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Steffi

Zwischenstand

Und wieder einmal vergaß ich über dem täglichen Leben das tägliche Bloggen. Macht nichts, so ist das halt manchmal, wenn eine Deadline ansteht. Bevor ich mich an meine nächste Aufgabe mache, berichte ich schnell, was in der letzten Woche so los war.

Zuerst: Mein Zahn ist wieder okay. Morgen fahren wir dann zum Röntgen, um der Ursache auf den Grund zu gehen. Inzwischen werden auch meine Vorderzähne schiefer und ich habe häufig Kopfschmerzen, es wird also Zeit. Nur fühlt es sich irgendwie komisch an, ohne akute Beschwerden zum Arzt zu gehen. Außerdem hatte ich entweder vom Antibiotikum oder der antiseptischen Mundspülung eine (zum Glück harmlose) Nebenwirkung mit dem gruseligen Namen Schwarze Haarzunge. Erst dachten wir, die zuvor verspeiste Schokolade hätte meine Zunge verfärbt, allerdings war die morgens auch noch braun gestreift. Mit einer in Natron getunkten Zahnbürste konnte ich das Schlimmste entfernen und hoffe jetzt, dass sich das Problem von selbst bessert.

An den meisten Tagen war Business as usual. Ich verbrachte den Tag am Laptop, goß abends die Blumen (trockenste Regenzeit ever), manchmal fuhren wir nach dem Abendbrot noch weg oder aßen auswärts. Einmal in einer chinesischen Garküche, bei der es zwar sehr lecker war, wir aber hinterher von Kopf bis Fuß nach Frittieröl rochen.

Eines Nachts wachte ich auf, um aufs Klo zu gehen. Auf dem Weg ins Bad bemerkte ich, dass die Katzen sich komisch verhielten und in der Küche roch es stark nach Essig. Mein schläfriges Gehirn brauchte ein, zwei Minuten, um den richtigen Schluss zu ziehen: Die Katzen mussten auf einen Geißelskorpion gestoßen sein. Diese Tiere versprühen nämlich eine Abwehrflüssigkeit, die zu großem Teil aus Essigsäure besteht. Nina hockte unglücklich herum und tatsächlich rochen ihre Pfoten und ihr Gesicht stark nach Essig. Das ist zwar unangenehm, aber glücklicherweise nicht giftig und sie schien nichts direkt in die Augen bekommen zu haben. Sie konnte schon wieder ordentlich zappeln, als ich sie mit einem Lappen wusch und abtrocknete. Ich suchte dann noch das ganze Haus mit der Taschenlampe ab, doch der Übeltäter war nirgends zu entdecken.

Und am Sonntag fuhren wir endlich mal wieder an den Strand, um dort im Cafe de Paris (Paris ist ein Akronym für Parangtritis) bei frischer Kokosnuss, gebratenem Tempe und Eierkuchen mit Schokosoße ein paar faule Stunden zu verbringen. Allerdings war es mal wieder krass, wie viel Müll überall herumlag. Nächstes Mal werde ich eine Tüte mitnehmen und so viel einsammeln, wie ich kann. Der Mann meinte zwar, das sei unhöflich, aber ist es nicht viel unhöflicher, den Planeten für zukünftige Generationen unbewohnbar zu machen?

08. Februar 2020 – Ungeplante Entschleunigung

Ein letztes Mal musste ich früh aufstehen. Dieses Mal legte ich mich zwar hin, konnte aber nicht wieder einschlafen. Dafür gesellte sich Nina zu mir und begann, das Kabel meiner Kopfhörer zu jagen. Um sie abzulenken, zeigte ich ihr ein extra für Katzen aufgenommenes Video bei Youtube, das aus acht Stunden herumhüpfenden Vögeln besteht. Und es wirkte Wunder: Nina begann zu schnurren, rollte sich auf meinem Arm ein und guckte dem Video zu, bis ihr die Augen zufielen. So ruhten wir noch eine Weile.

