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30. März 2020 – Auf Sparflamme

Zu lange geschlafen, zu spät aufgestanden. Morgenroutine am Vormittag und Frühstück um elf. Passiert. Dann am Rechner gesessen, leichte Kopfschmerzen und zähe Gedanken. Nichts hingekriegt. Passiert. Dafür Erleichterung, weil Nina nicht noch einmal gekotzt hatte (hab ich das gestern erwähnt?), es war wohl wirklich nur ein Haarballen und nicht das Desinfektionsmittel. Seit ihrer Vergiftung sind wir diesbezüglich etwas dünnhäutig. Währenddessen fuhr der Mann einkaufen. In den Supermarkt dürfen nur noch 150 Leute auf einmal rein, sehr vernünftig. Er kam mit einem Rucksack voller Haferflocken, Nudeln und anderen Leckereien wieder und berichtete von gesperrten Dorfstraßen, die die Leute am Wegfahren hindern sollen.

Abwasch gemacht und dem Mann beim Kochen geholfen. Es gab Nudelsuppe und dazu frittierte Kartoffeln und Tempe, genau wie gestern. War halt lecker. Und die Zitronenbrause war auch endlich fertig. Nur vom Ahornsirup merkt man leider nichts.

Abends in Woche 2 meines Onlinekurses gestartet. Meine Hausaufgaben: jeden Abend fünf Dinge aufschreiben, für die ich dankbar bin und eine Sache, die ich an diesem Tag besonders wahrgenommen und genossen habe. Danach Sporthosen angezogen und Yoga gemacht, endlich mal wieder. Versucht, ganz im Moment zu bleiben und jede Bewegung auszukosten. Das hat gut geklappt, ich fühlte mich anschließend weniger träge und hatte gleich einen Punkt für meine Hausaufgaben.

Geduscht, zwei Folgen Lost geguckt, einen Schokoriegel gegessen und dabei einen Kater beschmust, der vor mir auf dem Tisch schlief. Dann mit Hörbuch ins Bett.

27. bis 29. März – Maskenschneiderei und unser Haus ist jetzt desinfiziert

Am Freitag saß ich am Rechner, guckte auf den Bildschirm, schob die Maus herum und kriegte einfach nichts gebacken. Überforderung, keine Konzentration und PMS. Ganz schlechte Mischung. Ich gab auf, machte den Laptop aus und begann, dieser Anleitung folgend Atemmasken aus einem alten T-Shirt zu nähen. Mein Prototyp sitzt auch ohne Nasendraht gut und ich hatte das erleichternde Gefühl, einfach mal etwas Sinnvolles zu tun. Und Hände, die mit Nähen beschäftigt sind, können nicht zum x-ten Mal durch den Facebook-Newsfeed scrollen. Da Elastikband inzwischen ausverkauft ist, häkelte ich lange Schnüre, die die Masken in Position halten sollen. Abends wusch ich den Prototyp probeweise mit kochendem Wasser, was er gut überstand. Yeah!

Samstag war Pausentag. Ich führte die Maskenbastelei weiter, telefonierte mit dem Brüderlein in der Heimat, kochte mit dem Mann Mie goreng, flauschte Herrn Manfred, lag ein bisschen bauchwehend herum, setzte zwei Liter Zitronenbrause an (mit Ahornsirup!) und guckte ziemlich viele Folgen Lost. Abends kam dann eine Nachbarin vorbei und kündigte für Sonntag eine Desinfizierungsaktion der Nachbarschaft an.

