Steffi

24. Dezember 2019 – Heiligabend

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Der Tag begann wie auch die letzten beiden heiligen Abende mit einer umfangreichen To-Do-Liste. Zuerst fuhren wir zur Schwiegermutti, weil um zehn Uhr eine Tierärztin deren hustende Katze begutachten sollte. Auf dem Weg kauften wir Nasi kuning zum Frühstück. Der Tierärztinnenbesuch verschob sich um zwei Stunden, also fuhren wir wieder heim, um Kaffee zu trinken. Nachdem der Mann erneut aufgebrochen war, machte ich mich daran, die folgenden Punkte abzuarbeiten:

  • Katzenklos und die Plastikschalen darunter sauber machen (Manfred zielt äußerst schlecht)
  • Schlüpper waschen
  • Haus fegen
  • Fahrräder entspinnweben
  • Vorgarten roden
  • Bak mandi putzen

Es war sehr heiß, darum legt ich viele Trinkpausen vorm Ventilator ein. Die Gartenarbeit verschob ich auf den späten Nachmittag. Mit Soto gestärkt machte ich mich daran, das Vorgartenbäumchen von der alles plattmachenden Winde zu befreien. Dabei litt es leider sehr. Überraschend fand ich mitten im Windendickicht eine bereits blühende Clitoria terneata (ja, die heißt wirklich so). Die rettete ich und pflanzte sie vorübergehend in den Srikaya-Topf. Gemeinsam mit dem Mann kämpfte ich beinah eine Stunde gegen das Unkraut. Darunter fanden wir jede Menge Müll, dessen sich die Nachbar*innen aus ihrer Seitentür heraus entledigt hatten. Da sie über die Feiertage nicht zu Hause sind, habe ich ihre Terrasse damit dekoriert, sorrynotsorry. Danach waren wir schweißgebadet und es wurde Zeit, unter die Dusche zu gehen und sich kirchenfein zu machen. Hier wird sich für den Gottesdienst generell und insbesondere an Feiertagen aufgebrezelt. Ich weiß noch, wie erstaunt der Mann war, dass er in Deutschland einfach im T-Shirt in den Dom gehen darf. Die Kirche liegt auf der Spitze eines mittelhohen Hügels, das Moped hatte ganz schön zu kämpfen. Wie immer wurde der Gottesdienst von Polizei und Mitgliedern der umliegenden islamischen Gemeinden bewacht. Dass dies notwendig ist, fühlt sich merkwürdig an.
Hinterher fuhren wir zu Tante und Cousin des Mannes, dort gab es allerhand zu essen: Reis natürlich, dazu Gemüse, Fuyung Hai, Kidneybohnensuppe und das einzige Sambal, das ich gerne esse: mit Pete (Stinkbohnen) drin. Oh, ich mag Pete so gern!
Für mich war der Abend etwas getrübt, weil die Tante (oder ihre Haushälterin, ich weiß es nicht genau) Katzen angebunden im Käfig hält und ihr scheinbar vollkommen egal ist, wenn diese sich munter vermehren. Mal abgesehen davon, dass ihnen so eingesperrt kaum eine Wahl bleibt. Unsere Hinweise, die Tiere doch sterilisieren zu lassen (was nicht teuer ist, es gibt NGOs, bei denen das sogar umsonst anbieten), wurden abgetan. Seitdem grübele ich, wie wir konstruktiv helfen können, ohne den Familienfrieden zu zerstören.
Gegen Mitternacht kamen wir nach Hause. Die Miezchen warteten schon und schon bald lag ich gemütlich mit Nina und lesend im Bett, während es draußen zu donnern begann.

Gelesen | Das Paradies der Damen, im Gottesdienstliederheftchen (ich verstehe immer mehr, yeah!)
Gehört | Chorgesang, ansonsten keine Musik, weil der Rechner heute Pause hatte.
Gesehen | Das Wichtigste an Weihnachten (der Dachs <3)

23. Dezember 2019 – Regen am Morgen

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Morgens vom Rauschen des Regens aufgewacht. Das war sehr gemütlich, vor allem, weil Nina sofort kuscheln kam und sich schnurrend in unserer Mitte niederließ.

