Morgens stürmte Nina ins Bett und krähte uns an. Das war sehr niedlich und milderte die Tatsache, dass ich mit Halsschmerzen und allgemeinem Erkältungsgefühl wach wurde. Mist. Dafür hatten meine ausgepflanzten Sonnenblumen die Nacht gut überstanden. Zwar hingen sie etwas schlapp in der Sonne, aber das wird schon. Für mich gabs eine Vitamintablette und saure Mango in der Hoffnung, sie mögen mich der drohenden Erkältung entwischen lassen. Nichtsdestotrotz gehörte dieser Tag eher zur schlappen Sorte. Arbeiten ging nicht wirklich, also ließ ich mich stattdessen von Nina bekuscheln. Eigentlich hatte ich ja für heute eine kleine Fahrradausfahrt geplant, aber das ließ ich lieber bleiben.
Der Himmel war recht bewölkt, es donnerte und regnete immer mal. Nach dem Abendessen (Reis mit Gemüse und Ei) ging es dann richtig los. Gleichzeitig wurde es so kühl, dass ich in lange Hosen schlüpfte und mich im Hoodie lesend aufs Sofa kuschelte. Das war schön. Zwischendurch kamen ein paar verspätete Laron hereingeflattert, denen Manfred begeistert nachstellte. Einen leichten Anflug von Kuchenappetit bekämpfte ich mit reifen Guaven, von denen leider die Hälfte bereits bewohnt war, ich musste recht viel wegschneiden.
Den Pflanzen gefällt das kühlere Wetter auch. Der Ananassteckling hat schon Haarwurzeln, der Cashewsämling lässt sich noch Zeit und mittlerweile drei Sawos arbeiten sich langsam aus der Erde. Da müssen wir bald viele neue Töpfe kaufen.
Gelesen |Das Paradies der Damen, bin jetzt dank Sofapause zu einem Drittel durch. Gehört |Cryptonomicon als Hörbuch beim Abwaschen und später zum Einschlafen.
Das Fresspaket ist – bis auf ein Schüsselchen Sambal – restlos verputzt, darum frühstückten wir wieder Porridge und Spiegelei. Danach wagten wir eine kleine Shoppingtour, um mein Weihnachtsgeschenk zu kaufen: einen Fahrradhelm. Wenn ich mich mit meinem Fahrrad hier auf die Straßen wage, fühlt sich mein Kopf immer so furchtbar nackt und ungeschützt an, darum war ich auch schon eine Weile nicht mehr geradelt. Das sollte sich ändern. Bereits im zweiten Laden wurden wir fündig. Der Helm sieht nicht so furchtbar sportlich aus, hat keinen lästigen Sonnenschirm (wozu gibts Sonnenbrillen?), die Polster sind herausnehmbar und es ist ein Markenmodell, das war mir wegen der Sicherheit wichtig. Was sowas hier kostet? 185.000 IDR, das sind momentan nicht ganz zwölf Euro.
Auf dem Rückweg machten wir einen Abstecher zur Schwiegermutti, um ihrer Katze das von der Tierärztin verschriebene Medikament zu verabreichen. Die Miez ist nämlich erkältet und hustet. Aber es geht ihr schon langsam besser. Wir erzählten noch ein bisschen und dabei fiel uns ein, dass ja heute eine ringförmige Sonnenfinsternis ist. Auf Java sollte die Abdeckung zwischen 70 und 80 Prozent betragen und der Peak war genau jetzt. Natürlich war keine Schutzbrille im Haus, also fuhren wir fix heim. Es war tatsächlich etwas dunkler und kühl. Allerdings sahen wir kaum Leute, die das Phänomen beobachteten. Lediglich eine Frau sah mit einer Plastikfolie vor dem Gesicht zum Himmel. Oje. Der Mann setzte mich zu Hause ab, er wollte eh zum Bengkel und sich dort eine Schweißermaske borgen. Ich bastelte nach kurzem Googeln eine Lochkamera und setzte mich damit auf die Terrasse. Das funktionierte erstaunlich gut.
Dann wollte ich arbeiten, aber kam einfach nicht voran. Nach einer Stunde sinnlosen Prokrastinierens machte ich den Laptop wieder aus und ging mein Fahrrad putzen. Vor der Seitentür des Nachbarhauses sammelte ich erneut eine Tüte voller Müll ein, der anscheinend beim Fegen achtlos hinausgekehrt wurde. Ich deponierte meine Fundstücke erneut so, dass die Bewohner*innen sie bei ihrer Heimkehr entdecken werden. Außerdem werkelte ich ein bisschen im Vorgarten, pflanzte die Sonnenblumen aus und begrüßte neben einem Cashewkeimling auch die zarte Spitze einer Surinamkirsche. Dabei sahen mir drei Nachbarskinder zu, die ständig miteinander tuschelten und kicherten. Ich verstand, dass sie mich etwas fragen wollten, aber zu schüchtern waren. Auch auf mein Nachfragen, was sie denn gern wissen wollten, kam keine Antwort. Vielleicht trauen sie sich ja morgen. Der Mann kam MIT REPARIERTEM MOTORRAD heim und wir fuhren direkt weiter, um Nasi uduk zu essen. Für mich gab es gebratene Aubergine und Ei (die Petelieferung traf erst nach unserer Bestellung ein. Nächstes Mal!), außerdem erfasste mich eine ganz neue Lust auf Scharfes und ich bestellte etwas vom sanftesten Sambal, das mir erstaunlich gut schmeckte.