Wegen der standen wir am nächsten Morgen schon um sieben auf (überraschende Erkenntnis, dass mir das leichter fiel als gedacht) und bereiteten das Haus vor. Desinfektionsmittel sind generell nicht so toll für Katzen, also trugen wir die Katzenkäfige in die Abstellkammer und sperrten die beiden Miezen darin ein. Das fanden sie gar nicht gut, aber das musste jetzt einfach mal sein. Dann warteten wir auf der Terrasse auf das Sprühkommando. Das bestand aus zwei jungen Typen, die immerhin Masken trugen. Einer ging ins Haus und besprühte Wände, Türen, Fußboden und das Sofa mit irgendwas Chlorhaltigem, der andere verfuhr ebenso mit dem Vorgarten und den Mopeds. Das ging erstaunlich schnell, viel länger dauerte das Warten, bis alles wieder trocken war. Gerade wegen der Katzen, die ihren Unmut lautstark äußerten. Die lieben zwar Chlorgeruch, vor allem Manfred ist da ganz scharf drauf, aber giftig ist das Zeug trotzdem für sie. Also saßen wir draußen, bespaßten den niedlichen Nachbarskater und guckten zu, wie die anderen Häuse desinfiziert wurden. Ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass das viel bringt. Wir hätten auch ablehnen können, aber wenn dann jemand in der Nähe krank wird, sind wir am Ende die Sündenböcke.

Dann gefrühstückt und die Katzen rausgelassen.

Die Brause brauchte etwas länger als sonst, das lag wohl an der kalten Nacht. Interessante Beobachtung: Die Hefen setzen sich in den fünf Ausbeulungen des Flaschenbodens ab, darum schwimmen auf der Oberfläche ebenfalls fünf runde Schaumkronen, die ich anfangs für Schimmel hielt. Durch das ungewohnt frühe Aufstehen fühlte sich der Tag sehr lang an. Wir kochten mit Gemüse aufgepeppte Instantnudeln, dazu Kartoffelspalten und Tempe. Ich wusch Wäsche und putzte das bak mandi.

In einigen Gegenden Indonesiens scheinen manche Einheimische weiße Tourist*innen für die Einschleppung des Coronavirus verantwortlich zu machen – womit sie meiner Meinung nicht ganz unrecht haben. Schließlich konnte es sich auch dank reicher Reisender rasch verbreiten. Klar sind dadurch motivierte Übergriffe zwar scheiße und nicht okay, aber kein Rassismus. Fremdenfeindlich, ja, aber kein Rassismus. Es gibt keinen Rassismus gegen Weiße, schlussausbasta. Alman und Bule sind auch keine rassistischen Beleidigungen wie etwa das N-Wort. Abends beschlossen, dass ich endlich mal dieses Buch lesen muss.

Mit Hörbuch ins Bett.

26. März 2020 – Ein schlechter Tag für Spinnen und Geckos

Trotz spätem Zubettgehen schaffte ich es, gegen neun aufzustehen. Das lag unter anderem an einem nervigen Bauchproblem, na schönen Dank auch. Übliche Morgenroutine, dann Bloggen. Inzwischen wachte der Mann auf, ich machte Porridge, er briet Eier. Wir speisten, während ein ungeduldig fiepender Manfred darauf wartete, dass sein Nassfutter Raumtemperatur annahm. In diesem Punkt ist er kein bisschen lernfähig.

Als ich vor dem Arbeiten noch mal ins Bad ging, griff ich nach der Klobürste und übersah dabei an deren Stiel sitzende Spinne, die leicht angematscht und mit zwei Beinen weniger zu Boden fiel. Das tat mir sehr leid, aber ich sah sie später an der Wand entlang huschen, was mein schlechtes Gewissen beruhigte.

Ich werkelte vor mich hin, heute mit nicht so guter Konzentration. PMS wahrscheinlich.

Zum frühen Abendbrot gab es Reste von gestern. Danach wollten wir zum Zahnarzt. Denn, nachdem ich dreißig Jahre lang für meine naturgesunden Zähne gelobt wurde, ist das scheinbar vorbei und unter der Versiegelung meines einen Backenzahns sitzt Karies. Es tut nicht wirklich weh, nur beim Putzen, aber ich habe Angst, dass es größer wird. Leider haben inzwischen sämtliche Praxen entweder komplett geschlossen oder behandeln nur noch Notfälle. Verständlich, aber auch frustrierend, denn ein Notfall bin ich leider nicht. Allerdings war ich auch ganz froh, dass wir recht schnell wieder zu Hause waren, weil mein Bauchproblem noch nicht besser war. Jetzt muss ich wohl oder übel warten, bis entweder der olle Virus verschwindet oder mein Zahn so schlimm wird, dass ich nicht mehr abgelehnt werde. Kein gutes Gefühl.

