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Allgemein

6. April 2020 – Nicht viel los

Morgens um drei schreckten wir vom lautesten Donner ever auf. Dazu regnete es weiterhin in Strömen. Es klang ein bisschen so, als sei das Küchendach zusammengebrochen (war es natürlich nicht). Wahrscheinlich hat der Blitz in die megalange Antenne der Nachbarn eingeschlagen, keine Ahnung wofür die gut ist, aber sie steht noch. Nach so einem Adrenalinschub dauerte es eine Weile, bis ich wieder in den Schlaf fand. Um sechs wachte ich das nächste Mal auf, da regnete es immer noch. Danach schlief ich noch mal bis um zehn. Ups. Deswegen fiel Morgenyoga aus, dafür regnete es nicht mehr und es gab das restliche Brot zum Frühstück. Und auch sonst war heute nicht viel los. Ich pipelte mit mittelmäßigem Erfolg am Rechner herum. Eigentlich hatte ich mich sehr aufs Arbeiten gefreut, weil das auch immer ein bisschen Me-Time ist. Aber dann hatte ich leichte Kopfschmerzen, war irgendwie müde und eher unproduktiv. Erst zum Nachmittag hin wurde es besser. Der Mann hat leider ein Talent dafür, mich zielsicher genau dann zu unterbrechen, wenn ich eben in meinen Flow gefunden habe.

Das machte er mit einer großen Portion Nasi goreng wett, dazu gab es frittierte Kartoffeln und die letzte Flasche Brause.

Abends besserte ich noch einen fertigen Text nach, guckte in meinen Onlinekurs und setzte mich dann zu Nina aufs Sofa. Mein Buch hatte ich gestern schon ausgelesen, jetzt versuchte ich, Nachschub aus der Onleihe zu besorgen. Die scheint jedoch momentan überlastet zu sein, jedenfalls lud mein Reader ewig, nur um dann zu verkünden, die Datei sei kaputt. Sehr frustrierend, ich hatte mich so gefreut, endlich „Sprache und Sein“ von Kübra Gümüsay zu lesen. Dafür hörte ich eine Folge des Podcasts „Women of Harry Potter„, nämlich die über Parvati Patil, deren Namen in sämtlichen Hörbüchern falsch ausgesprochen wird. Apropos Harry Potter: Es gibt ein Harry-Potter-Strickbuch! Ich bin ein bisschen verliebt in Hedwig <3

3. bis 5. April 2020 – Brot, Gecko, Maus und ich war draußen!

Freitag war ein guter Tag, busybusy zwar, aber er begann mit Yoga und ich saß nicht wieder bis abends am Rechner und hatte noch ein bisschen Zeit, eine weitere Maske zu nähen. Der Mann mag seine nicht und ein anderes Modell kann ich mangels Bügeleisen nicht herstellen, darum hab ich jetzt halt drei (okay, an einer fehlen noch die Schnüre) und er kann die beiden Papiermasken haben. Da hier wahrscheinlich die Maskenpflicht kommen wird (in Jakarta müssen die Dinger seit heute immer getragen werden), ist es gut, vorbereitet zu sein. Vielleicht kaufe ich auch noch fix ein Bügeleisen und leihe mir eine Nähmaschine.

Samstag wieder eine Morgenrunde Yoga gemacht. Erst nach mehrmaligem Pendeln zwischen Küche und restlichem Haus (Küche und Bad liegen quasi in einem separaten Haus, an das das Gebäude mit den restlichen Räumen angebaut wurde) entdeckte ich mitten auf dem Küchenfußboden einen toten, ziemlich angematschten Gecko. Ein Wunder, dass ich nicht draufgetreten war! Da hatte wohl Nina ihre Jagdlust ausgelebt. Ich wickelte das bedauernswerte Reptil in ein Stück Küchentuch und begrub es hinterm Haus.

