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Steffi

30. Dezember 2019 – Rückblick auf ein Jahrzehnt

2009 war ich zwanzig, einundzwanzig Jahre alt und Bachelorstudentin in Dresden. Jetzt, zehn Jahre später wohne ich in Indonesien, bin verheiratet und freiberufliche Texterin. Und was ist in der Zwischenzeit passiert?

Zunächst einmal bin ich dauernd umgezogen. Innerhalb Dresdens, nach Halle, zurück nach Dresden, dann nach Indonesien, dann dort mit dem Mann zusammen, dann zurück nach Magdeburg, dann innerhalb Magdeburgs, dann zurück nach Jogja und dann in unser heutiges Haus nach Kasongan. Macht neun Umzüge insgesamt, fast einer pro Jahr. Und mindestens einer steht nächstes Jahr an, weil wir wahrscheinlich unseren Mietverträg nicht verlängern können.

Ich habe eine Bachorarbeit, eine Masterarbeit und eine Fülle an Auftragstexten geschrieben und dabei so viel gelernt. Ich habe als Gärtnerin im Leipziger Zoo gearbeitet und auf der Erdbeerfarm. Nach Indonesien kam ich mit der Hoffnung, eine Doktorandenstelle oder einen Job bei einer NGO zu finden. Aus beidem wurde nichts. Ich gab meinen Plan von einer Arbeit als Pflanzenzüchterin langsam aber sicher auf. Das ging nicht ohne Trauer, Zweifel und Tränen. Und erst mein jetziges Lektorieren konnte mich mit dem Gedanken versöhnen, dass mein Studium nicht komplett umsonst war.

Ich habe eine schwere Trennung überlebt, mich neu und vollkommen ungeplant verliebt, geheiratet. Freund*innen kamen und gingen. Es gab Partys und Kuchendates, überraschendes Wiedersehen nach Jahren ohne Kontakt. Und es gibt liebe Menschen, die mich aus der Ferne begleiten und von denen ich weiß, dass sie da sind, egal wie häufig oder selten wir voneinander hören. Dafür bin ich sehr dankbar.

Ich war unterwegs: Allein in Paris und beinah allein in Barcelona und dann natürlich in Indonesien, ein, zwei, dreimal vor dem Umzug. Dreimal in Singapur zum Visa Run und dann begannen die umgekehrten Reisen nach Deutschland. Von Magdeburg aus waren wir in Bayern und Thüringen und Berlin, zur Hochzeit in Dänemark. Vielleicht mein persönliches Highlight war der Besuch in diesem Jahr, als wir mit dem Zug Deutschland beinah vom Süden bis in den Norden bereisten.

Vieles ist passiert im letzten Jahr und den Jahren davor. Und ich bin so gespannt auf das, was kommen wird. Guten Rutsch, ihr Lieben!

29. Dezember 2019 – Bad putzen mit Schreck

Der Tag begann mit einer kleinen Jagdaktion um halb drei Uhr morgens: Als ich aufs Klo ging, bemerkte ich, dass die Katzen etwas wild Flatterndes durchs Haus jagten. Ich sperrte sie ein, holte den Mann dazu und gemeinsam fingen wir die riesige Motte ein, die sich irgendwie zu uns verirrt hatte. Und es war ein wirklich riesiges Tier, mit entfalteten Flügeln fast so groß wie meine Hand. Leider habe ich aus Müdigkeitsgründen kein Foto gemacht.
Dann störungs, aber leider nicht mückenfrei bis morgens geschlafen und von einem schmusigen Manfred geweckt worden. Das hat er schon lange nicht mehr gemacht, seit Nina so kuschlig ist, meidet er das Bett nämlich. Ich stand auf und reichte Essen. Anschließend Aufbruch. Erst frühstücken (Soto Lenthok!), dann diverse Sachen einkaufen (für die Katzen gab es Flohmittel und einen neuen Wassernapf), zum Beispiel Motorradkram und Mückenmittel.
Zuhause gabs dann erst mal Kaffee, weil kurioserweise die meisten netten Cafés hier erst nachmittags oder abends aufmachen. Vor zwölf ist es abseits der Touristenstraße beinah unmöglich, einen guten Kaffee zu bekommen. Naja, so konnte ich gleichzeitig mein kleines, seit Jahren im Schrank vor sich hin gammelndes Ledertäschchen einfetten. Mal sehen, ob die Rettung gelingt.
Dann puzzelte der Mann am Moped rum, ich ging das Bad putzen. Das war schon wieder ganz grün, wegen der Algen. Während ich im restlichen Haus nur noch milde Putzmittel, Essig und Soda verwende, brauche ich im Bad noch einen Reiniger auf, der den Inhaltsstoff Benzalkoniumchlorid enthält. Das ist oft in als antibakteriell angepriesenen Putzmitteln drin und für Katzen hochgiftig. Ninas Vergiftung vor einem Jahr kam wahrscheinlich davon, darum nutze ich es nur noch im Bad, weil die Katzen da nicht reindürfen. Übrigens habe ich das auch schon in Deutschland in einem extra Reiniger für Haushalte mit Katzen und Hunden gesehen, also guckt gut aufs Etikett, bevor ihr sowas kauft!
Ich schrubbte jedenfalls den Fußboden, spülte den Schaum weg, aber noch nicht besonders gründlich und ging dann dem Mann was an der Tür helfen. Dann trank ich was, setzte mich kurz vor den Lüfter und ging dann zurück zum Bad – WO NINA GRAD AUS DER OFFENEN TÜR HERAUSKAM. So ein Schock! Die Tür hatte ich völlig vergessen. Ich schnappte mir die protestierende Miez sofort, ja, ihre Füße rochen nach Putzmittel. Mistmistmist. Irgendwie gelang es mir, ihre Füße zu waschen und abzutrocknen, obwohl sie heftig zappelte und quäkte. Egal, das musste jetzt sein. Die nächsten Stunden bewachte ich Nina und hielt nach dem kleinsten Anzeichen einer Vergiftung Ausschau, aber es war alles gut und sie benahm sich wie immer. Mir plumpste ein kleines Gebirge vom Herzen und ich konnte den restlichen Abend, den wir mit Freunden des Mannes und Eis essend verbrachten, genießen. Und als ich schlafen ging, kam Nina mit und schlief auf meiner Hand ein.

