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25. Mai 2020 – Ein Tag so zäh wie Sirup

Heute war ein komischer Tag. Manfred trampelte mich wach, ich stand auf, ging ins Bad, weckte den Mann. Beim Frühstückmachen scheuchte uns eine Töpferwespe vom Herd, die auf der Lampe darüber ihr Nest baute. Ich mag Töpferwespen, sie sind relativ friedlich, bauen coole Nester aus Matsch und kleckern dabei sehr. Das ist mir sympatisch, aber leider über der Kochstelle eher unpraktisch. Wir warteten, bis sie ihren Lehmbatzen abgelegt hatte und kratzten dann das halbfertige Nest mit einem Spachtel weg. Sorry, das musste sein. Ich hoffe, sie findet anderswo einen besseren Platz.

Nach dem Essen saß ich irgendwie müde vorm Rechner, trotz Kaffee. Wirklich voran kam ich nicht, es war heiß, ich hatte Kopfschmerzen, der Ventilator half kaum. Wenigstens schlief Manfred neben mir und verbreitete flauschige Stimmung.

Und plötzlich war es Abendbrotzeit, der Mann hatte Reis und Gemüse gekocht. Hinterher versuchte ich es nochmal mit dem Arbeiten, aber es war vergebene Müh. Also abwaschen, Podcast, zwei Folgen Ozark und dann Bett. Vor dem Hinlegen fand ich noch die erste interessante Hausanzeige in einer der vielen FB-Gruppen, die wir momentan täglich nach Häusern abscannen. Dieses erfüllt viele Wünsche, es scheint recht groß, hat einen Zaun, zwei Zimmer und zwei Bäder, überall Fliesen, genug Land ringsherum und eine große Terrasse. Leider ist es mit 13 Millionen IDR ein bisschen außerhalb unserer Preisklasse (wir wollten höchstens 10 ausgeben), aber der Mann kann gut handeln und wird sich die Sache mal näher ansehen. Ich denke zwar nicht, dass das schon unser Haus wird, aber habe wieder etwas Hoffnung, das wir bis August eine hübsche Butze finden.

23. & 24. Mai 2020 – Freies Wochenende mit Nähmaschinenzeit und einem schönen Sonnenuntergang

Der Samstag war sehr geschäftig. Nach dem Frühstück wandte ich mich meiner To-do-Liste zu und erledigte die folgenden Dinge:

Außerdem kochte ich meine Ruby Cups aus und wusch meine Haarbürste. Die war mir vor der bespiegelten Schranktür heruntergefallen und unter den Schrank gekullert. Als ich sie hervorangelte, war sie von einem grauen Flusenwust umgeben. Und ich pflegte meine viel zu selten benutzte Wildschweinborstenbürste. Der Stiel war etwas schimmlig geworden, ich rieb ihn deshalb mit Essig ein.

Als alle Aufräumarbeiten erledigt waren, baute ich die Nähmaschine auf und werkelte an zwei Masken herum. Dabei freute ich mich besonders darüber, dass mir gerade Nähte zunehmend leichter fallen. Am späten Nachmittag brachte der Mann von seiner Mutter selbst gebackene Kekse in hübscher Verpackung. Ich habe leider kein Foto davon gemacht. Denn heute war der letzte Tag des Ramadhans und damit Vorabend von Idul Fitri, das in Deutschland Zuckerfest heißt. Zu diesem Anlass werden traditionell Kekse gegessen, auch in nicht muslimischen Familien. Wir kosteten ein paar davon, dann bestiegen wir das Motorrad für eine kleine Abendausfahrt. Eigentlich wollten wir gucken, ob der Strand zugänglich ist, aber es wurde dunkel, bevor wir dort ankamen und wir drehten vorher um. Dafür sahen wir einen wirklich spektakulären Sonnenuntergang, den wir vom Straßenrand aus bestaunten und den ich ganz ohne Kamera betrachtete. Eindrucksvoll vor allem die Silhouetten der Bäume und Kokospalmen vor dem roten Himmel.

Auf dem Rückweg kauften wir Magelangan beim gleichen Straßenstand, an dem wir vor sechseinhalb Jahren als frisch verliebtes Paar (auch auf dem Weg zum Strand) zum Essen hielten. Während wir auf unser Bungkus warteten, leistete uns eine hübsche kleine Katze Gesellschaft.

Wieder zu Hause aßen wir und guckten dann zwei Folgen der neuen Staffel Ozark. Nina zeigte erste Anzeichen der Normalisierung. Abends rief sie noch mal laut nach Katern, doch ihr Verhalten war zunehmend ninatypisch. Sehr beruhigend.

Den Sonntag verbrachte ich glücklich an der Nähmaschine. Erst trennte ich eine Maske für den Mann auf, um ein neues Gummiband einzubauen, dann werkelte ich an einem Kissenbezug mit aufgesteppten Batikstreifen. Ich bin meiner Freundin so dankbar, dass sie mir die Nähmaschine ausgeliehen hat, weil ich damit so viel Spaß habe. Ich genieße es, mich ganz aufs Nähen zu konzentrieren, meine Fortschritte zu bemerken und außerdem die vielen neuen Begriffe – in zwei Sprachen – zu lernen. Tatsächlich werde ich etwas schneller, das Bügeln klappt besser und bisher gab es kaum frustrierende Momente. Zum Abendbrot gab es Mie goreng und – nach dem Abwasch – Kekse und Ozark.