Samstags hab ich frei und während der Mann an seinem Motorrad herumpipelte, wischte ich das Haus durch und tat dabei 2000 Schritte. Dann wollten wir ein bisschen spazierenfahren und Brot kaufen, aber kaum waren wir zehn Minuten unterwegs, begann es zu regnen und wir kehrten um. Ich las gemütlich auf dem Sofa (Becoming von Michelle Obama), Nina kuschelte sich an mich und protestierte, als ich irgendwann meinen eingeschlafenen Arm unter ihr hervorholen musste. Zum Abendbrot gab es roten Reis und Kidneybohnensuppe. Mit vollen Bäuchen saßen wir bewegungsunfähig herum, als es in der Küche rumpelte: Eine Maus war vom Dach gefallen und marodierte durch das auf den Abwasch wartende Geschirr. Wir sperrten die Katzen ein, öffneten die Hintertür und versuchten die Maus, die inzwischen unterm Herd Zuflucht gesucht hatte, mit Klopfen zum Verlassen des Hauses zu bewegen. Irgendwann kam sie dann raus, sauste hin und her und erklomm schließlich die Wand, um durch die Dachziegel hindurch aufs Badezimmerdach zu verschwinden. Inzwischen hatte es aufgehört zu regnen und wir holten die abgebrochene Spazierfahrt nach. Natürlich mit Maske, die sich als erstaunlich bequem und stabil unterm Helm erwies.

Für einen Samstagabend waren die Straßen geradezu gespenstisch leer, es wirkte wie Mitternacht statt halb acht. Dennoch saßen in den geöffneten Restaurants und Straßenständen Menschen. Außerdem entdeckte ich viele mobile Handwaschstationen, Desinfektionskammern vor einer der größeren Moscheen und eine automatische Desinfektionsanlage, die alle Durchfahrenden besprüht. Mir tun die Lieferfahrer leid, die wahrscheinlich täglich dauernd desinfiziert werden, so gesund ist das sicher nicht.

Vor allem die Touristenstraße, in der die beste Bäckerei der Stadt zu finden ist, wirkte wie ausgestorben. Aber der Bäckerladen hatte offen, ein Schild wies die Kundschaft an, bei mehr als zwei Leuten im Geschäft draußen zu warten. Wir waren die einzigen und konnten gleich reingehen, um Brot, Focaccia und Apfeltaschen zu erwerben. Es gibt dort auch Sauerteigbrot, aber für eine zünftige Brotzeit fehlen mir die Aufstriche und Beläge. Wir hatten lediglich Margarine, falschen Käse und ein Gläschen Orangenmarmelade zu Hause.

Am Sonntag regnete es schon beim Frühstück, mein Plan vom Gartentag war dahin. So las ich stundenlang auf dem Sofa, während der Mann neben mir an seinen Lautsprechern bastelte und Nina eng an mich gekuschelt schlief. Zum Abendessen machten wir Nasi goreng mit rotem Reis, das war gut, aber die Gewürzmischung etwas zu scharf und auch zu salzig für meinen Geschmack. Ich googelte ein bisschen nach Gemüselieferdiensten und übte in Gedanken die Wegbeschreibung zu unserem Haus auf indonesisch. Denn auf Google Maps ist unsere Straße nicht mal eingezeichnet, wodurch es bei Bestellungen und Erstbesuchen regelmäßig zu Verwirrung kommt.

Ach genau, heute hatten wir auch noch eine Schlange im Haus. Keine Sorge, es war eine Blindschleiche, die sogenannte Blumentopfschlange. Sie sieht aus wie ein großer Regenwurm, bewegt sich aber wie eine Schlange. Ich trug sie auf meinem Kehrblech ins Freie, dort versteckte sie sich gleich unter einem Blatt.

Abends guckten wir den dritten Harry-Potter-Film, dazu gab es Brause und für mich Schokolade. Draußen rauschte der Regen und sollte damit auch so schnell noch nicht aufhören.

