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5. November 2020 – Regen. Und: Die Monstera ist da

Eher unruhig geschlafen. Nach dem Aufstehen ging ich wieder zuerst hinters Haus, die Erdbeerchen einsprühen. Ihr Zustand war unverändert, mal sehen, wie viele durchkommen. Immerhin hatten zwei bereits ein neues Blatt in Arbeit, ich halte das für ein gutes Zeichen.

Abgewaschen, der Mann machte gleichzeitig Frühstück. Nach dem Essen regnete es kurz, hörte dann aber rasch wieder auf. Dann, der Mann war eben weggefahren, begann ein ziemlicher Wolkenbruch mit starkem Wind, der ums Haus heulte. Im alten Haus wäre das sehr gruselig gewesen, dort hatte ich immer Angst um das wackelige Küchendach. Hier fühlte ich mich sicher, lud alle wichtigen Geräte auf und streichelte Manfred, der mit besorgtem Gesicht neben mir auf dem Schreibtisch saß. Was für ein Luxus, in einem Haus mit dichtem Dach zu wohnen! Nur in der Garage fand ich später eine kleine Pfütze. Immer wieder regnete es, ich hatte es gemütlich mit Kapuzenpulli und Cola.

Feierabendyoga war heute sehr ruhig und stand passenderweise unter dem Thema Heal. Das tat mir gut, ich hängte noch eine Viertelstunde Beckenbodentraining dran, das kann nie schaden. Hinterher machte ich mir eine Kokosölhaarmaske, weil ich momentan ziemliche Probleme mit der Kopfhaut habe. Ein bisschen durchs Internet gescrollt, die aktuellen Fallzahlen gecheckt (über 160 Neuinfektionen in Jogja, uff …), Nachrichten gelesen. Gunung Merapi ist momentan sehr aktiv und heute wurde die nächste Warnstufe ausgerufen: von II (Waspada = Vorsicht) auf III (Siaga = Bereit). Das hat für uns keine Auswirkungen und ich weiß nicht ganz genau, welche Konsequenzen das hat. Wenn ich den Artikel richtig verstanden habe, sollen touristische Aktivitäten rund um den Vulkan eingestellt werden und Leute, die in der Gefahrenzone leben, sollen sich auf eine eventuelle Evakuierung vorbereiten, falls es zu einem Ausbruch kommt. Falls ihr wissen wollt, was Merapi gerade macht, könnt ihr euch diesen Livestream anschauen. Vorsicht, durchdringendes Piepen, schaltet am besten den Ton aus! Eventuelles Kameragewackel liegt übrigens am Wind.

Zum Abendbrot gabs nochmal Nasi Goreng, Manfred freute sich, weil ich ihm einige gekochte Möhrenstückchen kredenzte. Der Kater isst erstaunlich viel Gemüse. Abendprogramm war die letzte Folge der aktuellen Staffel von Better Call Saul. Als ich meinen Pflanzen vom Arbeitszimmerfenster aus Gute Nacht sagte, sah ich einen hellen Punkt im Monsteratopf. Ich huschte schnell raus und tatsächlich, da zeigt sich die Spitze eines Blatts! Na endlich, da musste ich zwei Monate drauf warten. Übrigens stammt der Steckling von einer 20 Jahre alten Pflanze, die Arthurs Mama aus Malang mitgebracht hat.

4. November 2020 – Doomscrollingvermeidung

Gleich nach dem Aufstehen entdeckte ich von den Katzen stammende Fußtapsen, die vom Gästebegrüßungszimmer quer durchs Haus führten. Das ist meistens kein gutes Zeichen und Beginn einer größeren Putzaktion, aber diesmal war es nur Wasser. Manfred hatte anscheinend einen Wassernapf umgekippt und war in die Pfütze getreten.

Erdbeerinspektion und -besprühung, dann Frühstück machen. Der Mann schnippelte Mangos, eine davon war zuckersüß.