Kreatives Chaos.

Detail.

Der fertige Bezug in Aktion.

22. Mai 2020 – Endlich wieder Sonne

Manfred schubste mich morgens aus dem Bett, Nina robbte umher und grölte. Schade, dabei hatte es gestern Abend so ausgesehen, als würde sich die Rolligkeit langsam verabschieden. Ein Blick in den Kalender verriet, dass sie sich letztes Mal nach elf Tagen wieder normalisierte, heute war Tag sechs. Da müssen wir wohl alle noch ein bisschen durchhalten.

Wir frühstückten, dann musste der Mann zu einem Termin. Ich wollte eigentlich nur fix die Brause mit Starter mixen und abfüllen, bevor ich mich an den Rechner setzte. Allerdings war der Mülleimer voll. Als ich den Müll rausbringen wollte, entdeckte ich, dass der Eimer innen voller verpuppter Maden und Ekelkram war, also erst Müll raus, dann Mülleimer waschen, dann Brause abfüllen. Währenddessen hatte ich alle Türen weit geöffnet, es war nach viel Regen der erste sonnige Tag und ich hoffte, die frische Luft würde die Dumpfigkeit aus unserem Haus vertreiben. Draußen brutzelten die Kissen in der Sonne.

Dann endlich Computerzeit, aber ich bekam langsam Kopfschmerzen und kam nicht voran. Irgendwann hatte ich dann genug und hörte einfach auf. Pause.

Zum Abendbrot gabs gekauftes Magelangan, das war ziemlich gut. Hinterher machte ich den Abwasch und pipelte noch ein bisschen in der Küche rum, dann verzog ich mich mit meinem Strickzeug aufs Sofa.

20. & 21. Mai 2020 – Ticketkauf und Katerbesuch

Wie ihr vielleicht schon mitbekommen habt, liebe ich den Podcast Harry Potter and the Sacred Text über alles. Umso mehr freute ich mich darüber, dass es Ende Juli eine Online-Liveshow zu einer für mich passenden Zeit geben wird (und auch eine zu europäischer Zeit, falls ihr mögt). Die richtet sich zwar in erster Linie an Zuhörende in Australien, aber egal. Gleich nach dem Frühstück am Mittwoch kaufte ich mein Ticket. Das zog einen Rattenschwanz aus „Vergessenes Paypal-Passwort aktualisieren“ und „Kreditkarte bei Paypal hinterlegen“ mit sich, aber am Ende hatte ich meine Bestätigungsmail im Postfach und Vorfreude im Herzen.

Dank Nina hängen momentan dauernd Kater auf unserer Terrasse herum, die ich noch nie vorher gesehen habe. Einer ist besonders niedlich und hat ein hohes Stimmchen wie Manfred. Gern würde ich sie alle einfangen und kastrieren lassen, aber einmal geht das wegen Ihr-wisst-schon-was nicht und die meisten scheinen ein Zuhause zu haben und wir wissen nicht, wem sie gehören. Jedenfalls müssen wir beim Rein- und Rausgehen extra aufpassen, das alle Katzen da bleiben, wo sie hingehören.

Ansonsten hatte ich zwei langsame Tage, aber das war auch mal okay. Ich beschmuste Nina, arbeitete ein bisschen, setzte neue Brause an und guckte die ganze neue Staffel Better Call Saul mit dem Mann. Außerdem schaffte ich es, früher ins Bett zu gehen und früher aufzustehen und das tut mir wirklich gut.

19. Mai 2020 – Noisy Nina

Der Tag begann mit Katzengeschrei. Drinnen gröhlte Nina, draußen kloppten sich alle unkastrierten Kater der Nachbarschaft. Manfred suchte währenddessen Zuflucht unter meiner Bettdecke. Nina rückt ihm dauernd auf die Pelle und davon hat er die Nase anscheinend gestrichen voll.

Ich fühlte mich etwas besser als gestern. Vielleicht war das Unwohlsein wirklich nur PMS? Who knows. Wir frühstückten, dann setzte ich mich an den Computer. Heute machte ich langsam, ein bisschen schreiben, ein bisschen ausruhen und zwischendurch einen Keks essen, das war ein gutes Tempo. Mir ist schon bewusst, dass es mit der kompletten Ausruhwoche nichts mehr wird, aber damit kann ich leben. Der Mann fuhr in der Zwischenzeit Essen einkaufen und kochte dann stundenlang Hühnchen für sich und Glasnudeln mit Gemüse für alle.

Das aßen wir dann. Hinterher suchte ich im Internet nach Inspiration für mein nächstes Nähprojekt. Es soll ein Rock werden, aber einen Schnitt, der gut aussieht und anfänger*innentauglich ist, konnte ich noch nicht finden. Macht mir gern Vorschläge 🙂

Irgendwann gab ich auf und machte podcasthörend den Abwasch. Dann fütterte ich den Ginger Bug und entkernte den am Sonntag erworbenen Granatapfel. Der war so lecker, dass ich mich ärgerte, nicht mehrere Früchte gekauft zu haben. Normalerweise sind Granatäpfel hier sehr teuer (obwohl sie hier wachsen, ich hab selbst einen, aber der ist noch zu klein) und Sonntag hatte der Supermarkt sie zum halben Preis im Angebot.

Granatapfelessend guckten wir ein paar Folgen der neuen Staffel Better Call Saul und dann war der Tag auch schon wieder vorbei.