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Allgemein

31. Dezember 2019 – So war unser Silvesterabend

Silvester ist zunächst einmal ein Tag wie jeder andere. Wir frühstückten, dann fuhr der Mann mit dem Motorrad zu einem motorradsitzbankbauenden Bengkel, während ich wenig energiegeladen im Haus herumfuhrwerkte. Ich wischte die Küche, wusch Unterwäsche und pflanzte ein paar Sonnenblumensamen direkt ins Beet. Danach und dazwischen lag ich mit Nina auf dem Sofa herum. Sie ruhte ab und an auf meinem Arm und gab mir einen guten Grund, mich nicht bewegen zu müssen und einfach mal das Nichtstun zu genießen.

Zum Abendbrot gabs Gudeg, danach fuhren wir Kuchen kaufen. Denn eigentlich war ein gemütlicher Abend auf dem Sofa mit Kuchen, Wein und Seriengucken geplant. Unsere Lieblingsbäckerei hatte zu, also fuhren wir zur Almond Bakery. Im dortigen Kühlschrank stapelten sich die Torten nur so und außer uns waren jede Menge andere Pärchen da, die Silvester anscheinend ebenfalls Kuchen essen wollten. Wir wählten eine mit leicht traurigen Erdbeeren und einem roten Pulver garnierte Torte aus (letzteres sah aus wie Chilipulver, war es aber nicht). Wieder daheim angekommen machte ich Yoga wegen Rückenschmerzen und den Abwasch. Eben wollte ich in mein Lieblingssofakleid schlüpfen, da äußerte der Mann den Wunsch nach jalan-jalan (das heißt spazierengehen/-fahren oder halt einfach draußen unterwegs sein). Okay, das konnte ja auch ganz nett werden und nach dem wir uns die Hälfte der (sehr kleinen) Torte einverleibt hatten, fuhren wir zum Laden eines Freundes des Mannes.

Dazu muss erwähnt werden, das Silvester zumindest hier in Yogyakarta zwar das ein oder andere Feuerwerk gezündet wird, aber es längst nicht so krass wie in Deutschland ist. Die letzten beiden Jahreswechsel waren wir ja in Magdeburg und dort begann das Geböllere schon am Morgen, wurde über den Tag zur allgegenwärtigen Geräuschkulisse, erreichte um Mitternacht seinen Höhepunkt und ebbte dann bis zum zweiten oder dritten Januar wieder ab. Hier hatte ich im Tagesverlauf ganze zwei Knaller gehört. Außerdem gibt es so gut wie keine betrunkenen Männergruppen und das finde ich sehr entspannend.

Mit des Mannes Freund und dessen Frau fuhren wir nun zum Alun-Alun Kidul, das ist der südlichere von zwei großen Plätzen (auf Google Maps wird er optimistisch als Stadtwäldchen bezeichnet, dabei stehen dort nur zwei wenn auch große Bäume). Dieser Platz ist schon am Wochenende ein beliebter Treffpunkt, es gibt jede Menge Essensstände, Leute, die fliegendes LED-Spielzeug verkaufen und bunt beleuchtete, pedalgetriebene und mit lauter Musik ausgestattete Autos, in denen zwei bis zwölf Personen den Platz umrunden (und dabei, genau wie in richtigen Autos, im Stau stehen). Am Silvesterabend tummelten sich hier mehrere Tausend Menschen, aber alles war friedlich. Wir setzten uns in ein Lesehan, das ist eine Art des Essens, bei dem eins auf Matten auf dem Boden an entsprechend niedrigen Tischen sitzt, und bestellten gegrillten Mais und Wedang Jahe (ein heißes Ingwergetränk mit leckeren Dingen darin). Inzwischen war es eine halbe Stunde vor Mitternacht und bereits jetzt begann die Feuerwerkerei. Sehr beliebt sind hier diese Röhren, die mehrere mit lautem Knall explodierende Raketen abschießen und dabei bevorzugt in der Hand gehalten werden. Es war schon recht laut und es gab auch einige Fälle, bei denen die Raketen in der Menschenmenge landeten (zum Glück weit weg von uns), aber trotzdem war es viel relaxter als in Deutschland. Und: zehn Minuten nach Mitternacht war es vorbei. Die meisten Leute fuhren direkt nach Hause (und weil sie mit dem Motorrad gekommen waren, gab es auch kaum Stau) und geböllert wurde auch nicht mehr.

Wir kehrten ebenfalls nach Hause zurück. Der Mann feierte noch ein bisschen mit einem Freund und seinem Bruder, aber ich war müde und schlief mit einer schnurrenden Katze im Arm ein.

Liebe Mitlesenden, ich wünsche Euch ein zufriedenes, erfolgreiches und an den richtigen Stellen flauschiges neues Jahr!

30. Dezember 2019 – Rückblick auf ein Jahrzehnt

2009 war ich zwanzig, einundzwanzig Jahre alt und Bachelorstudentin in Dresden. Jetzt, zehn Jahre später wohne ich in Indonesien, bin verheiratet und freiberufliche Texterin. Und was ist in der Zwischenzeit passiert?