Frühstück wie immer, dann Lohnarbeit. Trotz Kopfschmerzen viel geschafft. Die Temperatur war angenehm und nicht zu heiß, aber ich saß trotzdem mit freiem Bauch da. Manfred kam ab und zu vorbei, um ein bisschen den Mauszeiger zu beobachten. Er wird schwerer und irgendwie muskulöser, ob es an der abendlichen Spielrunde liegt?

Zum Abendessen hatte der Mann Soto gekocht, ich quetschte zwei vom Nudelessen neulich übrig gebliebene Jeruk* aus und mischte den Saft mit kaltem Wasser für Es Jeruk. Das Süppchen war mit rotem Reis und bei kaltem Wetter besonders lecker. Nach dem Essen werkelte ich noch ein bisschen und machte dann Yoga, diesmal mit viel Dehnung für Hüfte und Oberschenkel. Der Abend klang für mich lesend mit Katzengesellschaft aus.

*Jeruk heißt einfach Zitrusfrucht, ich weiß nicht genau, um welche Art es sich hier handelte. Es war jeden falls weder jeruk bali (Pomelo) noch jeruk nipis (Limone).

Gelesen | Paradies der Damen (es ist so gut, wie ich es in Erinnerung habe) und viel im Duden 9.

Gehört | Abendliches Froschkonzert und den Soundtrack von Game of Thrones rauf und runter.

22. Dezember 2019 – Käsekuchen anders als gedacht

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Sonntag wird ausgeschlafen, auch wenn eins eine Deadline hat. Ich stand so gegen neun auf, der Mann allerdings war erst mithilfe der verschmusten und dabei laut miauenden Ninamiez wachzukriegen. Sie wird wohl wirklich wieder rollig. Das wäre dann das dritte Mal seit August und damit wird es definitiv Zeit für die nächste Spritze. Für sie ist das ja auch kein Spaß.

Aber erst mal machte ich Frühstück, der Mann fuhr noch fix Eier kaufen und einen Kuchen von seiner Mama abholen. Das war ein Käsekuchen, aber nicht so, wie ihr jetzt vielleicht denkt. Nein, er sah aus wie ein Rührkuchen, aber es waren kleine Käsewürfel* drin verbacken. Voll gut irgendwie.

Für mich wurde es Zeit, ein bisschen am Computer zu arbeiten. Die aktuelle Arbeit ist weniger umfangreich und ich hoffe, damit noch vor Heiligabend fertig zu werden. In Weihnachtsstimmung bin ich übrigens kein bisschen und mir ist auch nicht nach Weihnachtslieder singen oder so. Klar, meine Timeline besteht nur noch aus Plätzchen backen und geschmückten Tannenbäumen und wäre ich in Deutschland, dann würde es mir auch anders gehen. Ich hatte auch keine Lust, zu dekorieren. Da würde eh nach einem Tag schon Geckokacke drankleben. Ein kleines bisschen heimwehmütig ist mir schon. Andererseits mag ich, dass hier Weihnachten so herrlich unaufgeregt ist. Wir werden zum Gottesdienst gehen und mit der Schwiegerfamilie essen.

Zurück zum Sonntag. Ich lektorierte vor mich hin, bis es wieder Zeit zum Essen wurde. Der Mann hatte Kartoffeln gekocht und Gudeg gekauft, das war ein interessanter Mix. Danach ließ ich die Arbeit sein, yogte eine halbe Stunde lang und ging dann duschen. Es hatte zwischendurch mal kurz geregnet und die Luft draußen war herrlich kühl, also rissen wir Türen und Fenster auf, um sie hereinzulassen. Anschließend war ich schon müde, aber Manfred forderte Spielzeit ein. Die geht so: Ich kullere seinen Ball durchs Haus und er rennt wie wild daran vorbei und hechtet auf den Kühlschrank. Das machen wir zwanzig Minuten lang, dann ist er platt. Eigentlich bräuchte er nicht den Ball, sondern ein Laufband.

