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30. April 2020 – Einfach mal Pause machen

Ein bisschen zu lange geschlafen, aber leider keine Zeit fürs Arbeiten vorm Frühstück. Das war eigentlich mein Plan gewesen, um den Abend freihaben zu können.

Workworkwork. Die Bachelorarbeit, die ich gerade am Wickel habe, ist gar nicht so schlimm, steckt aber voller verzwickter grammatikalischer Fragen. Vor allem die Kongruenz in Sätzen mit gereihten Subjekten bereitet mir plötzlich Schwierigkeiten und ich brauche meine gesamte Konzentration. Eine kurze Unterbrechung gabs, als unser Wasser geliefert wurde. Seit wir mehr kochen und ich dauernd Brause mache, reichen 40 Liter Trinkwasser nur wenige Tage.

Zum Abendbrot gabs Gudeg und anschließend süße Snackies. Und die letzte Brause.

Der Mann fuhr weg, um die Vapeshops zu beliefern, ich wollte eigentlich wieder arbeiten. Dann erwischte ich mich aber dabei, wie ich nur sinnlos im Internet herumklickte und machte kurzerhand den Rechner aus. Schnell abwaschen, schnell Ginger Bug füttern und dann die Nähmaschine aufstellen. Hach, was hatte ich sie vermisst. Den restlichen Abend verbrachte ich nähend und bügelnd, unterbrochen nur von gelegentlichem Fadensalat oder Katzen auf dem Nähtisch, es war die reinste Freude, ich hörte ohne Rücksicht auf mein Datenvolumen eine Podcastfolge nach der anderen und als ich aufhörte, war es plötzlich schon um elf.

Zuschnitt (okay, das war schon gestern).
Immerhin: eine fast fertige Maske.

Da ich wieder Masken schneiderte, dachte ich über diesen Artikel nach, den ich auf Instagram entdeckt hatte. Einerseits macht es mir großen Spaß, Masken zu nähen. Ich kann mit meinen Anfängerinnenfähigkeiten ein nützliches Produkt herstellen. Dabei recycle ich alte Kissenbezüge und Stoffreste, minimiere also Müll. Auch nach der Krise werde ich meine Masken bei langen Motorradfahrten tragen. Andererseits ist Nähen für mich Spaß und Entspannung, ich muss davon nicht leben. Und ich nähe nur für den Mann und mich. Ein kompliziertes Thema.

Jedenfalls ist Nähen anders als Stricken wirklich Arbeit, ich war ganz verschwitzt und lüftete erstmal das Haus ordentlich durch. Dann folgte das übliche Abendprogramm, war aber durch Müdigkeit sehr langsam und dadurch erst um 1 im Bett. Upsi.

29. April 2020 – Keine Zeit für die Nähmaschine, aber dafür war ich einkaufen

Am Morgen durfte ich erstmal putzen, weil Manfred wahrscheinlich aus Protest gegen den dreckigen Wassernapf gesprüht hatte. My bad, aber hätte er nicht einfach aus einem der drei anderen sauberen Näpfe trinken können? Katzen.

Nach dem Frühstück brachen wir mit einer ellenlangen Einkaufsliste zum Supermarkt auf. Dort erwartete uns die übliche Prozedur aus Händewaschen und Temperaturcheck, dann durften wir rein. Ja, ich weiß, eigentlich ist zu zweit einkaufen unnötig und meistens ist der Mann auch allein unterwegs, weil ich noch keinen Führerschein habe (und er mehr Zeit hat), aber wir waren beinah die Einzigen im Supermarkt und ich muss halt auch manchmal raus. Die Straßen waren etwas belebter als sonst.

Wir kauften einen Einkaufswagen voller Zeug, darunter Spaghetti, Öl, roten Reis, Kaffee, Kecap manis, Instantnudeln, Küchenpapier, Anti-Mücken-Mittel, Seife und Gewürze. Himbeermarmelade und Zimt gabs leider nicht. Insgesamt bezahlten wir fast 700.000 Rupiah, das sind um die 43 Euro. Schwer beladen hielten wir auf dem Rückweg noch am Tierladen, um Vitaminpaste für die Katzen mitzunehmen.

Zu Hause gabs erstmal einen Eiskaffee und eine Pause, dann setzte ich mich an den Rechner. Da wars schon um 3 und es war klar, dass ich heute nicht mehr zum Nähen komme. Dafür experimentierte ich abends mit Zitronensäure als Kalkentferner im Bad. Dort ist nämlich vor dem Stöpsel des Wasserbeckens eine enorme Kalkkruste entstanden, weil unser Wasser enorm hart und der Stöpsel wahrscheinlich undicht ist. Daran habe ich schon mit Spachteln gekratzt, sie mit Essig und niedrig dosierter Salzsäure (wird hier zum Kloputzen verkauft) eingeweicht – ohne Erfolg. Aber die Zitronensäure schaffte es tatsächlich, einen Teil der Kruste zu lösen. Ich bin begeistert, endlich kein elendes Schrubben mehr.

