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6. Januar 2021 – Uterus sagt nein

Tja, das hätte ein produktiver Tag sein können. Ich wachte mit einem Kater auf dem Bauch auf, das ist immer sehr nett. Wir machten Frühstück und aßen es auf, dazu gabs eine neue Folge von Binging with Babish. Bis dahin war alles super, aber nur kurz nachdem ich mich am Schreibtisch niedergelassen hatte, bekam ich Kopfschmerzen und Unterleibskrämpfe, danke für nichts, Uterus. Die Schmerztablette half nur so mittel, also schaffte ich längst nicht alles, was ich mir für heute vorgenommen hatte. Aber das ist auch völlig okay, mein Wert als Mensch hat nichts mit meiner Produktivität zu tun, daran muss ich mich immer wieder erinnern. Dafür schlief Manfred wieder die ganze Zeit neben mir und seufzte ab und zu im Schlaf.

Der Mann kam mit Einkäufen vom Markt nach Hause und kochte uns Abendbrot, für mich gab es auf Wunsch nochmal Nudeln mit Tomatensoße und viel Käse obendrauf. Als ich mich eine Stunde später wieder bewegen konnte, stieg ich auf den Crosstrainer. Auch zwölf Minuten sind noch nicht mal ansatzweise zu viel, ich werde wohl bald auf fünfzehn ausdehnen. Die Bewegung tat ausgesprochen gut und ich war hinterher angenehm verschwitzt. Wie gut, dass wir uns den Crosstrainer gekauft haben, ich vermisse Laufen gehen so sehr und das ist ein ziemlich guter Ersatz dafür.

Nach dem Duschen fuhren wir noch rasch zur Apotheke, weil meine Mefenaminsäure alle war, das ist das einzige Schmerzmittel, das meine Tage einigermaßen erträglich macht. Ich bin es übrigens so leid, von Ärzt*innen nicht ernstgenommen zu werden oder als einzigen Rat „Na dann nehmen Sie doch die Pille“ zu hören, und das geht vielen menstruierenden Leuten so. Es hat echt lange gedauert, dass ich mir erlaubt habe, Schmerzmittel zu nehmen und dieses „da musst du halt durch, stell dich mal nicht so an“ in meinem Kopf auszuschalten. Von daher: danke Pharmaindustrie, für diese großartige Erfindung!

5. Januar 2021 – #wmdedgt 01/21

Wie immer am 5. fragt Frau Brüllen „Was machst du eigentlich den ganzen Tag?“ und das ist doch eine gute Gelegenheit, wieder mit dem Bloggen weiterzumachen.

Also. Davon aufgewacht, dass Manfred auf mir herumtrampelnd Futter forderte. Wieso macht er das immer so extra kuschelig und legt sich nochmal hin und so, wenn er doch eigentlich essen will? Ich verstehe das nicht. Überhaupt war er gestern seeeehr anhänglich. Nachdem ich die letzten Tage auf der Schwelle zum Kranksein war, war heute der erste Tag, an dem ich mich wieder halbwegs fit fühlte.

Zähne putzen, anziehen, Blumen hinterm Haus gießen. Da ist grad nicht so viel zu tun, die meisten Töpfe kriegen beinah jeden Tag Regen ab und die Stecklinge von Schlumbergera und Sanseviera brauchen nur alle paar Tage mal Wasser. Die Minze hab ich jetzt endgültig aufgegeben, anscheinend ist das einfach keine Tropenpflanze und ich hab nicht die Geduld, sie durch andauernde Stecklinge jung zu halten.

Frühstück wie immer, mit vielleicht einer Banane zu viel im Oatmeal. Dann Schreibtischzeit, ich versuchte mich zu konzentrieren, während der Mann herumwuselte und redete, das nervte mich ein bisschen. Als er dann endlich zum Bengkel aufbrach, war meine Konzentration erstmal futsch, das nervte dann noch mehr. Dabei habe ich gerade endlich mal einen wirklich gut geschriebenen Korrekturauftrag, wo ich mal in die Tiefe gehen und Sachen erklären kann, die bei einem schlechten Text die verfassende Person nur überfordern würden. Irgendwann gelang es mir dann aber doch, neben mir schlief der Kater und ich musste ab und zu aufpassen, dass er im Schlaf nicht vom Tisch fiel. Brauche dringend einen größeren Schreibtisch.

Der Mann kam früher als erwartet hungrig heim, wir kochten Pasta mit Fertigsoße zum Abendbrot, drüber streuselte ich viel geriebenen Käse, und zwar echten Käse, nicht dieser verarbeitete Cheddar, der wie ein Stück Seife aussieht und verdächtigerweise niemals schmilzt. Dazu schauten wir The Queen’s Gambit. Nach dem Essen dann gleich noch eine zweite Folge, weil ich noch zu satt fürs Crosstrainern war.