Nachdem wir gegessen hatten, setzte ich mich an den Rechner und versuchte, soziale Medien und Nachrichten möglichst zu vermeiden. Meine Twittertimeline war angesichts der Meldungen aus den USA negativ gestimmt, aber viele Leute teilten Fotos und Videos von niedlichen Tieren zur Ablenkung. Freude aber auch, weil Sarah McBride als erste trans Politikerin in den Senat gewählt wurde.

Einigermaßen konzentriertes Arbeiten, dann forderte ein kurzfristiger Korrekturauftrag meine volle Aufmerksamkeit. Ich ziehe momentan meistens nach einiger Zeit im Arbeitszimmer an den Esstisch um, weil ich dort mehr Platz für Snacks und was zu Trinken habe und weil meistens Nina neben mir schläft. So auch diesmal. Draußen regnete es erst, dann war es so kühl, dass ich vorm Ventilator fröstelte.

Feierabendeinläutung mit Yoga, diesmal ausgiebiges Dehnen. Ich habe momentan jeden Tag an einer anderen Stelle Muskelkater und genieße das sehr. Da ich zwischendurch unterbrechen und Manfreds Klo saubermachen musste, schaffte es Nina, ihre Krallen auf meiner neuen Matte zu wetzen, aber die steckte das erstaunlich gut weg.

Der Mann fuhr nach dem Abendbrot (Nasi goreng mit viel Gemüse) weg, ich ging beinah gleich schlafen, musste aber noch einmal aufstehen, um einen großen Käfer in die Freiheit zu entlassen.

3. November 2020 – QualityLand 2.0 und Cola

Erdbeerinspektion gleich nach dem Aufstehen: Zwei sind vertrocknet, die übrigen dreizehn schlagen sich wacker und mindestens zwei von ihnen sehen gar nicht mal so schlecht aus. Von den Sansevieria-Stecklingen nichts neues, allerdings habe ich ganz vergessen, sie nach dem Schneiden trocknen zu lassen, es ist also möglich, dass sie faulen werden.

Frühstück wie immer, dazu ein Video meiner neuen Lieblingskochshow auf Youtube – Stump Sohla.

Der Mann verabschiedete sich zur Arbeit (er baut gerade mit seinem Bruder eine Polierwerkstatt für Metallteile auf), ich schaltete den Rechner an, bloggte und trank dazu meinen restlichen Kaffee.

Dann einigermaßen konzentriertes Korrigieren. Draußen wurde es immer dunkler, als ich am späten Nachmittag die Blumen gießen ging, war der Himmel im Norden pechschwarz. Ich erinnerte mich an eine Flasche Cola im Kühlschrank und bekämpfte damit erfolgreich das Nachmittagstief. Außerdem kaufte ich mir vom restlichen Geburtstagsgeld QualityLand 2.0 als Hörbuch, der Download der knapp 500 MB großen Datei dauerte eine Stunde.

Ich spielte mit Manfred und hörte dazu das erste Kapitel, dann war meine Bewegung dran. Yoga, heute mit Fokus auf die Bauchmuskeln. Ziemlich oft musste ich pausieren oder schaffte es nicht, Übungen bis zum Ende durchzuhalten. Manfred schaute mir mit skeptischem Blick zu und versuchte nur einmal kurz, an der Matte zu kauen.

Abendbrot mit dem in der Zwischenzeit heimgekehrten Mann, es gab die restliche Suppe, dazu Kartoffeln und nochmal frittierte Pilze. Wir schauten die letzten beiden Folgen von The Americans, das Serienfinale gefiel mir gut. Gegen Mitternacht ins Bett, zu Qualityland eingeschlafen.


AlleGutenDinge.Jetzt | Momentan wird im Bundestag über eine Reform des sogenannten Transsexuellengesetzes verhandelt. Im Idealfall wird es aufgehoben und durch das Selbstbestimmungsgesetz ersetzt. Das ist wichtig, weil es momentan für Personen, die trans, inter oder nichtbinär sind, mit viel Aufwand, Kosten und Diskriminierung verbunden ist, beispielsweise seinen Geschlechtseintrag zu ändern. Und wusstet ihr, dass trans Elternteile weiterhin mit ihrem abgelegten Namen in der Geburtsurkunde ihrer Kinder eingetragen werden? Auf der oben verlinkten Webseite findet ihr Hilfestellung für die Kontaktaufnahme mit einem Abgeordneten aus eurem Wahlkreis. Ich werde ebenfalls eine E-Mail schreiben, sobald ich die Ruhe dafür finde.