*Was hier als Käse verkauft wird, ist ein würfelförmiges, nicht schmelzendes Produkt, das neben Käse auch diverse andere Zutaten enthält. Definitiv kein Clean Eating und nur müder Ersatz fürs Original, aber besser als nüscht.

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Gelesen | Die ersten zwei Seiten von Emile Zolas Paradies der Damen (spontan im Bett im Reader der Onleihe-App).
Gehört | Zum ersten Mal seit langem wieder Pascow mit diesem Song:

21. Dezember 2019 – Falsches Gewitterversprechen

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Am Samstagmorgen erwachte ich trotz frisch geöltem Ventilator verschwitzt, es war heiß und schwül. Außerdem waren die Bananen alle, also stand vor dem Frühstück eine kleine Ausfahrt an, die uns erst zum Geldautomaten und dann zum Bananenladen führte. In dem Warung war der Mann bisher nur allein gewesen. Die Besitzerin schaute mich ziemlich skeptisch an, als ich mit einem „tanpa plastik“ ihre Rascheltüte ablehnte und einen Stoffbeutel hervorholte.

Die Bananen waren jedenfalls gut und auch keine Kerne drin. Nachdem ich inzwischen drei Pflänzchen und etwa zwanzig Reserverkerne habe, reicht das fürs erste. Vielleicht nehme ich die Samen im Sommer mit nach Deutschland und finde heraus, ob die dort auch so gut keimen. Wir speisten, tranken Kaffee und schauten dazu eine Folge Pretty Little Liars. Mittlerweile sind wir bei der dritten Staffel angekommen und es wird langsam immer schlechter. Dafür feiere ich diese Zusammenfassungen sehr ab.

Dann war Arbeit angesagt. Ich lektorierte fröhlich vor mich hin, es war heiß, der Ventilator lief. Dann wurde es immer düsterer draußen und windig auch, das lose Dach der Nachbarn klapperte ziemlich. Donner grummelte. Alles in allem die spektakuläre Ankündigung eines ordentlichen Gewitters. Ich freute mich schon auf die Abkühlung, als die ersten Tropfen fielen. Die gleichzeitig die letzten waren. Die Wolken zogen von dannen, nix mit Regen. Das war ziemlich enttäuschend.

Später ging ich Blumen gießen, den Strunk einer neulich verputzten Ananas einpflanzen und die größte Banane umtopfen. Als ich mich nach dem Abendbrot (Magelangan mit Capcay) wieder bewegen konnte, machte ich eine halbe Stunde lang Yoga. Das tut jedesmal so unglaublich gut. Diesmal riss mich Nina aus dem Flow, weil sie vor der Tür unseres Kabuffs laut miaute und offensichtlich hineingelassen werden wollte. Vielleicht hatte sie ja eine Maus gehört. Als ich später mit der Taschenlampe nachschaute, war nichts auffälliges zu sehen. Naja, ich befürchte, sie nähert sich einer erneuten Rolligkeit, sie ist schon seit Tagen sehr anhänglich, schläft neben mir im Bett, verkloppt allerdings Manfred, sobald er sie nur schief anguckt. Wir werden sehen. Der Mann war aushäusig unterwegs, aber ich schaffte es trotzdem nicht vor Mitternacht ins Bett. Aber dafür lag dann Nina neben mir und guckte friedlich ihr Lieblingsvideo (Vorsicht beim Angucken, falls Katzen in der Nähe sind!):

Okay, und dann wollte ich ja noch Bilder nachreichen. Bitte schön:

Das sind Cashewäpfel. Unten das Anhängsel ist die eigentliche Frucht, da sitzt der Kern drin. Übrigens sollte eins diese Hülle nicht einfach so knacken, weil der Kern von einer giftigen Flüssigkeit umgeben ist, die schlimme Sachen mit der Haut anstellen kann. Beim Rösten gehen die Wirkstoffe kaputt. Und zum Einpflanzen ist kein Knacken notwendig. Das paprikaförmige Gebilde ist aus botanischer Sicht der Stiel und essbar. Ich habe es probiert und es schmeckt ein bisschen wie Apfel oder Mango, hat aber einen stark adstringierenden Effekt. Trotzdem lecker.

