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02. Dezember 2019 – Fleißig gewesen

Um sechs war ich hellwach und zwang mich, aufzustehen. Nach der morgendlichen Meditationsübung saß ich direkt anderthalb Stunden am Rechner und werkelte vor mich hin. Ich hatte noch einige Fakten zu recherchieren, außerdem begann ich, meinen fertigen Text zu korrigieren. Das ist immer schwierig, weil das Gehirn den Inhalt ja schon kennt und dadurch Fehler einfach ausblendet. Um es auszutricksen, lasse ich einen Artikel vorher über Nacht oder wenigstens ein paar Stunden ruhen oder lese von unten nach oben. Trotzdem kann ich fremde Texte einfach besser editieren (immer noch keinen Job von der Seite bekommen, muss mal fragen, was da los ist).

Beim Frühstückmachen kriegte ich plötzlich grundlos schlechte Laune. Wahrscheinlich die ersten Vorboten meiner PMDS (ich bin mir ziemlich sicher, dass es das ist) und das an Hochlagentag sechs, na schönen Dank auch. Der Mann ahnte das und kaufte mir einen Schokomuffin und Roti kukus <3

Nach dem Essen zurück an den Schreibtisch und die To-Do-Liste abgearbeitet. Trotz komischer Stimmungsschwankungen konnte ich mich heute super konzentrieren und hatte schon vorm Dinner mein Tagessoll erledigt. Der Mann bat zu Tisch, es gab grünes Gemüse mit jungen Maiskolben und Pilzen, gebratenes Tempe (das er immer in Fischstäbchenform schneidet) und roten Reis. Sehr lecker!

Danach hatte ich noch eine Korrektur zu erledigen, anschließend belohnte ich mich mit einer schweißtreibenden halben Stunde Yoga und Süßkram. Und morgen hab ich frei!

Und was ist eigentlich im Garten los? | Alles wie immer. Das Banänchen wächst ganz toll, ich mache jeden Tag ein Foto und die Unterschiede sind echt enorm für so ein kleines Ding. Nebenan sprießen drei Srikayas, von denen ist aber noch keine über das Hakenstadium hinausgekommen. So nennen es Landwirt*innen, wenn vom Sämling nur eine Schlaufe über der Erde zu sehen ist. Am großen Srikayabaum entwickelt sich langsam eine Frucht, aber aus Erfahrung denke ich, dass wir die erst im Februar essen können. Und die eine Wüstenrose hat ebenfalls eine Frucht, die momentan wie eine lange Nase aussieht. Später werden es dann zwei an der Basis verwachsene Balgfrüchte, um mal Wikipedia zu zitieren.

01. Dezember 2019 – Mit links

Mit schlimmem Nasenpickel aufgewacht. Einer von der unsichtbaren, schmerzhaften Sorte. Leider ist meine Schwefelseife alle, naja, muss es halt ohne gehen. Nach dem Zähneputzen meditiert. Immer, wenn ich das mache, kommen die Katzen an irgendeinem Punkt gucken, warum ich denn nur still auf dem Fußboden sitze und schnuppern ein bisschen an mir rum. Das ist sehr süß, aber gestern fühlten sich Ninas Barthaare wie das Krabbeln einer Ameise an.

Frühstück wie immer, ein letztes Mal mit dem guten Banyuwangikaffee. Beim Bananenschnippeln kamen noch mal gut zehn Kerne zusammen. Die weichen jetzt ein, damit ich sie bald einpflanzen kann. Dann Schreibtischtime. Schon beim Bloggen machte sich mein rechtes Handgelenk bemerkbar. Da hatte ich wohl einen kleinen Mausarm, den ich aber mit Anschaffung einer Maus und verstellbarem Schreibtischstuhl gut in den Griff bekommen hatte. Wahrscheinlich waren die letzten Tage etwas anstrengend gewesen. Ich entschied mich für radikale Schonung und stellte Maustasten für die linke Hand um. Anfangs ruckelte der Zeiger noch etwas unbeholfen über den Bildschirm, aber so langsam gehts. Und in den Arbeitspausen hampelte ich nicht herum, sondern machte Anti-Mausarm-Übungen.

Ich kam gut voran. Gegen fünf war ein großer Punkt auf der To-Do-Liste abgehakt und ich ging die Blumen gießen. Mein kleines Banänchen ist schon größer geworden und eins kann schon das Blatt erahnen, das sich demnächst entfalten wird. Ich mache jetzt täglich ein Foto davon, um die Wachstumsfortschritte festzuhalten. Weil ich eine ungeduldige Gärtnerin bin, stocherte ich noch ein bisschen in den bisher leeren Töpfen herum. Ein zweiter Bananensamen hat schon Wurzeln, doch die Rambutan-Kerne sind alle vergammelt.