Ich setzte mich dann noch mal an den Rechner, um meinen Onlinekurs weiterzumachen. Für diese Woche besteht der hauptsächlich aus Einführungsvideos und einem Quiz, das meine Grundzufriedenheit ermitteln sollte. Leider lud es nicht, weil das Internet so langsam war und ich ging lieber stricken.

Später beim abendlichen Fegen entdeckt, dass ich einen kleinen Gecko mit meinem Schreibtischstuhl überrollt hatte. Beinah geweint, weil es mir so leid tat. Damit habe ich nun zwei auf dem Gewissen, der erste war ein tragischer Unfall mit der Kühlschranktür.

25. März – Abenteuer Supermarkt

Nachdem unser Tagesrhythmus ein bisschen aus dem Lot geraten war, wollte ich nicht wieder erst um zwölf frühstücken und schaffte es tatsächlich, halb neun aufzustehen. Ich ging ins Bad und wollte dann eine Yoga-App ausprobieren, die momentan kostenlos verfügbar ist. Allerdings gefiel sie mir so gar nicht, alles war sehr technisch und hastig. Ich vermisste Adrienes ruhige Art und wie sie „Move, like you love yourself“ sagt und löschte die App wieder. Dann packte ich die saubere Wäsche aus, die der Mann gestern von der Laundry geholt hatte. Leider vermisse ich ein Laken, wir werden nachfragen müssen.

Dann erwachte der Mann und wir machten Frühstück. Dazwischen miepste Manfred herum, weil er gerade wieder Dosenfutter kriegt. Das kommt aber aus dem Kühlschrank und muss erst mal aufwärmen, bevor er es essen darf. Nach dem Frühstück brachen wir zum Einkaufen auf. Die Straßen waren wieder relativ leer, vor allem die Abwesenheit gigantischer, in Schwärmen unterwegs seiender Reisebusse macht sich bemerkbar. Auch der Supermarkt war – zumindest bei unserem Eintreffen – recht wenig besucht. Allerdings hatten sich scheinbar alle Einkaufenden vor dem einen Regal versammelt, in dem alles wichtige zum Kochen steht: Öl, Sojasoße, Gewürzmischungen, Margarine. Ich hatte nicht an meinen Mundschutz gedacht und fühlte mich merkwürdig ungeschützt. Wahrscheinlich war meine Technik, rasch an herumstehenden Leuten vorbeizuhuschen auch nicht die beste, ich werde optimieren.

Mit Shampoo, Öl, Schokolade, Gewürzen, Seife, Zitronen, Nudeln und noch einigem mehr im Einkaufskorb standen wir dann an der Kasse. Dort gibt es auch diese Abstandhalteraufkleber, allerdings nur zwei. Zwei! Ich hielt drei Fliesen Abstand zu unseren Vorderleuten, während die hinter uns Wartenden uns zunehmend auf die Pelle rückten. Die beiden vor uns demonstrierten auch noch mal sehr schön, warum eins im Supermarkt momentan nicht alles anfassen sollte: Sie nahmen verschiedene Sachen aus dem Regal, guckten sie an, stellten sie wieder zurück und fassten sich zwischendurch dauernd ins Gesicht. Worauf eins so achtet in Zeiten von Corona.

Die Rückfahrt fühlte sich dann endgültig apokalyptisch an, weil der Himmel im Norden wirklich rabenschwarz war und auch schon die ersten Tropfen fielen. Zum Glück wohnen wir im Süden und es wurde spürbar heller. Wir kamen genau in dem Moment zu Hause an, als der Regen losging.