Gegen neun gab es Frühstück. Danach setzte ich mich erneut an den Rechner, um eine letzte Aufgabe zu erledigen, für die ich gestern zu müde gewesen war. Leider musste ich deswegen den Samstagstreff absagen. Zum frühen Nachmittag war dann plötzlich mein Internetpaket alle. Ich hatte vor zwei Tagen schon die Warnungs-SMS erhalten, aber leider vergessen, neues Guthaben aufzuladen. Jetzt war es leer, meine Korrektur noch nicht fertig und draußen regnete es heftig, an einen Spaziergang zum Handyladen war nicht zu denken. Der Mann war unterwegs, konnte mir von dort aus aber auch kein Pulsa kaufen. So arbeitete ich offline weiter, bis ich nicht mehr weiter kam und gönnte mir dann eine Pause. Als der Regen etwas nachließ, nutzte ich die Gelegenheit und putzte unsere Terrasse. Dort ist es nachmittags sonst immer brütend heiß, aber durch Regen und Wolken war es angenehm. Ich räumte also Blumentöpfe und die Sitzbank hin und her, wässerte den Boden mit der Gießkanne, schrubbte den Dreck weg und benutzte dann so einen Abzieher, um das schmutzige Wasser loszuwerden. Das war dringend nötig, weil eigentlich keine meiner Töpfe Untersetzer haben und sich darunter allmählich eklige Flecken gebildet hatten. Zum Glück gingen die mit Essig und Muskelkraft gut ab. Und mein neues Deo bestand den Härtetest mit Bravour.

Dann kam der Mann nach Hause und es gab Abendbrot: Magelangan und Capcay. Leider war in meiner Portion Hühnchen drin, was ich erst bemerkte, als es zu spät war. Dazu guckten wir Little Women (großartiger Film!) und ich nahm mir vor, endlich mal das zugrunde liegende Buch anzufangen, denn das schwirrt schon einige Zeit auf meinem E-Reader herum.

Mit vollem Bauch brachen wir auf, denn es regnete nicht mehr und wir wollten einen Klamottenladen auskundschaften, weil ich neue T-Shirts brauchte. An dem fahren wir schon seit Jahren vorbei, waren aber noch nie drinnen. Eigentlich sind es mehrere Läden, die irgendwie zu einem großen Komplex zusammengewachsen sind. Besonders im Fastenmonat ist es dort gerammelt voll und die halbe Straße wird zum Parkplatz umfunktioniert. Heute war es trotz Monatsanfang und Samstagabend nicht allzu voll, allerdings waren wir erst eine Stunde vor Ladenschluss dort und konnten nicht alles anschauen. Leider sind hier die Klamotten meistens aus Kunstfaser und für die Frauen natürlich lang. Ich fand immerhin ein Top zum Sportmachen und für Zuhause, ein hübsches blaues T-Shirt und ein weißes mit etwas albernem Aufdruck. Alles übrigens in Größe XXL. Außerdem probierte ich in einer winzigen Umkleidekabine zwei nicht zu mädchenhafte Blusen an, die aber leider nicht so recht passten. Sowas muss ich mir wahrscheinlich nähen lassen. Oder ich gucke beim nächsten Mal bei den Männersachen.

Wieder Zuhause lüfteten wir das Haus durch, um die nach dem Regen wunderbar frische Luft hereinzulassen und aßen Erdnusskekse. Als ich später ins Bett ging, spielte ich erneut das Vogelvideo auf meinem Telefon ab, um Nina anzulocken. Es funktionierte hervorragend. Sie kuschelte sich an meinen Bauch und schlief dort ein.