Und das, was wie drei kleine Tomaten aussieht, sind Surinamkirschen. Sie wachsen an einem Strauch, sind lecker sauer und haben viel Vitamin C. Angeblich soll es ganz leicht sein, sie anzubauen, aber ich habe alle drei Samen eingepflanzt und bisher ist noch niemand gekeimt. Das war übrigens sehr überraschend, ich habe irgendwie mit vielen kleinen Samen wie bei einem Nachtschattengewächs gerechnet (die Früchte hab ich von meiner Schwiegermutti bekommen. Sie wusste, dass sie essbar sind, aber nicht, wie sie heißen) und dann war da ein fetter Kern drin.

09. bis 20. Dezember 2019 – Riesenkorrektur, Gelato, komisches Obst

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Kaum bekam ich meinen ersten Korrektoratsauftrag in Form einer ganzen Bachelorarbeit mit dreizehntausend Wörtern, war es mit dem täglichen Bloggen aus und vorbei. Sorry. Ich hatte eine Woche Zeit und konnte die Deadline nur mit Mühe einhalten, weil es einfach so viel zu tun gab. Inzwischen arbeite ich an einer weiteren Bestellung und bin schon ein ganz klein wenig routinierter geworden. Es wird. Jetzt muss ich nur noch aufpassen, mir nicht meine anderen Aufträge zu torpedieren. Diese Balance mehrerer Projekte ist echt tricky.

Nach einer Woche Dauerschreibtisch brauchte ich eine Pause und zwar am Dienstag. Der Mann und ich trafen uns mit einer Freundin und ihrem Sohn im besten Eisladen der Stadt. Auf dem Weg dorthin kamen wir zum ersten Mal für diese Regenzeit so richtig in den Regen und waren trotz Gummisachen ziemlich durchnässt. Das waren zwar nicht die optimalsten Voraussetzungen fürs Eisessen, aber egal. Zur Auswahl standen ungefähr drölfhundert Sorten. Es gab ganz traditionell SchokoVanilleErdbeer, aber auch Koriander, Schokolade mit Scharf oder Pfefferminzbonbon. Ich hatte Matcha und Maracuja und es war wirklich wirklich gut. Leider sind die Preise recht gehoben, aber wir waren sicher nicht zum letzten Mal da.

Außer Eis aß ich in den letzten Tagen noch weitere exotische Dinge: Surinamkirsche und Cashewapfel. Das ist aus botanischer Sicht der Stiel der eigentlichen Frucht, in der sich die allseits bekannte Cashewnuss befindet. Es handelt sich um eine Scheinfrucht, die auf indonesisch den herrlichen Namen jambu monyet, Affenguave, trägt. Alle Samen wurden natürlich umgehend eingepflanzt, bisher wächst aber noch nichts.

An dieser Stelle wäre es schön, einige Fotos zu zeigen, aber ich mag nicht mehr und bin müde. Wird nachgeholt, versprochen!

PS: Was denn eigentlich der Manfred macht? Dem gehts hervorragend, vor allem, wenn er vom Post-Poop-Energieschub getrieben durchs Haus schießt.

07./08. Dezember 2019 – Jahrestagspizza und Insektenflut

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Am Samstag jährte sich zum sechsten Mal jener Tag am Strand, als der Mann und ich uns gegenseitig unsere Gefühle füreinander gestanden. Das feierten wir mit der besten Pizza der Stadt im Restaurant Nanamia. Aber das war erst abends dran. Eigentlich war Samstag mein freier Tag, aber am 7. schicke ich immer meine Rechnungen raus und wollte vorher noch fix ein, zwei Kleinigkeiten erledigen. Das zog sich dann doch bis zum Nachmittag (ok, wir hatten spät gefrühstückt), also fuhr der Mann sein Motorrad im Bengkel besuchen.

