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Steffi

14. April 2020 – Ein Eiscappuccino rettet den Tag.

Um fünf war ich das erste Mal wach, schlief dann aber nochmal bis halb neun. Brausebefüllung, dann Frühstück, Porridge mit Marmelade ist immer noch mein Favorit.

Nach dem Essen Computerzeit. Als ich mich gerade etwas matt zu fühlen begann, reichte der Mann einen Eiscappuccino. Und wahrscheinlich deswegen hakte ich schon um vier den letzten Punkt auf meiner To-do-Liste ab und konnte schon mal mit der Essenszubereitung starten, während der Mann noch busy war. Das war ein sehr gutes Gefühl. Wir kochten wieder eine Gemüsepfanne aus Bohnen, Kohl und Lauchzwiebeln, dazu gab es roten Reis, für den Mann Huhn und für mich ein Ei. Sehr lecker.

Als ich danach die Blumen gießen ging, wurde gerade der Müll abgeholt. Das erleichterte mich sehr. Es gab letzte Woche Streiks an der Müllkippe, denn die ist voll, aber irgendwie passiert nichts, das die Lage verbessern könnte. Kein Wunder, dass die Leute, die dort wohnen, keinen Bock mehr haben. Leider finde ich es unglaublich schwierig, unsere Müllproduktion zu reduzieren. Beim Einkaufen verzichten wir schon auf Plastetüten, aber gerade beim Lebensmitteleinkauf ist alles verpackt, denn es gibt kaum Unverpacktläden. Und sowas wie Haferflocken oder Nudeln sind lose nicht zu bekommen. Es ist kompliziert.

Später half der Mann mir, die Nähmaschine zu ölen. Und siehe da, das Handrad ließ sich ganz leicht drehen. Dann beschäftigte die richtige Fadeneinfädelung uns noch eine Weile. Als endlich alles da war, wo es hingehörte, holte ich einen Stoffrest, nähte fröhlich auf und ab und probierte die verschiedenen Stiche aus, davon hat die Maschine nämlich so einige auf Lager. Ich trennte noch einen löchrigen Kissenbezug auf, aus dem ich morgen eine andere Art Gesichtsmaske nähen will, dann war es Zeit, das Haus nachtfein zu machen und dabei den Harry-Potter-Podcast zu hören. Immer noch große Liebe dafür!

13. April 2020 – Ich hab jetzt eine Nähmaschine <3

Aus lebhaften Träumen heraus aufgewacht. Momentan träume ich noch realistischer als sonst, keine Ahnung warum. In diesem Traum kam ein Antiquitätenladen namens „I killed the plätzle“ vor. Was würde Freud dazu sagen?

Aufgestanden und angezogen, dann klopfte es an der Tür. Eine Freundin war gekommen, um mir eine Nähmaschine auszuleihen, die wiederum eine andere Freundin bei ihr untergestellt hatte, bevor sie zurück nach Europa zog. Da sie wahrscheinlich nicht wiederkommen wird, handelt es sich um eine Dauerleihgabe. Wir redeten kurz mit Sicherheitsabstand, das war schön.

Dann Frühstück, Porridge mit Himbeermarmelade war super, nur die schlechte Eierqualität zog die Laune des Mannes in Mitleidenschaft.

Computerzeit mit Nina. Ich zeigte ihr auf meinem zweiten Bildschirm ein Eichhörnchenvideo, damit sie nicht ständig auf der Tastatur herumtapste. Das klappte so lange, bis ich den Bildschirm brauchte.

Alles geschafft, was ich schaffen wollte, trotz schlechter Internetverbindung.

Zum Abendbrot gab es Reste der letzten Tage. Kartoffeln, Reis, Gemüsepfanne, Spaghetti und Tomatensoße. Und sehr guten Kuchen von der Schwiegermutter.

Nach dem Essen ging ich in die Küche, um neue Brause zu fabrizieren, wieder Limette und Palmzucker. Danach nahm ich mir die Nähmaschine vor. Leider ist das Handrad verklemmt, ich werde sie morgen gründlich putzen und ölen müssen. Falls das nichts hilft, bringen wir sie zur Reparatur. Aber wie das Einfädeln geht, hab ich schon herausgefunden.

12. April 2020 – Spaziergang, Kochen und Familienkonferenz

Morgens von einem sehr hungrigen Manfred geweckt worden, das passiert immer, wenn er am Vorabend Vitaminpaste bekommen hat. Nochmal hingelegt und bis neun geschlafen, ist ja Wochenende.