Nach dem Abendessen (Magelangan mit Capcay) setzte ich mich noch mal für zwei Stündchen an den Rechner, der Mann fuhr einen Freund besuchen, der heute einen Laden eröffnet hatte. Ich machte irgendwann Feierabend und schloss gleich eine Runde Yoga an. Sehr behutsam heute, weil Muskelkater. Vor 23 Uhr ins Bett (ich werde besser!) und beinah sofort eingeschlafen.

30. November 2019 – Yoga, Kakao und ein Bananensämling

Früh aufgestanden, meditiert, gebloggt. Frühstück gemacht. Gegessen. Dann saß ich schwitzend vorm Rechner und es ging gar nichts. Laut Wetterapp herrschten gefühlte 41 °C (eigentlich 34 °C) und auch wenn die Vorhersage immer daneben legt, die aktuellen Verhältnisse stimmen meistens. Ich kriegte einfach nichts gebacken (höhö).

Zum frühen Nachmittag fing es endlich zu regnen an. Das war ein Regen, der seinen Namen auch verdient hat. Ich platzierte Eimer unter allen mir bekannten Lecks (es sind nur drei, keine Sorge), ging auf die Terrasse und atmete Regenluft. Nach einer halben Stunde hörte es wieder auf – und dann wurde es noch heißer. Das ist dieser Effekt, den Saunabesucher*innen vom Aufguss kennen. Ich gab auf, der Mann kam eh mit Essen heim und wir speisten gemütlich bei einer Folge Pretty Little Liars.

Hinterher ging ich die Blumen gießen, die vom Regen nichts abbekkommen hatten und durfte ein neues Mitglied in meiner Pflanzenfamilie begrüßen: einen Bananensämling! Das ist für mich ein großes Ding, schließlich wusste ich bis vor ein paar Jahren nicht mal, dass Bananen Kerne haben können.

Den Abend läutete ich mit einer Runde Yoga ein, was meinem vom vielen Sitzen schmerzenden Rücken gut tat. Ich muss wirklich darauf achten, wieder jeden Tag zu üben. Nach der erfrischenden Dusche (in deren Lauf ich eine Mücke einatmete) gab es einen Feierabend-Sojamilchkakao, den ich gestern im Supermarkt entdeckt hatte. Und dann lag ich wirklich vor Mitternacht im Bett.

29. November 2019 -Zwei Geburtstage und Unterricht

Ich erlaubte mir, etwas länger zu schlafen und erwachte gegen acht, weil es so heiß im Zimmer und ich ziemlich verschwitzt war. Trotz Ventilator. Ich stand auf und ging ins Bad für Dusche Nr. 1. Danach bloggte ich und inzwischen war auch der Mann aufgestanden, so dass wir Frühstück machen konnten.

Selbst nach dem Kaffee war ich noch etwas müde und langsam, also beschloss ich, den neuen Zeitplan mit dem Pausentag zu beginnen. Während es immer heißer wurde, räumte ich ein bisschen auf, putzte die Gästeecke und machte in meinem Arbeitszimmer ein Räucherstäbchen an, weil es dank Manfred ein bisschen wie im Zoo roch. Wusstet ihr, dass eins die Flamme an Räucherstäbchen nicht ausgeschüttelt, sondern ausgepustet werden darf? Zumindest bei denen, die ich auf Bali gekauft habe. Und weil es inzwischen so heiß und ich schon wieder verschwitzt war, nahm ich Dusche Nr. 2.

Heute wäre meine Oma einundachtzig Jahre alt geworden. Ich erinnerte mich an letztes Jahr. Da waren wir in Deutschland gewesen und hatten zusammen mit leckerer Torte, Besuch und Luftballons gefeiert. Ich freue mich, dass wir diesen besonderen Tag mit ihr verbringen konnten. Heute hat noch jemand Geburtstag, den Oma sicher sehr gemocht hätte und den sie immerhin vom Familienkalender kannte: Manfred. Der ist jetzt schon sechs, benimmt sich aber weiterhin, wie ein ungezogener Teenager.

Am frühen Nachmittag war ich mit meiner Lehrerin zum Sprachunterricht verabredet. Ich hatte während der letzten Tage kaum Indonesisch gesprochen und brauchte einen Moment, um reinzukommen. Wir beschäftigten uns mit Possesivpronomen, Ortsangaben und unterhielten uns dann einfach. Das hilft mir immer sehr, schließlich ist mein Ziel in erster Linie, flüssig sprechen zu können. Perfekte Grammatik kommt später, das geht bei Indonesisch zum Glück.