07. Februar 2020 – Einkaufen

Wie immer stand ich um sieben auf, um mein Antibiotikum zu nehmen (der Zahn fühlt sich beinah wieder normal an, juhu!) und wie immer beging ich den Fehler, mich anschließend noch einmal hinzulegen. Zwei Stunden später erwachte ich mit einer Katze neben mir auf dem Kissen (Nina) und einer zweiten auf meinem Bauch (Manfred). Wir standen auf und machten uns fertig zum Aufbruch. Denn weil sämtliches Frühstückszubehör aufgebraucht war, wollten wir auswärts speisen und dann zum Supermarkt fahren. Also saßen wir schon bald gemütlich vor Nasi kuning und Kaffee.

Weil Freitag ist, so dachten wir, ist es im Supermarkt sicher leer. Das war es aber nicht, denn wir hatten die dort üblichen freitäglichen Sonderangebote vergessen. Darum war es gerammelt voll. Wir kauften mehrere Kilo Haferflocken, außerdem Taschentücher, Kokosöl und eine Schraubdose, in der ich Manfreds angebrochene Katzenfutterdosen im Kühlschrank aufbewahren werde.

Wieder Zuhause packte ich die Einkäufe aus und rührte dann aus Kokosöl, Backsoda und Stärke mein erstes selbstgemachtes Deo an. Das Rezept hat mir eine Freundin gegeben. Eigentlich gehört noch etwas ätherisches Öl hinein, aber das hab ich aus Verträglichkeitsgründen weggelassen und ich hatte eh keins da. Durch das Kokosöl riecht es eh toll und es ist erstaunlich cremig geworden. Es lässt sich gut auftragen und ich freue mich, wieder etwas Plastik weniger zu verbrauchen.

Nach Kokos duftend setzte ich mich dann mit einem frischen Kaffee an den Rechner. Neben mir schlief selig Manfred. Ich schaffte bis zum Abendbrot gut was weg. Nach dem Essen (roter Reis, Tempe, Frühlingsrollen und Ei) verschickte ich noch eine Rechnung und dann war Feierabend.

06. Februar 2020 – Endlich wieder normal essen!

Morgens wie immer: früh fürs Antibiotikum aufgestanden, nach zehn Minuten wieder hingelegt und noch ein Stündchen geschlafen. Dann Frühstück gemacht, diesmal mit sehr überreifen Bananen, die ich wie eine Mango schälen musste, aber die sehr lecker waren. Dazu guckten wir neue Videos auf unserem Lieblingskochchannel Binging with Babish. Highly recommended!

Danach tippeditipp am Rechner. Ich finalisierte mehrere Texte für einen Kunden und lektorierte eine kurzfristige Bestellung. Damit war ich bis zum Abendessen (Gudeg) gut beschäftigt. Bevor die Sonne unterging, huschte ich noch schnell raus, die Blumen gießen. Obwohl wir uns gerade auf dem Gipfel der Regenzeit befinden und für diese Woche heftigste Regenfälle vorhergesagt waren, ist es bei uns schon seit Tagen trocken.

Was im Garten so los ist? Die Sonnenblumen wachsen ganz toll und werden sicher bald blühen. Am Srikayabaum reift seit Wochen eine Frucht heran, die einfach nicht weich werden will, obwohl sie schon lecker aussieht. Der einzige überlebende Cashewsämling lässt sich seeeehr viel Zeit mit dem nächsten Blatt. Dafür sprießt die Banane unglaublich schnell, für ein neues Blatt braucht sie etwa zwei Tage. Wow. Ich plane, demnächst unseren Vorgarten zu entgrasen, da macht sich eine schlimme Winde breit. Die werde ich durch kembang telang ersetzen, das ist zwar auch eine Rankpflanze, aber eine hübsche. Außerdem will ich noch mehr Sonnenblumen pflanzen und auch ein paar der kleineren Obststräucher auspflanzen.

Nach dem Abendbrot beendete ich meine Bestellung, machte den Abwasch und flauschte Manfred. Dann saßen der Mann und ich gemütlich zusammen, bis es Zeit zum Schlafengehen war.