Am frühen Abend wurde es immer bewölkter. Zum Glück hatten wir noch ein paar Snackies verspeist, denn gegen 18 Uhr begann der Regen – und da wollten wir eigentlich losfahren. Der Strom fiel dann auch noch aus und es war ein richtig heftiges Gewitter. Da saßen wir also, hungrig und schick angezogen und warteten. Die Katzen wussten vor lauter Angst nicht, wohin mit sich, Manfred saß irgendwann auf meinem Fuß. Nach einer guten Stunde war der Spuk vorbei, andernfalls hätten wir wohl ein GrabCar bestellt.

Samstags gehen hier die Pärchen aus und die Straßen und Restaurants sind entsprechend voll. Dank Regen war es aber nicht nur angenehm kühl, sondern auch leer. Im Nanamia waren vielleicht die Hälfte der Tische besetzt. Seit unserem letzten Besuch dort gab es eine überarbeitete Speisekarte mit etlichen neuen Gerichten. Ich bestellte Pizza mit Rucola und Parmesan, der Mann hatte Rind, Salami, Paprika und Pilze. Zum Nachtisch teilten wir uns ein Tiramisu. Das Restaurant arbeitet sehr am Plastikverzicht: Es gibt keine Strohhalme mehr (eine Zeitlang hatten sie welche aus Bioplastik) und die Glasuntersetzer sind aus Stoff. Ich habe eh immer ein kleines Beutelchen mit Edelstahl-Trinkhalmen dabei, konnte meinen Mango Lassi also stilecht wegnuckeln. Beim Tischabräumen muss ich nur aufpassen, den Strohhalm wieder einzupacken. Den kann eins übrigens einfach sauberlecken oder kurz kurz im Bad unter den Wasserhahn halten. Gesättigt und müde kamen wir wieder zu Hause an.

Da ich Samstag dann doch gearbeitet hatte, war eben Sonntag auch noch frei. Mittags regnete es schon wieder. Drei Tage Regen hintereinander, das ist jetzt wirklich die Regenzeit. Als die Wolken sich verzogen hatten, fuhren wir einkaufen und kehrten mit Kartoffeln, Tomaten und Pilzen beladen zurück, um einen Kartoffelauflauf zu kochen. Ich wusch und schnippelte, der Mann fabrizierte Bechamel- und Tomatensauce und baute den Auflauf zusammen. Ein Rest roter Reis war auch noch drin. Und es war ein wirklich phänomenales Mahl. Während wir noch aßen, kamen die ersten Laron ins Haus geflattert. Das sind geflügelte Termiten auf Hochzeitsflug. Deren Erscheinung ist ein weiterer Hinweis auf den Wechsel der Jahreszeit. Manfred liebt die Dinger sehr, er hüpfte ihnen in den ulkigsten Sprüngen hinterher und verspeiste sie alle.

Außerdem dachte ich endlich mal wieder daran, meine Pflanzen zu düngen, von denen etliche schon etwas gelb und nach Mangelernährung aussahen. Das kühle Wetter war eh ein super Zeitpunkt dafür, dann trocknen die Töpfe nicht so schnell aus. Die Bananen wachsen übrigens prächtig, sehen momentan wie kleine Maiglöckchen aus und fühlen sich auch so an. Sehr interessant.

Abends fuhren wir zur Schwiegermutti, wir hatten ihr nämlich einen separaten kleinen Auflauf gemacht. Auf dem Weg dorthin durchquerten wir eine wahre Laron-Wolke. Und es wurde noch schlimmer, als wir einen Abstecher zum Bengkel machten. Dort wimmelte es nur so vor Larons und geflügelten Ameisen mit gleicher Mission. Eine Lampe war komplett schwarz vor Insektenkörpern, überall krauchte und wuselte es. Mich juckts jetzt noch.