Dann also Sport, nach zwei Tagen Pause ging das erstaunlich gut, so gut, dass ich nach meinen üblichen zehn Minuten noch eine Weile weiterstrampelte, weil die Musik grad so gut war. Und hinterher war ich längst nicht so kaputt und verschwitzt wie bisher, ich werde ab morgen den Timer auf fünfzehn Minuten stellen. Fühlt sich gut an.

(Eben hat sich Manfred auf meine Maus gesetzt und mit seinem Hintern meinen Browser geschlossen, das ist ein ganz schlauer Fuchs.)

Nach dem Duschen noch ein halbes Stündchen zum Mann gesetzt und gestrickt, gerade mache ich aus all meinen Sockenwollresten Restesocken, aber ich habe deren Menge doch etwas überschätzt, also sind manche Streifen halt von einem noch vollen Knäuel, sieht ja hinterher keiner. Ich bin echt etwas stolz drauf, dass ich die Ferse jetzt so gut und vor allem ohne Löcher hinkriege, diesem Youtubevideo sei Dank. Plötzlich war ich dann so müde, dass ich die abendlichen Tätigkeiten auf Klimaanlagenwasser auskippen und Bett abklopfen beschränkte, Zähne putzen ging und mich dann hinlegte. Manfred folgte mir ins Schlafzimmer. Während ich noch meinen Sarong anzog, forderte er vehement Kuschelzeit ein und benutzt dafür das gleiche Miauen, das sonst für Dosenfutter reserviert ist. Er rollte sich dann gleich auf meinen Beinen zusammen. Ich versuchte noch zu lesen (Die Symmetrie der Schneeflocken von Karlabyrinth, es ist sehr gut), aber war schon zu müde und schlief dann zu einem Hörbuch ein.

8. Dezember 2020 – Fleißig

Gestern hatte ich mir vorgenommen, einen Wecker zu stellen, um meinen Tagesablauf besser zu strukturieren. Die Klimaanlage macht nämlich, dass ich morgens nicht aufstehen will, weils im Bett so gemütlich ist. Und das ist in den letzten Wochen ein bisschen außer Kontrolle geraten. Und dann wachte ich sogar eine halbe Stunde vor dem Wecker auf.

Abwaschen (leider, aber mit Lieblingspodcast), Frühstück machen, Frühstück essen. Zwei Scheiben Brot waren noch üblich, dazu gabs die erste Folge der zweiten Staffel von Umbrelly Academy. Gute Serie.

Ich hatte einen neuen und ziemlich umfangreichen Auftrag übernommen und legte gleich nach dem Frühstück motiviert los. Zwischendurch hatte ich ein paar Hänger und musste den Bildschirm anmotzen, hielt aber mein Tagesziel von 3000 Wörtern ein und machte noch einen kleinen Text für einen anderen Kunden fertig, yay. Zur Entspannung katzenangelte ich ein bisschen und dann kam schon der Mann mit Abendessen (Fuyunghai) nach Hause.

Den Abend verbrachten wir mit The Mandalorian und mehr passierte nicht.


Heute wurde eine armenische Familie aus Magdeburg abgeschoben (Link zu Twitter, könnt ihr auch ohne Account lesen), die dort seit 26 Jahren (SECHSUNDZWANZIG!) lebt. Nach Armenien, wo bis vor wenigen Wochen noch Krieg herrschte. Im Winter. Während einer Pandemie. Und damit nicht genug, einer der Polizisten zielte mit seiner Dienstwaffe auf friedlich gegen die Abschiebung protestierende Menschen. Ich bin so wütend. Was ist mit uns passiert? Warum nehmen wir es hin, dass Familien auseinandergerissen und traumatisiert werden? Was für Menschen sind das, die derartige Entscheidungen umsetzen? Und wer trifft diese Entscheidungen und kann danach friedlich schlafen? Mir fehlen die Worte.

7. Dezember 2020 – Regenmontag

Morgens verhagelten mit drei Dinge die Laune: der noch unerledigte Abwasch, ein kotzender Manfred und eine Schlumberga mit Wurzelfäule (beim Antippen fiel sie einfach um, ich zerteilte alle Ästchen und pflanzte sie in die Multitopfpalette, hoffentlich wurzeln wenigstens ein paar an). Ich wusch und putzte, der Mann holte derweil Eier und Bananen fürs Frühstück. Dann endlich aßen wir, neben Oatmeal und Spiegelei gab es auch selbst gebackenes und getoastetes Brot mit Cashewaufstrich. Der schmeckt übrigens wie Turrón, das mein Opa früher manchmal von seinen Kreuzfahrturlauben mitbrachte.