Gelesen | Ein tolles Feedback für meine letzte Korrektur 🙂
Gehört | Cryptonomicon beim Putzen, außerdem dieses feine Lied:

28. Dezember 2019 – Filmabend mit Katze

Beim Aufwachen fühlte ich mich wieder besser, der Hals schien ok, nur dieses diffuse Erkältungsgefühl lauerte noch irgendwo. Wir frühstückten Porridge und Spiegelei mit dem fast letzten Gouda drauf. Das war sehr gut und ich war nach dem Aufessen kurz ein bisschen traurig.

So richtig gut konnte ich mich heute noch immer nicht konzentrieren, ob wegen Erkältung oder sich heranpirschendem PMDD, wer weiß das schon. Also legte ich einen ruhigen ein, klickerte ein bisschen mit Manfred, las im Internet herum und war ein wenig faul. Passenderweise regnete es.

Zum Abendbrot gab es das von mir gewünschte Magelangan. Ich habe momentan nämlich einen ungeheuren Appetit auf Kohlenhydrate. Der Mann musste dann zu einem wichtigen Treffen, während ich die Küche aufräumte, dann den Laptop zum Sofa trug und Tschick guckte. Nina schlief dazu auf meiner Hand, Manfred auf dem Tisch hinterm Rechner und es war angenehm kühl. Den Film mochte ich gern, nur die vielen Ableismen (vor allem das S-Wort) verdarben mir den Spaß daran. Dabei ist meine Sprache selbst auch noch lange nicht perfekt und mir rutschen immer wieder ein d*mm oder st*pid heraus.

Gegen Filmende bemerkte ich dann, dass Nina nicht allein war und etwas Kleines, Schwarzes in ihrem Fell zappelte. Ein Floh! Mit Taschenlampe und Kamm begann ich, sie systematisch abzusuchen und entdeckte Flohkrümel und tote Larven, jedoch kein weiteres Krabbeltier. Bei Manfred gab es keinen Hinweis auf blutsaugende Untermieter, dennoch muss morgen Flohmedizin her.

27. Dezember 2019 – Hoodiewetter

Morgens stürmte Nina ins Bett und krähte uns an. Das war sehr niedlich und milderte die Tatsache, dass ich mit Halsschmerzen und allgemeinem Erkältungsgefühl wach wurde. Mist. Dafür hatten meine ausgepflanzten Sonnenblumen die Nacht gut überstanden. Zwar hingen sie etwas schlapp in der Sonne, aber das wird schon.
Für mich gabs eine Vitamintablette und saure Mango in der Hoffnung, sie mögen mich der drohenden Erkältung entwischen lassen. Nichtsdestotrotz gehörte dieser Tag eher zur schlappen Sorte. Arbeiten ging nicht wirklich, also ließ ich mich stattdessen von Nina bekuscheln. Eigentlich hatte ich ja für heute eine kleine Fahrradausfahrt geplant, aber das ließ ich lieber bleiben.

Der Himmel war recht bewölkt, es donnerte und regnete immer mal. Nach dem Abendessen (Reis mit Gemüse und Ei) ging es dann richtig los. Gleichzeitig wurde es so kühl, dass ich in lange Hosen schlüpfte und mich im Hoodie lesend aufs Sofa kuschelte. Das war schön. Zwischendurch kamen ein paar verspätete Laron hereingeflattert, denen Manfred begeistert nachstellte. Einen leichten Anflug von Kuchenappetit bekämpfte ich mit reifen Guaven, von denen leider die Hälfte bereits bewohnt war, ich musste recht viel wegschneiden.