Wieder zu Hause angekommen, strickte ich ein bisschen (die Socken müssen in zehn Tagen fertig sein!) und ging dann zeitig schlafen.

06. Dezember 2019 – Erfrischung

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Der Tag begann mit drückender Hitze. Mittags hatten wir schon 35 °C. Die Katzen lagen ermattet in den dunkelsten und leider auch dreckigsten Winkeln. Des Mannes Vaporizer überhitzte, ich hing schwitzend vorm Rechner, ein nasses Tuch überm Kopf. Und wir warteten, warteten auf die im Wetterbericht angekündigte Abkühlung. Zunächst sah nichts nach Regen aus. Kaum Wolken am blauen Himmel, die Sonne brannte. Dann. Im Norden zog es sich langsam zu. Wurde immer dunkler. Ich applaudierte dem ersten Donner. Gegen 15 Uhr ging es dann los, erst nur zaghaft, aber dann rauschte ein Tropenregen, der seinem Namen alle Ehre machte, vom Himmel. Innerhalb kürzester Zeit sank die Temperatur auf 30 °C, wir atmeten auf. Den Rest des Tages regnete es immer wieder, ich hatte kalte Füße, die Katzen waren glücklich. Das war echt das Ereignis, so darf es jetzt bitte gerne weitergehen, dankesehr. Egal, ob ich in zwei Wochen meckere, weil es dauernd regnet oder mir wieder mal mein Pass verschimmelt ist oder es in der Küche tröpfelt oder das Unkraut im Garten exxplodiert, das ist nun mal der Preis. Das gehört dazu.

05. Dezember 2019 #WMDEDGT

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Es ist der Fünfte und damit wieder Zeit zum Tagebuchbloggen. Was es damit auf sich hat und was andere Leute heute so erlebt haben, kann bei Frau Brüllen nachgelesen werden. Da ich das ja eh jeden Tag mache, habe ich den heutigen Tag mal etwas anders dokumentiert.

5:40 Uhr – Erstes Mal aufgewacht, Temperatur gecheckt (aha, 36,90 °C, heute kann das Tässchen noch im Schrank bleiben (Spoiler: konnte es nicht), aufs Klo gegangen.

6:57 Uhr – Manfred weckt mich mit trampelnden Pfötchen und versucht, mich aus dem Bett zu schubsen. Das ist sehr niedlich und tut auch nicht mehr weh, seit wir ihm die Maniküre verpasst haben.

7:10 Uhr – Genug der Katermassage. Ich stehe auf, reiche Katzenfutter und gehe ins Bad.

7:20 Uhr – Meditation umringt von Katzen. Als ich die Augen nach einer Viertelstunde wieder öffne, sind die Flauschis verschwunden.

7:40 Uhr – Ich mache den Laptop an. Erst bloggen, dann arbeiten.

8:59 Uhr – Ein Rumms aus der Küche: Die Katzen jagen eine Spinne, die schwer angeschlagen über den Boden taumelt. Ich fege sie unter der Tür durch ins Freie, vielleicht schafft sie es ja.

9:30 Uhr – Ich klappe den Rechner zu, mehr schaffe ich ohne Kaffee nicht. Der Kater tobt wild durchs Haus und jagt seinen Ball, Nina guckt ihm skeptisch zu.

9:45 Uhr – Katzenklos saubermachen, Müll rausbringen. Juhu, die Bananenpflänzchen sind noch da, Nummer Zwei hat größenmäßig ordentlich aufgeholt. Weil ich eine ungeduldige Gärtnerin bin, pule ich im Tray und entdecke einen weiteren Keimling. Schnell wieder Erde drauf.

9:55 Uhr – Frühstück machen und essen, dann ab an den Schreibtisch.

13:40 Uhr – Ein erneuter Rumms aus der Küche reisst mich aus dem Flow, in den ich nach langem Ringen mit der Müdigkeit finden konnte. Ich schaue nach. Der Grund sind zwei kämpfende Geckos, die ineinander verbissen vom Dach gefallen sind. Als ich ein Foto machen will, huschen sie zirpend davon.