Zunächst einmal bin ich dauernd umgezogen. Innerhalb Dresdens, nach Halle, zurück nach Dresden, dann nach Indonesien, dann dort mit dem Mann zusammen, dann zurück nach Magdeburg, dann innerhalb Magdeburgs, dann zurück nach Jogja und dann in unser heutiges Haus nach Kasongan. Macht neun Umzüge insgesamt, fast einer pro Jahr. Und mindestens einer steht nächstes Jahr an, weil wir wahrscheinlich unseren Mietverträg nicht verlängern können.

Ich habe eine Bachorarbeit, eine Masterarbeit und eine Fülle an Auftragstexten geschrieben und dabei so viel gelernt. Ich habe als Gärtnerin im Leipziger Zoo gearbeitet und auf der Erdbeerfarm. Nach Indonesien kam ich mit der Hoffnung, eine Doktorandenstelle oder einen Job bei einer NGO zu finden. Aus beidem wurde nichts. Ich gab meinen Plan von einer Arbeit als Pflanzenzüchterin langsam aber sicher auf. Das ging nicht ohne Trauer, Zweifel und Tränen. Und erst mein jetziges Lektorieren konnte mich mit dem Gedanken versöhnen, dass mein Studium nicht komplett umsonst war.

Ich habe eine schwere Trennung überlebt, mich neu und vollkommen ungeplant verliebt, geheiratet. Freund*innen kamen und gingen. Es gab Partys und Kuchendates, überraschendes Wiedersehen nach Jahren ohne Kontakt. Und es gibt liebe Menschen, die mich aus der Ferne begleiten und von denen ich weiß, dass sie da sind, egal wie häufig oder selten wir voneinander hören. Dafür bin ich sehr dankbar.

Ich war unterwegs: Allein in Paris und beinah allein in Barcelona und dann natürlich in Indonesien, ein, zwei, dreimal vor dem Umzug. Dreimal in Singapur zum Visa Run und dann begannen die umgekehrten Reisen nach Deutschland. Von Magdeburg aus waren wir in Bayern und Thüringen und Berlin, zur Hochzeit in Dänemark. Vielleicht mein persönliches Highlight war der Besuch in diesem Jahr, als wir mit dem Zug Deutschland beinah vom Süden bis in den Norden bereisten.

Vieles ist passiert im letzten Jahr und den Jahren davor. Und ich bin so gespannt auf das, was kommen wird. Guten Rutsch, ihr Lieben!

29. Dezember 2019 – Bad putzen mit Schreck

Der Tag begann mit einer kleinen Jagdaktion um halb drei Uhr morgens: Als ich aufs Klo ging, bemerkte ich, dass die Katzen etwas wild Flatterndes durchs Haus jagten. Ich sperrte sie ein, holte den Mann dazu und gemeinsam fingen wir die riesige Motte ein, die sich irgendwie zu uns verirrt hatte. Und es war ein wirklich riesiges Tier, mit entfalteten Flügeln fast so groß wie meine Hand. Leider habe ich aus Müdigkeitsgründen kein Foto gemacht.
Dann störungs, aber leider nicht mückenfrei bis morgens geschlafen und von einem schmusigen Manfred geweckt worden. Das hat er schon lange nicht mehr gemacht, seit Nina so kuschlig ist, meidet er das Bett nämlich. Ich stand auf und reichte Essen. Anschließend Aufbruch. Erst frühstücken (Soto Lenthok!), dann diverse Sachen einkaufen (für die Katzen gab es Flohmittel und einen neuen Wassernapf), zum Beispiel Motorradkram und Mückenmittel.
Zuhause gabs dann erst mal Kaffee, weil kurioserweise die meisten netten Cafés hier erst nachmittags oder abends aufmachen. Vor zwölf ist es abseits der Touristenstraße beinah unmöglich, einen guten Kaffee zu bekommen. Naja, so konnte ich gleichzeitig mein kleines, seit Jahren im Schrank vor sich hin gammelndes Ledertäschchen einfetten. Mal sehen, ob die Rettung gelingt.
Dann puzzelte der Mann am Moped rum, ich ging das Bad putzen. Das war schon wieder ganz grün, wegen der Algen. Während ich im restlichen Haus nur noch milde Putzmittel, Essig und Soda verwende, brauche ich im Bad noch einen Reiniger auf, der den Inhaltsstoff Benzalkoniumchlorid enthält. Das ist oft in als antibakteriell angepriesenen Putzmitteln drin und für Katzen hochgiftig. Ninas Vergiftung vor einem Jahr kam wahrscheinlich davon, darum nutze ich es nur noch im Bad, weil die Katzen da nicht reindürfen. Übrigens habe ich das auch schon in Deutschland in einem extra Reiniger für Haushalte mit Katzen und Hunden gesehen, also guckt gut aufs Etikett, bevor ihr sowas kauft!
Ich schrubbte jedenfalls den Fußboden, spülte den Schaum weg, aber noch nicht besonders gründlich und ging dann dem Mann was an der Tür helfen. Dann trank ich was, setzte mich kurz vor den Lüfter und ging dann zurück zum Bad – WO NINA GRAD AUS DER OFFENEN TÜR HERAUSKAM. So ein Schock! Die Tür hatte ich völlig vergessen. Ich schnappte mir die protestierende Miez sofort, ja, ihre Füße rochen nach Putzmittel. Mistmistmist. Irgendwie gelang es mir, ihre Füße zu waschen und abzutrocknen, obwohl sie heftig zappelte und quäkte. Egal, das musste jetzt sein. Die nächsten Stunden bewachte ich Nina und hielt nach dem kleinsten Anzeichen einer Vergiftung Ausschau, aber es war alles gut und sie benahm sich wie immer. Mir plumpste ein kleines Gebirge vom Herzen und ich konnte den restlichen Abend, den wir mit Freunden des Mannes und Eis essend verbrachten, genießen. Und als ich schlafen ging, kam Nina mit und schlief auf meiner Hand ein.