Zum Abendbrot gab es nochmals Reste: ein bisschen Nudeln mit Tomatensoße, ein paar Stückchen Tempeh, roter Reis, Ei. Dann machte ich den Abwasch, fütterte den Ginger Bug, hörte Podcast und putzte halt das Bad.

Gerade haben Nina und ich ein neues Zubettgeh-Ritual. Wenn ich mich hinlege, lehne ich meine Beine gegen die Wand, damit der wehe Fuß ein bisschen abschwellen kann. Der wird abends weiterhin so dick, dass der Zeigezeh den Boden kaum noch berührt. Jedenfalls spiele ich dann Ninas Lieblingsvideo ab und binnen weniger Sekunden ist sie neben mir und kuschelt an mir rum. Das geht so zehn Minuten, bis sie plötzlich draußen was hört und davonhopst. Immer wieder schön.

28. April 2020 – Update zur C-Wort-Lage

Von Manfred wach getrampelt worden, da wars noch nicht mal um sechs. Aufgestanden und in die Küche gewankt, nur um eine noch beinah volle Katzenfutterschüssel vorzufinden. War dem Herrn wohl nicht mehr knusprig genug. Eigentlich war ich ziemlich wach, legte mich aber trotzdem nochmal hin, ignorierte den Wecker um acht und stand um neun auf. Der Mann fuhr Eier und Bananen kaufen (die roten Bananen sind weiterhin steinhart, wir witzelten, dass es sich um reine Dekobananen handelt) und kam außerdem mit einer Tüte voll Snackies wieder.

Ab hier alles wie immer: Frühstück, Computerzeit, Abendbrot kochen und essen (Mie goreng mit frittiertem Tempeh, Ei für mich, Fisch für den Mann und kalte BRAUSE!), nochmal ein, zwei Stündchen arbeiten, Abwasch, Ginger Bug füttern (blubbert jetzt schon wie ein Großer), dann zur Entspannung einen Haufen Masken zugeschnitten.

Außerdem habe ich heute zum ersten Mal eine E-Mail an einen Bundestagsabgeordneten geschickt, um die Evakuierung der Flüchtlingslager in Griechenland anzuregen. Macht bitte auch mit und/oder spendet an die Seebrücke, das geht sogar per SMS. Die Lage ist ernst.

Weil hier eh kaum was Neues passiert, dachte ich mir, ich erzähle mal kurz, wie hier die Coronalage momentan ist.

Wollt ihr Zahlen? In Indonesien wurden momentan um die 9000 Leute positiv getestet, jeden Tag kommen recht stabil zwischen 200 und 400 neue Fälle dazu, der Großteil im Raum Jakarta. Allerdings sind so 200 000 Leute entweder in Quarantäne zu Hause oder im Krankenhaus, im letzteren Fall haben sie bereits Covid-19-Symptome. Hier in Jogja wurden insgesamt 93 Personen positiv getestet, hinzu kommen etwa 5000 Leute in Quarantäne (davon 700 im Krankenhaus). Die aktuellen Zahlen kann eins hier angucken.

Vor ein paar Tagen war die große Nachricht, dass sämtlicher Inlandstransport bis Ende Mai pausiert. Keine Flüge, keine Züge, keine Fähren und auch die Autobahnen sind zu. Denn Mudik, also die Tradition, am Ende des Ramadans seine Familie zu besuchen, fällt dieses Jahr aus. In einigen Städten herrscht bereits Ausgangssperre, die heißt aber nicht so, sondern versteckt sich hinter dem Akronym PSBB. Das steht für Pembatasan Sosial Berskala Besar, auf deutsch ungefähr: soziale Einschränkungen im großen Stil, vergleichbar mit den aktuellen Maßnahmen in Deutschland. Bei uns in Yogyakarta gilt PSBB noch nicht. Allerdings sind Schulen und Unis geschlossen, viele gehobene Restaurants liefern nur noch und die meisten Hotels sind wohl auch zu. In Supermärkten gilt schon lange eine Maskenpflicht (das bestimmt aber jeder Laden selbst) und überall stehen mehr oder weniger sinnvolle Handwascheinrichtungen herum. Die Einwanderungsbehörde hat schon lange zu. Meine Aufenthaltsgenehmigung gilt noch bis Ende Juni, danach kriege ich eine automatische Verlängerung, bis der Notfallstatus im Land wieder aufgehoben wird. Allerdings weiß ich noch nicht, wie viel Zeit ich dann habe, um die nächste Aufenthaltsgenehmigung zu beantragen. Darum werde ich auf jeden Fall sämtlichen Papierkram vorbereiten, damit wir sofort reagieren können. Aber wer weiß schon, wann das ist.