2. November 2020 – Langsamer Wochenstart

Nachdem ich die letzten Nächte durchgeschlafen hatte, weckte mich Nina heute Nacht um vier Uhr morgens, damit ich sie rauslasse. Die Schlafzimmertür ist nachts wegen der Klimaanlage nämlich zu und wir haben noch keine Katzenklappe eingebaut. Ich stand mit ihr auf, sie ging essen und ich ins Bad, vor der Schlafzimmertür trafen wir uns wieder, sie schlief auf meiner Hand liegend ein.

Nach dem endgültigen Aufstehen führte mein erster Weg ans Arbeitszimmerfenster, denn darunter stehen draußen die Pflanzen, die gerade besondere Aufmerksamkeit brauchen: die Multitopfpalette mit den winzigen Erdbeerchen, den Stecklingen von Sansevieria und Minze und der Topf mit dem Monstera-Wurzelsteckling, der es weiterhin spannend macht. Bei den Erdbeeren gab es erste Verluste, aber das war ja klar. Der Großteil sah aber gut aus und ich ging raus, um sie alle gewissenhaft einzusprühen.

Frühstück und Kaffee, dann fuhr der Mann weg und ich setzte mich an den Laptop. Irgendwie wollte ich nicht so richtig in die Gänge kommen und mühte mich bis kurz vor Sonnenuntergang ab. Dann klappte ich den Rechner zu und ging die Blumen gießen, das ist trotz Regenzeit notwendig. Außerdem liebe ich es, sie alle gewissenhaft zu begutachten, die Früchte am Srikayabaum zu zählen (mindestens 7, Rekord!) und zuzuschauen, wie sich eine Horde Grabwespen im Bambus zur Nachtruhe niederlässt. Aus irgendeinem Grund gedeihen meine geliebten Pflanzen nämlich viel besser, seit wir im neuen Haus wohnen. Der Mann sagt, es sei das Wasser, ich denke, die schützende Mauer und die vielen Bäume auf den beiden Nachbargrundstücken sorgen für ein günstigeres Mikroklima.

Ich versuchte mich nochmal am Computer, aber nichts wollte gelingen. Dafür forderte Manfred vehement Aufmerksamkeit ein. Also ließ ich ihn mit der Katzenangel durchs Bett floppen, er sprang und lauerte und tobte hin und her. Gleichzeitig guckte ich ein gruseliges Video von einem Typen, der in den USA eine Geisterstadt gekauft hat. Als Manfred müde war, war mein Sport an der Reihe und ich yogte eine Runde. Und dann kam der Mann nach Hause und brachte lecker frittierte Austernpilze mit, die es zum Abendbrot zur Suppe gab. Abendausklang mit zwei Folgen The Americans und dann lag ich tatsächlich schon vor Mitternacht im Bett.

1. November 2020 – Wieder da

So, nach einem halben Jahr Pause mache ich da weiter, wo ich aufgehört habe. Aus einem neuen Haus, mit neuer Frisur und einem Haufen neuer Pflanzen, der Rest ist so geblieben.

Morgens erwachte ich zum dritten Mal in Folge mit Wadenkrampf, der Grund ist wahrscheinlich das Zusammentreffen von Muskelkater (Yoga!) und Klimaanlagenkälte (wir haben jetzt eine Klimaanlage!). Aufgestanden, die Katzen gefüttert, Bad. Dann nochmal Manfred im Bett geflauscht. Podcasthörend abgewaschen, während der Mann Eier und Snackies kaufte, er brachte eine Tüte voller Muffins mit, das war schön.