2:39 Uhr – Es ist so verdammt heiß. Kein Wunder, es sind 35 °C im Haus. Die Katzen schlafen in den kühlsten Winkeln und ich google, ob es Sinn macht, ihnen die Bäuche zu scheren. Denn: nasse Handtücher als Schlafplatz und Eiswürfel zum Spielen verschmähen sie.

16:55 Uhr – Der Mann hat gekocht und alle Türen geöffnet, damit die Hitze des Herdes ihn nicht völlig umhaut. Als ich ihm bei den letzten Vorbereitungen fürs Essen helfe, sitzt der Einbrecherkater hechelnd in der Tür. Ich reiche Wasser. Manfred späht böse aus seinem Käfig hervor.

17:12 Uhr – Wir essen, als aus der Küche Geschrei ertönt. Der Einbrecherkater steht mit flaschenbürstengesträubtem Fell vor Nina, die ihn entsetzt anfaucht. Ich setze ihn an die frische Luft und mache vorsichtshalber die Küchentür zu.

18:00 Uhr – Ich gehe die Blumen gießen und mache das tägliche Bananenfoto. Das ist gar nicht so leicht, weil die Blattspitzen beinah durchsichtig sind. Verzeiht bitte die Unschärfe:

20:00 Uhr – Genug für heute. Eigentlich ist noch viel zu tun, aber ich fühle mich ausgelaugt und kaputt. So viel Egoismus muss sein. Ich mache den Abwasch und gucke dabei Youtube-Videos, dann lese ich in Harry Potter und schreibe nebenbei alle Wörter auf, die ich noch nicht kenne. Dann kann ich sie später in meine Karteikartenapp eintragen und lernen.

22:00 Uhr – Endlich ist es draußen kühl und ich lüfte das Haus durch. Dann fege ich den Fußboden, klopfe den Staub vom Bett, mache die Katzenklos sauber und gehe duschen. Das Wasser aus dem bak mandi, dem Becken mit dem frischen Wasser im Bad, ist einfach nicht kalt genug. Weil an den Wänden schon wieder Algen wachsen (das geht dank Hitze und Sonnenlicht im Bad ruckzuck), dusche ich das Becken leer, schrubbe es und fülle neues Wasser nach. Das ist immer ein Nervenkitzel so spät am Abend, weil das Wasser direkt aus dem Brunnen gepumpt wird. Abends fällt aber gerne mal der Strom aus und in dem Fall hätten wir auch kein Wasser. Doch es geht alles gut und das saubere Wasser ist herrlich kühl.

23:30 Uhr – Endlich sind meine Haare halbwegs trocken, die Katzen müde gespielt und ich gehe schlafen. Der Mann ist noch aushäusig und wird es spät heimkommen.

04. Dezember 2019 – Heiß, heißer, am heißesten

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Ein komischer Tag. Morgens nicht meditiert (warum eigentlich?) und prompt den ganzen Tag Konzentrationsprobleme gehabt. Wobei da sicher die krasse Hitze auch ihre Finger im Spiel hatte. Aber der Reihe nach:

Mit dem Wecker aufgestanden, gebloggt, versucht zu arbeiten, aufgegeben, Frühstück gemacht. Trotz exakt gleicher Zutatenmengen (550 ml Wasser , zwölf Löffel Haferflocken) kam irgendwie eine kleinere Oatmealportion als sonst heraus. Ich schobs auf die komischen Bananen, denn deren Einfluss ist unberechenbar. Außerdem hatte der Mann beim Eierbraten nicht gemerkt, dass Ameisen in der Nähe waren (an der Ölflasche, dem Pfannenwander oder wasweißich) und ich beim Frühstück erst mal jede Menge Insekten aus meinem Essen pulen musste.

