und außerdem die vielen neuen Begriffe – in zwei Sprachen – zu lernen. Tatsächlich werde ich etwas schneller, das Bügeln klappt besser und bisher gab es kaum frustrierende Momente. Zum Abendbrot gab es Mie goreng und – nach dem Abwasch – Kekse und Ozark.

Kreatives Chaos.

Detail.

Der fertige Bezug in Aktion.

22. Mai 2020 – Endlich wieder Sonne

Manfred schubste mich morgens aus dem Bett, Nina robbte umher und grölte. Schade, dabei hatte es gestern Abend so ausgesehen, als würde sich die Rolligkeit langsam verabschieden. Ein Blick in den Kalender verriet, dass sie sich letztes Mal nach elf Tagen wieder normalisierte, heute war Tag sechs. Da müssen wir wohl alle noch ein bisschen durchhalten.

Wir frühstückten, dann musste der Mann zu einem Termin. Ich wollte eigentlich nur fix die Brause mit Starter mixen und abfüllen, bevor ich mich an den Rechner setzte. Allerdings war der Mülleimer voll. Als ich den Müll rausbringen wollte, entdeckte ich, dass der Eimer innen voller verpuppter Maden und Ekelkram war, also erst Müll raus, dann Mülleimer waschen, dann Brause abfüllen. Währenddessen hatte ich alle Türen weit geöffnet, es war nach viel Regen der erste sonnige Tag und ich hoffte, die frische Luft würde die Dumpfigkeit aus unserem Haus vertreiben. Draußen brutzelten die Kissen in der Sonne.

Dann endlich Computerzeit, aber ich bekam langsam Kopfschmerzen und kam nicht voran. Irgendwann hatte ich dann genug und hörte einfach auf. Pause.

Zum Abendbrot gabs gekauftes Magelangan, das war ziemlich gut. Hinterher machte ich den Abwasch und pipelte noch ein bisschen in der Küche rum, dann verzog ich mich mit meinem Strickzeug aufs Sofa.