Zum Abend guckten wir ein paar Folgen Lost. Und wie immer kam Nina mit mir ins Bett und schlief später tief und fest. Leider musste ich sie irgendwann auf den Bettvorleger umsiedeln, weil sie ja manchmal undicht ist.
Gelesen | Wie gehabt: Paradies der Damen. Ob ich es schaffe, bevor in neuen Tagen die Leihfrist abläuft? Gehört | Im Radio beim Frühstückmachen einen Popsong, der mit den Worten „Let me show you my garden“ begann. Sehr vielversprechend, doch der Rest des Liedtextes hatte dann herzlich wenig mit Pflanzen zu tun. Hätte ich diesen Song geschrieben, ginge er ungefähr so: „Let me show you my garden, here are some sunflowers and look the cashew’s growing and thats kapok and that too and have you seen all the fruit on my srikaya and the christmas cactus looks amazing and all the cocor bebek everywhere!“ Aber mich hat ja keine*r gefragt.
Unser Frühstück bestand aus dem üppigen Essenspaket, mit dem wir gestern bedacht worden waren. Der Mann briet noch ein paar Kartoffeln dazu, die passten zu allem und besonders zum Sambal Pete. Danach setzte ich mich an den Rechner, um den aktuellen Auftrag fertigzumachen. Eigentlich ist die Deadline erst am 26., aber früher abgeben ist immer besser. Ich korrigierte vor mich hin, der Mann fuhr sein Motorrad besuchen, das nach wie vor im Bengkel weilt. Zwischendurch zog eine dunkle, grummelnde Wolkenfront auf und es regnete, wenn auch weniger als erwartet. Danach war es schön kühl. Überhaupt war es den ganzen Tag über wolkig und frisch, so dass ich abends gerade mal eine Gießkanne voll Wasser verteilen brauchte – statt normalerweise vier bis fünf. Zum Mittagessen/Abendbrot (wie nennt eins ein Essen, das um 16 Uhr stattfindet?) aßen wir weiter vom Weihnachtsessen, denn der Mann hatte von seiner Mama eine weitere Tupperdose voll Kidneybohnensuppe mitgebracht. Die ist wirklich sehr lecker, aber – eieiei – der Spruch Jedes Böhnchen ein Tönchen ist wahr. Und auch nur auf Deutsch lustig. Kaum waren die Teller leer, holte ich das kleine Tischstativ für ein Videotelefonat mit meiner Familie. Das war sehr schön, auch wenn nach einer Weile die dicke Nina erwachte und ständig ihren flauschigen Hintern in die Kamera hielt. Danach guckte ich noch ein letztes Mal meine Auftragsarbeit durch, schickte sie ab und dann fuhren der Mann und ich los, ihm ein Weihnachtsgeschenk kaufen. Es wurde ein neuer Vaporizer. Auf dem Rückweg befiel mich eine akute Lust auf was Süßes, also kehrten wir mit einem Roti bakar, einem gebratenen und mit Schokolade und Käse gefülltem Toastbrot heim. Das snackte ich (ok, der Mann bekam auch was ab) zu einer Folge Lost. Nach der üblichen Abendzeremonie (Haus fegen, Bett abklopfen, Katzenklos saubermachen, eine Viertelstunde Ballspiel mit Manfred) und einer erfrischenden Dusche legte ich mich hin, um zu lesen. Wieder in Katzengesellschaft. Wenn ich mich bäuchlings hinlege und auf die Ellenbogen aufstütze, kringelt sich Nina in meinen Armen ein. Das ist sehr niedlich und ich kann nebenbei lesen. Und so klang der Abend dann aus.
Gehört | bisschen Pascow, ansonsten nur ekelhaft laute Motorradauspüffe (Auspuffs?) unterwegs. Gelesen | Das Paradies der Damen als Einschlaflektüre. Mit einer schnurrenden Katze im Arm ist das immer so gemütlich, dass ich schon nach wenigen Seiten einschlafe.