#wmdedgt 02/2020

Heute ist der Fünfte und wie immer fragt Frau Brüllen: „WMDEDGT?“ Und weil ich dran gedacht habe, antworte ich heute.

Weil die Katzen um dreiviertel sieben einen kleinen Ringkampf starteten und dabei meinen Hocker durch die Gegend schoben, wachte ich eine Viertelstunde vorm Wecker auf. Ich ging ins Bad, holte mir einen Keks, aß den Keks, nahm mein Antibiotikum und daddelte zwanzig Minuten am schlauen Telefon rum, bis ich mich noch einmal für ein Stündchen hinlegen durfte. Ohne Nina, die wollte lieber spielen.

Gestern Abend war es spät geworden, also kamen wir erst gegen neun in die Gänge. Ich machte den liegengebliebenen Abwasch, der Mann holte fix Eier und machte dann mit neulich vorgekochtem rotem Reis Nasi goreng. Er lässt an dieser Stelle mitteilen, dass der Gedanke, Nasi goreng sei ein Resteessen, falsch ist, weil der Reis auf bestimmte Art zubereitet werden muss. Nimmt eins Reste, wie in unserem Fall, hat das Gericht die Konsistenz von Knete. Schmeckt aber trotzdem und ist für zahnversehrte Menschlein gut essbar.

Nach dem Frühstück packte ich unsere Kissen in die Sonne und setzte mich dann an den Rechner. Heute war mein Gehirn noch nicht auf Trab und es dauerte ein bisschen, bis ich die nötige Konzentration fand. Musik half, momentan ist das vor allem Radiohead. Zum Beispiel dieses Lied:

Irgendwann merkte ich dann zum ersten Mal eine spürbare Besserung meines Zahns. Die Wange ist nicht mehr so dick und ich kann den Mund wieder weit aufmachen. Das kam mir beim Abendessen (Nasi uduk mit Tempe und Aubergine) gerade recht. Später machte ich den Abwasch und guckte dabei Videos über Reisen auf Containerschiffen. Ich würde ja gerne mal Europa ohne Flugzeug erreichen und per Schiff wäre das zumindest visumsmäßig leichter. Mir gefällt auch die langsame Art des Reisens (von Singapur nach Hamburg dauert es 25 Tage) und die Abgeschiedenheit. Alles das genaue Gegenteil einer bis auf den letzten Platz besetzten Flugzeugkabine. Allerdings sind Containerschiffe ja auch ziemliche Dreckschleudern und längst nicht so klimafreundlich, wie sie von den diversen Buchungsseiten angepriesen werden. Und ein Segelschiff werden wir wohl kaum finden. Allerdings fahren sie trotzdem und anders als diese unsäglichen Kreuzfahrtschiffe nicht ausschließlich zum Vergnügen der Passagiere. Jedenfalls fand und finde ich die Idee ziemlich toll und begann, das Internet nach Reiseberichten zu durchsuchen. Dieser hier erwies sich als sehr unterhaltsam. Interessant ist außerdem dieser Blog einer Familie, die von Singapur mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach München reist.

Während der große Ventilator das Haus durchpustete, las ich Nachrichten und konnte angesichts des Ergebnisses der Ministerpräsidentschaftswahl in Thüringen nur ungläubig den Kopf schütteln. Allerdings stand dann plötzlich der niedliche und sehr schüchterne orange Kater der Nachbarin in der Küche und ich musste das Telefon weglegen. Wir machten das Haus für die Nacht fertig (Türen und Fensterladen zu, durchfegen, Kakerlake erschlagen, Bett abklopfen, Katzenklos saubermachen, Manfred sein Dosenfutter überreichen, Anti-Mücken-Verdampfer einschalten), dann ging ich duschen, konnte endlich wieder Zahnseide benutzen und plumpste dann sehr müde ins Bett.

Nachtrag: Zum Thema Thüringen ist dieser Artikel ebenfalls lesenswert.