Wir packten die Einkäufe aus, der Mann bestand auf deren Besprühen mit Alkohol, dann setzte ich mich an den Computer. Manfred, den Donner fürchtend, ruhte neben mir.

Zum Abendbrot kochte der Mann Nudeln mit weißer Soße und Tomatensoße mit Zucchini drin. Ein Fest! Ich pipelte dann noch mal am Rechner rum, dann fingen wir um zehn an, Harry Potter zu gucken und kamen natürlich wieder mal erst nach Mitternacht ins Bett.

23. & 24. März – Läuse und ein Onlinekurs

Am Montag erwachte ich früh von einem Kater, der erst auf mir herumtrampelte und dann einfach neben mir einschlief. Das war sehr niedlich und so konnte er es natürlich nicht verpassen, als ich später aufstand. Es folgte die übliche Routine aus Katzen füttern, Zähne putzen, anziehen, Katzenklos saubermachen, Porridge kochen. Der Mann fuhr rasch Eier kaufen, während ich Bananen schnippelte.

Dann Computerzeit. So richtig toll war meine Konzentration noch nicht wieder, es ist einfach alles sehr komisch momentan. Muss ich euch ja sicher nicht erzählen. Irgendwann hopste Nina auf meinen Schreibtisch und legte sich auf der Tastatur schlafen. Da sie sich momentan ständig kratzt, nutzte ich die Gelegenheit und untersuchte ihr Fell mit der Taschenlampe. Tatsächlich fand ich winzig kleine schwarze Dinger, die an einzelnen Haaren klebten. Flohdreck war das definitiv nicht. Wahrscheinlich sind es die Nissen von Haarlingen oder Katzenläusen, wobei ich keine Ahnung habe, wo sie sich die eingefangen haben könnten. Und laut Internet treten Katzenläuse eher im Winter auf, das ergibt ja nun gar keinen Sinn. In Manfreds Fell siehts übrigens ähnlich aus, also dürfen sich die beiden schon mal auf ein ausgiebiges Bad freuen. Dafür müssen wir aber auf warmes und sonniges Wetter warten und außerdem neues Babyshampoo kaufen. Ich ziehe ja sogar eine Katzenschur in Betracht, dann trocknen sie schneller.

Übrigens war es den ganzen Tag über kälter als sonst, das machte sich auch in der Brauseproduktion bemerkbar. Bisher dauerte es um die zwölf Stunden, bis die Flaschen das erste Mal aufgebläht waren und nach knapp einem Tag ist die Limo fertig. Dieses Mal brauchten die Hefen auffallend länger.

Dienstag stand ich viel zu spät auf und war den ganzen Tag tranig. Zum Frühstück gab es Porridge mit Kokosmilch und echtem Ahornsirup, sodass die leicht unreifen Bananen kaum in Erscheinung traten. Ich las auch wieder mehr Nachrichten, es ist echt schwer, sich von der ganzen Coronageschichte abzuschirmen. Und dann immer wieder Geschichten von Tourist*innen, die an ihren Urlaubsorten festsitzen und gerettet werden wollen, während Geflüchtete an den Grenzen Europas tatsächlich gestrandet sind. Dazu strömender Regen den ganzen Tag lang. Immerhin beendete ich einen Text und las dann im Lektorierendenchat von einem Onlinekurs namens „The Science of Well-Being“ (Die Wissenschaft des Wohlbefindens), der von der Yale University momentan kostenlos angeboten wird. Den mache ich jetzt und werde berichten, was ich lerne und ob ich tatsächlich die zehn Wochen durchhalte. Zum Abendessen gab es Magelangan, Capcay und dazu die endlich fertige Brause. Allerdings schmeckt sie mit den verwendeten Orangen nicht so dolle. Zitronen und Minze auf die Einkaufsliste gesetzt. Hinterher vernichteten wir noch eine Packung Waffeln und dann schaffte ich es tatsächlich kurz nach Mitternacht ins Bett.