Nach dem Unterricht fuhren der Mann und ich erst beim Pecel lele essen (für mich gabs Nasi uduk mit Ei und Aubergine) und dann Einkaufen. Im Supermarkt war es unglaublich voll, so voll ist es sonst nur sonntags am Monatsanfang. Leider ist das der einzige Laden, der richtige Haferflocken zu einem guten Preis verkauft, da hatten wir leider keine andere Wahl. Und dann mussten wir an der Kasse gar nicht so lange warten. Auf dem Rückweg hielten wir noch bei einem zweiten Supermarkt, weil es im ersten keinen guten Kaffee gab. Wir hatten Glück, der Arabica-Kaffee war im Angebot und für mich gabs noch eine Flasche Sojamilchkakao fürs Frühstück.

Zuhause war es weiterhin heiß, wir machten alle Fenster auf und ließen den Ventilator den Rest erledigen, aber erst nach 23 Uhr fiel die Temperatur unter 30 °C. Ich ging zum dritten Mal duschen und dann ziemlich kaputt ins Bett.

28. November 2019 – Ein neues Wochenkonzept

Der Wecker brummte um 7 Uhr, aber ich kam einfach nicht aus dem Bett. Ich hatte sehr unruhig geschlafen und wieder ziemlich realistisch geträumt. Aus einem Traum schreckte ich hoch, weil ich darin eine Wespe verschluckt hatte, eine eher unschönes Erwachen. Ich erlaubte mir, noch ein Stündchen weiterzuschlafen und verschob das Meditieren. Auch der Mann war heute schwerer zum Aufstehen zu bewegen, als an den Tagen zuvor. Ein Fall von Donnerstagsmüdigkeit?

Beim Frühstückmachen dachte ich darüber nach. Während der letzten drei Tage hatte ich sehr intensiv gearbeitet, bis abends noch am Rechner gesessen, aber auch viel geschafft (auch wenn ich meiner To-do-Liste weiter hinterherhänge). Kein Wunder, das heute die Luft raus war. Doch als Freiberufliche kann ich mir meine Zeit komplett selbst einteilen. Warum halte ich dann so an der Vorstellung fest, dass auf fünf Tage Arbeit zwei Tage freies Wochenende folgen müssen. Wenn ich an drei aufeinanderfolgenden Tagen Höchstleistungen bringen kann und am vierten erschöpft bin, könnte ich doch einfach einen Pausentag einlegen und dann wieder drei Tage arbeiten. Der Gedanke gefällt mir und ich denke, ich werde das mal ausprobieren.

Die Arbeit lief etwas zäh heute. Lag es an der fehlenden Meditation oder am trockenen Thema? Ich loggte nur knapp vier Stunden reine Arbeitszeit, das ist mein Tagesminimum. Während der Mann Abendessen kaufte, goß ich meine Blümelein. Alle wachsen prima, aber demnächst wird eine Düngung fällig sein.

Später beim Abwaschen guckte ich zur Unterhaltung Reisevideos auf Youtube. Diesmal die eines weißen deutschen Paares auf Weltreise. Die waren in dem Video zum ersten Mal mit Armut im Reiseland konfrontiert und irgendwas störte mich an ihrer Reaktion. Sie meinten, dass sie nun viel dankbarer für ihr Leben seien und gleichzeitig seien die Menschen ja so glücklich, obwohl sie nicht viel besitzen oder in aus deutscher Sicht einfachen Verhältnissen wohnen. Irgendwie kann ich nicht so recht in Worte fassen, was genau mich daran stört. Ich meine, woher wissen sie, dass die Einheimischen glücklich sind oder wenig besitzen, ohne mit ihnen gesprochen zu haben? Dieser Artikel schafft noch am ehesten, mein Unbehagen auszudrücken, auch wenn die Situation nicht ganz die gleiche ist. Ein Punkt wird darin erwähnt, den ich an all den Reiseblogs und -instagramaccounts ganz furchtbar finde: Das exzessive Posten von Fotos der Einheimischen, gerne auch Kindern. Und zwar gehäuft bei Reisen in ärmere Länder. Oder habt ihr schon mal in einem Reiseblog eine zufällige Gruppe weißer Kinder auf einem Foto gesehen, die den Reisenden einfach so über den Weg liefen? Ich auch nicht.

Ja, aus unserer privilegierten Position ist sichtbare Armut schwer auszuhalten. Mir geht es ja auch so. Aber eine obdachlose Person anzugucken und gleichzeitig zu denken „Ich bin dankbar für alles, was ich habe“ fühlt sich so heuchlerisch an. Weil ein „Zum Glück bin ich nicht in dieren Position“ mitschwingt. Und diese Person benutzt wird, um sich selbst besser zu fühlen. Oder? Und letztendlich ist das extreme soziale Ungleichgewicht die Schuld der Kolonialmächte und des Kapitalismus – beides Dinge, die Weiße erfunden haben und die jetzt unsere Erde zerstören.

Zum Abschluss etwas Flausch |