Mit vollem Magen und nach einer Tasse Kaffee war meine Laune wieder besser. Draußen regnete es, ich setzte mich einigermaßen motiviert an den Rechner, neben mir auf seinem Türmchen schlief Manfred. Später Wechsel an den Esstisch, dort fühle ich mich einfach wohler (und wurde von Nina beschmust). Zwischendurch motivierte ich mich mit einem Löffelchen Aufstrich. Gegen sechs machte ich Feierabend, überlegte kurz, ob ich Yoga machen sollte, entschied mich dagegen und katzenangelte mit dem um Aufmerksamkeit heischenden Manfred.

Zum Abendbrot gab es Kwetiau und Pommes, eine erstaunlich gute Kombi. Dazu schauten wir zwei Folgen der neuen Superstore-Staffel, in der die Situation eingebaut wurde: Alle tragen Masken, Kund*innen kaufen sämtliches Klopapier und so weiter. Es fühlt sich sehr komisch an.

Hier in Jogja gibt es nun auch immer mehr Neuinfektionen, die Positivrate der Tests liegt bei über 10 Prozent und Leute berichten von vollen Krankenhäusern. Gleichzeitig wurde ein Konzert mit 300 Besuchenden veranstaltet, um die Moral zu stärken, cool cool cool. Nicht.

Zahnstatus übrigens fast normal. Abends schwillt die Stelle noch ein bisschen an und ich denke dann immer, dass sich da ein Krümel festgesetzt hat. Auch passen meine Zähne wieder aufeinander und ich könnte theoretisch wieder auf beiden Seiten kauen, mach ich aber noch nicht.

4. bis 6. Dezember 2020 – Ameisen-GAU

Ich reduzier das hier mal auf die besonderen Vorkommnisse, die mir noch im Gedächtnis sind, bin schon spät dran. Und zwar in Stichpunkten:

  • Freitag nichts besonderes
  • Samstag krasser Sturm und Regen, Manfred hatte Angst und mir war auch ein bisschen mulmig. Dach aber weiterhin dicht.
  • Auch Samstag: 5 Masken zugeschnitten, Haus gewischt (keine Hausarbeit mehr ohne Kopfhörer!)
  • Sonntag dann der Ameisenüberfall. Der Mann wollte seinen Blutzucker checken, holte das Messgerät aus dem Regal und da quollen ihm Tausende Ameisen entgegen, die es sich in ein paar Kartons im Regal gemütlich gemacht hatten. Das Putzen beschäftigte uns bis zum Nachmittag.
  • Wegen dem Ameisenmassaker traurig gewesen, manchmal ist Menschsein ziemlich scheiße.
  • Ein ganz tolles Telefonat geführt, mich gesehen gefühlt.
  • Auf dem Weg zum Internetcafé in einem kleinen Pecel lele am Straßenrand gegessen und zwei süße Katzen getroffen. Ihnen Trockenfutter kredenzt (wir haben immer welches dabei), daraufhin wich uns der eine, ein runder grau-weißer Kater, nicht mehr von der Seite, irgendwann hing er sogar am Tisch und ließ sich Tempeh-Stückchen in den Mund stecken. So ein Süßi! Und sein respektloses Verhalten zeigt, dass er keine schlimmen Erfahrungen machen musste, die meisten Straßenkatzen, die in Restaurants herumhängen, sind nicht so vertrauensvoll.
  • Als wir losfahren wollten, hüpfte er sogar aufs Moped, spielte mit dem Schlüssel und beschmuste unsere Hände, die ihn runtersetzen wollten. Ach, ich hätte so gern beide mitgenommen, die zweite Miez humpelte nämlich und war ziemlich schwanger. Aber sie sahen wohlgenährt aus, da kümmern sich wohl noch mehr Leute.
  • Kurz vor Ladenschluss noch in einen Supermarkt gehüpft, mit Haferflocken und Cashewaufstrich wieder rausgekommen.
  • Dann im Internetcafé die Festplatte beladen, ich freue mich aus Gründen, die momentan noch nicht ins Blog gehören, besonders auf die dritte Staffel Star Trek Discovery.
  • Wieder zu Hause bettfertig gemacht und dann die erste Folge The Mandalorian geguckt. Der Hype ist gerechtfertigt und überhaupt, BABY YODA!
  • Bett, Nina schlief auf meinem Kopfkissen ein, rutschte dann langsam runter. Irgendwann lagen dann ihre im Traum zuckenden Füße vor meinem Gesicht und das war das letzte, was ich vom Sonntag sah.