Gelesen | Ein tolles Feedback für meine letzte Korrektur 🙂
Gehört | Cryptonomicon beim Putzen, außerdem dieses feine Lied:

28. Dezember 2019 – Filmabend mit Katze

Beim Aufwachen fühlte ich mich wieder besser, der Hals schien ok, nur dieses diffuse Erkältungsgefühl lauerte noch irgendwo. Wir frühstückten Porridge und Spiegelei mit dem fast letzten Gouda drauf. Das war sehr gut und ich war nach dem Aufessen kurz ein bisschen traurig.

So richtig gut konnte ich mich heute noch immer nicht konzentrieren, ob wegen Erkältung oder sich heranpirschendem PMDD, wer weiß das schon. Also legte ich einen ruhigen ein, klickerte ein bisschen mit Manfred, las im Internet herum und war ein wenig faul. Passenderweise regnete es.

Zum Abendbrot gab es das von mir gewünschte Magelangan. Ich habe momentan nämlich einen ungeheuren Appetit auf Kohlenhydrate. Der Mann musste dann zu einem wichtigen Treffen, während ich die Küche aufräumte, dann den Laptop zum Sofa trug und Tschick guckte. Nina schlief dazu auf meiner Hand, Manfred auf dem Tisch hinterm Rechner und es war angenehm kühl. Den Film mochte ich gern, nur die vielen Ableismen (vor allem das S-Wort) verdarben mir den Spaß daran. Dabei ist meine Sprache selbst auch noch lange nicht perfekt und mir rutschen immer wieder ein d*mm oder st*pid heraus.

Gegen Filmende bemerkte ich dann, dass Nina nicht allein war und etwas Kleines, Schwarzes in ihrem Fell zappelte. Ein Floh! Mit Taschenlampe und Kamm begann ich, sie systematisch abzusuchen und entdeckte Flohkrümel und tote Larven, jedoch kein weiteres Krabbeltier. Bei Manfred gab es keinen Hinweis auf blutsaugende Untermieter, dennoch muss morgen Flohmedizin her.

27. Dezember 2019 – Hoodiewetter

Morgens stürmte Nina ins Bett und krähte uns an. Das war sehr niedlich und milderte die Tatsache, dass ich mit Halsschmerzen und allgemeinem Erkältungsgefühl wach wurde. Mist. Dafür hatten meine ausgepflanzten Sonnenblumen die Nacht gut überstanden. Zwar hingen sie etwas schlapp in der Sonne, aber das wird schon.
Für mich gabs eine Vitamintablette und saure Mango in der Hoffnung, sie mögen mich der drohenden Erkältung entwischen lassen. Nichtsdestotrotz gehörte dieser Tag eher zur schlappen Sorte. Arbeiten ging nicht wirklich, also ließ ich mich stattdessen von Nina bekuscheln. Eigentlich hatte ich ja für heute eine kleine Fahrradausfahrt geplant, aber das ließ ich lieber bleiben.

Der Himmel war recht bewölkt, es donnerte und regnete immer mal. Nach dem Abendessen (Reis mit Gemüse und Ei) ging es dann richtig los. Gleichzeitig wurde es so kühl, dass ich in lange Hosen schlüpfte und mich im Hoodie lesend aufs Sofa kuschelte. Das war schön. Zwischendurch kamen ein paar verspätete Laron hereingeflattert, denen Manfred begeistert nachstellte. Einen leichten Anflug von Kuchenappetit bekämpfte ich mit reifen Guaven, von denen leider die Hälfte bereits bewohnt war, ich musste recht viel wegschneiden.

Den Pflanzen gefällt das kühlere Wetter auch. Der Ananassteckling hat schon Haarwurzeln, der Cashewsämling lässt sich noch Zeit und mittlerweile drei Sawos arbeiten sich langsam aus der Erde. Da müssen wir bald viele neue Töpfe kaufen.

Gelesen | Das Paradies der Damen, bin jetzt dank Sofapause zu einem Drittel durch.
Gehört | Cryptonomicon als Hörbuch beim Abwaschen und später zum Einschlafen.