2. April 2020 – Meine Brause ist eigentlich Limo

Nach wirren Träumen aufgewacht, in denen ich mit dem Mann in Ahornberg im Biergarten war und komischen Salat aß. Sehr merkwürdig. Aufstehen, Bad, Katzen füttern. Noch vor dem Frühstückmachen die aktuelle Brause* abgefüllt. Das ist eine Tätigkeit, die ich sehr gerne mag. Diesmal inokulierte ich den Sud erst mit drei Schnapsgläsern voll Ginger Bug, eins pro Liter und goß ihn dann durch ein Sieb, um Zitronenschalen und -kerne sowie Ingwerstückchen herauszufiltern, erst in einen Messbecher und dann in die sauberen Flaschen. Deckel drauf, fertig. Ach ja, den Ginger Bug noch füttern, damit er weiterhin so schön sprudelig bleibt. Ich bin ja sehr erstaunt, wie lange der sich schon hält. Scheinbar reicht es, wenn ich ihn nach jeder Entnahme mit frischem Wasser auffülle und je einen Löffel Zucker und gehackten Ingwer zugebe. Das Glas kommt dann lose verschlossen wieder in den Kühlschrank, bis ich es etwa 24 Stunden vor der nächsten Brauseproduktion wieder raushole.

Frühstück mit etwas anderen Haferflocken als sonst, dann setzte ich mich an den Schreibtisch. Allerdings meinte Nina, es sei jetzt erstmal Kuschelzeit, darum tippte ich den gestrigen Blogeintrag mit einer Hand, mit der anderen musste ich das Tier von der Tastatur fernhalten.

Workworkwork, diesmal mit schlafendem Manfred neben mir.

Zum Abendbrot kochte der Mann roten Reis und Omelett mit Tofu. Nomnomnom. Hinterher noch ein bisschen was wegarbeiten, dann lungerten wir auf dem Sofa rum. Als ich meiner Abendroutine folgend das Haus fegte, fand ich in meinem Zimmer erneut eine Gottesanbeterin, diesmal eine grüne (die gestern war gelb, wohl eine andere Sorte). Ich tupperte sie zur späteren Freilassung ein und zwar in eine große durchsichtige Dose. Das Insekt war darin ziemlich aktiv und seine Raschelgeräusche lockten Nina an, die sich vor der Dose niederließ und die Gottesanbeterin anstarrte wie sonst ihre Eichhörnchenvideos. Damit hörte sie auch nicht auf, als der Mann in der Küche den 8-kg-Beutel Katzenfutter in große Schraubdosen umzufüllen begann. Er entließ die Gottesanbeterin dann später nach draußen und Nina hat jetzt wahrscheinlich jeden Respekt vor den Krabblern verloren.

Dann Dusche, Hausaufgaben, Bett.


*Eine Wikipediasuche brachte zutage, dass Brause ein Getränk mit Aromastoffen und noch so allerlei ist, während Limonade nur natürliche Zutaten enthalten darf. Zwar gehört mein Getränk zur letzteren Kategorie, aber ich mag das Wort Brause so viel lieber, darum nenne ich es einfach weiter so. Ätsch, deutsches Lebensmittelbuch!

1. April 2020 – Nicht in Scherzstimmung

Um halb sechs erwachte ich davon, dass Manfred erst auf meinem Kopfkissen und dann meinem Kopf herumtrampelte. Mit ausgefahrenen Krallen natürlich. Autsch. Ich stand auf, reichte Essen, ging aufs Klo und legte mich dann nochmal hin.

Der Mann stand ausnahmsweise vor mir auf und verließ das Haus, um seinen Führerschein zu verlängern, denn der gilt nur noch eine Woche. Nach einer kleinen Odyssee zu verschiedenen Polizeistationen kam er zurück, überall hatte er andere Informationen erhalten, jedoch keinen neuen Führerschein. Hoffen wir mal, dass es da momentan Ausnahmeregeln gibt.

Nach dem Frühstück fuhr der Mann erneut los, diesmal zur Werkstatt, wegen irgendwelcher Motorradprobleme. Ich sah ihm mit gemischten Gefühlen nach: Einerseits brauchen wir gerade jetzt ein fahrtüchtiges Motorbike, andererseits ist jeder Kontakt nach draußen ein Risiko.

Ich ging an den Schreibtisch und machte mich an meine To-Do-Liste. Noch gibt es genug zu tun, noch haben die Vapeshops geöffnet, in denen der Mann sein E-Liquid verkauft. Hoffentlich bleibt es so.