Zum Frühstück gabs Haferflocken mit Banane und Chiasamen, ein Ei und zum Kaffee dann die Muffins. Draußen regnete es ein bisschen, wir sahen bei Youtube einigen Leuten dabei zu, wie sie (unerlaubt) Prypjat erkundeten. (Erinnerungen an leerstehende Fabrikhallen und – ähem – das DVB-Hochhaus, heute sind das sicher alles fancy Lofts oder so.)

Irgendwann hörte der Regen auf und wir fuhren zur Schwiegermutter, um ihr Bakso vorbeizubringen, die wir gestern auf dem Markt gekauft hatten. Wir wohnen jetzt nämlich ganz nah an einem großen Markt und kaufen dort regelmäßig frische Lebensmittel ein. Es gibt sogar Paprika, Kürbisse und – leider geschmacksneutrale – Granatäpfel. Aber zurück zur Schwiegermutter. Dort blieben wir ein Weilchen, ich bewunderte ihre Monstera (wir haben zur selben Zeit einen Wurzelsteckling gepflanzt, ihrer hat schon ein Blatt, meiner treibt gerade erst aus) und wir unterhielten uns auf Abstand ein bisschen. Außerdem gab sie uns den Kontakt eines Nähmaschinenreparateurs, weil meine kaputt ist. Eins dieser Plastikteile, die die Spule an ihrem Platz fixieren, ist abgebrochen.

Wieder zu Hause war noch eine Stunde bis Sonnenuntergang, die nutzte ich, um meine winzigen Erdbeersämlinge zu pikieren. Im Topf war schon Graufäule ausgebrochen und ich hoffe, dass ich so wenigstens ein paar von ihnen retten kann. Ich habe schon oft Erdbeeren ausgesät und bisher sind sie nie übers zweite Laubblatt hinausgekommen. Mal sehen, ob es diesmal anders wird.

Dann Abendbrot, Kürbissuppe und Kartoffelsuppe (nacheinander) mit Reis für mich, der Mann speiste dazu noch Hühnerköpfe. Manfred saß eine Weile bettelnd zwischen uns, das geht jetzt, weil wir eine Essecke mit Bank haben. Manchmal hopst er auch einfach auf den Tisch, da muss eins aufpassen. Hinterher guckten wir ein paar Folgen The Americans, ich aß noch eine kleine Orange zum Nachtisch. Danach wurden wir nochmal aktiv und schleppten die Leiter ins Schlafzimmer, um den Filter der Klimaanlage zu reinigen. Der war schon ziemlich flauschig, aber die Mühe hat sich gelohnt, jetzt kühlt das Maschinchen nämlich viel schneller und der Mann muss hoffentlich weniger niesen. Dann noch ein bisschen Katzenangeln, Manfred floppte wild durchs Bett und kullerte über die Kissen, das ist jedes Mal sehr amüsant.


Gelesen| COVID-Underdogs – Die Mongolei. Wenn über die Pandemie berichtet wird, werden viele Länder vergessen, die viel besser reagiert haben als beispielsweise Deutschland. Eins davon ist die Mongolei, in der bis heute niemand an COVID-19 gestorben ist und es keine lokale Ansteckung gab. Das hat übrigens nichts mit dem Wetter, den dortigen Ernährungsgewohnheiten oder sonstewas zu tun, sondern schlichtweg an einer schlauen und schnellen Reaktion NOCH VOR DEM ERSTEN FALL!

I’ll pause here for a minute. This is January. Mongolia was doing all this in January, when most countries were doing nothing. Like the story of the ant and the grasshopper, or Jon Snow, they knew that winter was coming and they acted accordingly.
What was your country doing in January? How many lives could we have saved, if we’d just looked to Mongolia then?

Ich mache hier einen Moment Pause. Das war im Januar. Die Mongolei hat alles das im Januar gemacht, während die meisten anderen Länder nichts getan haben. Wie in der Geschichte von der Ameise und dem Grashüpfer und wie Jon Snow wussten sie, dass der Winter kommt, und sie haben entsprechend gehandelt.
Was hat dein Land im Januar getan? Wie viele Leben hätten wir retten können, wenn wir nur damals auf die Mongolei geschaut hätten?

Indi Samarajiva, COVID Underdogs: Mongolia – The best response in the world