27. April 2020 – Brausebrauerei

Manfred weckte mich halb sechs, das macht er gerade ziemlich regelmäßig. Dabei hatte ich gerade so schön geträumt, dass ich mit zwei Freundinnen in einer ziemlich coolen Eisdiele war, die so Arbeitskabinen wie die Unibibliothek hatte. Leider wachte ich auf, bevor mein Zitroneneisbecher gebracht wurde, das war echt schlechtes Timing. Anschließend quasi sofort nach einem veganen Rezept für Lemon Curd gegoogelt, vegan, weil mir die Sache mit den Eiern zu heikel ist.

Der Mann schlief noch, also mixte ich erstmal in Ruhe meine Brause zusammen und filmte mich dabei. Bitte sehr:

Mein Starter (das Zeugs im blauen Glas) ist inzwischen verdächtig schaumig, darum war dies die letzte Brause damit. Keine Ahnung, warum ich ihn trotzdem noch mal gefüttert habe.

Frühstück wie immer, Porridge mit Bananen, Zimt und Ahornsirup wird mir nie langweilig.

Dann Computerzeit. Ich habe viel zu tun diese Woche, mehrere Texte wollen geschrieben und eine äußerst umfangreiche Bachelorarbeit will korrigiert werden. In keinem Buch lese ich momentan öfter als im Duden Band 9. Zwischendurch regnete es einmal kurz und heftig.

Außerdem wurde mein Bügeleisen geliefert. Nach dem Abendbrot (Fusion aus Spaghetti mit Tomatensoße, Gemüsepfanne und Spiegelei) machte ich erst den Abwasch und setzte einen neuen Ginger Bug an. Und dann probierte ich mein Bügeleisen aus. Sicherheitshalber mit Taschenlampe neben mir, unser Haus hat nur 450 Watt, da kann schon mal die Sicherung rausfliegen. Tat sie aber nicht. Hoch motiviert bügelte ich also erst lauter Stoffreste für Masken und dann den neulich gekauften Stoff, den ich anschließend für Kissenbezüge zerschnitt, die ich hoffentlich morgen nähen werde. Alles noch ein bisschen krumm und schief, aber das wird schon. Ich bin beim Stricken schon sehr perfektionistisch und ribbele lieber eine halbe Socke auf, anstatt eine leichte Unstimmigkeit hinzunehmen. Beim Nähen versuche ich, ein bisschen entspannter zu sein.

Dann wurde mein Fuß wieder dick und ich beeilte mich, unter die Dusche und ins Bett zu kommen, um ihn hochlegen zu können.

25. und 26. April 2020 – Wochenende im Zeitraffer

Am Samstagmorgen weckte Manfred mich früh wie immer. Beim Aufstehen entdeckte ich mehrere kleine Kotzpfützen in der Küche, die wohl auf Ninas Konto gingen. Das war sicher die Nachwirkung des gestrigen Sabberns. Also durfte ich um halb sechs morgens erstmal putzen.

Noch ein bisschen schlafen, dann aufstehen und Frühstück machen. Anschließend Computerzeit, ich wollte unbedingt noch einen Text fertigkriegen. Damit war ich bis zum Abendessen (Spaghetti) gut beschäftigt. Mein Fuß, der am Morgen normale Form hatte, schwoll zum Nachmittag wieder an. Überhaupt ist es erstaunlich, wie sehr ein weher Zeh eins aus dem Trott bringen kann. Vor allem beim Klobesuch habe ich momentan Balanceprobleme*.

Abends fuhren wir kurz bei meiner Schwiegermutter vorbei, um ihr Spaghetti und eine Flasche meiner Brause zu bringen. Im Gegenzug bekam ich eine Tüte voller Stoffreste in verschiedenen Batikmustern. Aus einigen werde ich noch ein paar Masken schneidern, der Rest wird sich gut als Innenfutter von Taschen oder Applikation machen. Es war übrigens das erste Mal, dass ich meine selbst genähte Maske ausführte und sie sitzt wirklich gut.

Sonntag begann kuschlig mit einem schlafenden Manfred neben mir, der seine Füßchen ins Guling stemmte. Dann Frühstück (die roten Bananen sind noch immer nicht reif …). Der Mann musste in der Küche noch mal Insektenmittel sprühen, weil einige Tausend Ameisen über den Ölrest in einer Pfanne hergefallen waren. Nach dem Frühstück wischte ich daher den Fußboden, um alle Reste des Mittels zu entfernen. Um das unterhaltsamer zu gestalten, probierte ich eine neue App aus, die Zeitraffervideos macht und hatte damit sehr viel Spaß. Außerdem wusch ich meine Umhängetasche und eine Fuhre Schlüpfer und schnippelte eine große Menge Gemüse fürs Abendbrot.

Nach dem Essen (roter Reis, Gemüsepfanne und Ei) machte ich den Abwasch und kochte podcasthörend neue Brausebasis. Zur Abendgestaltung guckten wir Knives Out (sehr zu empfehlen!) und aßen Kekse.


* Wir haben ein Hockklo und zum Hocken braucht eins Zehen.