Der Tag begann wie auch die letzten beiden heiligen Abende mit einer umfangreichen To-Do-Liste. Zuerst fuhren wir zur Schwiegermutti, weil um zehn Uhr eine Tierärztin deren hustende Katze begutachten sollte. Auf dem Weg kauften wir Nasi kuning zum Frühstück. Der Tierärztinnenbesuch verschob sich um zwei Stunden, also fuhren wir wieder heim, um Kaffee zu trinken. Nachdem der Mann erneut aufgebrochen war, machte ich mich daran, die folgenden Punkte abzuarbeiten:
Katzenklos und die Plastikschalen darunter sauber machen (Manfred zielt äußerst schlecht)
Schlüpper waschen
Haus fegen
Fahrräder entspinnweben
Vorgarten roden
Bak mandi putzen
Es war sehr heiß, darum legt ich viele Trinkpausen vorm Ventilator ein. Die Gartenarbeit verschob ich auf den späten Nachmittag. Mit Soto gestärkt machte ich mich daran, das Vorgartenbäumchen von der alles plattmachenden Winde zu befreien. Dabei litt es leider sehr. Überraschend fand ich mitten im Windendickicht eine bereits blühende Clitoria terneata (ja, die heißt wirklich so). Die rettete ich und pflanzte sie vorübergehend in den Srikaya-Topf. Gemeinsam mit dem Mann kämpfte ich beinah eine Stunde gegen das Unkraut. Darunter fanden wir jede Menge Müll, dessen sich die Nachbar*innen aus ihrer Seitentür heraus entledigt hatten. Da sie über die Feiertage nicht zu Hause sind, habe ich ihre Terrasse damit dekoriert, sorrynotsorry. Danach waren wir schweißgebadet und es wurde Zeit, unter die Dusche zu gehen und sich kirchenfein zu machen. Hier wird sich für den Gottesdienst generell und insbesondere an Feiertagen aufgebrezelt. Ich weiß noch, wie erstaunt der Mann war, dass er in Deutschland einfach im T-Shirt in den Dom gehen darf. Die Kirche liegt auf der Spitze eines mittelhohen Hügels, das Moped hatte ganz schön zu kämpfen. Wie immer wurde der Gottesdienst von Polizei und Mitgliedern der umliegenden islamischen Gemeinden bewacht. Dass dies notwendig ist, fühlt sich merkwürdig an. Hinterher fuhren wir zu Tante und Cousin des Mannes, dort gab es allerhand zu essen: Reis natürlich, dazu Gemüse, Fuyung Hai, Kidneybohnensuppe und das einzige Sambal, das ich gerne esse: mit Pete (Stinkbohnen) drin. Oh, ich mag Pete so gern! Für mich war der Abend etwas getrübt, weil die Tante (oder ihre Haushälterin, ich weiß es nicht genau) Katzen angebunden im Käfig hält und ihr scheinbar vollkommen egal ist, wenn diese sich munter vermehren. Mal abgesehen davon, dass ihnen so eingesperrt kaum eine Wahl bleibt. Unsere Hinweise, die Tiere doch sterilisieren zu lassen (was nicht teuer ist, es gibt NGOs, bei denen das sogar umsonst anbieten), wurden abgetan. Seitdem grübele ich, wie wir konstruktiv helfen können, ohne den Familienfrieden zu zerstören. Gegen Mitternacht kamen wir nach Hause. Die Miezchen warteten schon und schon bald lag ich gemütlich mit Nina und lesend im Bett, während es draußen zu donnern begann.
Gelesen | Das Paradies der Damen, im Gottesdienstliederheftchen (ich verstehe immer mehr, yeah!) Gehört | Chorgesang, ansonsten keine Musik, weil der Rechner heute Pause hatte. Gesehen | Das Wichtigste an Weihnachten (der Dachs <3)
Morgens vom Rauschen des Regens aufgewacht. Das war sehr gemütlich, vor allem, weil Nina sofort kuscheln kam und sich schnurrend in unserer Mitte niederließ.
Frühstück wie immer, dann Lohnarbeit. Trotz Kopfschmerzen viel geschafft. Die Temperatur war angenehm und nicht zu heiß, aber ich saß trotzdem mit freiem Bauch da. Manfred kam ab und zu vorbei, um ein bisschen den Mauszeiger zu beobachten. Er wird schwerer und irgendwie muskulöser, ob es an der abendlichen Spielrunde liegt?
Zum Abendessen hatte der Mann Soto gekocht, ich quetschte zwei vom Nudelessen neulich übrig gebliebene Jeruk* aus und mischte den Saft mit kaltem Wasser für Es Jeruk. Das Süppchen war mit rotem Reis und bei kaltem Wetter besonders lecker. Nach dem Essen werkelte ich noch ein bisschen und machte dann Yoga, diesmal mit viel Dehnung für Hüfte und Oberschenkel. Der Abend klang für mich lesend mit Katzengesellschaft aus.
*Jeruk heißt einfach Zitrusfrucht, ich weiß nicht genau, um welche Art es sich hier handelte. Es war jeden falls weder jeruk bali (Pomelo) noch jeruk nipis (Limone).
Gelesen | Paradies der Damen (es ist so gut, wie ich es in Erinnerung habe) und viel im Duden 9.
Gehört | Abendliches Froschkonzert und den Soundtrack von Game of Thrones rauf und runter.