Den Pflanzen gefällt das kühlere Wetter auch. Der Ananassteckling hat schon Haarwurzeln, der Cashewsämling lässt sich noch Zeit und mittlerweile drei Sawos arbeiten sich langsam aus der Erde. Da müssen wir bald viele neue Töpfe kaufen.

Gelesen | Das Paradies der Damen, bin jetzt dank Sofapause zu einem Drittel durch.
Gehört | Cryptonomicon als Hörbuch beim Abwaschen und später zum Einschlafen.

26. Dezember – Helmkauf, Sonnenfinsternis und unerwarteter Sambalappetit

Das Fresspaket ist – bis auf ein Schüsselchen Sambal – restlos verputzt, darum frühstückten wir wieder Porridge und Spiegelei. Danach wagten wir eine kleine Shoppingtour, um mein Weihnachtsgeschenk zu kaufen: einen Fahrradhelm. Wenn ich mich mit meinem Fahrrad hier auf die Straßen wage, fühlt sich mein Kopf immer so furchtbar nackt und ungeschützt an, darum war ich auch schon eine Weile nicht mehr geradelt. Das sollte sich ändern. Bereits im zweiten Laden wurden wir fündig. Der Helm sieht nicht so furchtbar sportlich aus, hat keinen lästigen Sonnenschirm (wozu gibts Sonnenbrillen?), die Polster sind herausnehmbar und es ist ein Markenmodell, das war mir wegen der Sicherheit wichtig. Was sowas hier kostet? 185.000 IDR, das sind momentan nicht ganz zwölf Euro.

Auf dem Rückweg machten wir einen Abstecher zur Schwiegermutti, um ihrer Katze das von der Tierärztin verschriebene Medikament zu verabreichen. Die Miez ist nämlich erkältet und hustet. Aber es geht ihr schon langsam besser. Wir erzählten noch ein bisschen und dabei fiel uns ein, dass ja heute eine ringförmige Sonnenfinsternis ist. Auf Java sollte die Abdeckung zwischen 70 und 80 Prozent betragen und der Peak war genau jetzt. Natürlich war keine Schutzbrille im Haus, also fuhren wir fix heim. Es war tatsächlich etwas dunkler und kühl. Allerdings sahen wir kaum Leute, die das Phänomen beobachteten. Lediglich eine Frau sah mit einer Plastikfolie vor dem Gesicht zum Himmel. Oje. Der Mann setzte mich zu Hause ab, er wollte eh zum Bengkel und sich dort eine Schweißermaske borgen. Ich bastelte nach kurzem Googeln eine Lochkamera und setzte mich damit auf die Terrasse. Das funktionierte erstaunlich gut.

Dann wollte ich arbeiten, aber kam einfach nicht voran. Nach einer Stunde sinnlosen Prokrastinierens machte ich den Laptop wieder aus und ging mein Fahrrad putzen. Vor der Seitentür des Nachbarhauses sammelte ich erneut eine Tüte voller Müll ein, der anscheinend beim Fegen achtlos hinausgekehrt wurde. Ich deponierte meine Fundstücke erneut so, dass die Bewohner*innen sie bei ihrer Heimkehr entdecken werden. Außerdem werkelte ich ein bisschen im Vorgarten, pflanzte die Sonnenblumen aus und begrüßte neben einem Cashewkeimling auch die zarte Spitze einer Surinamkirsche. Dabei sahen mir drei Nachbarskinder zu, die ständig miteinander tuschelten und kicherten. Ich verstand, dass sie mich etwas fragen wollten, aber zu schüchtern waren. Auch auf mein Nachfragen, was sie denn gern wissen wollten, kam keine Antwort. Vielleicht trauen sie sich ja morgen. Der Mann kam MIT REPARIERTEM MOTORRAD heim und wir fuhren direkt weiter, um Nasi uduk zu essen. Für mich gab es gebratene Aubergine und Ei (die Petelieferung traf erst nach unserer Bestellung ein. Nächstes Mal!), außerdem erfasste mich eine ganz neue Lust auf Scharfes und ich bestellte etwas vom sanftesten Sambal, das mir erstaunlich gut schmeckte.

Zum Abend guckten wir ein paar Folgen Lost. Und wie immer kam Nina mit mir ins Bett und schlief später tief und fest. Leider musste ich sie irgendwann auf den Bettvorleger umsiedeln, weil sie ja manchmal undicht ist.

Gelesen | Wie gehabt: Paradies der Damen. Ob ich es schaffe, bevor in neuen Tagen die Leihfrist abläuft?
Gehört | Im Radio beim Frühstückmachen einen Popsong, der mit den Worten „Let me show you my garden“ begann. Sehr vielversprechend, doch der Rest des Liedtextes hatte dann herzlich wenig mit Pflanzen zu tun. Hätte ich diesen Song geschrieben, ginge er ungefähr so: „Let me show you my garden, here are some sunflowers and look the cashew’s growing and thats kapok and that too and have you seen all the fruit on my srikaya and the christmas cactus looks amazing and all the cocor bebek everywhere!“ Aber mich hat ja keine*r gefragt.