Zum Frühstück kochte ich Porridge, der Mann übernahm die Spiegeleibratung. Nach dem Essen ging er am Vergaser seines Motorrads basteln, ich saß herum und versuchte, mich an die vielen Sachen zu erinnern, die ich eigentlich heute erledigen wollte. Mir fiel nur „Fußabtreter waschen“ ein und das war innerhalb von fünf Minuten erledigt. Also trank ich in Ruhe meinen Kaffee, bloggte ein bisschen und sortierte in meinem Zimmer herum, dann war es auch schon Zeit zu kochen. Ich hatte mir eine Gemüsepfanne gewünscht, wie sie der Mann häufig kocht. Dazu hatte ich gestern bereits Pak Choi und Lauchzwiebeln vorbereitet und getrocknete Pilze eingeweicht. Jetzt schnippelte ich alles klein, dann zeigte der Mann mir die richtige Zusammenstellung der Gewürze. Mal gucken, ob ich noch alles zusammenkriege:

  • vier Prisen Salz
  • Pfeffer (ca. ein Drittel der Salzmenge)
  • 1 TL salzige Sojasoße
  • ein ordentlicher Klecks Kecap Manis
  • ordentlich Knoblauchpulver (in Ermangelung frischen Knoblauchs)
  • 1 TL Kochwein (habe den Namen grad nicht im Kopf)

Keine Ahnung, ob das so stimmt, muss nachher den Experten fragen. Außerdem mischten wir etwas Maisstärke in Wasser, die macht hinterher das Gemüse schön glänzend und dickt die Soße an. Und ein paar Spritzer Sesamöl kamen auch noch dran. Das Ergebnis war lecker, vor allem zu Salzkartoffeln und rotem Reis.

Beim Kochen hatten wir die Katzen eingesperrt und alle Türen geöffnet, weils so heiß war. Beide schliefen, bis plötzlich hinter uns ein Brummen ertönte: ein weiß-oranger Kater hatte sich ins Haus geschlichen und Nina protestierte.

Ich hatte den Wunsch nach mehr Bewegung geäußert, darum fuhren wir zu einer nahen Kirche, die auf einem kleinen Berg liegt. Dort ist nicht viel los, weil alle Gottesdienste momentan im Livestream stattfinden, und es geht ordentlich bergauf. Wir liefen ein paar Runden, dann fuhren wir wieder nach Hause. Dort kamen wir pünktlich zum Familiengruppenvideotelefonat mit meinen Eltern und meinem Bruder an. Das war ziemlich lustig, weil wir erstmal herausfinden mussten, wer wann reden darf und weil Nina zwischendurch dauernd auf den Tisch hopste und ihren wirklich sehr flauschigen Hintern in die Kamera hielt.

Das war schön.

Abends abgewaschen, ein bisschen gestrickt und ein bisschen matt herumgesessen, bis es Zeit fürs Bett war.

11. April 2020 – Was ich immer zu erzählen vergesse

Davon aufgewacht, wie sich Manfred auf meinem Bauch niederließ. Später schlief er dann auf Ninas Decke, die zwischen unseren Kopfkissen liegt (und eventuelle Unfälle des leider manchmal undichten Tiers auffangen soll).

Futter gereicht, Zähne geputzt, das Übliche halt. Dann Frühstück mit leckerer pisang raja im Porridge.

Terrasse gefegt, Wäsche abgenommen, was eins halt so macht. Ein bisschen vor mich hin prokrastiniert, bis ich mich überwinden konnte zu tun, was ich schon lange erledigen wollte: den Ordner mit den wichtigen Papieren aufräumen. Denn in einem Monat steht die Umwandlung meines befristeten in den permanenten Aufenthaltsstatus an und dafür braucht es jede Menge Papierkram. Und so saß ich schon bald auf dem Boden, umringt von Papierstapeln, sortierte Kopien von abgelaufenen Visa aus und ordnete alles neu. Dann ging ich die Liste der benötigten Unterlagen durch, die wir schon im Januar (?) vom Kantor Imigrasi abgeholt hatten, suchte sie zusammen und schrieb gleichzeitig auf, welche Kopien noch fehlen. Ich war guter Dinge, beinah alle Papiere hatte ich schon da – dann las ich die Liste noch einmal durch und entdeckte den letzten Satz: Alle Unterlagen sind in dreifacher Ausführung einzureichen. Und jetzt müssen wir doch jede Menge Kram kopieren. Aber wer weiß, ob die Einwanderungsbehörde in einem Monat schon wieder geöffnet hat, da werden momentan nämlich nur Notfälle bearbeitet. Falls mein Status vorher abläuft, kriege ich aber automatisch ein kostenloses Not-Visum und kann die Änderung meiner Genehmigung dann später beantragen.