Bis zum Abendbrot (Nudelsuppe und Tempe) war ich tatsächlich mit allem fertig und konnte mich nach dem Abwasch der Herstellung von drei Litern Zitronenbrause widmen. Dazwischen gab es kurz Aufruhr, weil eine Gottesanbeterin den Weg ins Haus und die Haare des Mannes gefunden hatte. Wir tupperten sie kurzerhand ein, um sie später ins Freie zu entlassen.

Geduscht, Hausaufgaben gemacht, Hörbuch, Bett.


The Left Hand of Darkness gefällt mir nach einem etwas holprigen Start ganz gut. Es geht um Genly Ai, der von der Erde stammt, den Planet Gethen als Botschafter besucht und dort den ein oder anderen Kulturschock erleidet. Das liegt unter anderem daran, dass die Bewohner Gethens androgyn sind und nur einmal im Monat entweder männliche oder weibliche Merkmale entwickeln. Welche, das können sie sich nicht aussuchen. Das verwirrt Genly sehr, der die Leute, die er trifft, dauernd in irgendwelche Schubladen stecken will.

Is it a fever, is it just allergies? | Kennt ihr schon die Coronavirus-Rhapsody?

31. März 2020 – Gewöhnung setzt ein

Morgens von einem flauschigen Kater geweckt worden, der erst das Kissen durchknetete und sich dann auf meinem Bauch zum Schlafen niederließ. Das war sehr niedlich und definitiv mein Savoring-Moment des Tages.

Ich stand auf, zog mich an, machte die Katzenklos sauber und trug deren Inhalt samt vollem Müllbeutel zur Mülltonne draußen. Dabei traf ich ein Kätzchen mit weißem Fell und orangen Ohren, das ich schon mal in der Nachbarschaft gesehen hatte. Es folgte mir laut piepsend bis zur Haustür. Für solche Fälle habe ich eine extra Dose Katzenfutter im Schrank. Ich sperrte sicherheitshalber Manfred und Nina ein, ging wieder raus und gab dem Kätzchen was zu essen. Es stürzte sich geradezu auf die Futterschüssel, wirkte aber nicht dünn oder ungepflegt. Wahrscheinlich hatte es nur sein Frühstück verpasst. Später schlief es auf der Terrasse, von Manfred argwöhnisch durchs Fenster beäugt.

Nach dieser kurzen Aufregung speisten wir, dann setzte ich mich an den Rechner. Seit über zwei Wochen habe ich keinen neuen Korrekturauftrag bekommen. Das liegt sicher an den geschlossenen Unis und Bibliotheken, aber wahrscheinlich auch daran, dass viele Studierenden ihren Nebenjob nicht machen und sich deshalb kein Lektorat leisten können. Gut, dass ich noch einen anderen Auftraggeber habe und Ersparnisse auch. Doch natürlich hoffe ich, dass sich die Situation bald bessert.

Seit ein paar Tagen merke ich schon, dass bei mir ein gewisser Gewöhnungseffekt an die neue Normalität einsetzt. Ich lese nicht mehr alle Nachrichten und fühle mich überhaupt etwas gelassener. Das ist gut, aber auch ein bisschen erschreckend, wie schnell eine Ausnahmesituation zur Gewohnheit wird.

Übrigens habe ich vor kurzem den whlw-Newsletter abonniert, der ist ganz großartig und nachdem ich erst eine Ausgabe gelesen habe, bin ich schon begeistert. Sehr empfehlenswert.

Zum Nachmittag hin begann es zu gewittern. Der Kater schlief neben mir, ich pipelte so vor mich hin. Der Mann holte in Regensachen gehüllt Essen (Gudeg, heute ganz prima und ohne harte Stückchen), dazu tranken wir die zweite Flasche Brause aus. Laut Mann schmeckt sie nach Thymian, ich wüsste sehr gern, wo der herkommen soll.

Abends Yoga gemacht, geduscht, eine Folge Lost und ein Schokoriegel, dann Bett. Vor lauter Müdigkeit ganz meine Hausaufgaben vergessen, obwohl ich beim Zähneputzen noch dran gedacht hatte. Upsi.