Das Schreiben lief heute so gar nicht. Ich fiel in alte Prokrastinationsmuster, klickte müde durchs Internet und fühlte mich trotz Ventilator als säße ich in einem Backofen. Dazu die altbekannte negative Gedankenspirale, PMDD, hau ab, du bist noch nicht dran!

Der Mann kam heim und brachte Gudeg mit. Das ist immer sehr lecker, aber irgendwie war heute eiertechnisch nicht ein Tag. Zum Gudeg gehört ein hartgekochtes Ei und meins war leider sehr eindeutig schlecht. Zum Glück hatte ich vorher misstrauisch dran gerochen, denn das im Bungkus des Mannes hatte schon einen leicht funky Nachgeschmack.

Was schön war heute: ein kuschliger Schreibtischkater, leckere Bakpia, das erste Srikayabäumchen ist endlich aufgestanden, Nachricht von einer lieben Freundin bekommen, kühle Abendluft und beim Duschen dieses herrliche Gefühl, gleich ins Bett zu können.

03. Dezember – Umtopfung, Katzenmaniküre und Bücherkauf

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Mein erster freier Tag nach der dreitägigen Arbeitsphase. Ich erwachte gewohnt früh (vielleicht einen Ticken später als sonst), stand auf, bloggte und machte dann schon mal Frühstück. Der Mann gesellte sich bald dazu und übernahm die Eierbraterei, ich trug rasch den Müll raus. Natürlich als Vorwand, um nach meiner kleinen Banane sehen zu können. Die hatte über Nacht Gesellschaft bekommen, im Töpfchen nebenan wächst ein zweiter Sämling. Sehr schön, vielleicht wirds ja doch was mit meinem Traum von der eigenen Bananenplantage. Egal, jede Pflanze zählt, das ist mein Weg, mich angesichts der Klimakatastrohe nicht komplett ausgeliefert zu fühlen.

Dann Frühstück und Tagesplanung. Während der Mann endlich den Inhalt der neuen Küchenschränke sortierte, ging ich meine Wüstenrosen umtopfen. Jetzt wachsen sie in hübschen flachen Kästen und sehen ziemlich bonsaimäßig aus. Ich war grad so gut dabei und eh schon dreckig, also topfte ich noch einen Bleistiftstrauch und eins meiner vielen Hundert Brutblätter um, dann war das Substrat alle.

Für heute hatte ich mir einen Ausflug zum Büchermarkt gewünscht. Der gehört glaub ich mit zu dem großen Komplex um den Pasar Beringharjo und es gibt dort jede Menge neue und gebrauchte Bücher. Nach einem kleinen Anschubs schaffte ich es, mich ganz allein um die Sache nach dem gewünschten Buch zu kümmern und den Kauf zu erledigen. Leider klappt das mit dem Handeln noch nicht so gut, darum habe ich den Band Harry Potter dan Tawanan Azkaban wahrscheinlich etwas zu teuer gekauft. Die Idee dahinter war, dass ich ein Buch, das ich bereits kenne, auf indonesisch lese und dadurch meine Sprachkenntnisse verbessere. Ich hatte vor ein paar Jahren schon mal Harry Potter dan Batu Bertua als E-Book aus dem Warnet mitgenommen, aber das klappte nicht so gut. Ich lese gern auf meinem E-Book-Reader, aber in diesem Fall brauchte ich ein physisches Buch. Das ich ja jetzt habe und ich bin auch schon auf Seite fünfzehn.

Wieder zu Hause angekommen, begann die Vorbereitung des Abendessens. Der Mann frittierte Kartöffelchen, dazu gab es eine leckere Pilzsoße, Gemüse und Reis von gestern. Sehr lecker! Gut gesättigt waren wir bereit für eine lange überfällige und allen Beteiligten unbequeme Aufgabe: den Katzen die Krallen schneiden und das Pohaar frisieren. Anschließend waren wir nassgeschwitzt und klebten voller Katzenhaare, aber wenigstens können die beiden einander jetzt nicht mehr beim Kabbeln verletzen.