Zum Abendbrot gabs Spaghetti und vegetarische Bolognese mit jeder Menge Käse und dazu Limonenbrause. Letztere hat dank Palmzucker ein tolles Karamelaroma und auch der Sprudel ist irgendwie stärker. Wird wiederholt.

Abendgestaltung wie immer: Abwaschen, stricken, Podcast. Weil es auch um elf Uhr abends noch heiß im Haus war, sperrte ich die Katzen ein und öffnete alle Türen und Fenster weit. Nina protestierte, darum durfte sie Eichhörnchenvideos auf meinem Telefon angucken.

Beim Zähneputzen fiel mir ein, dass ich beim Bloggen häufig eigentlich wichtige Ereignisse vergesse. Zum Beispiel ist vor zwei Tagen Merapi mal wieder ausgebrochen, aber das war jetzt schon das 13. Mal seit September 2019 und ist irgendwie längst nicht so schlimm, wie es die europäischen Medien darstellen. Es gibt halt eine spektakuläre Aschesäule und etwas Ascheregen meistens westlich vom Vulkan (wir wohnen im Süden). Ohne die Nachrichten würden wir davon nichts mitkriegen.

C-Wort-mäßig ist die Lage unverändert, obwohl es sich so anfühlt, als ob wieder mehr Leute rausgehen würden. Viele haben natürlich auch keine andere Wahl, denn von zu Hause arbeiten können, ist ein Privileg, das beispielsweise ein Motorradtaxifahrer oder eine Shopbesitzerin nicht haben. Ich überlege momentan, wie ich helfen kann. Mittlerweile gibt es nämlich schon einige Organisationen, die Grundnahrungsmittel oder fertig gekochtes Essen verteilen.

10. April 2020 – Ist Srikayabrause eine gute Idee? Teil 2

Um acht verschwitzt aufgewacht und wach geblieben, es war einfach zu warm. Überhaupt glich das Wetter heute einer Sauna: Die Sonne schien, dann regnete es ein bisschen, dann schien die Sonne wieder. Der Boden wurde zum Saunaofen, der Regen zum Aufguss. Puh.

Gleich nach dem Aufstehen testete ich die Brause und wurde nicht enttäuscht. Beim Öffnen schäumte sie wie geschüttelte Club Mate. Ich stellte die Flasche in den Kühlschrank und inokulierte gleich noch die nächste Fuhre Limonenlimonade, die dank Palmzucker die Farbe von Cola hat.

Ansonsten war alles wie immer: Frühstück, Kaffee, Schreibtisch. Ich schaffte einiges und sogar noch ein bisschen Buchhaltung.

Zum Abendbrot gab es Mie goreng, dazu tranken wir die nun kalte Brause. Sie schmeckte ein bisschen wie sehr junger Tuak, da war wohl die Gärung etwas zu stark. Ich überlege schon, einen neuen Starter anzusetzen, vielleicht ist der alte ein bisschen aus dem Gleichgewicht geraten. Aber schlecht wars nicht.

Nach dem Essen probierte ich einen weiteren Workaround, um endlich das E-Book, das ich lesen will, auf den Tolino zu zaubern. Es klappte nicht. Jetzt habe ich echt alles probiert, es ist sehr frustrierend.

Abwasch, dann stricken, beides begleitet von Harry Potter and the Sacred Text. Ich liebe diesen Podcast mit jeder Folge mehr. Socke Nr. 2 wurde fertig, ich schloss die Spitze mit dem kitchener stitch und machte mich dann trotz fortgeschrittener Stunde daran, Socke Nr. 1 zur Hälfte aufzuribbeln, weil das Fersenmuster ungleich ist. Dazu fädelte ich an der entsprechenden Stelle Zahnseide als Maschensicherung ein, das war ein Tipp, den ich mal auf irgendeinem Strickblog gelesen habe. Wahrscheinlich muss ich noch ein oder zwei Runden rückwärts stricken, weil vor allem die Sicherung der linken Maschen nicht sooo gut gelungen ist, aber das wird schon. Und ich freue mich schon darauf, die hübsche Ferse noch einmal zu stricken, jetzt, wo ich raushabe, wie das Muster funktioniert.

Dann fegen, Bett ausklopfen, duschen, Schlaf.